Europa Report

Europa - Cover 01Regie: SEBASTIÁN CORDERO
Drehbuch: PHILIP GELATT
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 87 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 24. Oktober 2013

„Verglichen mit dem Wissen, was wir noch entdecken müssen; was zählt da schon unser Leben?"


Seitdem die Menschheit die moderne Astronomie für sich entdeckt hat, solange sucht sie schon nach Leben im Weltall. Dabei müssten wir vielleicht gar nicht so weit ins All hinausblicken, denn geht es nach einem Teil unserer Wissenschaftler dann könnte auch auf dem Jupiter-Mond Europa außerirdisches Leben existieren. Europa ist in etwa so groß wie unser Mond und besitzt eine Hülle aus Eis, die etliche Risse aufweist. Darum vermuten manche Astronomen, dass sich unter der Eisdecke ein Ozean befinden könnte und somit der Nährboden für Leben gegeben ist.
Europa 13Dieses Thema ist auch die Grundlage für den Science-Fiction-Thriller Europa Report von Drehbuchautor PHILIP GELATT (The Bleeding) und Regisseur SEBASTIÁN CORDERO, der jedoch zuletzt mit Rabia – Stille Wut vor allem Langeweile streuen konnte. Weil es sich bei Europa Report aber um eine US-Produktion handelt, kann man hier durchaus mit einem unterhaltsameren Produkt rechnen. Damit der Science-Fiction-Thriller jedoch schon vorab Zuschauer locken kann, wurden die Hautrollen mit bekannten Gesichtern besetzt. So sind in den Hauptrollen der Schwede MICHAEL NYQVIST (Verblendung, Atemlos), der Amerikaner CHRISTIAN CAMARGO (Dexter, The Hurt Locker) und die Rumänin ANAMARIA MARINCA (Die Gräfin) zu sehen. In einer Nebenrolle ist unter anderen auch SHARLTO COPLEY (Elysium, Oldboy, Das A-Team) dabei, der durch den genialen Sci-Fi-Kracher District 9 bekannt geworden ist. Da trifft es sich gut, dass Europa Report ebenfalls im Found-Footage-Stil abgedreht worden ist. Schon am 24. Oktober 2013 wird Europa Report in Deutschland auf Blu Ray & DVD veröffentlicht und in den folgenden Zeilen finden wir heraus, ob die Raumschiffcrew Leben auf Europa gefunden hat.

