Tanz der Teufel


Tanz der Teufel - Cover 02Regie: SAM RAIMI
Drehbuch: SAM RAIMI
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 82 Minuten
FSK: Ungeprüft / Beschlagnahmt
Start: 10. Februar 1984

„Auf den ersten Seiten wird vor diesen Dämonen gewarnt. Verfluchte Kreaturen, die zwar lange Zeit ruhen können, aber niemals richtig tot sind. Sie können jederzeit ins Leben zurückgerufen werden, und zwar mit den Beschwörungsformeln, die in diesem Buch stehen. Durch lautes Sprechen dieser Formeln erhalten die Dämonen den Befehl aufzuwachen und sich der Lebenden zu bemächtigen."


Es wirkt schon ein wenig paradox, wenn man sich die Berühmtheit des Horrorklassikers Tanz der Teufel so ansieht. Der Streifen gehört zu bekanntesten und berüchtigtsten Horror- und Splatterfilmen weltweit und besitzt auch in Deutschland einen immensen Kultstatus – obwohl der Film in seiner ungeschnittenen Fassung und sogar in einer zensierten Fassung seit 29 Jahren beschlagnahmt ist! Es muss sich also bei Tanz der Teufel um ein ganz besonderes Stück Horrorkino handeln. Doch dabei handelt es sich weder um einen großen Film noch war anfangs überhaupt geplant, den Film in die Kinos zu bringen.


SPOILER:

Tanz der Teufel 13Die Geschichte von Tanz der Teufel beginnt im Jahr 1978 mit den beiden Teenagern SAM RAIMI und BRUCE CAMPBELL. Sie hatten sich bereits vorher auf der High School kennengelernt und eine starke Freundschaft entwickelt. RAIMI hegte bereits seit frühester Jugend ein großes Interesse am Filmdreh, was er in etlichen Super-8-Filmchen umsetzte. Dabei fungierte er nicht selten als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur in einer Person, aber er zerrte auch seine Bekannten und Freunde vor die Kamera. Ganz besonders CAMPBELL, der in fast allen Filmen als Hauptdarsteller herhalten musste. Meist handelte es sich dabei um zahme Kurzfilme und Sketche mit einer schwarzhumorigen Atmosphäre, bei denen eindeutig der Witz und der Humor im Vordergrund standen. Einer dieser Kurzfilme hieß It`s Murder!, in welchem ein Detektiv versucht den Mord an einem reichen Onkel aufzuklären. Dieser Kurzfilm beinhaltete aber auch eine Spannungsszene, die RAIMI und CAMPBELL auf die Idee brachte einen reinen Horrorfilm zu drehen. Also widmeten sich die beiden „einem ausführlichen Studium" des Genres in zahlreichen Büchern und vor allem Autokinos. Während dieser „Nachforschungen" reifte in RAIMI allerdings nicht nur der Plan einen weiteren Kurzfilm zu drehen, sondern einen vollen Spielfilm, der ihm eine reelle Karriere in der Filmbranche sichern sollte. Damals sicherlich ein Traum, eine Illusion, doch wenn man bedenkt, welchen Stellenwert SAM RAIMI heute als Schöpfer der Spider-Man-Trilogie, dem Kultfilm Darkman, dem Oscar-nominierten Ein einfacher Plan und dem überaus erfolgreichen Märchenfilm Die fantastische Welt von Oz einnimmt, dann gehört SAM RAIMI eindeutig zu den Menschen, die ihren Traum haben Wirklichkeit werden lassen.
Tanz der Teufel 15Dabei darf man allerdings nicht unter den Tisch fallen lassen, dass RAIMI und BRUCE CAMPBELL trotz aller Unerfahrenheit mit Bedacht und Überlegtheit ihr Spielfilmprojekt verfolgten. Auch einen Titel hatte er schon, nämlich Book Of The Dead, doch für einen vollständigen Horrorfilm von diesem Format wurden damals circa 100.000 Dollar benötigt. Eine Summe, die weder für CAMPBELL noch RAIMI jeweils in greifbarer Nähe war. So blieb es zunächst bei der Produktion eines Kurzfilms, aber nur um Produzenten für eine abendfüllende Version dieses Kurzfilms zu locken. Aus eigener Anstrengungen gelang es RAIMI und CAMPBELL circa 1.600 Dollar zusammenzubekommen, mit denen noch im Jahr 1978 quasi das Muster für ihren späteren Splatterschocker realisiert wurde. RAIMI nannte das Projekt Within The Woods und tatsächlich kamen bereits dort alle wichtigen Elemente des späteren Tanz der Teufel vor; vom berühmt-berüchtigten Buch der Toten, der Geschichte zweier Pärchen, Besessenheit durch dämonische Kräfte über das wilde Make-up bis hin zu dem immensen Splatter. Denn RAIMI erschienen die Horrorfilme seiner Zeit schlicht viel zu unblutig, weshalb er von Anfang an einen sehr gewalttätigen und blutigen Film plante. Um die Kosten niedrig zu halten, wurde Within The Woods vollständig mit Hilfe von Bekannten und Freunden gedreht, weshalb BRUCE CAMPBELL schon dort in der Hauptrolle zu sehen war, obwohl er eigentlich viel lieber Komödien drehte. Ebenso mit dabei war ELLEN SANDWEISS (The Dread, My Name Is Bruce, Satan's Playground), die schließlich auch in Book Of The Dead eine der Hauptrollen spielen sollte. Nach den Dreharbeiten unter widrigen Bedingungen und einem kuriosen Schnittverfahren, unternahm SAM RAIMI zaghafte Anstrengungen Within The Woods zu vertreiben. Das war nicht einfach, da RAIMI simpel die Erfahrung abging und er außerdem große Bedenken hegte, dass sein 8mm-Streifen gegenüber den 35mm-Standard besserer Produktionen kaum eine Chance haben könnte.
Tanz der Teufel 20Über Umwege kam RAIMI mit dem Manager eines Kinos in Detroit in Kontakt, die offen und flexibel für junge Filmemacher waren. Zu RAIMIs Überraschung bot der Manager ihm an, Within The Woods vor der mitternächtlichen Aufführung der Rocky Horror Picture Show zu zeigen, der sich in den USA immer noch großer Beliebtheit erfreute. Tatsächlich zeigte sich das Publikum erfreut und nahm Within The Woods wohlwollend auf, weshalb jedes Mitglied von Cast & Crew mit 10 Dollar belohnt wurde. Das Team spendete die gesamte Summe der American Cancer Society, einer Krebsstiftung mit Sitz in New York. Immerhin erhöhte es die Hoffnungen der Filmcrew, endlich weitere Geldgeber zu finden. Mit den positiven Stimmen im Hintergrund wandte sich SAM RAIMI an den befreundeten Anwalt PHIL GILLIS und fragte an, ob er nicht in einen vollen Spielfilm investieren wollte. Within The Woods ließ GILLIS jedoch völlig kalt, stellte aber rechtliche Beratung bereit, sofern RAIMI es gelingen sollte doch noch Investoren zu finden. Da kam ihm die Tatsache äußerst gelegen, dass während der Premiere von Within The Woods spät nachts der Redakteur MICHAEL McWILLIAMS von The Detroit News im Publikum saß und einen äußerst positiven Artikel zu dem knapp 32-minütigem Horrorfilm schrieb. Danach begaben sich SAM RAIMI und BRUCE CAMPBELL auf eine Art inoffizielle Werbetour, bei denen alle möglichen Personen um Investitionen gebeten wurden, die auch nur irgendwie Interesse zeigen könnten. Sogar weit verzweigte Familienmitglieder wurden von den beiden energischen Filmemachern regelrecht angepumpt. Aufgrund ihrer geringen Erfahrung und kaum vorhandender Bekanntheit, zog sich dieser Prozess mehrere Jahre in die Länge, doch am Ende hatten RAIMI und CAMPBELL an die 375.000 Dollar zu Verfügung, mit dem die Produktion von Book Of The Dead endlich anrollen konnte.

