The Last Stand

Last Stand - Cover 01Regie: KIM JEE-WOON
Drehbuch: ANDREW KNAUER
Medium: Kino
Spielzeit: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahren (gekürzte Fassung)
Start: 31. Januar 2013

„Hören Sie zu, wir haben hier eine gewisse Situation. Wir haben einen gewaltätigen Sträfling auf der Flucht, der in Ihre Richtung unterwegs ist. Dabei besteht die Möglichkeit, dass der Flüchtige auch durch Ihre Stadt kommt. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Wir glauben nicht, dass Sie da unten Ärger bekommen."


Last Stand 15Der gebürtige Österreicher ARNOLD SCHWARZENEGGER (Terminator, Predator, Conan der Barbar, Red Heat, Total Recall) gilt nicht umsonst als der größte Actionheld, den das Kino bis dato hervorgebracht hat. Im Jahr 2003 kündigte SCHWARZENEGGER jedoch an seine cineastische Karriere zu Gunsten seines Amtes als Gouverneur von Kalifornien auszusetzen. Da er es Trotz einer eher durchwachsenen Regierungszeit zu einer Wiederwahl im Jahr 2006 schaffte, verzögerte sich seine Rückkehr zum Film und bisweilen war es sogar fraglich, ob der Actiondarsteller überhaupt wieder auf die Leinwand zurückkehren würde. Doch spätestens seit seinem kleinen Stelldichein in The Expendables zusammen mit SYLVESTER STALLONE und BRUCE WILLIS war klar, dass für den Österreich noch lange nicht Schluss mit Äääääktsch'n ist. Es folgte ein weitaus größerer Auftritt in The Expendables 2, die Zusagen zu zwei weiteren Terminator-Filmen, demnächst der STALLONE-Thriller The Tomb und auch ist mit The Legend Of Conan eine Fortsetzung von Conan der Barbar geplant. Sein richtig großes Leinwand- und Actioncomeback gibt ARNOLD SCHWARZENEGGER jedoch mit The Last Stand, der seit dem 31. Januar 2013 in den deutschen Kinos zu sehen ist. Debütant ANDREW KNAUER schrieb das Drehbuch zu dem Actionthriller, mit dem auch Südkoreas Edelregisseur und Hitgarant KIM JEE-WOON (I Saw The Devil, The Good, The Bad, The Weird, A Bittersweet Life) sein US-Debüt gibt. Neben SCHWARZENEGGER sind in The Last Stand auch PETER STORMARE (Hänsel & Gretel, Lockout, Fargo, Get The Gringo), FOREST WHITAKER (Ghost Dog, Der letzte König von Schottland, The Experiment) und Jackass JOHNNY KNOXVILLE zu sehen.

