Aliens - Die Rückkehr

Aliens - Cover 01Regie: JAMES CAMERON
Drehbuch: JAMES CAMERON
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 154 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 13. November 1986

„Wird das dieses Mal ein richtiger Kampfeinsatz oder wieder nur 'ne Wanzenjagd?"


Wir sind uns alle der Bedeutung bewusst, die der Klassiker Alien für das Science Fiction sowie das Horrorkino hat, und wer es dennoch nicht weiß, der kann dies in unserer großen Retro-Kritik nachholen. Aber was wäre die Franchise ohne das kongeniale Sequel Aliens – Die Rückkehr aus dem Jahr 1986, was den endgültigen Durchbruch für Meisterregisseur und Hitgaranten JAMES CAMERON (Avatar, Titanic, The Abyss, True Lies, Terminator) darstellt. Alle wichtigen Informationen zur Entstehung dieses Klassikers, die ebenfalls nicht frei von erheblichen Schwierigkeiten ist, findet ihr in diesem Spoiler.

 

SPOILER:

Aliens 04Aus heutiger Sicht mag es vielleicht unwahrscheinlich klingen, in manchen Ohren ja sogar unglaubwürdig, aber tatsächlich hegte das damalige Management von 20th Century Fox keinerlei Interesse daran, den Klassiker Alien fortzusetzen, obwohl der Film schon damals als einer der revolutionärsten Science-Fiction- und Horrorfilme galt. Dabei hatte Alien inflationsbereinigt alleine in den USA satte 250 Millionen Dollar in die Kassen gespült, weshalb man – im Falle einer originellen Idee zu einem Sequel – allerdings auch für etwaige Pläne offen war. Nur tat sich zunächst gar Nichts. Aus diesem Grund schlummerte die Alien-Franchise fast vier Jahre vor sich hin, bis 1983 ein junger und engagierter Filmemacher namens JAMES CAMERON auf DAVID GILER zutrat, einem der Produzenten des Originals. JAMES CAMERON selbst bezeichnete sich damals als riesiger Fan des Films und überlegte schon einige Zeit, wie er den Film glaubwürdig fortsetzen konnte. Allerdings stieß er mit seinen Plänen, die er in 45 zusammengekritzelten Seiten während der Vorproduktion seines Actionklassikers Terminator festgehalten hatte, auf taube Ohren. Denn auch wenn JAMES CAMERON heutzutage als einer der größten und bedeutendsten Regisseure des internationalen Kinos gilt – es war nicht immer so, und im Jahre 1983 hatte CAMERON auch alles Andere als eine erfolgreiche Bilanz vorzuweisen.

Aliens 15JAMES CAMERON, geboren 1954 in Ontario, Kanada, ist ein absoluter Autodidakt, der sich das Schreiben von Drehbüchern und das Regieführen dank einem eisernen Ehrgeiz und zahllosen Sachbüchern selbst beibrachte. Seit 1979 arbeitete er in den Studios von Trash-Gott ROGER CORMAN (Das Pendel des Todes, Lebendig begraben, Der Rabe, Der Rote Baron) als Schöpfer von Miniaturmodellen, übernahm allerdings auch andere Arbeiten, um so viel Wissen über den Filmdreh wie möglich mitzunehmen. Im Jahr 1981 bekam CAMERON letztendlich auch die Chance sich zum ersten Mal als Regisseur zu beweisen. CAMERON sollte die Effekte in dem Horrortrasher Piranha II – Fliegende Killer betreuen, doch der ägyptische Produzent OVIDIO ASSONITIS (Der Duft der Frauen, Midnight Ride) überwarf sich mit dem Regisseur und feuerte ihn, weshalb CAMERON nun seine Dienste anbot und ASSONITIS akzeptierte. Noch vor Ende der Dreharbeiten kam es aber auch zwischen ihnen zu einem Zerwürfnis, was mit einem Rauswurf von CAMERON endete. Gipfel der Misere war eine Lebensmittelvergiftung, die CAMERON Alpträume von einem metallenen Skelett einbrachte, was aus der Zukunft geschickt wurde um ihn zu töten. Für jeden Cineasten offensichtlich, war genau jener Traum die Inspiration zu Terminator. Piranha II jedoch geriet aber zu einem grottigen Desaster, obwohl JAMES CAMERON sogar des Nachts in den Schneideraum einbrach und versuchte seine Version wieder herzustellen, die ASSONITIS seiner Meinung nach zerstört hatte. ASSONITIS war aber nicht dumm und behielt seine Fassung und der Film wurde nicht nur zu einem künstlerischen Desaster, sondern - und das war wesentlich schlimmer - zu einem derben Flop.

