Stirb Langsam - Ein guter Tag zum Sterben

Stirb Langsam 5 - Poster 02Regie: JOHN MOORE
Drehbuch: SKIP WOODS
Medium: Kino
Spielzeit: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 14. Februar 2013

„Na, hast du'n Plan oder sowas?"

„Na ja, ich dachte wir marschieren da einfach rein, ballern Alles über den Haufen und holen Komarov. Old-School eben, so wie du."


Stirb Langsam 5 - 01Die Spielfilme um den rauen Cop John McClane gehören mit zum Besten, was das Actiongenre hergibt! Dem bisherigen TV-Darsteller BRUCE WILLIS (The Expendables 2, Tödliche Nähe, Looper, Das fünfte Element) gelang mit dem grandiosen Stirb Langsam von 1988 der große Durchbruch auf der großen Leinwand und Regisseur JOHN McTIERNAN (Der 13. Krieger, Basic, Jagd auf Roter Oktober) gelang damit gleich nach Predator ein weiterer Meilenstein des Actionkinos. BRUCE WILLIS spielte anschließend in drei Fortsetzungen den New Yorker Polizisten mit dem zweifelhaften Talent am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein und selbstverständlich schlüpt er auch fünften Teil der Reihe in die Rolle von John McClane, um den bösen Menschen dieser Welt in den Arsch zu treten. Dieses Mal zusammen mit seinem Sohn, der von dem aufstrebenden JAI COURTNEY (Spartacus: Blood And Sand) gespielt wird. In weiteren Rollen mit dabei sind der deutsche SEBASTIAN KOCH (Das Leben der Anderen, Black Book, Unknown Identity), das russische Model JULIA SNIGIR in ihrer ersten großen Rolle und COLE HAUSER (Pitch Black, The Hit List, The Cave). Entgegen dem ausdrücklichen Wunsch von BRUCE WILLIS konnten Regisseur LEN WISEMAN (Underworld, Die Mumie) und Drehbuchautor MARK BOMBACK (Godsend, Unstoppable) leider nicht mehr für zurückkehren, da es terminliche Schwierigkeiten mit dem Remake von Total Recall gab. Mit SKIP WOODS (Das A-Team, Thursday, Hitman) hat man jedoch einen erfahrenen Ersatz zumindest beim Skript gefunden. Regie führt nämlich mit JOHN MOORE (Das Omen, Im Fadenkreuz) der Mann, der jüngst mit seiner Videospielverfilmung von Max Payne alles andere als eine glanzvolle Leistung zeigte. Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben wurde jedoch im Gegensatz zu Stirb Langsam 4.0 wieder mit einem R-Rating bedacht, was darauf schließen lässt, dass es hier doch wieder härter zur Sache gehen wird. Ob das so ist und ob auch der fünfte Teil der Actionreihe die Erwartungen erfüllen kann, das erfährt ihr in den folgen Zeilen.