Tanz der Teufel - Banner 01Tanz der Teufel 08Als besonders lukrativ erwies sich die Anfrage bei SAM RAIMIs älterem Bruder IVAN RAIMI. Der brachte ihn nämlich mit seinem Zimmergenossen ROBERT TAPERT zusammen, der den Horrorfilm bereitwillig bezuschusste und sich auch dem Drehteam anschloss. Bis heute arbeiten TAPERT und RAIMI oft und eng zusammen. Insgesamt bestand das Team aus lediglich 13 Personen, die sich allesamt aus Menschen im Familien- und Bekanntenkreis von BRUCE CAMPBELL und SAM RAIMI zusammensetzten. Aus diesem Grund mussten alle Teammitglieder auch gleich mehrere Funktionen übernehmen. SAM RAIMI führte nicht nur Regie, sondern bediente auch die Kameras, das Licht, den Ton und war zum Teil auch für das Make-up verantwortlich. BRUCE CAMPBELL war dabei wieder vor der Kamera zu sehen, rührte aber auch unzählige Gallonen von Filmblut an und war für die Inneneinrichtung der Hütte verantwortlich, die nach Drehbuch weitgehend zerlegt und zerstört wird. Insgesamt gab es jedoch keinen Bereich des Filmdrehs, der nicht von allen Crewmitgliedern nicht auch irgendwie mitbetreut wurde. Das Hauptaugenmerk der Crew galt aber den fünf Darstellern, die in Book Of The Dead zu sehen sein sollten. Die Hauptrollen übernahmen – wie eigentlich von Anfang an vorgesehen – BRUCE CAMPBELL und ELLEN SANDWEISS. Komplettiert wurde der Cast nun allerdings von BETSY BAKER, RICHARD DeMANINCOR und THERESA LILLY, die alle schon einmal mit RAIMI gearbeitet hatten. Aber auch SAM RAIMI ist einige Male indirekt zu sehen, genauso wie sein jüngerer Bruder TED RAIMI, der nicht selten als Zombie bzw. Dämon herhalten musste, wenn die Schauspieler mit anderen Arbeiten beschäftigt waren. Überhaupt sind die Dreharbeiten zu Tanz der Teufel wegen zahllosen Pleiten, Pech und Pannen mittlerweile legendär, aber auch berühmt für den Ehrgeiz und den Einfallsreichtum der Filmemacher.