Aliens 05Enttäuscht und wütend kehrte JAMES CAMERON in die USA zurück, wo er sich aber sofort daran machte das Skript von Terminator zu entwerfen. Dabei hatte CAMERON schon von Anfang an den Plan gefasst das Drehbuch nur mit der Prämisse zu verkaufen, auch selbst Regie zu führen. Verhältnismäßig rasch fand der angehende Regisseur auch in Hemdale Pictures eine Produktionsfirma, die ihm den Film vollständig realisieren ließ. Wenn man ehrlich ist, auch dank der Hilfe seiner späteren Ehefrau GALE ANNE HURD, die er in der Firma ROGER CORMANs kennengelernt hatte. Als die Vorproduktion von Terminator sich dem Ende neigte, ergab sich eben das Treffen mit DAVID GILER, was zunächst ohne Ergebnis blieb. Aber das Schicksal meinte es gut mit CAMERON und er hatte sprichwörtlich Glück im Unglück. Sein Hauptdarsteller ARNOLD SCHWARZENEGGER (Conan der Barbar, Predator, Total Recall, The Last Stand, The Expendables) geriet nämlich durch die Arbeiten an Conan der Zerstörer in Verzug und der Dreh des Terminators musste um drei Monate verschoben werden. JAMES CAMERON nutzte die Zeit und setzte sein Skript säuberlich um, baute es auf 90 Seiten aus und zeichnete erste Storyboards. Während des Drehs von Terminator ergab sich für CAMERON eine erneute Gelegenheit mit 20th Century Fox zu verhandeln und tatsächlich zeigten sich die Verantwortlichen, darunter auch WALTER HILL und DAVID GILER, richtig beeindruckt, waren aber immer noch skeptisch wegen CAMERONs mangelnder Vita und Reputationen. Bis schließlich der Vorschlag fiel, dass wenn der Terminator ein Hit werden sollte, JAMES CAMERON die Fortsetzung von Alien inszenieren durfte. Prompt wurde Terminator nicht nur ein immenser Kassenschlager, sondern erlangte als prägendes Werk des Action- und Science-Fiction-Kinos eine ähnliche Bedeutung und einen Kultstatus, wie Alien.

Aliens 25GILER und HILL hielten ihr Wort und JAMES CAMERON durfte nun Aliens, wie er sein Skript nannte, selbst realisieren. Doch die Probleme nahmen hier erst richtig ihren Anfang, wobei CAMERONS mangelnde Erfahrung ihm abermals unverschuldet im Weg stand. Das fing schon bei den Schauspielern an. Damals noch unbekannte Schauspieler wie der Komödiant PAUL REISER und WILLIAM HOPE blieben dem Projekt zwar von Anfang an treu, etliche andere Schauspieler sprangen jedoch wieder ab, weshalb CAMERON auf seinen Terminator-Cast bestehend aus LANCE HENRIKSEN (MilleniuM, Meister des Grauens, Harte Ziele, Pumpkinhead), MICHAEL BIEHN (The Rock, The Victim, The Divide) und BILL PAXTON (Dämonisch, Predator 2, Apollo 13, Near Dark) zukam. SIGOURNEY WEAVER (Ghostbusters, Gorillas im Nebel, Die Waffen der Frauen, Avatar) zeigte sich sehr skeptisch gegenüber Aliens, doch CAMERON gelang es WEAVER mit den ersten Entwürfen des Drehbuches und seinen Ideen umzustimmen. Weil CAMERON jedoch so viel Nähe zum Original zulassen wollte, wurde Aliens wie zuvor Alien in den Pinewood Studios gedreht und noch dazu weitgehend von der gleichen Crew. Diese Crew allerdings betrachtete CAMERON seinen eigenen Worten nach als einen regelrecht armseeligen Ersatz für Sir RIDLEY SCOTT (Gladiator, Prometheus, Black Rain, Hannibal). Teile der Crew zeigten sich sogar weitgehend unkooperativ bis sogar offen feindseelig. CAMERON wollte Boden gut machen, indem er ihnen anbot Terminator zu zeigen, doch die meisten Crewmitglieder lehnten diese Geste ab und blieben bis zum Ende skeptisch. Die Dreharbeiten wurden daraufhin zu einer Zerreißprobe, die immer kurz vor dem Platzen stand. CAMERON stand unter einem enormen Zeitdruck und peitschte sein Team regelrecht voran, die britische Crew ließ es sich trotzdem nicht nehmen, setzte auf gemütliche Gründlichkeit und behielt weiterhin ihre britischen Teepausen bei.