Stirb Langsam 5 - 09Kein Mensch hat so viel Talent dazu zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, wie der abgebrühte Polizist John McClane, der sich aber bisher aus jeder noch so widrigen Situation den Weg freigeschossen hat. Doch der jetzigen Situation steht der erfahrene Cop beinah hilflos gegenüber. Sein Sohn Jack, von dem sich John über die Jahre entfremdet hat, wurde in Moskau wegen Mordes angeklagt. Er soll im Auftrag des politischen Gefangenen Komarov einen Zeugen in einem Nachtclub erschossen haben, weswegen ihm und Komarov gleichzeitig der Prozess gemacht wird. John reist nach Moskau, um seinem Sohn beizustehen. Doch er kommt wegen des immensen Verkehrs zu spät und muss nun draußen warten. Aber wahrscheinlich ist genau das sein Glück und das von Jack, denn einige Gangster sprengen ein Loch in das Gerichtsgebäude und schießen wild um sich. Jack nutzt die Chance und flieht mit Komarov, was allerdings zu seinem Plan als CIA-Agent gehört. John hat von Alldem jedoch keine Ahnung und reagiert wie es ein besorgter Vater von seinem Format nun einmal macht – er klaut das nächstbeste Auto und setzt seinem Sohn und den Gangster nach, um Jack das Leben zu retten. Der Auftakt zu einer aberwitzigen Reise von Moskau nach Tschernobyl, bei dem John und Jack McClane allerhand Gefahren meistern müssen, die sie aber nur zusammen bestehen können. Doch da Jack den sturen Schädel seines Vaters geerbt hat und Komarov doppelte und dreifache Sicherungen für seine Geheimnisse verwendet, ist die Mission alles andere als einfach.
Stirb Langsam 5 - Banner 01Wie auch schon in den vier Vorgängern scheppert es in Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben sehr ordentlich und die Action bläst mit spektaluären Szenen jegliche Konkurrenz hinweg. Doch frei von Schwächen ist der fünfte Film der Actionreihe leider nicht.
Stirb Langsam 5 - 12Was nämlich gelegentlich ein wenig nervt, ist die Tatsache, dass Stirb Langsam 5 manchmal versucht krampfhaft witziger zu sein, als er eigentlich ist. Denn ganz eindeutig standen die beiden Unterhaltungsattribute von Action und Humor hier so überdeutlich im Vordergrund, dass Spannung und ein in sich schlüssiger Handlungsrahmen quasi kaum noch von Belang sind. Das kann funktionieren, wenn man sich auf das nun vollkommen schlichte Popcornniveau des Films einlässt, zuweilen übertreiben es die Filmemacher aber zu sehr und der Humor fällt negativ auf. Zum Beispiel wird die Verfolgungsjagd am Anfang des Films immer wieder mit doofen Sprüchen von John McClane unterbrochen, was hier während der Szene nur aufgesetzt und unnötig wirkt. Denn diese knapp 12 minütige Actionszene wäre ohne den überflüssigen Witz die beste Car-Chasing-Szene der letzten 10 Jahre! Überhaupt lässt es Stirb Langsam 5 wieder so richtig ordentlich krachen und präsentiert sich – den Inhalt nun einmal außer Acht gelassen – als aufwendiger Actionfilm mit superben Schauwerten und spektakulären Sequenzen wie etwa die (fast) grandiose Verfolgungsjagd mitten durch Moskau, brachialen Schießereien und dem feurigen Finale in Tschernobyl. Das R-Rating von Stirb Langsam 5 dürfte allerdings nicht bei jedem Zuschauer auf Gegenliebe stoßen.
Stirb Langsam 5 - 08In Deutschland besitzt der Actionthriller eine FSK 16, wie jeder andere Teil der Reihe auch, egal wie blutig und brutal die Filme sind. Das Problem ist nur, dass zwischen den amerikanischen Ratings PG-13 und R doch eine gewisse Distanz liegt, die nun aber wie schon beim vierten Teil äußerst gering ausfällt. Ich persönlich habe genau drei blutige Stellen gezählt und dazu gehören zwei Kopfschüsse und eine Schlüsselszene, die ich nun nicht spoilern möchte, die aber jeweils innerhalb eines Augenblickes schon wieder aus dem Bild sind. Der Bodycount fällt insgesamt niedriger aus als bei den Vorgängern und nackte Haut gibt es in der gesamte Reihe nicht zu bewundern. Das R-Rating richtet sich darum vor allem nach der Anzahl der Schimpfwörter, die im Amiland zwar immer noch von Brisanz sind, im deutschen Sprachgebrauch aber kaum noch ein großes Echo hervorrufen können. Ohne die Alibi-Schimpfwörter hätte man Stirb Langsam 5 also auch mit einer PG-13 ins Kino bringen können, was im Endeffekt auch ehrlicher gewesen wäre, denn von der Härte seiner ersten drei Teile ist der fünfte Film nun schon ziemlich weit weg. Das R-Rating lässt Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben also härter rüberkommen, als er in Wirklichkeit ist. Oder um es in John McClanes Worten zusammenzufassen: R-Rating am Arsch!

Stirb Langsam 5 - 02Offenbar waren solche Eigenschaften wie eine saubere Storyentwicklung, ein spannungsreicher Aufbau und eine solide Erzählweise beim Schreiben des Drehbuches nicht nur zweitrangig, sondern vollkommen unwichtig. Tatsächlich ist es möglich Stirb Langsam 5 vollkommen auf seine Actionszenen zu reduzieren, denn gelinde gesagt geschieht zwischen den Schauwerten nicht viel. Zum Anfang und gegen Ende hin gibt sich SKIP WOODS noch durchaus Mühe, indem er seinen Actionfilm fast schon ruhig und auch einigermaßen gemächlich einführt und zum Schluss doch noch mit einem typischen Die-Hard-Moment enden lässt. Aber dazwischen passiert inhaltlich so gut wie gar Nix, außer dass sich John und Jack auf witzige Weise frotzeln und auf ihrem Weg allerhand Fahrzeuge und Gebäude explosiv demontieren. Und zwar so sehr, dass hier eine solide Handlung kaum noch zugelassen wird, was die vier Vorgänger aber zu bieten hatten. Nicht umsonst handelt es sich bei Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben um den bislang kürzesten Film der Actionreihe, der nicht einmal mit Abspann 100 Minuten zusammenbekommt. Aufgrund der kurzen Spielzeit und der langen Actionszenen haben es auch die Charaktere schwer glaubwürdig präsentiert zu werden und besonders die Kluft zwischen Jack und John McClane wirkt nicht besonders nachvollziehbar und deren Überbrückung erst recht umso unglaubwürdiger. Auf der anderen Seite kommt Stirb Langsam 5 auch recht kurzweilig daher, was dem Regisseur JOHN MOORE zu verdanken ist. MOORE macht nämlich insofern Alles richtig, als dass er mit der Geschwindigkeit von Stirb Langsam 5 ein wenig spielt, wenn es möglich ist, um mehr Unterhaltung aus dem dünnen Skript herauszuholen. Man kann an dieser Stelle nur hoffen, dass es der sechste Teil wieder besser machen wird, nachdem BRUCE WILLIS höchstpersönlich betonte einen weiteren Stirb Langsam drehen zu wollen. Man könnte es an dieser Stelle auch so interpretieren, dass man hier versucht mit Jack McClane einen neuen Actionhelden zu etablieren, mit dem zukünftige Filme zu Stirb Langsam auch ohne BRUCE WILLIS realisierbar wären.