Tanz der Teufel 11BRUCE CAMPBELL bezeichnete die Dreharbeiten im Nachhinein als „Komödie der Fehler" und „12 Wochen freudlosen Drill in Todesqualen". Das begann schon beim Drehort, wo man eigentlich in RAIMIs Heimatstadt Royal Oak in Michigan drehen wollte. Stattdessen aber wurde Book Of The Dead dort kaum unterstützt, weshalb die Crew auf das knapp 1.200 km entfernte Morristown in Tennessee auswich, was für seine weitläufigen Wälder berühmt ist. Immerhin erwies sich die einsame, kleine Hütte mitten in den Wäldern nicht nur als idealer Drehort, sondern sogar als perfekte Lokation, wo die Crew kaum Änderungen vornehmen musste. Aber wegen dieser Abgeschiedenheit musste die gesamte Crew auch in dieser Hütte leben und arbeiten. 13 Personen teilten sich nur wenige Räume, die meist auch noch auf dem Boden schlafen mussten, der zum Teil in Filmblut getränkt war. Es gab weder sanitäre Einrichtungen noch überhaupt elektrisches Licht. Das bedeutet, das Team konnte in den ganzen 12 Wochen nur selten duschen und musste sämtliche Kabel selbst verlegen, um von sich aus für künstliches Licht zu sorgen. Wie man sich denken kann, führte die eingepferchte Situation zu manchen Konflikten und auch zu einigen sehr üblen Streitigkeiten. Als besonderes Ärgernis sollte sich das Filmblut herausstellen, was aus Unmengen Sirup hergestellt wurde. An fast jedem Drehtag wurde der Boden der Hütte mit dem Filmblut eingesaut, was auch hinterher wieder nur unter großen Mühen entfernt werden konnte, da eben Wasser fehlte und Sirup sehr klebrig ist.
Tanz der Teufel 27Doch das war noch längst nicht Alles! Schon am ersten Tag wollten einige Crewmitglieder wichtige Szenen an der Brücke drehen – und gingen prompt in den Wäldern verloren. Erst spät am Abend fanden sie den Weg zurück zur Hütte. Alle Darsteller mussten während der Zombie-Szenen dicke Kontaktlinsen aus Glas tragen, welche die Schauspieler jedoch de facto blind machten. Außerdem waren sie sehr unangenehm zu tragen und es dauerte ganze 15 Minuten die Kontaktlinsen korrekt anzulegen. Fast alle Crewmitglieder des Teams wurden während der Dreharbeiten mehrfach verletzt, weshalb die Crew quasi auch als Sanitäter arbeiten mussten. RAIMI ließ auch weiterdrehen, sobald sich die Akteure vor der Kamera verletzten und wirklich zu bluten begannen. Ganz arg traf es zum einen BETSY BAKER und zum anderen BRUCE CAMPBELL. Als BAKER sich ihre Maske abnehmen wollte, verhakte sich eine der Ösen an ihrem Augenlid und riss es blutig auf. Für das Schlussbild von Book Of The Dead wollte RAIMI, dass der Dämon quasi auf CAMPBELL zurast. Was lag da also näher, als die Kamera mit Hilfe eines Gestelles auf ein Fahrrad zu setzen, mit dem man anschließend den Hügel hinab auf CAMPBELL zufuhr. Die Aufnahme gelang zwar bereits beim ersten Take, doch leider waren die Bremsen des Fahrrades defekt und CAMPBELL wurde ungebremst über den Haufen gefahren. Eine tiefe Schnittverletzung am Kinn war die Folge; gefolgt von einem zerschundenen und blutenden Bein, als CAMPBELL einige Tage später einen Hügel hinab rannte und übel stürzte. RAIMI nahm das zum Anlass und piesackte CAMPBELL während der Dreharbeiten mit einem Stock, weil er fand, dass echte Schmerzen den Terror ihres Films viel besser transportieren konnten.

Tanz der Teufel - Banner 05

Tanz der Teufel 41Als sich diese anstrengenden Dreharbeiten dem Ende zuneigten und der Crew das Material ausging, wurde es so bitterkalt am Set, dass das Team die letzten Einrichtungsgegenstände verbrannte, um sich nachts warm zu halten. Schließlich fanden die Dreharbeiten mitten im Winter statt. Fast alle Crewmitglieder machten sich mit Erkältungen und Erkrankungen nach Hause auf. Als SAM RAIMI und BRUCE CAMPBELL das Material sichteten, bemerkten sie aber zum Teil gewaltige Diskrepanzen zwischen dem Drehbuch und den gedrehten Szenen, weshalb ein Nachdreh von vier Tagen angesetzt wurde. Unter anderem war CAMPBELL in manchen Szenen viel zu blutverschmiert und in anderen Szenen wieder nicht. Als Alternative wurde im heimischen Keller in Michigan jene Szene gedreht, wo Ash aus einem Rohr literweise Blut ins Gesicht spritzt. Mit insgesamt vier Stunden verwertbaren Materials ging es dann in den Schnitt, wobei sich RAIMI an ein Schneidestudio in Detroit wandte. Cutter des Materials war ein gewisser EDNA RUTH PAUL, der aber von keinem Geringeren als JOEL COEN assistiert wurde, der später zusammen mit seinem Bruder ETHAN COEN solche Kultfilme wie Fargo, The Big Lebowski, No Country For Old Men, True Grit und Barton Fink schrieb und inszenierte. JOEL COEN war von der Idee SAM RAIMIs begeistert, mit einem Kurzfilm Investoren für einen vollen Spielfilm zu suchen. Während des Schneidens freundeten sich RAIMI und COEN an und RAIMI war es auch, der COEN half sein Debüt Blood Simple zu inszenieren. JOEL COEN wandte dabei das gleiche Prinzip wie SAM RAIMI an und drehte zuerst einen Trailer, mit dem man einige Produzenten überzeugen konnte.
Tanz der Teufel 05Doch für RAIMI begann nun erst einmal die nächste Phase, seinen Horrorfilm Book Of The Dead einem breiten Publikum näher zu bringen. Zu diesem Zweck mietete man das Redford Theatre in Detroit, was RAIMI zusätzlich noch mit Krankenwagen, Rettungssanitätern und Windmaschinen ausstattete, um eine gruselige Atmosphäre zu zaubern. Mit Hilfe der lokalen Zeitungen erschienen über 1.000 Leute bei der Premiere von Book Of The Dead, die den Film auch äußerst positiv aufnahmen. Mit dieser Erfahrung begann RAIMI mit seinem Film auf eine Art Werbetour zu gehen, um einen Verleih zu finden. Dabei traf er auch den visionären Produzenten und Filmverleiher IRVIN SHAPIRO, der heute noch legendär ist. Er half unter anderem einem GEORGE A. ROMERO auf die Beine, erkannte das Talent eines MARTIN SCORSESE und setzte als Erster großes Vertrauen in die Werke von STANLEY KUBRICK. SHAPIRO war von Book Of The Dead äußerst angetan und entschied sich auch den Film öffentlich zu vertreten, nur fand er den Titel viel zu langweilig. Ein Brainstorming wurde abgehalten und nach kurzem Überlegen entschieden sich RAIMI und SHAPIRO für den Titel The Evil Dead, weil er sich am wenigsten schlecht anhören würde. Gesagt, getan; doch SHAPIRO dachte weit über amerikanische Grenzen hinaus. Denn gewieft wie der alte Haudegen war, riet er RAIMI den Horrorfilm gleich international zu vertreiben, weil man so viel mehr Profit herausholen könnte. Das Geld musste RAIMI zwar wiederum alleine berappen, wofür er die letzten Reste der Produktionskosten zusammenkratzte, doch SHAPIRO half ihm unter der Hand, wo er nur konnte. Wenn es sein musste, auch mit kleinen fiesen Tricks.