Aliens 28Der Zusammenprall von britischer und amerikanischer Kultur gipfelte schließlich in kleineren Stichelleien und Beleidigungen gegenüber GALE ANNE HURD, die inzwischen CAMERON geheiratet hatte, und in dem Rauswurf eines uneinsichtigen Kameramannes, der sich standhaft weigerte, CAMERONs Anweisungen zu befolgen. Mit diesem Rauswurf verließ die ganze Crew aus Solidarität ihrem Kameramann gegenüber den Drehort. Allein GALE ANNE HURD ist es zu verdanken, dass Aliens an dieser Stelle nicht in einer Katastrophe endete, indem sie mit der Crew verhandelte und soweit vermitteln konnte, dass die Dreharbeiten am nächsten Tag weitergehen konnten. Damit waren die Probleme aber immer noch nicht vom Tisch und kamen nun auch durch die Drehorte zustande. Die Szenen im Aliennest sollten nämlich im stillgelegten Acton Lane Kraftwerk stattfinden, was jedoch üppig mit Asbest ausgestattet war. Das Budget von Aliens war mit 18 Millionen Dollar ohnehin schon knapp bemessen, weshalb die Crew das Geld aus privater Taschen zusammenlegen musste, um deutsche Experten zur Beseitigung zu engagieren. Dies alles führte zu zahllosen kleinere Verzögerungen, die sich aber summierten. Tatsächlich fiel erst sechs Wochen vor dem Kinostart die letzte Klappe und JAMES CAMERON schob zusammen mit seinem Cutter RAY LOVEJOY (The Shining, 2001: Odyssee im Weltraum, Batman, Lost in Space) unzählige Überstunden, um Aliens gerade noch rechtzeitig zum Starttermin fertig zu bekommen.

 

Das Studio war zunächst unsicher, wie sich die Fortsetzung an den Kinokassen schlagen würde, aber mit dem gleichen Regisseur des Actionthrillers Terminator – einem der bedeutendsten Actionfilme der letzen 30 Jahre – und der Franchise von Alien im Hintergrund – dem Urknall einer ganz neuen Generation des Horror sowie Science-Fiction-Films – konnte man bedenkenlos mit einem Kinohit rechnen. Und tatsächlich spielte Aliens – Die Rückkehr noch am Startwochenende über die Hälfte seine Produktionskosten wieder ein; und das Trotz R-Rating alleine in den USA! Am Ende wurden es ganze 131 Millionen Dollar weltweit, womit Aliens der zweiterfolgreichste Kinofilm der Franchise nach dem ersten Teil ist.