Europa 11Es sollte die bisher größte Expedition in der Geschichte der Menschheit werden: die Suche nach außerirdischen Leben innerhalb unseres Sonnensystems. Mit dem Raumschiff Europa-One begaben sich sieben Wissenschaftler und Astronauten auf eine 18-monatige Reise durch das Weltall, um den Eismond Europa nahe des Jupiters zu untersuchen. Doch noch mitten auf dem Flug brach der Kontakt zu dem Raumschiff ab, das Schicksal der Crew war ungewiss. Auf der Erde konnte man nur noch Abwarten, ob jemals wieder eine Nachricht von Europa-One eintreffen würde. Kurz bevor man sich an Pläne machte, eine zweite Expedition auszurüsten, erreichte eine große Datenmenge die Erde. Es handelte sich um die gesamten Daten, die Europa-One während ihrer Reise durchs All gemacht hatte. Strahlungswerte, Messdaten, Logbücher und vor allem unzählige Stunden von frischem Videomaterial. Die ganze Menschheit ist natürlich neugierig, was auf den Bändern zu sehen ist, doch die Auswertung und die Zuordnung des Materials war aufwendig und dauerte lange. Aber was die Reise der Europa-One letztendlich ans Licht brachte, hätten sich unsere Wissenschaftler in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Die Erkenntnisse sind von außerordentlicher Bedeutung, doch leider wurden sie teuer erkauft. Die ganze Welt spekulierte nun, was mit der Crew der Europa-One geschehen ist. Sind sie noch am Leben? Sind sie auf dem Rückweg? Oder kamen sie alle ums Leben? Mit diesem Film, dem Europa Report, soll nun ihre Geschichte erstmals nachgezeichnet und die Menschen der Erde über ihr Schicksal aufgeklärt werden.
Europa - Banner 01Europa Report ist in erster Linie ein typischer Found-Footage-Film, der sich in verschiedenen Genres bewegt. Da gehört etwas Spannung ebenso dazu, wie etwas Dramatik. Einen tieferen Sinn, den Europa Report in manchen Szenen beschwören will, kann der Film allerdings nicht erzeugen.
Europa 08Denn bei Europa Report handelt es sich eindeutig um einen Unterhaltungsfilm, der einerseits auf Dramatik und andererseits auf Spannung setzen möchte, wobei er sich jedoch klar von vergleichenbaren Gruselfilmen oder bekannten Werken des Space Horrors distanziert. Die Kamera bleibt stets nüchtern und beobachtet die Crew der Europa-One, während der Zuschauer den aktuellen Stand aus den Gesprächen der Wissenschaftler entnehmen kann. Dabei erinnert einiges an den Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum, ohne dass Europa Report aber dessen Schwere und Trägheit kopiert. Dass heißt im Klartext, dass man von Beginn an keinen Hehl daraus macht außerirdisches Leben finden zu wollen, aber fern jedes philosophischen Ansatzes bleibt Europa Report weitgehend bodenständig und bemüht sich um eine realistische Einschätzung. Zum Beispiel dreht sich Europa Report anfangs noch um das allgemeine Treiben an Bord, um der Crew quasi auch Gesichter zu geben. Wie etwa welcher Charakter welcher Figur auf den Sack geht, den Familienstand oder auch manche Eigenheiten im Verhalten. Darin inbegriffen ist ein natürlicher, wenn auch verhaltene Humor. Schon bald entwickelt sich die Reise der Europa-One aber recht dramatisch, wenn es zu technischen Schwierigkeiten und tragischen Unfällen kommt, die bereits die ersten Crewmitglieder das Leben kosten. Allerdings merkt man hier schon, dass es Regisseur SEBASTIÁN CORDERO weit mehr auf Suspense ankommt, wie noch bei seinem extrem lahmarschigen Vorgänger Rabia. Das schließt natürlich außerirdisches Leben mit ein, alleine schon um die Erwartungen der Zuschauer zu befriedigen, doch CORDERO zögert den entscheidenden Moment bis zum Ende hinaus und legt zumindest Wert auf eine wissenschaftliche Grundlage, was dem bemühten Realismus eines Found-Footage-Films natürlich entgegenkommt.

Europa 10Die wirkliche Spannung entsteht aber weniger durch die Inszenierung, als durch das Skript von PHILIP GELATT, was die technischen Schwierigkeiten einer Weltraumreise hervorhebt und sich vor allem auf die wissenschaftliche Seite konzentriert. Man muss dabei aber beachten, dass innerhalb des Science-Fiction-Rahmens das altbekannte 10-Kleine-Negerlein-Prinzip abläuft, mit dem ein Charakter nach dem anderen systematisch eliminiert wird. Schon ab der Hälfte von Europa Report wird auf diese Weise deutlich, dass kaum eine Figur des Films den Selbigen auch überleben wird. Selbstverständlich kann man sich an dieser Stelle ausrechnen, was für Wesen hier für den einen oder anderen Filmtod verantwortlich sind. Aber auch die Reise an sich birgt Gefahren. Zum Beispiel etwaige Trümmer in der Atmosphäre, die gefährliche Strahlung oder auch schon mal technische Schwierigkeiten, die der Crew das Leben ganz schön schwer machen. Gleichzeitig hat man aber auch gelegentlich das Gefühl, als würde GELATT das technische Unvermögen der NASA schon zu sehr ausreizen. Die Rückschläge, die Defekte und die spezifischen Zerstörungen am Raumschiff wirken einfach zu aufdringlich, um sie als Zufälle abtun zu können. Man könnte fast schon sagen, PHILIP GELATT hat es schon krampfhaft darauf abgesehen, seine Charaktere zu killen, obwohl Europa Report doch ganz andere Motive verfolgt. Andererseits muss man aber auch festhalten, dass dieser Slasher zwischen den Zeilen auch viel zum Unterhaltungslevel von Europa Report beiträgt, denn Regisseur SEBASTIÁN CORDERO konstruiert doch ein recht eintöniges Filmtempo und als Found-Footage-Film ohne Geister, Dämonen oder Zombies hat es Europa Report alleine schon schwer genug, Schockeffekte und Suspense zu verwenden, ohne an Seriosität zu verlieren.