Tanz der Teufel 38Unter anderem war SHAPIRO Gründer der renommierten Internationalen Filmfestspiele in Cannes. SHAPIRO nahm RAIMI und The Evil Dead ganz einfach kurzerhand mit und ließ ihn 1982 außerhalb des Wettbewerbs aufführen. Dabei achtete er aber auch gründlich auf das Publikum. Zum Beispiel sorgte er dafür, dass Horrorautor STEPHEN KING in der Aufführung saß, der gerade eben mit seinen Beststellern Shining, The Stand und Carrie und besonders mit deren Verfilmungen zu einem der erfolgreichsten Autoren in den USA aufgestiegen war. KING war von The Evil Dead schlichtweg begeistert und bezeichnete ihn als den grimmigsten Film des Jahres! KING war es auch, der sich in großen Tageszeitungen wie der USA Today und anderen Magazinen für den bluttriefenden Splatterfilm stark machte und unterstütze, wo es nur ging. Unter anderem wurde auch das berühmte Horrormagazin Fangoria auf The Evil Dead aufmerksam und veröffentlichte eine Titelstory zum Film. Dies führte schließlich dazu, dass der Film in Großbritannien endlich einen Verleih an Land ziehen konnte. Nämlich Palace Video, die den Film aber lediglich auf Video vertreiben wollten. Nichts desto trotz war dies für die unerfahrenen Crew von The Evil Dead ein großer Erfolg, der schon bald mit einem Kinoverleih gekrönt wurde. In den USA waren nun nämlich dank der Hilfe KINGs der junge Verleih New Line Cinema auf The Evil Dead neugierig geworden; zumal sich der Verleih auf Horrorfilme spezialisiert hatte. Letztendlich willigten New Line Cinema in den Deal ein und The Evil Dead wurde endlich in den US-Kinos veröffentlicht.

Tanz der Teufel - Banner 06

Tanz der Teufel 35In den USA, muss man ehrlich sagen, war der Erfolg im Kino jedoch bescheiden. Mit 600.000 Dollar an den Kinokassen war The Evil Dead zwar definitiv ein Erfolg, aber dennoch bescheiden, was auf das Brandmal X zurückzuführen ist. Wegen der harten Gewaltszenen und der verstörenden Wirkung des Streifens wurde The Evil Dead so hoch eingestuft, dass er nur in Porno- und Hinterhofkinos laufen konnte. Auf Video allerdings wurde The Evil Dead rasch ein Hit. Der britische Markt machte es vor, wo der Splatterfilm über 100.000 Pfund alleine in der ersten Woche einnehmen konnte. Überhaupt zeigte man sich in Europa viel offener dem Horrorthriller gegenüber. Über 1,8 Millionen Dollar spielte The Evil Dead in Europa ein; entwickelte sich zu einem riesigen Hit! In Italien wurden gar drei lose Fortsetzungen mit dem Titel La Casa gedreht. Doch in fast allen Ländern wurde der Horrorfilm auch äußerst kontrovers aufgenommen, weil sich das Publikum noch niemals zuvor mit solch heftigen und gnadenlos graphischen Splatterszenen konfrontiert sah. In vielen Ländern entbrannten heftige Diskussionen zum Jugendschutz. Blamabel wurde es ab dem Zeitpunkt, als sich Personen einschalteten, die den Film nicht einmal gesehen hatten. Und besonders blamierte sich – wir ahnen es schon – Deutschland. In deutschen Landen startete The Evil Dead am 10. Februar 1984 als Tanz der Teufel, musste aber schon nach wenigen Tagen aus den Kinos genommen werden. Es entbrannte eine Medienhetze gegen Tanz der Teufel, wie sie noch über deutsche Konsumenten hinwegfegte, und vermutlich auch nie wieder hinwegfegen wird. Der Splatterfilm wurde zu einem Hassobjekt degradiert und ein schier endloser Kampf gegen die Zensurwut des deutschen Spießbürgertums nahm seinen Lauf.