Aliens 02Einsam zieht das kleine Shuttle mit Ellen Ripley seine Bahn durch das All, bis es durch Zufall von einer Patrouille entdeckt wird. Der Schock ist groß für Ripley, als Gesellschaftsfunktionär Burke ihr erzählt, dass sie ganze 57 Jahre im Kälteschlaf verbracht hat. Nachdem sie sich erholt hat, muss sie ihrer Gesellschaft Rede und Antwort zum Verlust der Nostromo stehen, doch ihre Arbeitgeber glauben ihr kein einziges Wort. Sie halten die komplette Geschichte von Ripley für unglaubwürdig; von einem feindlichen außerirdischen Organismus, der Säure anstatt von Blut besitzt und alleine fast die gesamte Besatzung der Nostromo töten konnte. Ohne den Vorfall weiter untersuchen zu lassen wird Ripley suspendiert und man erklärt ihr, dass der Planet mit der Bezifferung LV-426 schon längst dabei ist kolonisiert zu werden. Ganze 70 Familien leben dort, ohne jemals mit außerirdischer Existenz konfrontiert gewesen zu sein. Der Schock sitzt tief in der ohnehin schon angeschlagenen Psyche von Ripley, die nun nicht mehr als Offizierin arbeiten darf und wegen ihrer Alpträume therapeutisch behandelt werden muss. Nur wenige Wochen später jedoch bricht der Kontakt zu LV-426 vollständig ab, jeglicher Kommunikationsversuch scheitert, weswegen sofort das Militär alarmiert wird. Lieutenant Gorman soll eine Aufklärungsmission anführen, die von Burke und Ripley begeleitet wird, da ein Ernstfall nie ausgeschlossen werden kann. Auf dem Raumkreuzer Sulaco sind die Marines rund um Sergeant Apone und Corporal Hicks noch siegessicher und ausgelassen, doch als sich auf dem Planeten keine Anzeichen der Kolonisten finden lassen, aber dafür eindeutige Kampfspuren, werden auch die erfahrenen Soldaten immer nervöser. Es stellt sich heraus, dass Ripleys schlimmste Alpträume gleich hundertfach Wirklichkeit geworden sind.
Aliens - Banner 01JAMES CAMERON erkannte, dass Sir RIDLEY SCOTT mit dem ersten Teil die Tür zu einer ganz neuen Welt aufgestoßen hatte, in die CAMERON nun mit Aliens vordringen wollte. Dabei machte er sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor Alles richtig und schuf wie SCOTT einen Klassiker, der zu wichtigsten Science-Fiction-Filmen in der Kinogeschichte zählt.
Aliens 23JAMES CAMERON wusste nämlich ganz genau, dass er Alien nicht kopieren durfte und vermied es darum, die Motive des Klassikers wiederzuverwenden. Dass heißt, er behielt den dreckigen und realistischen Ton des ersten Films bei – schließlich handelt es sich ja auch um eine direkte Fortsetzung – verzichtete jedoch in der Atmosphäre weitgehend auf Horror und folgt in Aliens mehr den Konventionen eines Actionfilms. Weniger Horror, mehr Terror; wie CAMERON es einst selbst formulierte. Übersetzt heißt dies, dass es CAMERON in seinem Sequel weniger Spannungsbögen und Schockeffekte ankam, anstatt auf eine actionorientierte Atmosphäre. Das kann man unter anderem auch daran sehen, dass hier nicht einfach eine ganz normale Schiffsbesatzung im Vordergrund steht, sondern eine Gruppe kampferprobter Soldaten. Bis es jedoch soweit ist, verhält sich Aliens so geschickt und fügt sich in die spannungsreichen Bahnen, die der erste Teil graviert hat, damit man sich als Fan des Originals nicht vor den Kopf gestossen fühlt und gleich wieder Zugang zur Materie findet. Das äußert sich in ruhigen Bildern des Weltalls sowie den Alpträumen Ripleys, mit denen CAMERON dem Zuschauer nochmal den ersten Teil in Erinnerung bringt. Aber schon dort wird erste Spannung geschürt, indem Ripley von ihrem Umfeld als unglaubwürdig abgestempelt wird – obwohl es der Zuschauer natürlich besser weiß. Mit dieser Basis entwickelt sich Aliens kontinuierlich weiter und lässt im weiteren Verlauf durch die Aufklärungsmission immer mehr Spannung zu, denn auch die anfangs selbstsicheren Marines entdecken immer mehr Hinweise auf die tödliche Gefahr. CAMERON macht dadurch dem Zuschauer klar, dass Aliens auf eine gewalttätige Konfrontation mit den Mistviechern hinausläuft, die es auch gewaltig in sich hat.
Aliens 22Durch den realistischen Ton gelingt es CAMERON nämlich ein glaubwürdiges Kampfszenario zu entwerfen, indem zwei gefährliche Gegnertypen aufeinander treffen. Die bestialischen Aliens mit ihren Klauen und die schwer bewaffneten Marines, die mit ihrem Arsenal nun letztendlich auch die Action entfalten, indem kreuz und quer geschossen wird. Ganz arg trifft es natürlich die Aliens selbst, die hier nach allen Regeln der Actionkunst zerlegt werden. Mal von Kugel zerrissen, überfahren, in die Luft gesprengt oder schon mal den überlangen Schädel in Fetzen geschossen, wobei das Säureblut natürlich reichlich spritzt. Das kostet CAMERON natürlich in wenigen Sekunden auch aus, schenkt dem aber weit weniger Beachtung als noch RIDLEY SCOTT im ersten Teil. Dabei fällt allerdings auf, dass die Menschen in Aliens eigentlich nur in wenigen Momenten direkt vor der Kamera getötet werden und meist auch noch durch eigenes Verschulden wie Friendly Fire oder akuten Suizid. Die Aliens selbst stürzen sich meist auf ihre Opfer – und dann blendet CAMERON ab. Was danach geschieht bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen, wobei jedoch CAMERON einige Hinweise darauf gibt, dass die Aliens es mehr auf Gefangennahme anstatt Tötung abgesehen haben. Natürlich mit dem Zweck sich über die parasitären Facehugger fortzupflanzen. In diesem Sinne sind es abermals die Chestbuster, die als einzige Wesen im gesamten Film einen Menschen in aller Deutlichkeit direkt vor der Kamera umbringen. Aber das gehört ebenso auch wieder nur zum Fortpflanzungsprozess der fremdartigen Spezies, von der man nun immer noch nicht sagen kann, ob sie jetzt wirklich bösartig ist oder nur ihren Instinkten gehorcht. Diese Unkenntnis nutzte auch schon RIDLEY SCOTT in seinem Film aus, doch CAMERON ging hier ebenfalls einen Schritt weiter und attestiert den Biestern eine gewisse Intelligenz, die sich koordinierten Angriffen, strategischem Denken und besonders der Alien-Königin manifestiert.


