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MORTILLERY - Origin Of Extinction

Mortillery - Origin Of ExtinctionAlbum: Origin Of Extinction von MORTILLERY

Tracklist:

01. Battle March
02. No Way Out
03. Cease To Exist
04. Creature Possessor
05. Seen In Death
06. Feed The Fire
07. The Hunter's Liar
08. F.O.A.D.
09. Maniac
10. Sunday Morning Slasher
11. Bonus: Evil Invaders (RAZOR Cover)
12. Bonus: Mad House (ANTHRAX Cover)
13. Bonus: Angel Witch (ANGEL WITCH Cover)

Label: Napalm Records

Vertrieb: Universal

Veröffentlichung: 01.März 2013

Kritik: MORTILLERY sind noch eine recht junge Trash Metalband aus Kanada, die vor zwei Jahren mit ihrem Debütalbum Murder Death Kill für Aufsehen sorgen konnten. Nicht nur, weil Murder Death Kill wie kaum ein anderes Metalalbum zuvor den Stil der 1980er pflegte, sondern weil MORTILLERY untypisch für klassischen Trash Metal mit einer Sängerin und einer Bassistin eine weibliche Note mitbringen können. Das ist ungewöhnlich und zusammen mit dem starken Debüt ist die Band nun bereit für den großen Durchbruch. Erst recht, nachdem die MORTILLERY im März 2012 zu Napalm Records wechselten; einem der führenden Metallabels in Europa. Unter der Schirmherrschaft von Napalm wurde auch das zweite Album Origin Of Extinction aufgenommen, was seit dem 1. März 2013 überall im Handel erhältlich ist.

Das erste Stück hört auf den Titel „Battle March" und sollte wohl als Intro dienen, doch da das Teil gleich einen richtig schick Groove mit schweren Gitarren und kleinen Soloparts abgeht, kann man das Stück durchaus als eigenen kleinen Song interpretieren. Kein Muss, weil hier eine klare Melodie fehlt, doch es macht schon irgendwie Laune auf Origin Of Extinction. Jetzt geht es aber mit „No Way Out" richtig los – und zwar ungewöhnlich ruhig mit sanften E-Gitarren und einem verdammt coolen Solo, während MORTILLERY fast schon verstohlen im Hintergrund ein dickes Gerüst aufbauen, was mit einem Mal zusammenfällt und die den Weg frei gibt für erstklassigen Trash der klassischen Sorte. Der Song ist kein derber Krawall, sondern ein präzise komponierter mit starkem Groove und Headbang-Faktor. Weiter geht es mit dem anfangs noch trägen und soliden „Cease To Exist", was ziemlich rasch an Dynamik und Schnelligkeit gewinnt. Dabei verliert das Stück nie an Kühle, wächst aber an Power und Gewalt. Nur gelegentlich wirken die Drums etwas monoton. „Creature Possessor" klingt wegen den vordergründigen E-Gitarren und der straighten Power weniger an Trash Metal, sondern erinnert an die besten Zeiten von THE OFFSPRING. Doch MORTILLERY nutzen den schnörkellosen und geradlinigen Beat für sich und entfesseln einen kaltblütigen Nackenbrecher mit treffsicheren Tempowechseln. Dagegen ist „Seen In Death" wieder klassischer Trash Metal in Reinkultur mit gorigem Gesang, starken Akkorden und ordentlich Sahne im Sack. Der Song hat ein konstant hohes Tempo, was MORTILLERY bis zum Ende durchziehen. Das Riff von „Feed The Fire" wirkt dagegen ein wenig modernen, wobei man die penetrant sägenden Gitarren auch dem Hardcore zuordnen könnte. Hier zählt vor allem Gewalt und Härte sowie Aggression, die dem Zuhörer regelrecht ins Gesicht geschleudert wird. Gerade der Groove mitten im Stück macht verdammt viel Laune. Bei „The Hunter's Liar" verlassen MORTILLERY ein wenig den Trash Metal und nutzen den etwas angestaubten Sound, um ein Wiedersehen mit der New Wave Of British Heavy Metal zu feiern. Während in den Strophen simpel draufgehauen wird, wird das im Chorus umso deutlicher. Bei „F.O.A.D." kennen die Kanadier jedoch keine Kompromisse und setzen von Anfang bis Ende voll ein durchgehend und auf viel Fuuuuuuuck. Überraschenderweise verwendend Sängerin CARA McCUTCHEN hier teilweise recht femininen Gesang, der sonst kaum auf Origin Of Extinction zur Geltung kommt – und das fügt sich hier auch fabelhaft mit rein. „Maniac" hält sich zunächst noch zurück, wird jedoch immer stärker und stärker aufgebaut – bis nach einem Break die Hölle losbricht. Mit Nackenbrechern haben MORTILLERY reichlich Erfahrung und die nutzen sie bei dem Song auch vollständig aus, weshalb das Teil das Potential zu einer echten Konzertpeitsche hat. Der sanfte Bass von „Sunday Morning Slasher" wiegt den Zuhörer zunächst noch in trügerischer Sicherheit, bevor die Band abermals auf dicken Beat und Schnelligkeit setzt. Daneben gibt es jedoch, wie für MORTILLERY typisch, immer wieder groovige Strophen, in denen auch Melodie wichtig sein.
Eigentlich wäre an dieser Stelle Schluss, doch Käufer der Limited First Edition kommen nun noch in den Genuss drei weiterer Songs, bei denen es ausschließlich um Coverversionen handelt. Den Anfang macht „Evil Invaders", was im Original von RAZOR stammt. Mit „Evil Invaders" beweisen MORTILLERY wie klassisch sie wirklich sind, denn der Song bricht kaum aus dem Kanon von Origin Of Extinction aus und liefert Knackgeräusche und gebrochene Knochen am Stück. Mit „Mad House" von ANTHRAX kommt da schon ein wenig mehr Groove rein und zwingt Sängerin McCUTCHEN weit mehr zu einem femininen Gesang und tatsächlich merkt man hier erst bei diesem Cover, um was es sich eigentlich für eine talentierte Metalsängerin handelt, die neben Gekrächze und Gewalt weit mehr zu bieten hat. Zum Schluss glänzen die Kanadier mit „Angel Witch" der gleichnamigen Band aus England, was MORTILLERY so gut wie gar nicht verändert haben. Gerade dieses Cover ist ein geschickter Schachzug, denn der Song ist durch das Metal-Videospiel Brütal Legend mit JACK BLACK auch einem jungen Publikum im Gedächtnis und den Ohren.
Mortillery - Band Banner 01Klar, MORTILLERY gehören dem klassischen Trash Metal an und verwenden darum auch ein schlichtes Klangbild. Doch zwei Dinge kann man hier durchaus kritisch betrachten. Erstens wirkt der Sound sogar aus der Sicht der 1980er altbacken und mächtig angestaubt und zweitens hat sich gegenüber dem Debüt Murder Death Kill vor zwei Jahren überhaupt Nichts getan! Die Gitarren der beiden Saitenreißer ALEX SCOTT und ALEX GUTIERREZ sind nicht besonders kräftig verzerrt, mit geringem Spektrum und klein an Umfang, weshalb sie quasi ohne die geringsten Probleme von Bassistin MIRANDA GLADEAU eingefangen werden können. Auch der Bass wirkt übrigens vergleichsweise leise, weswegen die Akkorde nur beim Hörer ankommen, sofern sich die sämtliche Saiteninstrumente überschneiden. Immerhin weisen die Drums von KEVIN GAUDET eine ordentliche Amplitude, kurzes Echo und ordentlich Percussion auf. Auch Sängerin CARA McCUTCHEN kann einen guten Eindruck hinterlassen, indem man zwischen dem kraftvollen und kräzigen Metalgesang eine feminine Note noch problemlos heraushören kann und die Vocals dennoch in Mark und Bein fahren. Dabei wird in vereinzelten Stücken deutlich, dass McCUTCHEN neben Gekrächze und der Gewalt noch weit mehr zu bieten hat. Nämlich eine starke Frauenstimme, die hinter den Rasierklingen-Vocals fast verschwindet. Doch damit drängt sich auch gleich die bohrende Frage auf, warum MORTILLERY diesen Vorteil nicht auch zu ihrem eigenen Vorteil nutzen? Entweder lehnen die Kanadier es ab, weil es sich eventuell mit ihrem Stil nicht vereinbaren lassen würde, oder sie trauen sich noch nicht so richtig, den Stimmumfang von McCUTCHEN auszunutzen. Doch genau das ist hier ein Punkt, bei dem es vollends lohnen würde anzusetzen.