Tanz der Teufel 39Eine Altersfreigabe von Tanz der Teufel konnte 1983 ohnehin erst durch die Juristenkommission stattfinden, die den Film als unbedenklich freigaben. Mit der Begründung, die Gewalt richte sich gegen Zombies bzw. Dämonen – nicht gegen Menschen. Doch nur wenige Wochen nach dem Kinostart wurde Tanz der Teufel auf den Index gesetzt, sogar noch im Sommer 1984 beschlagnahmt. Der deutsche Verleih VCL klagte natürlich sofort gegen das Urteil, doch im Februar 1985 bestätigte das Amtsgericht München die Beschlagnahmung. Selbstverständlich ging die Klage in die nächste Instanz, in diesem Falle das Landgericht München, und die Richter zeigten sich auch aufgeschlossener als das Amtsgericht, doch aufgrund der gravierenden Verletzungen der Menschenwürde, wie es in dem Urteil hieß, wurde die Klage erneut abgeschmettert. Das Bundesverfassungsgericht, übrigens die höchste Instanz in Deutschland, musste sich anschließend mit Tanz der Teufel befassen. Und zwar nicht nur mit der ungeschnittenen Kinofassung, sondern auch mit einer leicht zensierten Version, die um circa eine Minute kürzer war und endlich eine FSK 18 bekam, aber trotzdem unter dem Deckmantel des gefürchteten § 131 eingezogen wurde. § 131 behandelt die Verharmlosung bzw. Verherrlichung der Gewalt und verbietet die Verbreitung dieser Medien, zu denen angeblich auch Tanz der Teufel gehört. Erst im Jahr 1992 sprach das Bundesverfassungsgericht ein Machtwort und betonte, dass § 131 nur Gewalt gegen Menschen, nicht aber Zombies abdecken würde. Die Beschlagnahmung ergo endlich aufgehoben. Damit war es möglich, eine zumindest leicht zensierte Fassung des Splatterfilms zu veröffentlichen, in denen 44 Sekunden fehlten. Nun aber schaltete sich die BPjM ein, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, und setzte diese Fassung aus dem Jahr 1993 sofort auf den Index.
Tanz der Teufel 40Auf diese Weise blieb es einige Jahre ruhig, bis Tanz der Teufel kurz nach dem Millenium der Release auf DVD winkte. Zu diesem Zweck gab es gleich zwei Versionen, die beinahe zeitgleich veröffentlicht wurden. Zum Einen die verstümmelte Rumpfversion von KSM, die dermaßen heftig zensiert war, dass für das einstige Schreckgespenst der Jugendschützer sogar eine FSK 16 heraussprang; und zum Anderen die sogenannte Ultimate-Edition von Astro, die den Klassiker vollkommen ungeschnitten und in guter Bildqualität anbot. Doch – wir ahnen es abermals – nicht mal einige Wochen nach der Veröffentlichung wurde diese Uncut-Fassung auf den Index gesetzt und durch das Amtsgericht Berlin-Tiergarten umgehend beschlagnahmt, obwohl das Bundesverfassungsgericht 1992 ein eindeutiges Urteil fällte. Mit dieser Zensurgeschichte, die nun schon ganze 29 Jahre anhält, hat es Deutschland geschafft sich selbst ein einzigartiges Zeugnis des Jugendschutzes auszustellen, was weltweit nicht unbeachtet blieb. Da sollte man sich ebenso wenig über das Kopfschütteln mancher EU-Nationen wundern, wie über das zynische Lächeln deutscher Zuschauer. In Großbritannien, Irland und Finnland ist The Evil Dead ab 18 Jahren freigeben, in Portugal und den Niederlanden ab 16 Jahren, in Norwegen und Schweden dürfen sich bereits 15-Jährige den Film bedenkenlos anschauen und nur in Italien und Frankreich geht es noch jünger, nämlich ab 14 und sogar schon 12 Jahren – und zwar vollkommen ungeschnitten!!! Deutschland ist also das weltweit einzige Land, in dem die unzensierte Fassung immer noch beschlagnahmt ist!!! Darum auch das zynische Lächeln der deutschen Zuschauer, denn Tanz der Teufel hält nun schon fast seit 30 Jahren den zweifelhaften Rekord der meist-raubkopierteste Film im deutschen Sprachraum zu sein. Es erscheint pervers, doch genau der illegale Verbreitungsweg ist dafür verantwortlich, dass der Splatterfilm auch in Deutschland seinen verdienten Ruf als Klassiker des Horrorkinos genießen kann.


Mittlerweile hat sich The Evil Dead als einer der größten Klassiker des Horrorkinos etabliert und momentan könnte das Interesse an dem Kultfilm kaum größer sein, denn auch Tanz der Teufel wurde nun von der leidigen Welle der zahllosen Remakes erfasst. Allerdings wurde die Neuverfilmung mit dem abgewandelten Originaltitel Evil Dead von SAM RAIMI, BRUCE CAMPBELL und ROBERT TAPERT selbst produziert. Knapp 30 Jahre nach ihrem grausigen Original sollen junge Filmemacher den Schock, den Terror und den Splatter für eine junge Generation aufbereiten. Eine ungeheuer schwere Aufgabe, denn Tanz der Teufel scheint in seiner Konsequenz, seiner Blutrünstigkeit und seiner Spannung nahezu unerreichbar. Warum das so ist, das wollen wir in den folgenden Zeilen herausfinden.

Tanz der Teufel 22Ash, seine Schwester Cheryl, seine Freundin Linda und das Pärchen Shelly und Scott bilden eine feste Clique von fünf ganz normalen Studenten. Nach dem anstrengenden Semester wollen die fünf einmal einen ganz abgeschiedenen Urlaub erleben, weshalb sie sich mitten in den Wäldern von Tennessee eine abgelegene Hütte gemietet haben. Nach anfänglichem Gruseln, denn die Hütte ist wirklich unheimlich, fühlen sich die fünf Freunde dank dem ersten Alkohol recht heimelig. Nur Cheryl ist beunruhigt, weil ihr der Ort eine mysteriöse Angst einjagt, die sie sich selbst kaum erklären kann. Aber ihr ist der Ort vollkommen zu Recht unheimlich. Als die Clique nämlich am Abend den gemeinsamen Urlaub feierlich begießen will, springt eine Luke zum Keller auf, den Scott und Ash verängstigt erforschen. Sie finden einen uralten Dolch, ein ebenso altes Buch und einen alten Kassettenrekorder. Neugierig spielen sie das Tonband ab und erfahren von Professor Knowby, der vor ihnen die Hütte mit seiner Frau gemietet hat, um den Dolch und vor allem das Buch zu studieren, was er kürzlich in sumerischen Ruinen fand. Es handelt sich um das Buch der Toten, in dem Rituale festgehalten sind, mit denen man leblose Dämonen zum Leben erwecken kann. Auf dem Tonband befinden sich auch die Formeln, die Scott allein zum Ärger von Cheryl abspielt. Er weiß nämlich, dass Cheryl furchtbare Angst hat, aber Scott selbst glaubt nicht an Geister und Dämonen. Aber er ahnt nicht, was für eine Katastrophe er damit heraufbeschwört. Dass unheimliche Stimmen in der Nacht Cheryl in den Wald locken, ist nur der Auftakt zu einer furchtbaren Nacht voller Tod, Terror und Blutvergießen.

Tanz der Teufel - Banner 03Dass Tanz der Teufel so berühmt ist, hat seine guten Gründe. Kein Film vorher und nachher reizte die Horrortugenden Suspense und Splatter dermaßen aus, wie der unsterbliche Klassiker von SAM RAIMI. So sehr, dass man sogar das übertriebene Getue der Jugendschützer fast nachvollziehen kann.