Aliens 29Die Königin ist wiederum ein neues Stück des Alien-Puzzles, dem CAMERON sehr wichtige Teile hinzufügt, indem er ganz speziellen Fragen auf den Grund geht. Denn die Angst vor dem Unbekannten und der Dunkelheit hatte Sir RIDLEY SCOTT im ersten Teil bereits perfekt ausgelotet, CAMERON geht in Aliens jedoch weiter und bringt zwischen den Actionszenen erstmals Licht in die Sache. Die Anpassungsfähigkeit des Aliens, die RIDLEY SCOTT im ersten Teil legte, machte sich CAMERON also im zweiten Teil zu Nutze und erschuf eine regelrechte Struktur, die dem Bau eines Ameisennestes gleicht. Es existieren definitiv soziale Strukturen zwischen den Bestien, in denen sogar eine gewisse Hierarchie bzw. Befehlskette zu erkennen ist, und ebenso wie in unserer irdischen Natur unternehmen sie Alles, um ihre Art zu erhalten und drängen sich gewaltsam an die Spitze. Die unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt werden so erst richtig für den Zuschauer greifbar, was in einem großen Rahmen vielleicht weniger funktionieren würde aufgrund der technologischen Überlegenheit auf menschlicher Seite. Auf dem begrenzten Spielraum eines einzelnen Planeten jedoch relativiert sich dieser Vorteil und gibt dem Weg frei für einen authentischen Lebenskampf, wie er täglich in jedem Ökosystem des Universums stattfindet. Wenn man so will, das Aufeinanderprallen zweier gleichgestellter Spezies, die die Spitze der Nahrungskette jeweils für sich beanspruchen. Aliens ist deswegen leider nicht so innovativ wie der Vorgänger, aber durch seine genaue Betrachtung evolutionärer Machtkämpfe eine hervorragende Rückführung zu unserem eigenen Verhalten als Apex Predator in unserem Ökosystem, in welchem wir erfolgreich jede Konkurrenz ausgerottet haben. Deswegen ist es auch kein Zufall, dass im Finale von Aliens zwei fortpflanzungsfähige Weibchen gegeneinander kämpfen, weil sie jeweils ihren Nachwuchs beschützen.
Aliens 06Mit seinen verborgenen Feinheiten ist Aliens aber hier noch nicht zu Ende, denn hinter dem offensichtlich actionorientierten Skript verbirgt sich noch weit mehr. De Facto legte JAMES CAMERON seinen Film nämlich als Allegorie auf den Vietnamkrieg aus, wo die amerikanische Übermacht eine bittere Niederlage gegen die Guerilla-Kämpfer des Vietcong hinnehmen müssen. In Aliens sind es die Marines, die top ausgebildet sind, elendig viel hochmoderne Ausrüstung tragen und mit ihrer Feuerkraft einen halben Planeten wegpusten könnten, aber im Kampf gegen die primitiven Xenomorphe schwerste Verluste verkraften müssen. Die menschlichen Kämpfer sind selbstbewusst, arrogant, in jeder Hinsicht überheblich und werden doch durch die Guerilla-Taktiken der Aliens zuerst gnadenlos überrumpelt und anschließend in die Defensive gebracht. Dieser subtile Vergleich bot sich nicht nur wegen der damalige Kriegsfilmwelle über Vietnam an – denn alleine in den frühen 1980er waren es an die 14 Produktionen (!) – sondern hängt auch mit dem Actionthriller Rambo II – Der Auftrag zusammen. CAMERON hatte nämlich hierfür auch das Drehbuch geschrieben, worin er eine streng kritische Haltung gegenüber der US-Politik und dem Vietnamkrieg einnahm. Ohne sein Wissen hatte sich jedoch Rambo-Darsteller SYLVESTER STALLONE das Skript geschnappt und schrieb es dermaßen massiv um, dass er CAMERONs Absichten und Aussage direkt ins Gegenteil verkehrt wurden. JAMES CAMERON zog daraus die bittere Lehre kein Skript mehr herauszugeben, was er nicht auch selber verfilmte. Bei Aliens hatte er alle wichtigen Posten unter seiner Gewalt und das war auch gut so.
