9MM - Dem Teufel ein Gebet


9MM - Dem Teufel ein GebetAlbum: Dem Teufel ein Gebet von 9MM

Tracklist:

01. Wenn Träume Fliegen
02. Symphonie Des Zorns
03. Der Letzte Engel
04. Kain Vs. Abel
05. 9/ARR
06. Dein Wille Ist Gesetz
07. Feigheit
08. Party Rock N Bier
09. Evil Knievel
10. Sommer
11. Amigos Para Siempre
12. Störtebeker
13. Durstige Männer

Label: Napalm Records

Vertrieb: Edel

Veröffentlichung: 21.10.2011

Review: Im deutschen Metalbereich sind 9MM eines der heißesten Geschosse. Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren geht es immer weiter aufwärts. Schon das Debütalbum Fegerfeuer erregte einiges Aufsehen, doch der absolute Höhepunkt folgte im letzten Jahr mit Champagner, Koks und Nutten in aller Metalmunde sind. Der Longplayer schaffte es direkt auf den 3. Platz der Media Control Charts, zahlreiche Festivals wie etwa Wacken, Rock am Ring & Rock im Park wurden gespielt und mal ganz nebenbei Shows mit solchen Giganten wie ALICE COOPER und MOTÖRHEAD absolviert. Einen Erfolg, den 9MM natürlich nicht nur allzu gern wiederholen, sondern sogar noch ausbauen wollen. Was ist liegt da also näher als mit Dem Teufel ein Gebet gleich mal nachzuladen und noch höhere Ziele anzuvisieren. Ab dem 21. Oktober 2011 ist das neue Album überall im Handel erhältlich, wo Fans von deutschem Metal wieder voll auf ihre Kosten kommen sollten.

 

Genau 13 metallene Kugeln enthält das nachgeladene Magazin von 9MM, von denen „Wenn Träume Fliegen" auch schon der erste Treffer ist. Rhythmische Drums und fieser Bass peitschen schon mal böse voran, bis krätzige E-Gitarren losschlagen und Sänger ROCK ROTTEN losätzt. Der Song ist schnell, hart und geht wegen dem einprägsamen Chorus auch gleich ins Ohr. „Symphonie des Zorns" arbeitet von dem fiesen Gitarrenriff bis hin zum hymnischen Chorus mit viel Aggressivität, weswegen jeder kleine Akkord gleich wie ein elektrischer Schlag wirkt. Weniger aggressiv, aber dafür umso hymnischer und auch witziger ist „Der letzte Engel", bei dem es sich eigentlich um eine fetzige Liebeserklärung an den Rock n Roll handelt. „Kain Vs. Abel" punktet schon in den ersten Sekunden mit einem brachial bösen Heavy Metalriff, aber auch hat es das bissige Bibelstunde in sich, da der Text nahtlos auch auf unsere Zeit übertragbar ist. „9/ARR" vereint in sich Alles, was fetziger Rock ausmacht. Das Song ist hart, kurz, fetzig und den Chorus kann man auch mit 2 Promille auch noch dermaßen leicht mitbrüllen, dass das nächste Festival schon wieder beinahe spürbar wird. Und noch ein Stückchen schneller und eingängiger brennt die Loserhymne „Dein Wille ist Gesetz" aus den Boxen; ein Song der Mut machen soll und dabei ganz schön fetzig abgeht. Mit „Feigheit" drehen 9MM den Spieß und versuchen auf der passiven Seite den Zuhörer mit harten Metalriffs und aggressivem aus der Reserve zu locken; und das funktioniert auch ganz gut. „Party Rock N Bier" ist genau das, wonach es sich anhört: ein treibende Partyhymne mit Bier, Schmackes und kreischenden E-Gitarren und Drumgewitter. Mit „Evil Knievel" zollen die Jungs dem gleichnamigen Stuntman Respekt. Durch einen harten, fetten und schnellen Metalsong. „Sommer" drosselt das Tempo zwar wieder runter, kommt aber genau deswegen viel rhythmischer rüber und geht viel besser in den Nacken und die Ohren. Vor allem der doppeldeutige Text macht hier Laune, da man ihn als schlichte Sommerverehrung oder ironischen Seitenhieb auf das deutsche Proletariat verstehen kann. Auch „Amigos Para Siempre" kann man doppeldeutig auffassen, wenn sich 9MM über den Ballermann lustig machen und trotzdem davon singen, wie schön Saufen sein kann. Schließlich ist der Song auch recht eingängig und bewusst simpel, damit ihn auch umso leichter mitbrüllen kann. „Störtebeker" ist, wie der Titel es auch schon andeutet, ein Song über den deutschen Vitalienbruder. Doch dieses Mal nehmen sich 9MM Zeit für den Song, bauen ihn langsam mit dem dunklen Grollen der See auf, stimmen ein Seemannslied an, bevor mit einem rhythmischen Galopp, einem mittelschnellen Takt und martialischem Text loslegen und dem Zuhörer mal nebenbei den besten Song auf Dem Teufel ein Gebet bescheren; sowohl in textlicher als auch kompositorischer Hinsicht. Zum Abschluss dröhnt mit „Durstige Männer" eine sehr witzige Rocknummer aus den Boxen, die neben versteckter Sozialkritik auch viel Melodie bietet und Dem Teufel ein Gebet ein gutes Amen spendiert.