Tanz der Teufel 25Denn Tanz der Teufel ist wahrlich kein Film für zartbesaitete Zuschauer und Warmduscher! SAM RAIMI setzt in seinem Spielfilmdebüt vollends auf Angst, blanken Terror, Ekeleffekte und eine gnadenlose Schockwirkung, die er gleich in mehreren Ebnen erzeugt. Das funktioniert deshalb so beispiellos gut, weil der Horrorthriller eine konsequent gefährliche und regelrecht bluttriefende Atmosphäre schafft, indem es keine Möglichkeiten zur Flucht gibt. Weder vor sich selbst, den Dämonen noch überhaupt von dem Ort des Geschehens. Ohne lange Einleitung liefert RAIMI schon in den ersten Minuten äußerst unheimliche Szenen, die sich voll und ganz auf die Hütte und die Wälder konzentrieren. Die herbstliche Szenerie wirkt kalt und karg, die Hütte könnte düsterer nicht sein und alleine schon der Nebel gebiert in der Fantasie des Zuschauers die ersten Monster. Wenn die Hängeschaukel unerklärlich gegen die Hütte schlägt, plötzliche Winde über die Leinwand jagen und grausige Geräusche aus dem Wald kommen, dann reicht das vollkommen aus, um eine ungeheuer präsente Gänsehaut zu erzeugen, die sich den ganzen Film nicht ablegen lässt. RAIMI kostet in diesen Szenen die Angst vor dem Unbekannten vollends aus und begibt sich damit auf klassisches Gruselterrain, was der damals gerade 20-jährige Regisseur kaum besser inszenieren konnte. Nämlich mit langen Schatten, Kratzgeräuschen, Knarren und viel Nebel in undurchdringlicher Dunkelheit. Tanz der Teufel lässt bereits in den ersten 15 Minuten nicht den geringsten Zweifel zu, dass hier teuflische Kräfte am Werk sind. Schon am Anfang präsentiert sich Tanz der Teufel also mit einem absolut gruseligen Gefühl in der Magengrube und einem Frösteln im Nacken, was die Basis für den späteren Terror und Wirkung der Grausamkeiten bildet. Denn der Splatterfilm hat seinen verruchten Ruf nicht von ungefähr! Gib also gut Acht, lieber Leser, dass sich der Mond nicht schwarz färbt.

Tanz der Teufel 23SAM RAIMI geht nämlich an dieser Stelle weiter und präsentiert den Wald, die Natur und die ganze Umgebung als direkt bösartige Kraft mit eigener Intelligenz und dem Willen jeden Wanderer gnadenlos zu ermorden. Die Bäume machen in Tanz der Teufel regelrecht Jagd auf die Figuren, wie man es eigentlich nur aus alten und düsteren Märchen kennt. Die Flucht durch den Wald wird so unmöglich, während die schützende Hütte wegen der Dämonen und Zombies immer mehr zu einer Todesfalle wird. Die Gefahr geht hier nicht einfach nur von irgendeinem Tier oder einer Bestie aus, sondern von intelligenten und bösartigen Wesen, die von jedem einzelnen Menschen Besitz ergreifen können. Schweben sie im Raum, kann man ihre Existenz nur durch einen eiskalten Hauch und Bäume erahnen, die diese Dämonen wie Nichts umwerfen können. Bemächtigen sie sich eines Menschen, dann mutiert dieser zu einem aggressiven Wesen und der Charakter der Freundin, der Schwester oder des Freundes wird komplett ausgelöscht. Schlimmer noch, denn diese Wesen trachten den Anderen nach dem Leben und dabei ist ihnen jedes Mittel recht, die Lebenden zu foltern und zu töten. Dass heißt, RAIMI schürt in diesen Momenten nicht nur die Angst vor gewissenlosen und seelenlosen Bestien, sondern auch vor dem eigenen Kontrollverlust. Dabei rückt er auch noch die Möglichkeit in den Vordergrund, dass die Charaktere wissen, welchen Schaden sie den Menschen zufügen und sich genau darüber im Klaren sind, dass sie von ihren eigenen Freunden getötet werden. Man hat hier als Zuschauer also weder Möglichkeiten zur Flucht oder Schutz, dämonische Gefahren lauern in jeder Holzritze und man kann nicht einmal den Personen um sich herum vertrauen. Denn ein Zwinkern reicht und aus einem Freund wird ein Monster, was mit unmenschlicher Freude seine ehemaligen Kameraden bestialisch abschlachten würde, würde man sie nicht selbst mit größtmöglicher Brutalität ausschalten.