Aliens - Banner 02Aliens 21Aliens ist an sich ein gutes Stückchen länger als sein Vorgänger, weil der Film anfangs die gleiche ruhige Erzählweise verwendet, aber doch ungleich mehr zu erzählen hat. Interessant ist es dabei zu beobachten, wie CAMERON das Erzähltempo und den eigentlichen Inhalt der Handlung gegenüberstellt und im Laufe des Films das Verhältnis beinahe ins Gegenteil verkehrt. In ruhigen Bildern berichtet CAMERON, wie sich Ripley von der Tiefschlafphase erholt, über den Untergang der Nostromo streitet, nochmal zum Planeten reist und mit den Marines das gesamte Ausmaß der Katastrophe offenlegt. Dann ist jedoch circa erst die Hälfte von Aliens vorbei, während in den anschließenden Minuten nur noch vom Kampf der Marines mit den Mistviechern berichtet wird – aber in vergleichsweise schnellen Bildern und rasantem Spannungsaufbau, der von zusätzlichen Nebenhandlungen gestützt wird. Auf diese Weise wird Aliens ganz offen immer schneller und aggressiver in seiner Erzählung, was an sich schon sehr unterhaltsam ist, ohne die offenen Spannungsbögen zu beachten. Dadurch kam Aliens damals 1986 auch auf ganze 137 Minuten und übertraf in seiner Spielzeit damals nahezu jeden reinrassigen Actionfilm. Dabei hatte CAMERON längst nicht Alles erzählt und in der Tat mussten ganze Szenenblöcke und kleinere Nebenhandlungen wegfallen, damit Aliens auf akzeptable Kinolänge kam. Die Kürzungen resultierten in einigen Logiklöchern und einer teilweise spröden Charakteristik, die jedoch für einen Genrefilm auch nicht unbedingt ungewöhnlich war und darum auch kaum kritisch betrachtet werden konnte.
Aliens 12Im Jahr 1991 ließ es sich JAMES CAMERON aber nicht mehr nehmen und wollte endlich seinen Director's Cut veröffentlichen, der knappe 18 Minuten länger läuft, was jedoch an der begrenzen Kapazität der Videokassette scheiterte. Aus diesem Grund gab es wieder nur eine unzureichende Version, in denen immer noch vereinzelte Szenen fehlten. Erst im Zeitalter der DVD konnte dieser Umstand behoben werden, indem Ende Dezember 2003 die sogenannte Alien-Quadrilogy veröffentlicht wurde. Erst dort konnte der wirklich vollständige DC mit 154 Minuten erstmals betrachtet werden. Übrigens findet sich dieser Director's Cut wie jede erweiterte Fassung der Alien-Reihe auch in der sogenannten Alien-Anthology, die alle vier Filme mit völlig überarbeitetem High-Definition-Blid und Ton auf Blu Ray enthält. Im Gegensatz zum DC von Alien stellt diese längere Version jedoch die eindeutig bessere Fassung des Films dar. Die Charaktere bekommen ein ganzes Stück mehr Tiefgang, die Atmosphäre wirkt dichter und nicht zuletzt räumt der Director's Cut mit einigen Logiklöchern auf. In der Kinofassung noch ein wenig aufgesetzt, wirkt die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ripley und Newt nun wesentlich rationeller, denn der Zuschauer bekommt einen tiefen Einblick in den Backround beider Charaktere. Gerade die private Situation Ripleys wurde in der Kinofassung fast rigoros gestrichen. Aber auch auf die Lage der eingeschlossenen Soldaten in der Mitte des Films wird viel ausführlicher eingegangen. Mehrere Szenen sind jedoch nach wie vor unveröffentlicht und in keiner Fassung zu finden. Darunter auch, wie der Androide Bishop auf ein Alien trifft und zunächst ungeschoren davon kommt, sowie eine Szene, die das eigentliche Ende von Burke verrät, der in das Alien-Nest verschleppt worden ist.
Notiz am Rande: Das Videospiel Aliens – Colonial Marines, was demnächst erscheinen wird, wurde übrigens in Zusammenarbeit mit dem Team von Aliens entwickelt. Von den Designern über den Soundtrack von JAMES HORNER bis hin zu JAMES CAMERON, der das Drehbuch absegnete sowie einige Ratschläge parat hatte. Denn das Videospiel soll neben Alien³ als direktes Sequel zu Aliens fungieren, weswegen Aliens – Colonial Marines von 20th Century Fox inzwischen auch als offizieller Bestandteil der gesamten Erzählung eingestuft worden ist.