Last Stand 11Summerton Junction ist ein kleines, verschlafenes und extrem langweiliges Nest an der Grenze Mexikos. Genau das Richtige für Ex-Polizist Ray Owens. Seitdem nämlich sein letzter Einsatz für das L.A. Police Department in einem Desaster endete, wo die Gangster entkamen und etliche Polizisten im Kugelhagel starben, ist er psychisch ein Wrack und sucht in dem kleinen Kaff Ruhe und Frieden. Er hat sich dort niedergelassen, arbeitet als Sheriff und rechnet mit kleinen Verkehrsdelikten, vermissten Katzen und nervösen Omas - aber ganz sicher nicht mit Cortez! Gabriel Cortez ist der gefährlichste Drogenbaron auf der nördlichen Hemisphäre, der sich nach einem spektakulären Überfall auf den Gefangenentransport auf der Flucht befindet. Nun sitzt er in dem einzigartigen Sportwagen Corvette ZR1 mit über 900 PS, den seine Schergen gestohlen haben, und rast auf unbekannter Route auf die Grenze zu. Das FBI ist ratlos, denn Niemand kann ahnen, was der Drogenbaron plant und außerdem hat er eine junge Agentin in seiner Gewalt. Sheriff Owens ahnt davon Nichts, allerdings bemerkt er, wie sich einige zwielichtige Gestalten plötzlich in Summerton Junction tummeln. Seine Erfahrung regt sich und sein Instinkt sagt ihm, dass hier etwas nicht stimmt, weswegen er sich unverzüglich mit dem FBI in Verbindung setzt, die ihn allerdings abwimmeln. Doch als eine Leiche auf einer abgelegenen Farm gefunden wird und seine Deputies angegriffen werden, weiß Ray, dass hier ein großes Ding über die Bühne gehen soll. Er blickt der Wahrheit kalt ins Auge und erkennt, dass er den Gangstern um jeden Preis Stand halten muss.
Last Stand - Banner 01Man kann sagen was man will, aber auf KIM JEE-WOON ist immer Verlass! Und das beweist er auch mit The Last Stand einmal mehr, wenn er dem offenherzig actionorientierten Skript doch noch einige Facetten mehr abgewinnen kann.
Last Stand 14Schon alleine am Inhalt wird offensichtlich, dass es sich bei The Last Stand um eine moderne Variante des Westernklassikers Zwölf Uhr Mittags handelt. Jenem Western, in welchem GARY COOPER sich gegen einen gewissenlosen Banditen zur Wehr setzen muss und dabei nur von einem Krüppel und einem Knaben unterstützt wird. Dieses dringende Leitmotiv ist es auch, was The Last Stand antreibt und anheizt, obwohl es hier wesentlich humorvoller und actionreicher zur Sache geht. Hier ist der Sheriff der gealterte Actionheld ARNOLD SCHWARZENEGGER und deswegen kann man sich auf auch lässigen und teils sogar recht feinen Humor einstellen, der von SCHWARZENEGGERs gnadenloser Selbstironie gekrönt wird. Aber natürlich dürfen auch die faulen und gelangweilten Hilfssheriffs plus JOHNNY KNOXVILLE für humorvolle Momente sorgen, um den an sich schon recht unterhaltsamen Film witziger zu machen. Erst recht JOHNNY KNOXVILLE, der jedoch bloß seinen Jackass-Idioten lauwarm aufwärmt und damit zumindest den Krüppel ersetzt, der GARY COOPER einst beistand. Wegen dem Geblödel funktioniert der Humor zwar nicht unbedingt so, wie es vermutlich vorgesehen war. Manche der feinen Linien erreichen aber problemlos den Zuschauer. Viel mehr Wert legt The Last Stand ohnehin auf seine Actionszenen, die fast vollkommen ohne Computerhilfe entstanden sind. Da sind solide inszenierte Shootouts mit drin, allerdings auch auffällig viele Autostunts und Car-Action, die man zunächst nicht hinter The Last Stand vermutet, den Film aber nochmals um eine Stufe aufwerten können. Zwischen den Zeilen wird sogar eine gewisse Ernsthaftigkeit und Anspannung ersichtlich, die KIM JEE-WOON mit seiner einzigartigen Art und Weise hervorheben kann.
Last Stand 18Da werden auch Gedanken von Trauer und Verlust zu gelassen und wie man mit gewalttätigen Traumata fertig werden kann. Das sind so kleine und stille Zwischentöne, die auch abseits der Action und der Gewalt für zusätzliche Facetten sorgen, die man nicht bei solch einem klaren Actionfilm vermutet. In seiner Brutalität folgt jedoch The Last Stand wieder den klassischen Vorbildern und liefert durchaus blutige Bilder von angeschossenen und erschossenen Menschen. Manche Szenen waren der FSK wohl anscheinend zu derbe, weshalb The Last Stand mit einer FSK 18 gekennzeichnet wurde. Erst nachdem circa 22 Sekunden aus dem Film herausgeschnitten wurden, konnte The Last Stand mit einer FSK 16 in unseren Kinos anlaufen. Zu den entfallenen Szenen gehören manche Morde, die nun im Off stattfinden, aber nicht mehr direkt zu sehen, und die Ableben einiger Bad Guys, die mal in die Luft gesprengt oder mit der Schrotflinte plattgemacht werden. Da wirkt es schon ein wenig befremdlich, dass einige äußerst graphische Szenen wie drastische Kopfschüsse, in denen Gehirn in der ganzen Umgebung verteilt wird, oder die minutenlange Erdrosselung eines Polizisten noch in der deutschen Kinofassung enthalten sind. Das kann man an dieser Stelle vollkommen zu recht sehr kritisch betrachten, ob diese Schnitte denn wirklich nötig waren. Der nicht minder brutale und vor allem sadistischere Gangster Squad zum Beispiel, wurde jüngst unzensiert mit einer FSK 16 freigegeben, weswegen man The Last Stand hier eindeutig als typisches FSK-Opfer werten kann.

