The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz

The WIld Bunch - Cover 02Regie: SAM PACKINPAH
Drehbuch: WALON GREEN & SAM PACKINPAH
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 145 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 3. Oktober 1969

„Bring sie um, Pike! Töte sie, töte sie Alle! Schick diese Bastarde zur Hölle, Pike!!!"


The Wild Bunch 19Der Regisseur SAM PACKINPAH (Convoy, Das Osterman-Weekend, Steiner – Das Eiserne Kreuz, Getaway) gilt als eines der ersten Entfant Terribles des amerikanischen Kinos. Besonders zwei Themen hatten es dem Altmeister angetan. Zum einen der Zusammenhang von Gewalt und Gegengewalt, den er mit seinem genialen Klassiker Wer Gewält sät . . . 1971 in schockierend drastischen Bildern analysierte, und zum anderen der Zusammenprall von Tradition auf Moderne, den er 1973 in seinem nicht minder berühmten Spätwestern Pat Garett jagt Billy The Kid fokussierte. Beide Themen jedoch fanden sich bereits wenige Jahre zuvor in seinem Klassiker The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz, der 1969 in den Kinos anlief und im Nu zu einem Kultfilm wurde. Der unbekannte Statist und Stuntman ROY N. SICKNER hatte die entscheidende Idee zu dem Film, als er seinem Freund LEE MARVIN (Point Blank, Das dreckige Dutzend, Gorky Park) eine weitere Hauptrolle spendieren wollte. Mit dieser Idee wandte er sich an den damals noch unbekannten Drehbuchautor WALON GREEN (RoboCop 2, Wargames, Robinson Crusoe, Hi-Lo Country, Eraser), der daraus auch ein recht passables Skript bastelte. Mit der Unterstützung von LEE MARVIN, dem das Skript überaus gut gefiel, klärte sich das Großstudio Warner Bros. recht schnell bereit The Wild Bunch zu produzieren. Aber noch während ein Regisseur gesucht wurde, sprang MARVIN wieder ab, weil er für den Western Westwärts zieht der Wind einen größeren Deal abschließen konnte.
The Wild Bunch 16Deswegen wurde The Wild Bunch aber noch lange nicht auf Eis gelegt, sondern stattdessen SAM PACKINPAH übergeben, der sich ebenfalls sehr angetan von dem Drehbuch zeigte. Mit GREENs Genehmigung schrieb PACKINPAH das Drehbuch nach seinen Vorstellungen um – wie er es mit jedem Skript zu tun pflegte – und begann unverzüglich mit dem Casting. Nach etlichen Querelen und Absagen stand der Wilde Haufen jedoch mit den Oscar-Preisträgern WILLIAM HOLDEN (Stalag 17, Die Brücke am Kwai, Der letzte Befehl), ERNEST BORGNINE (Marty, Verdammt in alle Ewigkeit, Das dreckige Dutzend, Das schwarze Loch, Der Flug des Phönix), EDMOND O'BRIAN (Die barfüßige Gräfin, Julius Cäsar, Der längste Tag), BEN JOHNSON (Die letzte Vorstellung, Straßen der Nacht, Rio Grande) sowie WARREN OATES (Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia, Badlands, In der Hitze der Nacht) und ROBERT RYAN (Das dreckige Dutzend, Spione unter sich, Titanen, Stadt in Angst) fest. The Wild Bunch startete am 18. Juni 1969 in den amerikanischen Kinos und wurde im Nu zu einem Skandal, weil der Film in Sachen Gewalt, Brutalität und Blutvergießen eine völlig neue Dimension aufstieß. Allerdings war der Film auch sehr erfolgreich an den Kinokassen und brachte SICKNER, GREEN und PACKINPAH eine Oscar-Nominierung ein.