Stirb Langsam 5 - 13Was man jedoch nicht bemängeln kann, sind der Aufwand und die Mühen der Filmcrew die Over-The-Top-Action von Stirb Langsam 5 dennoch so realistisch und so brachial zu gestalten, wie es eben möglich war. So wurde die unglaublich aufwendige Verfolgungsjagd auch wirklich in Moskau gedreht. Manche Straßen mussten dafür tagelang gesperrt werden, über vier identische Trucks wurden dabei regelrecht vernichtet und wenn der Hubschrauber hier das Gebäude in Fetzen schießt, dann tut er das auch wirklich! Das heißt, der Computeranteil an der Action ist vergleichsweise gering und konzentriert sich vor allem auf das Finale, was ohne Pixelhilfe kaum realisierbar war. Das ist zwar einerseits traurig, andererseits wegen dem hohen Niveau der Umsetzung auch verkraftbar. Und nicht zuletzt wurde Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben auch an Originalschauplätze gedreht. Das heißt Moskau, in wenigen Momenten auch Budapest, und natürlich auch Prypjat, was seit dem Unglück von Tschernobyl verlassen ist. Mit einer Sondergenehmigung konnten aber auch hier Dreharbeiten stattfinden. Erfreulicherweise erlebt man die „Symphonie Nr. 9" von LUDWIG VAN BEETHOVEN nicht nur in den Trailern, sondern auch im fertigen Kinofilm. Überhaupt steht dem Actionfilm die gänzlich klassische Score sehr gut, ohne dass man mit den aktuellen 08/15-Charts genervt wird. Wie aber schon für die letzten zwei Teile gibt es eine minimale Dosis Classic Rock als Titelsong. In diesem Falle THE ROLLING STONES und ihr „Doom And Gloom", was erst letztes Jahr veröffentlicht worden ist.

Stirb Langsam 5 - 11Kein Zweifel, wenn man an Stirb Langsam denkt, dann denkt man auch automatisch an BRUCE WILLIS, der hier im fünften Teil jedoch kaum noch gegen die dicke Action bestand hat. Er guckt mürrisch in die Kamera und verteilt böse Sprüche an die Terroristen und seinen Sohn Jack, wenn er nicht die ganze Zeit herumrennt und in der Gegend herumballert. Eine Verbindung mit dem Zuschauer kann WILLIS in Stirb Langsam 5 kaum noch richtig aufbauen, weil sein Charakter quasi auf die pure Präsenz reduziert wurde. So leid es mir auch tut, aber BRUCE WILLIS alias John McClane ist hier eine total austauschbar Figur. Da ist es fast schon eine Wohltat, dass man ihm mit JAY COURTNEY einen jungen und talentierten Kollegen an die Seite gestellt hat, der hier seinen Filmsohn Jack McClane spielt. Tatsächlich legt der jüngere Mime wesentlich mehr Mimik und Gestik an den Tag, die man bei WILLIS vermisst. Das hilft dieser dürftigen Vater-Sohn-Beziehungskrise doch noch ein wenig, obwohl sowohl WILLIS als auch COURTNEY kaum eine Chance gegen das flache Drehbuch haben. Da ist es auch kein Wunder, dass beide Darsteller von dem deutschen SEBASTIAN KOCH problemlos und gnadenlos an die Wand gespielt werden! KOCH ist seit dem Überraschungserfolg Das Leben der Anderen auch international ein gefragter Mann und mit seiner Leistung in Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben beweist er erneut, dass er das Zeug hat sich auch weltweit erfolgreich zu verkaufen. Gerade ihn als Russen zu besetzen ist zwar mehr als nur zweifelhaft, aber dank der Fähigkeiten KOCHS ohne Schwierigkeiten zu verkraften. Übrigens befindet sich im gesamten Cast nur eine einzige Russin und das ist JULIA SNIGIR, der außer heiß aussehen auch kaum etwas abverlangt wird. Aber dies war ja schon von Beginn an bekannt.

Fazit: Die Filmreihe Stirb Langsam steht für harte Action auf hohem Niveau, und diese kann auch Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben mit spektakulären Szenen präsentieren. Allerdings krankt es dem kurzweiligen Actionfilm und mittlerweile fünften Teil der Reihe an einer extrem flachen Handlung, mangelnder Charakterstärke und einer zweckmäßigen Besetzung, von der man ausschließlich SEBASTIAN KOCH löblich hervorheben kann. Mit der Qualität der Vorgänger kann dieses Werk darum nicht mithalten, weshalb wir hier lediglich 6 von 10 Punkten vergeben können.