Last Stand 06Aber das tut der Unterhaltsamkeit von The Last Stand kaum einen Abbruch, da die Schnitte gut gesetzt sind und der Actionfilm sich auch in seiner Handlung Mühe gibt Witz und Spannung zu erzeugen. So legt The Last Stand tatsächlich relativ viel Wert auf seine Charaktere und widmet ihnen doch recht viel Zeit. Besonders die Nebenfiguren wie etwa Deputy Sarah Torrance und Agent John Bannister werden in manchen Szenen schon in den Vordergrund gerückt, was zur Folge hat, dass The Last Stand keine One-Man-Show eines ARNOLD SCHWARZENEGGERs ist – wie es in seinen frühen Erfolgen der Fall war – sondern hier ein komplexes Bild und Charaktergefüge ist. Dadurch wird man sich auch immer mehr der Zwangslage bewusst, in denen die Figuren stecken, und es wird immer mehr Druck aufgebaut, der sich gleichermaßen auf das FBI, die Sheriffs wie auch die Gangster verteilt. Das FBI muss den Gefangenen wieder einfangen, die Gangster wollen ihren Boss in Sicherheit bringen und dazwischen befinden sich die Sheriffs, die quasi die letzte Bastion bzw. den letzten Stand bieten müssen. Das lässt – sehr ähnlich wie Zwölf Uhr Mittags – eben keinen Raum zur Alternative, weswegen man sich als Zuschauer schon ziemlich frühzeitig bewusst wird, dass The Last Stand mit seinem dicken Showdown enden wird. Dabei kann man allerdings schon ahnen, dass der Actionfilm in allerbester Westernmanier mit einem Duell entschieden wird. Aber man muss als Actionfan an dieser Stelle keine Sorgen haben, dass es nur am Ende kracht. Tatsächlich streut das Drehbuch von Anfang immer wieder imposante Actionszenen in die anfangs noch charakterstarke und bedächtige Szenerie. Auf diese Weise bleibt The Last Stand bis zum Ende unterhaltsam und actionreich.

Last Stand 08Da tut es auch gut, dass die Action- und Gewaltszenen fast vollkommen ohne Pixelhilfe umgesetzt worden sind. Hier krachen echte Autos auf echte Autos, Metall auf Metall, und die Explosionen wurden ebenso recht feurig wie brisant eingefangen. In den Gewaltszenen gibt es weitgehend noch klassische Blutpakete und Make-up-Effekte, aber leider eben nicht den ganzen Film gegenüber. Ironischer Weise mussten ausgerechnet einige Splatterszenen für die deutsche Kinofassung weichen, in denen deutlich sichtbar mit dem Computer nachgeholfen wurde. Das merkt man auch dann noch, wenn die Kamera auf den modernen und actionüblichen Wackel-Dackel-Stil zurückgreift. In den meisten Szenen bleibt die Kamera jedoch wohltuend nüchtern und in manchen Szenen sogar auch recht träge. Auf diese Weise kann man die träge Hitze des Südwestens der USA noch besser einfangen, denn The Last Stand wurde stilecht auch in den recht staubigen Gegenden von New Mexico und Nevada gedreht; also gar nicht weit weg von der Grenze Mexikos. Es gibt keinen Film von KIM JEE-WOON, in denen der Meister nicht selbst zu einer akustischen Gitarre greift und einen klassischen Gitarrentrack beisteuert. Das fehlt natürlich auch in The Last Stand nicht und passt hier in die Atmosphäre schon recht gut hinein. Aber auch sonst glänzt der Soundtrack mit staubigem Texasrock und einer kleinen Spur Country. Alles in Allem eine solide und sehr stilsichere Inszenierung, wie man sie von KIM JEE-WOON gewohnt ist.