The Wild Bunch 13Wir schreiben das Jahr 1914. Die alternde Bande von Outlaws um Pike Bishop raubt Banken, Züge und Goldvorkommen aus. Doch weniger aus einer Not heraus, sondern vielmehr aus Langweile und weil sie in ihrem ganzen Leben noch nie etwas Anderes getan haben, als das Leben eines Gesetzlosen zu führen. Dabei gehen sie auch sehr erfolgreich zu Werke – bis ihnen Deke Thorne dazwischenfunkt. Deke war einst Pikes bester Freund und treuster Kamerad. Jetzt ist er dessen entschlossener Erzfeind, der Alles unternimmt, um ihm das Handwerk zu legen. Deke stehen dabei kaltblütige Söldner zur Seite, die Pikes Bande im Auftrag der Eisenbahngesellschaft zur Strecke bringen sollen. Pike weiß das und merkt langsam, wie ihm die Zeit abläuft. Er sehnt sich nach einem ruhigen Lebensabend, den er in vollen Zügen genießen will. Aber dazu braucht er Geld; viel Geld! Schließlich plant Pike mit seiner Bande einen letzten großen Coup, der ihn nach Mexiko führt. General Mapache gehört zu der Regierung, die Mexiko mit einer eisernen Hand regiert, weshalb er sich gerade mit einer ernstzunehmenden Revolution gegenübersieht. Einen militärischen Berater aus Deutschland hat er sich bereits geleistet, aber er braucht auch Waffen – und die soll Pikes Bande ihm beschaffen, was mit reichlich Gold belohnt werden soll. Doch Angel, ein mexikanisches Mitglied der Bande, überredet Pike, heimlich eine der Waffenkisten den Rebellen zu übergeben. Obwohl die Sache riskant ist, stimmt die Bande zu, jedoch ohne zu wissen, dass Mapache ohnehin nie vor hatte sie zu bezahlen. Als dann einer von Ihnen von General Mapache gefangen genommen, gefoltert und brutal ermordet wird, sorgen sie – wohlwissend, dass ihnen Allen der gewaltsame Tod sicher ist – für den längsten, brutalsten und blutigsten Abgang in der Westerngeschichte.
The Wild Bunch - Banner 01The Wild Bunch ist zweifelsohne ein Meisterwerk, und nicht nur einfach eine Abrechnung mit der verklärten Westernära noch dazu, sondern ein wegweisendes Stück Action- und Gewaltkino, was bis heute Regisseure wie ROBERT RODRUIGEZ, ZACK SYNDER, WALTER HILL und JOHN WOO beeinflusst.
The Wild Bunch 07Wir alle kennen ja das Bild des klassischen Westerns, von einem aufrichtigen Helden, der gegen böse Indianer kämpft, Mädchen mit dem Lasso einfängt, in belebten Saloons Poker spielt und den Fiesling in einem Duell erledigt. Ein Bild, ein Mythos, der bereits Mitte der 1960er kritisch betrachtet wurde. Doch dann kam The Wild Bunch, der sich davon nicht nur distanzierte, sondern wüst mit Füßen trat. Und zwar so arg, dass sich der große amerikanische Westerndarsteller JOHN WAYNE beschwerte, dieser Film hätte den Mythos des Westerns zerstört – und damit hat er auch vollkommen recht! Bereits in den 1950ern begann das klassische Bild des polierten Westerns zu bröckeln. Das Recht und das Gesetz sowie die Moral jener Ära wurden in Frage gestellt, die Darstellung feindlicher Indianer endlich von der Realität eingeholt und die Helden nicht mehr als astreine Saubermänner mit Perlweisgrinsen herausgeputzt. Filme wie der Klassiker Spiel mir das Lied vom Tod begannen die alten und verlogenen Tugenden zu kritisieren und es war nur eine Frage der Zeit, bis es ein Werk auf die Spitze treiben würde. Aber was sich The Wild Bunch erlaubte, war nach damaligen Maßstäben ein Bruch mit nahezu allen Konventionen. Es muss darum wohl 1969 ein ganz schöner Schock gewesen sein, als der Film ins Kino kam, wo er sogar in den USA zensiert werden musste. Sah sich das Publikum doch nur sehr selten zuvor mit so viel Pessimismus und Gewalt konfrontiert – und noch dazu auf einem sehr hohen Niveau.