Aliens 20Mitunter die wichtigsten Aspekte in der Inszenierung von Aliens war das Design der Umgebung und der Kreaturen, wofür aber H.R. GIGER nicht mehr hinzugezogen wurde. JAMES CAMERON war nämlich der Meinung, dass GIGERs Design sich nahezu perfekt auch für das Sequel eignen würde. Die einzigen neuen Alien-Designs in diesem Sequel sind das Nest, was wiederum auf Unterlagen von GIGER beruhte, die für Alien entstanden sind, und die Alien-Königin, die jedoch von JAMES CAMERON selbst entworfen wurde, noch bevor er sich direkt mit den Storyboards auseinandersetzte. Allerdings entspricht die jetzige Version der Königin nicht ganz seinen ursprünglichen Ideen, weil CAMERON sein Mutterbiest viel insektenhafter haben wollte, was aber wegen dem damaligen Stand der Technik nicht möglich war. Ein klein wenig unterscheiden sich auch die normalen Aliens von ihrem Prototyp im Film von RIDLEY SCOTT. So weisen ihre Schädel nun einige optischen Feinheiten auf und die Kreaturen wirken insgesamt viel mechanischer. Nicht zuletzt auch, damit ihre Tarnung im Nest perfektioniert werden konnte. Das irritierte viele Alien-Fans zunächst, aber hier sprang die Comicbranche in die Presche – insbesondere über Autor MARK VERHEIDEN – und erklärte die unterschiedlichen Designs mit unterschiedlichen Rassen der Alien-Spezies. Damit die Unterschiede im Film jedoch nicht so auffielen, übernahm CAMERON die düstere Beleuchtung des ersten Teiles und zeigt die Kreaturen nie ganz und auch nur recht kurz, was Cutter RAY LOVEJOY mit schnellen Schnitten erreicht. Aber auch einige sehr effektive Kamerafahrten finden in Aliens regelmäßige Verwendung.
Aliens 09Wie schon bei Alien kam es beim Soundtrack zu erheblichen Spannungen zwischen Regisseur und Komponist, obwohl hier ein vollkommen anderes Team beteiligt war. Sir RIDLEY SCOTT zankte sich sieben Jahre zuvor so arg mit JERRY GOLDSMITH bis es zu einer Trennung mit weitreichenden Folgen kam, und auch bei JAMES CAMERON und JAMES HORNER (Braveheart, Phantom Commando, Red Heat, Nur 48 Stunden) hatte nicht mehr viel gefehlt. Es ging alleine schon damit los, dass wegen einem Missverständnis HORNER noch während der Dreharbeiten eintraf. CAMERON hatte die Produktionszeit vollkommen unterschätzt und kümmerte sich mehr um die Soundeffekte als die Filmmusik. Sechs Wochen vor Kinostart war Aliens immer noch im Schnitt, HORNER hatte kaum eine Szene gesehen und noch nicht einmal eine Note komponiert, bevor CAMERON überhaupt erst einmal drauf hingewiesen wurde, dass der Soundtrack noch offen stand. Nachdem es aber losgehen konnte, komponierte HORNER die Score in aller Eile und immensem Druck in nicht einmal vier Wochen. Druck, der von CAMERON ungewollt sogar nicht verstärkt wurde, indem er einfach bereits fertige Szenen nochmals komplett umschnitt. Nachdem die Komposition endlich fertig war, blieben HORNER nur vier Tage für Aufnahmen, die in den 30 Jahre alten Abbey Road Studios stattfanden, die erstens HORNERs akustischen Ansprüchen völlig unzureichend waren und außerdem nicht in der Lage waren das elektronische Equipment aufzufangen, was HORNER aus Los Angeles mitgebracht hatte. Im fertigen Film spürt man davon natürlich sehr wenig. Nur wenn man genau hinhört, stellt man fest, dass manche Passagen aus der Score zwei Mal verwendet wurden und ebenso wieder JERRY GOLDSMITHS Filmmusik für den ersten Teil.