Europa 02Europa Report ist in jeder Sekunde eine lupenreiner Found-Footage-Film, der sich aus gefälschten Dokumentarszenen zusammensetzt. Das heißt, die Kamera bleibt fast durchentwegt statisch und nur selten verwackelt. Darin inbegriffen sind natürlich auch die obligatorischen Bildausfälle sowie der gelegentliche Pixelkrieg, Als Science-Fiction-Film, der sich zu über 90% im Inneren eines Raumschiffes abspielt, konnte Europa Report vollkommen in den Cine Magic Studios in New York City realisiert werden, wo die Europa-One vollständig und in allen Details entstand. Auch optisch erinnert Einiges an den Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum. Zum Beispiel ist das Raumschiff ähnlich konstruiert, indem es künstliche Schwerkraft mittels Rotation erzeugt; auch wenn es hier eine fiese künstliche Intelligenz nicht gibt. Das heißt aber nicht, dass es in Europa Report nicht auch ein paar gute Special Effects geben würde, die man schon auf hohem Niveau ansetzen kann. Der Soundtrack überrascht durch ein komplexes Arrangement, was ebenfalls weit über den üblichen Found-Footage-Durchschnitt hinausgeht.

Europa 06Unter den Schauspielern gibt es Schwierigkeiten direkte Hauptdarsteller auszumachen, denn de facto werden alle Charaktere in Europa Report vom Anfang bis zum Ende gleich behandelt und auch als ebenbürtig betrachtet, ungeachtet ob sie nun früher oder später sterben. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, wer hier sowas wie eine führende Rolle besitzt. Da gibt es durchaus Überraschungen, wie etwa die Rumänin ANAMARIA MARINCA, die hier als Pilotin Rosa außerordentlich viel Zeit und ebenso auch eine Schlüsselrolle spendiert bekommen hat. Andererseits gibt es auch Enttäuschungen wie zum Beispiel SHARLTO COPLEY in der Rolle des Technikers James, der in der Tat nur in wenigen Szenen dabei ist und darin besonders für den zaghaften Humor verantwortlich ist. Einer der gewissen Hauptrollen hat mit dem Techniker Andrei Blok ein äußerst gewissenhafter und allzu besorgter MICHAEL NYQVIST, der sich aber routiniert bis zum Ende durchschlägt. Ähnlich wie CHRISTIAN CAMARGO, der als Dr. Daniel Luxembourg in den meisten Szenen ebenso stets besorgt agiert, jedoch auch mit einem wissenschaftlichen Interesse. Alles in allem bleibt der gesamte Cast aber überzeugend und souverän, auch wenn es der Film selbst nicht immer ist.

Fazit: SEBASTIÁN CORDERO ist mit Europa Report ein akzeptabler Science-Fiction-Film geglückt, der einerseits auf Dramatik und andererseits auf Spannung setzt. Mit einem überzeugenden Cast und hervorragenden Special Effects handelt es sich bei Europa Report um einen überdurchschnittlichen Found-Footage-Film, der jedoch aufgrund des monotonen Tempos und der etwas kontraproduktiven Handlung etwas an Unterhaltung einbüßt. Wir vergeben 6,5 von 10 Punkten.

 

 
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