The Wild Bunch 05Die Atmosphäre von The Wild Bunch ist durchzogen von starker Melancholie, einer leichten Depression, erheblichem Pessimismus und extremer Gewalt. Besonders in den Charakteren wird diese Zeichnung deutlich, denn hier stehen keine Helden im Vordergrund, sondern eine Bande von Gesetzlosen, die sich eben auch exakt so verhalten. Sie rauben Banken, Züge, Gesellschaften und Menschen aus, weil sie es schlicht auf Geld und Vermögen abgesehen haben, anstatt den Armen zu helfen. Das kann man unter anderem auch daran erkennen, dass sie rücksichtlos Zivilisten abknallen sobald sie in die Schusslinie geraten. Auch vor menschlichen Schutzschilden machen sie nicht halt. Pike ist ein Verbrecher, der in schlechten Erinnerungen lebt und seine Aufmerksamkeit dem Raub widmet, immer in der leisen Hoffnung endlich zu sterben, was ihn aber nicht daran hindert während einer christlichen Prozession eine wüste Schießerei anzuzetteln bei der eine Menge unschuldiger Leben ausgelöscht werden, um seine eigene Haut zu retten. Sein Gegenspieler Deke und seine Söldner sollten ihn ja eigentlich zur Strecke bringen und die Eisenbahn schützen. Doch sie gehen sogar noch ein Stückchen weiter als Pike, indem sie bewusst Passanten abknallen und ausplündern; sich also selbst einen Dreck um Menschenleben scheren. Dass heißt, der Zwiespalt von Gut und Böse wird vollends aufgehoben und jegliche Form von Heroismus quasi im Keim erstickt. Geld, Wut oder Rache sind hier die Leitmotive jeder einzelnen Figur. Gewalt wird zum Zeitvertreib, alte Freundschaften sind entweder automatisiert oder haben sich in blanken Hass verwandelt. Hass, der mit Hektolitern Blut gestillt werden muss. Unterstrichten wird dieses höchst negative Menschenbild von der Kollision zwischen den altmodischen Traditionen mit der modernen Zivilisation, die rücksichtslos jedes Relikt verschluckt oder vernichtet.

The Wild Bunch 17Was bleibt ist keine Grauzone, sondern tiefstes Schwarz durchlöchert mit blutig-roten Einschusslöchern. The Wild Bunch ist nämlich ein sehr actionreicher Film, in dem es sehr lange Sequenzen voller Gewalt zu sehen gibt. Da explodieren Granaten vor einem Haufen Soldaten, die davon in alle Himmelsrichtungen gesprengt werden, Dreck spritzt, Fetzen fliegen herum, Menschen stürzen von Felsen und Gebäuden, Pferde stürzen samt Reiter in Fenster und ganze Häuserwände werden mit Maschinengewehren durchlöchert. Technischer Höhepunkt der Action ist die Sprengung einer ganzen Brücke – allerdings mit Pferden und inklusive ihren Reitern darauf! Bis heute gilt diese spektakuläre Szene als einer gewagtesten Stunts in der Kinogeschichte, aber PACKINPAH war es wichtig, dass man wirklich Reiter und Pferde sieht, die mitsamt den Trümmern in die Fluten stürzen. Ein extremes Risiko, was sich im Nachhinein durchaus gelohnt hat. Um die Gefahr aber wirklich so spürbar wie möglich zu machen, setzte PACKINPAH auf realistische und blutrünstige Gewaltszenen im Minutentakt. Hier pufft nicht einfach nur Rauch aus der Knarre und die Opfer klappen harmlos zusammen. Nein, hier sieht man Blutspritzer meterweit aus zerfetzten Körpern jagen, Menschen werden mit der Schrotflinte auf drastischste Art getötet, Kopfschüsse sind nie ohne Hirnmasse zu sehen, zum Schluss werden ganze Legionen von einem Maschinengewehr niedergemäht und manche Opfer werden von den Kugeln regelrecht zerrissen. Das epische Finale von The Wild Bunch - was in unzähligen Actionfilmen kopiert und nachgeahmt wurde - muss sich in seiner Blutrünstigkeit und Brutalität wohl nur MICHAEL CIMINOs Heaven's Gate geschlagen geben, auch wenn im direkten Vergleich nur sehr wenige Hektoliter Kunstblut fehlen.The Wild Bunch - Banner 03The Wild Bunch 21Und das hat auch seinen guten Grund, denn es sind vor Allem diese langen und drastischen Gewalt- und Actionszenen, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben; und das wusste PACKINPAH genau, auch wenn er aus erzählerischer Sicht Alles richtig macht. Aufgeteilt ist The Wild Bunch in drei lange, harte Actioneinheiten und zwei Handlungssequenzen, die wie Zahnräder ineinandergreifen. Gleich zu Beginn gibt es die erste dicke Schießerei, womit PACKINPAH Spannung und Unterhaltung erzeugt. Im Anschluss drosselt der Meisterregisseur das Tempo, um sich den Charakteren und der Handlung zu widmen. Allerdings variiert The Wild Bunch immer mal wieder in seinem Tempo, wird schneller und dann wieder langsamer, was für sich alleine genommen recht unterhaltsam ist. Manche wichtigen Storydetails behält The Wild Bunch jedoch für sich und gibt sie erst nach und nach Preis, wie etwa die Ursache für den Hass zwischen Deke Thornton und Pike Bishop, wodurch zusätzlich Spannung und Unterhaltung entsteht. PACKINPAH verheimlicht dabei aber in keiner Sekunde, dass der Weg des wilden Haufens in einer riesigen Gewalteruption enden wird. Dabei merkt man kaum, wie viel hier eigentlich improvisiert wurde. Das Verbrennen der Skorpione und Ameisen, was zum Symbol für die Ausweglosigkeit dieses Films wurde, geht auf eine spontane Idee von Schauspieler EMILIO FERNÁNDEZ zurück, der sich als Kind zusammen mit anderen Altersgenossen einen Spaß daraus machte. Im Skript war nur die Sprengung der Brücke zu finden; erst während der Dreharbeiten entstand der Überfall quasi um diese Szene herum, inklusive einiger weiterer halsbrecherischen Stunts. Inspiriert wurde der Titel des Films übrigens durch das reale Vorbild von Butch Cassidy, der in den 1890ern zu einem der bekanntesten Gesetzlosen des Wilden Westens aufstieg. Seine Bande wurde von der Presse rasch als der wilde Haufen bezeichnet; eben "The Wild Bunch".