Aliens - Banner 05Aliens 32Der unermessliche Lebenswille, den SIGOURNEY WEAVER im ersten Teil zur Schau stellte, entwickelte sich nun in Aliens weiter hin zu einer echten Actionheldin. Nicht umsonst bezeichnete WEAVER ihre Rolle nun als „Rambolina", so, wie sie hier den Aliens den Arsch aufreißen darf. Mit Fäusten, Flammenwerfern und einem Maschinengewehr im Dauerfeuer. Wichtig dabei ist, dass JAMES CAMERON ihren Charakter den ganzen Film über auf diese Momente vorbereitet und in Relation zu ihrem Überlebensinstinkt setzt. Deswegen kann man hier tatsächlich von SIGOURNEY WEAVER als erste Actionheldin des Kinos sprechen und eine der ganz wenigen, denen man diese Rolle auch abnimmt. Aber das gilt auch für den gesamten anderen Cast. PAUL REISER gibt mit seinem Carter Burke einen so schmierigen Schleimscheißer, dass man trotz seiner sprachlichen Fähigkeiten sofort mit Misstrauen reagiert. MICHAEL BIEN und BILL PAXTON spiegeln als Hicks und Hudson zwei Klischeebilder wieder, die damals gerade modern waren. Hicks als der kühle und überlegte Kämpfer und Anführer, Hudson der vorlaute Aufschneider, der die Nerven verliert sobald es eng wird. LANCE HENRIKSEN wird im Grunde am Wenigsten abverlangt, da er als Androide Bishop sich lediglich die Aufgabe hat die Mission wissenschaftlich zu betreuen. Mimik ist da weniger gefragt, obwohl HENRIKENs kühle Darstellung tatsächlich fast synthetisch wirkt. Großes Lob gebührt auch der damals 9-jährigen CARRIE HENN, die hier als Newt ihre erste und einzige Rolle überhaupt spielte. Newt ist ein Mädchen, dass es geschafft hat ganz alleine wochenlang zwischen den Aliens zu überleben.
Aliens 26JENETTE GOLDSTEIN las den Titel Aliens, was auf Deutsch so viel wie „Fremdlinge" heißt, und den Namen ihres Charakters Vasquez, weswegen sie dachte, es handele sich um ein Immigrationsdrama. Darum erschien sie zum Casting im Latina-Schlampenlook mit High-Heels und Minirock. JAMES CAMERON nahm es mit Humor und ließ sie in diesem Aufwand für harte und maskuline Rolle vorsprechen. GOLDSTEIN meisterte jedoch das Vorsprechen auch so und bekam zu Recht die Rolle der spröden Vasquez. Mit WILLIAM HOPE gelang den Filmemachern ein weiterer Glücksgriff, da es sich auch um einen unverbrauchten Theaterdarsteller handelte. Er spielt den bemüht autoritären Lieutenant Gorman, der die Aufklärungsmission anführen soll und dabei fast an seiner mangelnden Erfahrung scheitert. Ergänzt wird das Team von AL MATTHEWS als Sergeant Al Apone; vermutlich der authentischste Charakter im ganzen Film. Denn MATTHEWS diente tatsächlich im Vietnam-Krieg, wo er sich zig Orden erkämpfen konnte und schließlich zum allerersten schwarzen Sergeant des US-Marine Corps aufstieg, bevor er sich der Filmbranche widmete. Wer nun gut aufgepasst hat, der wird feststellen, dass fast alle Charaktere auch die Vornamen bekommen haben, die sie auch im wirklichen Leben tragen. Ein kleiner Kniff von JAMES CAMERON, der den Schauspielern helfen sollte, sich besser in ihre Rollen einzufügen. Und wenn man sich Leistungen der Akteure so ansieht, dann hat dieser Trick auch hervorragend funktioniert.

Fazit: Mit Aliens – Die Rückkehr beweis JAMES CAMERON, dass er sein Terminator nicht einfach nur eine Eintagsfliege war. Seine Fortsetzung von Sir RIDLEY SCOTTs Alien macht nicht nur Alles richtig, was ein Sequel richtig machen kann, sondern JAMES CAMERON gelang es damit ein ganz eigenes Original zu schaffen, was innerhalb der Franchise und darüber hinaus einzigartig ist. CAMERON nahm den Horror des ersten Teil und entwickelt daraus ein actionreiches Szenario mit erstklassigen Special Effects, exzellenten Schauspieler, einem fabelhaften Soundtrack und einer spannenden Inszenierung, die sowohl Anhängern von Suspense als auch Action gerecht wird. Dieser Film besitzt zu Recht seinen ganz eigenen Kultstatus und gab wegen seinem riesigen Erfolg im Kino auch direkt den Startschuss zu Alien³. So ein Meisterwerk kann man nur mit 10 von 10 Punkten bewerten.

 


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