9MM - Band Banner

9MM spielen auf Dem Teufel ein Gebet mit einem richtig derben, scharfen und harten Sound. Die Gitarren von ROCK ROTTEN und RITCHIE sind richtig hart verzerrt und mit einem so klaren Kontrast versehen, dass jede einzelne Gitarrensaite wie eine Peitsche ins Ohr schlägt. Damit der Hörer auch keine Chance hat auszuweichen besorgt Bassist MAUBI dem Sound noch so einen richtig üblen Drive, mit dem man schon mal ein wuchtig-hartes Klangbild hat. Fehlt nur noch Schlagzeuger ANGEL, der mit seinen Drums ordentlich und meist ziemlich schnell und ohne Rücksicht auf Verluste voranpeitscht. Sänger ROCK ROTTEN kreischt und schreit sich Metal-mäßig die Seele aus dem Leib und ätzt förmlich in das Mikrophon. Etwaige Spielereien wie eine akustische Gitarre oder Keyboards fehlen komplett, so dass auf 9MM gänzlich sehr scharfer, purer Heavy Metalsound zu hören ist.

 

Warum man trotzdem 9MM unbedingt in die Deutschrock-Ecke drängen will, kann ich mir persönlich nur wegen den deutschen Texten erklären. Schon irgendwie cool, wenn die Sprache alleine über die Musikrichtung entscheidet. Wir machen so einen Blödsinn natürlich nicht mit und können hier darum feierlich verkünden, dass 9MM astreinen, mitreissenden, fetzigen und derben Heavy Metal mit der Lizenz zum Arschtreten spielen – nur mit deutschen Texten eben! Sehr schön zu hören nicht nur an dem harten Sound, sondern auch an den fiesen Akkorden, den kurzen, simplen und geradlinigen Riffs und natürlich der Melodik, wo man mehr auf einfache Mitbrüll-Qualitäten setzt und anstatt komplexe Strukturen. Das kommt den Live-Qualitäten der Stücke sehr entgegen, wo man das Bier förmlich fließen hören kann. Bier, Sex, Suff und Rock & Roll gehören zwar auch zum Stammrepertoire von 9MM, jedoch findet sich auf Dem Teufel ein Gebet auch die einen oder anderen sehr doppeldeutigen Texte, die Sozialkritik und sogar satirische Ansätze durchschimmern lassen. Probleme gibt es aber im Tempo des Albums, denn während sich 9MM von Anfang an verdammt schnell den Arsch abrocken, dass es nur so scheppert, drosseln sie in der zweiten Hälfte die Geschwindigkeit ordentlich herunter. Das wirkt sich jedoch ungünstig auf die Abwechslung aus, denn auf diese Weise wirkt Dem Teufel ein Gebet leider einseitig und deckt auf, dass der Longplayer über weite Strecken einen unleugbaren Gleichklang hat. Dabei können 9MM sehr wohl mehr aus sich herausholen, was man auch in der zweiten Albumhälfte gut heraushören kann.

 

Fazit: 9MM spielen auf Dem Teufel ein Gebet mit ihrem Tempo und hartem Metalsound, bei dem kaum ein Auge trocken bleibt. Oft sind die Songs eingängig und die Texte doppeldeutig, aber leider täuscht das nicht darüber hinweg, dass das Album teilweise einseitig ist und es an Abwechslung fehlt. Darum nur 7,5 von 10 Punkten.


Anspieltipps:
Kain Vs Abel
Feigheit
Evil Knievel
Störtebeker

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