The Wild Bunch 22Stilistisch gesehen ist The Wild Bunch ein absolutes Meisterwerk, das nicht nur mit einem großen Aufwand realisiert, sondern auch mit einer handwerklichen Klasse umgesetzt worden ist, die sogar noch 40 Jahre nach der Entstehung des Films Regisseure auf der ganzen Welt beeinflusst. Der Fokus liegt hierbei natürlich auf den Actionszenen, die mitunter zu den professionellsten Actionsequenzen in der Kinogeschichte gehören. Aufgrund des damals technischen Standes waren ausufernde Kamerafahrten leider nicht in großem Umfang möglich. Das wusste auch PACKINPAH und setzte darum viel eher auf eine extrem geschickte Montage aus vielen unterschiedlichen Einstellungen, einem hohen Schnittaufwand und starken Zeitlupen. Gerade das grandiose Finale wurde mit sage und schreibe mehreren hundert Einstellungen gedreht. Die durchschnittliche Länge einer Einstellung in The Wild Bunch im Film beläuft sich auf drei Sekunden; in den Actionszenen gar unter eine Sekunde! Damals wie heute ein absoluter Rekord und seiner Zeit um fast 30 Jahre voraus. Ganze 90.000 Kugeln wurden während des Drehs verschossen; mehr als doppelt so viel als im mexikanischen Bürgerkrieg! Alleine im Finale wurden an die 10.000 Einschüsse mit den Kameras festgehalten. Aber nicht nur das. PACKINPAH war wegen der Effekte der Einschüsse nicht zufrieden, nahm seinen eigenen Revolver zur Hand und durchschoss eine Wand ohne sich zu Vergewissern, dass Jemand dahinterstand, um den Make-Up-Spezialisten ein Bild davon zu geben, welche Gewalteffekte er im Sinn hatte. Außerdem lehnte PACKINPAH es ab, für die leichten Mädchen in The Wild Bunch extra Schauspielerinnen zu verpflichten. Stattdessen begab er sich in den nächstgelegenen Puff und brachte etliche Prostituierte mit, die er im Film mitspielen ließ.
The Wild Bunch 23Ebenso aufwendig und radikal wie der Film selbst, ist auch die Zensurgeschichte, die der Klassiker hinter sich hat. Denn wie man sich vorstellen kann, war nicht nur das damalige Publikum wegen der Gewaltszenen geschockt; die Prüfer waren es auch. Insgesamt sterben in The Wild Bunch ganze 145 Menschen, davon allein 112 in den letzten 10 Minuten. Die blutige Gewalt sowie einige Nacktszenen waren auch der Grund, warum der Film zuerst mit einem X-Rating belegt wurde und somit nur in Pornokinos hätten laufen können. Warner Bros. legte jedoch Einspruch ein und gewann in letzter Minute ein R-Rating für eine 20 Minuten kürzere Fassung, die jedoch nur Handlungsschnitte aufweisen konnte, um The Wild Bunch auf ein kinotaugliches Maß zu bringen. Damit war die Zensurgeschichte allerdings noch nicht zu Ende, denn als in den frühen 1990ern der Original Director's Cut von SAM PACKINPAH restauriert wurde, musste auch diese Fassung eingestuft werden und erneut zeigten sich die Prüfer wenig begeistert und drohten mit einer NC-17. Warner Bros. war abermals gezwungen sich zu wehren und wieder wurde die längere Fassung doch noch mit einem R-Rating belegt. In Deutschland wurde The Wild Bunch zunächst jede Freigabe verweigert, obwohl man gleich die kürzere Fassung prüfen ließ. Erst nachdem diverse Gewaltzensuren vorgenommen wurden bekam The Wild Bunch hierzulande die FSK 18; der unzensierte Director's Cut circa 40 Jahre später jedoch sogar eine FSK 16, die trotz des Alters von The Wild Bunch immer noch ein Stück untertrieben wirkt.