Tanz der Teufel 30Wo hierbei schwarzer Humor zu finden sein soll, der oft mit Tanz der Teufel in Verbindung gebracht wird, ist mir persönlich ein Rätsel. Vielleicht liegt das darin, dass RAIMI und CAMPBELL vorher nur Komödien drehten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass The Evil Dead von Anfang an als reinrassiger Schocker ohne jeden Humor geplant war und auch so umgesetzt worden ist. Es gibt zwar hier und da ein paar kleine Ansätze, die man als Ausgangspunkte für ein paar Witze hätte verwerten können, aber anstatt auf Humor setzt RAIMI in seinem Debüt vollends auf Schockeffekte, nerverzerrende Spannung und derben Splatter. Wenn RAIMI seinen Professor über das Tonband mitteilen lässt, dass die einzige Möglichkeit die Wesen aufzuhalten daraus besteht, sie vollständig zu zerstückeln, dann meint er das Ernst! Tanz der Teufel entstand völlig ohne Studiodruck, was es dem Team möglich machte, den Film dermaßen hart und brutal zu gestalten, dass er damals alle anderen Gewaltfilme seiner Zeit problemlos übertreffen konnte. Wo früher abgeblendet wurde, da hält RAIMI drauf und zeigt jedes noch so brutale, ekelhafte Detail. Dazu gehören auch Szenen, wie die kontroverse sowie provokante Vergewaltigungsszene oder wie einem Besessenen die Augen ausgedrückt werden und das Zerstückeln mit einer Axt, was Tanz der Teufel in aller graphischer Deutlichkeit zeigt. Messer und Dolche werden in Leiber gerammt, das Gesicht zerschossen, der Kannibalismus angeschnitten, Köpfe werden abgeschlagen und Gliedmaßen abgehackt. Körperflüssigkeiten und Kunstblut werden Badewannenweise vergossen. Diese Szenen sind in der Tat Nichts für schwache Mägen und zum Teil schockierend realistisch gemacht, wenn die Axt auf den Arm oder das Bein trifft. Da kann man sich sogar bildlich vorstellen, wie den Prüfern weltweit der Kiefer nach unten klappte. Obwohl man die FSK und den deutschen Jugendschutz in den Medien generell äußerst kritisch betrachten kann, ist die ablehnende Haltung wegen dieser extrem harten Szenen sogar nachvollziehbar.
Tanz der Teufel - Banner 04Tanz der Teufel 37Der Einschätzung von BRUCE CAMPBELL nach belief sich das Drehbuch auf lediglich 65 Minuten, was man im fertigen Film durchaus spüren kann, denn die Handlung von Tanz der Teufel ist im Handumdrehen erzählt und kann man auch ebenso schnell zusammenfassen. Aber das heißt nicht, dass der Film seine 85 Minuten Laufzeit nicht auch vollends ausnutzt. So legt Tanz der Teufel schon von Beginn an eine spannende Basis, die RAIMI konsequent ausbaut und erweitert, wobei er sich auch einige Überraschungen nicht nehmen lässt. So rückt RAIMI zunächst die Charaktere Cheryl und Scott in den Fokus, und zwar nacheinander, so dass sich erst nach und nach Ash als die Hauptfigur herausstellt. Doch bis zu diesem Zeitpunkt vergeht über die Hälfte des Splatterfilms, der sich die wichtige Zeit für seine Spannungsbögen herausnimmt und bis zum Ende ausreizt. Gleichermaßen kann man auch nicht unbedingt vorhersehen, welcher Charakter als nächstes von den Dämonen befangen wird und die anderen Figuren darauf reagieren werden. Nicht jeder Zusammenprall ufert gleich in einer blutigen Zerstückelungsorgie aus, sondern der Tanz der Teufel nimmt sich Zeit für seine bluttriefenden Höhepunkte. Jeder Charakter reagiert unterschiedlich. Der Eine denkt an Flucht, der Andere ist gelähmt vor Panik und der Dritte glaubt an einen schlichten Alptraum. Tatsächlich gelingt es RAIMI das Verhalten seiner Figuren vollends plausibel und nüchtern zu erzählen, während er nach und nach einen Terrortornado um sie herum entfesselt. Denn eine immense Hochspannung und übelste Schockeffekte waren RAIMI genauso wichtig, wie ein in sich geschlossener Handlungsrahmen und ein souveränes Finale, was sich einen letzten Schockmoment aufgehoben hat.
Tanz der Teufel 42Die erste Schnittfassung von Tanz der Teufel dauerte exakt 117 Minuten, wurde aber von PAUL, CAMPBELL und RAIMI für zu lang befunden. Aus diesem Grund wurde noch einmal die Schere angesetzt und circa 30 Minuten herausgekürzt, um die Fassung herzustellen, die letztendlich auch zunächst im Kino und auch auf Video vertrieben wurde. Und diese Fassung stellt nach wie vor die allgemein gängige Version des Films dar, wenn man einmal von den zahllosen zensierten Versionen weltweit absieht. Immer wieder liest man nämlich von einem Director's Cut oder einer Extended Version von Tanz der Teufel, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Entgegen der Gerüchteküche existiert nämlich weder ein DC noch wurde die zwei Stunden lange Rohfassung jemals veröffentlicht, obwohl dies immer wieder in diversen Websites behauptet und heiß diskutiert wird. Die Gründe für diese hartnäckigen Gerüchte liegen in zwei illegalen Schnittfassungen, die ausschließlich im Netz zu finden sind. Die jüngsten Blu Ray & DVD-Edition in den USA beinhalteten im Bonusmaterial einige entfallene Szenen, die eine unbekannte Person ohne größere technische Finesse wieder in den Film integrierte und als Bootleg online stellte. Diese Version beläuft sich auf circa 98 Minuten und soll besonders das Verhältnis zwischen Ash und seiner Verlobten näher beleuchten. Die zweite illegale Fassung beläuft sich auf circa 132 Minuten, weil dort simpel der Kurzfilm Within The Woods dem Bootleg vorangeschnitten wurde; mehr aber auch nicht. Es sei hier darum noch einmal und in aller Deutlichkeit betont: es handelt sich um illegale Fassungen, die auch nur im Netz zu finden sind! Es existieren nur die Kinofassung und zensierte Versionen mit niedrigeren Altersfreigaben!
Tanz der Teufel - Banner 02Tanz der Teufel 31Dass Tanz der Teufel heute so berühmt ist, liegt nicht zuletzt auch an der brillianten Inszenierung, für die der gerade 20-Jährige SAM RAIMI sich allerhand einfallen ließ, um so billig wie möglich die bestmögliche Effektivität zu schaffen. So finden in The Evil Dead Unmengen von sogenannten Dutch Angles verwenden; eine schräge Kameraperspektive, mit denen sich eine wesentlich gruseligere Sicht einfangen ließ. Mal von unten, mal von Oben, aber ständig im Close-Up, um das Entsetzen der Schauspieler einzufangen. Weil sich das Team keinen Kamerawagen leisten konnte, was das unwegsame Gelände ohnehin nicht zuließ, wurden stattdessen jede Menge Gestelle rasch konstruiert, mit denen sich die Kamera vor die Brust schnallen ließ. Damit rannten dann RAIMI und CAMPBELL im Wald und im Sumpf auf und ab, um das Blickfeld der körperlosen Dämonen zu simulieren. Überhaupt gab sich das Team größtmögliche Mühe, um Tanz der Teufel so wirkungsvoll wie möglich umzusetzen. Das gilt insbesondere auch für das Make-up und die Splattereffekte, die zwar einfach, aber nicht minder drastisch ausgefallen sind. Bei den Effekten und besonders den künstlichen Gliedmaßen wurde mit viel Gummi gearbeitet, was wesentlich realistischer reagierte und weit mehr Möglichkeiten bot. Aus diesem Grund kommen die Gewaltszenen nicht unerheblich härter und drastischer rüber. Wenn die Axt auf einen Arm oder ein Bein trifft, dann sieht man Knochen, man sieht zerrissenes Fleisch und Adern, aus denen literweise Blut spritzt. Kritisch wird es erst im krönenden Finale von Tanz der Teufel, wo mit einer ausladenden Stop-Motion-Szene und viel Knetgummi gearbeitet worden ist.
Tanz der Teufel 28Cutter JOEL COEN beschrieb diese Szene später als eine der größten Herausforderungen, die er sich jemals bei einem Filmschnitt stellen musste. De Facto war COEN hauptsächlich für den Schnitt dieser einen Szene verantwortlich, während sich EDNA PAUL um den restlichen Film kümmerte. Um den Grusel im Film aber vollends ausreizen zu können, benötigte RAIMI noch zusätzliche Soundeffekte, wie Hack- und Schreigeräusche. CAMPBELL musste während der Schnittphase stundenlang in ein Mikrophon brüllen. Die Hackgeräusche wurden erzeugt, indem man mit einem großen Messer auf ein armes Hühnchen einstach. Zu einem kompletten Film fehlte nun nur noch der richtige Soundtrack, für den RAIMI den Jazz-Gitarristen JOSEPH LoDUCA engagierte. Die Arbeit an einer Filmmusik stellte LoDUCA vor eine völlig neue Herausforderung, die Trotz seiner Unerfahrenheit meisterlich annahm. So hört man fast den ganzen Film über ein äußerst düsteres und dumpfes Keyboard-Grollen, mit dem die Nebelwände in Tanz der Teufel fast massiv werden. Die Spannungsbögen unterstützt LoDUCA mit so hohen Streichern, dass sie fast schon in den Ohren schmerzen, während in den Schockmomenten oft ein einzelner harter Klavierakkord zu hören ist. Der Soundtrack erwies sich für JOE LoDUCA so einflussreich, dass er sich ab dem Jahr 1987 – genauer gesagt ab Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt – ganz dem komponieren von Soundtracks widmete, wobei er RAIMI, CAMPBELL und TAPERT treu blieb. So schrieb er unter anderem die Musik zu den Trashern Moontrap, My Name Is Bruce, aber auch Pakt der Wölfe. Zuletzt arbeitet LoDUCA auch für das Fernsehen und kreierte jeweils die Score zu Leverage und dem Starz-Hit Spartacus, der ebenfalls von ROB TAPERT produziert wird.