Murder Death Kill war 2011 ein durchaus brauchbares Debüt, mit viel Power und unbändiger Energie. Doch genau deswegen waren damals wichtige Träger wie Melodie und Eingängigkeit kaum spürbar, aber ebenso wenig die kompositorische Vielseitigkeit, die den Trash Metal und ganz besonders den klassischen Trash Metal auszeichnet. Mit dem zweiten Album steigen für gewöhnlich auch die Erwartungen, aber denen können MORTILLERY mit Origin Of Extinction nur teilweise gerecht werden. Wie der Vorgänger, so kann auch der Nachfolger mit richtig viel Power und Energie überzeugen, aber dort wo nun die Komposition mehr in den Vordergrund rücken sollte, da verlassen sich MORTILLERY viel mehr auf ihr Rhythmus-Gefühl und den Groove, der in den Strophen verborgen liegt, während in fast allen Songs immer wieder für kurze oder längere Zeit voll auf die Kacke gehauen wird. Das ist zwar gelegentlich ganz in Ordnung, denn gerade die frühen Alben von TESTAMENT oder ANTHRAX geben voll auf die Fresse, aber der große Unterschied zu MORTILLERY liegt darin, dass die Kanadier es vermisst haben ein konkret abwechslungsreiches Album zu schreiben, bei dem nicht jeder Song irgendwo den Knüppel auspackt und mit monotonen Drums jede Hookline tottrommelt. Origin Of Extinction ist somit leider nur geringfügig spielfreudiger, abwechslungsreicher und dynamischer, obwohl gerade solche Stücke wie „No Way Out" zu Beginn des Albums viel mehr Potential im Songwriting offenbaren. Überhaupt entdeckt man in der Sammlung von Origin Of Extinction immer wieder etliche vielversprechende Ansätze, die MORTILLERY noch nicht so ganz verwerten können. Da fehlt also noch so ein kleiner Dreh, ein entscheidender Funke und vor allem ein etwas modernerer Sound, doch mit Origin Of Extinction bewegen sich die kanadischen Trasher definitiv in die richtige Richtung.

Fazit: So ganz will der Knoten bei MORTILLERY noch nicht platzen, denn mit Origin Of Extinction haben die Kanadier zwar ein klassisches und geradliniges Trash Metalalbum am Start, doch greifen sie teilweise die Schwächen ihres Debüts wie Gleichklang und altbackenen Sound wieder auf. Wer endlich mal wieder die Stereoanlage brennen sehen will, der ist mit Origin Of Extinction gut beraten. Wer aber gleichzeitig auch noch Wert auf Melodie und Eingängigkeit setzt, der sollte sich diesem Album ohne allzu hohe Erwartungen nähern. Wir vergeben 6 von 10 Punkten.

Anspieltipps:
No Way Out
Cease To Exist
Seen In Death

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