The Wild Bunch - Banner 02The Wild Bunch 24Ein besonderer Kniff findet von The Wild Bunch findet sich bei den beiden Hauptdarstellern WILLIAM HOLDEN und ROBERT RYAN, die nun die Todfeinde Pike Bishop und Deke Thornton darstellen, aber sich im ganzen Film nur ein einziges Mal gegenüberstehen. WILLIAM HOLDEN war seiner Zeit bereits ein großer Star, der ausgerechnet durch die Rolle des verführerischen Helden bekannt und berühmt wurde. In The Wild Bunch ist er jedoch ein gewissenloser, verbitterter Verbrecher, der seinen Zenit überschritten hat und nur noch zum Selbstzweck raubt und mordet. ROBERT RYAN hingegen trat zur Zeit seiner größten Erfolge meist auf der falschen Seite des Gesetzes auf, kannte darin weder Mitleid noch Gnade, während er in The Wild Bunch sogar noch den Söldnern ins Gewissen reden muss. Das Spiel der beiden Schauspieler unterscheidet sich dabei bewusst kaum voneinander. Beide gehen verbissen und stur ihrem Handwerk nach, mit kalter Gestik und entschlossener Mimik, während sich in den Augen ihre Kaltblütigkeit wiederspiegelt. Man hat als Zuschauer keinen Zweifel an ihrem Hass aufeinander und ebenso wenig, dass sich beide nur noch den Tod wünschen, was viel zu dem finsteren Bild beiträgt, welches The Wild Bunch vermittelt.
The Wild Bunch 10Erst den Nebendarstellern wie WARREN OATES, ERNEST BORGNINE, JAMIE SÁNCHEZ und BEN JOHNSON als Pikes Bande erlaubte SAM PACKINPAH ein wenig mehr Spielraum. Der erst kürzlich verstorbene ERNEST BORGNINE ist Dutch Engstrom und damit so Etwas wie das kleine Restgewissen der Gang, was jedoch hauptsächlich der Loyalität untereinander gilt. Wenn es sein muss auch einmal mit Wut und Geschrei. WARREN OATES und BEN JOHNSON spielen die Brüder Lyle und Tector Gorch, die sich mehr wie wilde Hunde verhalten. Sie raufen, saufen, prügeln und ballern zusammen mit Pike, weil sie von Aufregung und Abenteuerlust getrieben werden. Anders, als der junge Mexikaner Angel alias JAMIE SÁNCHEZ, der sich aus Geldnot Pikes Gang angeschlossen hat. Ihm geht es vor allem um die Rückkehr zu seinem geliebten Mädchen und dass er die Menschen in seinem Dorf versorgen kann. Damit steht er in direktem Kontrast zu General Mapache, der von EMILIO FERNÁNDEZ gespielt wird. Zwar ist jeder Charakter negativ geprägt, aber bei Mapache handelt es sich um die einzige Figur, die durch seine verräterische und bösartige Art der Bösewicht des Films ist. Auch wenn seine Rolle nicht besonders umfangreich ausfiel, schafft er es durch sein breites Haifisch-Grinsen leicht Präsenz zu zeigen. Letzter im Bunde ist EDMOND O'BRIEN, der in einem seiner letzten Filme als versiffter und schrulliger Freddie Sykes für ein wenig Bodenhaftung sorgt, während er sich um die Pferde der Gang kümmert.

Fazit: SAM PACKINPAH hat mit The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz sehr viel gewagt, wurde er 1969 doch für seinen Western stark kritisiert. Jedoch hat es „der wilde Haufen" redlich verdient ein Meisterwerk genannt zu werden, da der Film wie kein anderes Werk vor ihm und nur sehr selten nach ihm den verklärten Mythos des Westerns demontiert und durch die extremen sowie zahlreichen Gewaltszenen regelrecht in Stücke schießt. Darüber hinaus glänzt The Wild Bunch mit hervorragenden Schauspielern, einem immensen Aufwand, sehr riskanten Stunts und einem bahnbrechenden visuellen Stil, der bis heute Actionregisseure auf der ganzen Welt inspiriert. Wie vergeben 10 von 10 Punkten.