Tanz der Teufel 32Obwohl es sich bei den Schauspielern in Tanz der Teufel allesamt um Amateure handelt, merkt man im Film selbst sehr wenig davon. BRUCE CAMPBELL wurde zwar mit seinem Charakter als Ash zu einer absoluten Kultfigur, die mit Motorsäge an Stelle der rechten Hand und Schrotflinte in der linken Hand gegen die Dämonen kämpft; und zwar mit lässigen Einzeilern und fieser Miene – doch dieses Bild gründet sich vollständig auf die beiden Fortsetzungen Tanz der Teufel II und Armee der Finsternis! In Tanz der Teufel ist Ash noch der vorsichtige, schüchterne und angsterfüllte junge Mann, der vergeblich versucht sich gegen den Wahnsinn zu wehren. Gelähmt von Panik und in ständiger Todesangst, übt er nur Gewalt aus, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Ganz anders als RICHARD DeMANINCOR, der die Rolle des Scott übernommen hat. Scott ist der immerfröhliche Saukumpan der Gruppe, der keine Angst vor gar Nichts zu haben scheint, weil er an solchen Schwachsinn wie Hokuspokus nicht glaubt. Doch die Ereignisse in der Hütte belehren ihn eines Besseren und offenbaren auch ganz andere Seiten an dem Charakter. Nämlich eine immense Kaltblütig und eine erhebliche Aggression. ELLEN SANDWEISS spielt Ashs jüngere Schwester Cheryl, die hier die größte Wandlung durchmacht zunächst ist sie noch das verängstigte Mädchen, was auf ihre Umgebung zickig wirkt und später als blutrünstiger Dämon zu einem Gesicht des ganzen Franchise wurde. Neben diesen Drei wird auch BETSY BAKER einige Aufmerksamkeit gewidmet. Sie verkörpert Linda, die Freundin von Ash, und darf sich in ähnlicher Art und Weise austoben, wie ELLEN SANDWEISS. Jedoch weniger gewalttätig, als vielmehr sarkastisch und mit einer diebischen Freude, wenn sie als Dämon die Menschen in ihrer Umgebung quälen und foltern kann. Etwas undankbar erscheint darum sie Rolle von THERESA LILLY, die hier als Scotts Freundin Shelly zu sehen ist. Ihre Dialogszenen sind begrenzt und beschränken sich auf den Anfang und die Mitte des Splatterfilms. Jedoch muss man hervorheben, dass LILLY auch im Fokus einer der schockierendsten Szenen von Tanz der Teufel steht.

Fazit: Nun sind fast 33 Jahre vergangen, seitdem sich damals 13 junge Menschen in die Wälder von Tennessee begaben und mit einem der größten Klassiker zurückkehrten, den das Horrorkino zu bieten hat. Tanz der Teufel erzeugt auf mehreren Ebnen eine nahezu teuflische Hochspannung, die von starken Schockmomenten und zum Teil extrem derben Splatterszenen gekrönt ist. Ein perfekter Soundtrack, ambitionierte Schauspieler und eine raffinierte Inszenierung sorgen für beisspiellosen Terror, der kaum einen Zuschauer kalt lässt. Tanz der Teufel ist simpel ausgedrückt Horror in seiner reinsten Form und die pure Essenz des Schreckens; kaum ein Film vorher oder nachher war schockierender und spannungsreicher. Gegen diese Klasse wirken auch die beiden Fortsetzungen Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt und Armee der Finsternis blass und harmlos und das absolut grottige Remake Evil Dead erst recht, weshalb Tanz der Teufel seine berechtigten 10 von10 Punkten wert ist.