Last Stand 10Bei den Schauspielern liegt das Augenmerk natürlich ganz klar bei ARNOLD SCHWARZENEGGER, der hier seine erste Hauptrolle seit Terminator 3 – Rebellion der Maschinen im Jahr 2003 spielt. Man kann aber hier eindeutig festhalten, dass SCHWARZENEGGER bei The Last Stand genau da weitermacht, wo er vor 10 Jahren aufhörte. Er mimt mit solider Mine den gealterten Sheriff, der sich seinen eigenen Dämonen stellen muss, indem er den Gangstern Paroli bietet. Das ist weniger Schauspielkunst, als der gleiche pure Kritikertrotz, der den Österreichern schon seit seinem ersten Film begleitet. Immerhin wahrt er dabei er dabei die nötig Glaubwürdigkeit und wenn der Altstar gnadenlos selbstironische Witze zum Besten gibt, dann kauft man ihm die Ironie auch problemlos ab. Allerdings auch kein Vergleich zu FOREST WHITAKER, der für seine Leistung in Der letzte König von Schottland bereits mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist. Hier mimt er den fast schon verbissenen FBI-Agenten John Bannister, der immer wieder von Drogenbaron Gabriel Cortez zur sichtbaren Weißglut gebracht wird. Cortez hingegen ist dank dem schmierig-aggressiven Spiels des Spaniers EDUARDO NORIEGA ein erstklassiger Bad-Ass, wie er besser nicht sein könnte. Vielleicht ein wenig zu sehr selbstzweckhaft, aber auch hier gelingt es KIM JEE-WOON der Figur doch noch ein paar Blickwinkel mehr abzugewinnen, als es nötig ist. KIM JEE-WOON lässt sich übrigens auch selbst im Rahmen eines kleinen Cameos in The Last Stand blicken; ebenso wie SONNY LANDHAM, der zuletzt in Predator zusammen mit SCHWARZENEGGER im Kino zu sehen war. Erwähnenswert an dieser Stellen wäre auch JAIMIE ALEXANDER als Deputy Sarah Torrance, die gegen ihre eigene Angst kämpft, und sich hiermit für weitere Rollen empfiehlt. Kultmime PETER STORMARE ist eigentlich nur in wenigen Szenen zu sehen und wirkt arg verschenkt, da er in seinen wenigen Minuten einen eindimensionalen Bösewicht gibt, der schlicht Spaß an Mord und Gewalt hat.

Fazit: Bei dem US-Debüt von KIM JEE-WOON hatten manche Fans ja schon bedenken, dass der koreanische Regiemeister nun ein Opfer der Amerikanisierung werden würde. Aber Nein; The Last Stand ist ein KIM-Film durch und durch. Ganz offen an den Westernklassiker Zwölf Uhr Mittags angelehnt, entwirft The Last Stand eine unterhaltsame Mischung aus Action, Western und Humor, die auch die Charaktere nie außer Acht lässt und ernste Untertöne zulässt. ARNOLD SCHWARZENEGGER gelingt damit ein gelungenes Comeback auf die große Leinwand. Wir vergeben 7 von 10 Punkten.

 


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