The Cabin In The Woods

The Cabin In The Woods - Cover 01Regie: DREW GODDARD
Drehbuch: DREW GODDARD & JOSS WHEDON
Medium: Kino
Spielzeit: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 06. September 2012

„Das ist nicht fair, ich hatte auch Zombies!"

 

„Ja, das stimmt. Du hattest Zombies. Aber das ist eine Zombie-Bauern-Folter-Familie. Das ist etwas ganz Anderes. Das ist wie der Unterschied zwischen einem Elefanten und einem See-Elefanten."


The Cabin In The Woods 12Die beiden Filmemacher DREW GODDARD (Alien: Resurrection, Toy Story, Titan A.E.) und JOSS WHEDON (Alias, Lost, Cloverfield) kennen sich schon lange und sind ein eingespieltes Team, seitdem sie für die Teenie-Horrorserien Buffy und Angel zusammenarbeiteten. Immerhin ganze sieben Jahren, in denen die beiden eine innige Freundschaft untereinander aufbauten, was dazu führte, dass GODDARD und WHEDON seit dieser Zeit immer irgendwie miteinander arbeiten. Vor einigen Jahren hatten die Beiden schließlich die Schnapsidee, dem ganzen Horrorgenre eine Hommage zu bescheren. Aber aus dieser Schnapsidee entsprang letztendlich der Funke für The Cabin In Woods, dessen Drehbuch innerhalb von kürzester Zeit geschrieben wurde. Das interessante und doppelbödige Skript war dermaßen vielversprechend, dass sich im Nu ein Studio fand und JOSS WHEDON den Film produzierte. Obwohl er schon einige Mal Regie geführt hatte, überließ er das gemeinsame Drehbuch nun DREW GODDARD, damit dieser endlich sein Regiedebüt inszenieren konnte. Für The Cabin In The Woods brauchte man einen jungen, aber schon erfahrenen Cast, der sich fast problemlos mit CHRIS HEMSWORTH (Snow White And The Huntsman, Thor, In The Heart Of The Ocean), KRISTEN CONNOLLY (The Happening), ANNA HUTCHINSON (Spartacus: War Of The Damned), JESSE WILLIAMS (Grey's Anatomy) und FRAN KRANZ (Dollhouse) fand. Aber auch die beiden altgedienten Routiniers RICHARD JENKIS (Let Me In, Six Feet Under, Operation Kingdom) und BRADLEY WHITFORD (The Good Guys) haben in The Cabin In The Woods wichtige Rollen, die über schlichte Nebenrollen hinausgehen. The Cabin In The Woods lief international Mitte April bis Anfang Mai in den weltweiten Kinos an und konnte dort an die 60 Millionen Dollar einspielen. Kritiker und Publikum waren von dem Streifen sehr angenehm überrascht, der leider erst ab 6. September 2012 in unseren Kinos zu sehen sein wird.

The Cabin In The Woods 11Die nüchterne Dana, ihre modebewusste Freundin Jules, ihr Macker Curt, der zurückhaltende Holden und der ewig bekiffte Marty sind fünf Freunde, die sich zusammen einen schönen Urlaub in der abgelegenen Hütte von Curts Cousin machen wollen. Die Hütte liegt abgelegen in einem vom Fels eingeschlossenen Tal, wo es nur einen Tunnel gibt. Der See ist malerisch, die Hütte recht stylisch, der Alkohol fließt und es könnte so schön sein, wenn da nicht auf einmal eine Bande von Zombies auftauchen würde, die ihnen nach dem Leben trachtet. Die Freunde setzen sich mit aller Macht zur Wehr, dabei haben sie keine Ahnung, wie schlimm die Situation wirklich ist. Die Opfer wissen nämlich nicht, dass sie beobachtet werden und unbedingt sterben sollen. Tatsächlich wird jede ihrer Bewegungen von diversen Kameras und Wanzen eingefangen, die ihre Bilder direkt in den Kontrollraum von Sitterson und Hadley übertragen. Sie bedienen die ganze Anlage und achten mit allen möglichen Tricks wie elektronischen Sperren, Temperaturreglern und Pheromone darauf, dass ihre Ziele auch wirklich ins Gras beißen. Sie veranstalten dieses Todesspiel nun schon eine ganze Weile und sind mit allen Wassern gewaschen. Doch in ihrer Überheblichkeit bekommen sie nicht mit, wie einer der Teenies zufällig einen Weg in die Anlage entdeckt und droht hinter ihr Geheimnis zu kommen.
The Cabin In The Woods - Banner 03The Cabin In The Woods teilt sich atmosphärisch in zwei Bereiche - auf der einen Seite diese großartige Liebeserklärung an den Horror und auf der anderen Seite ein witziger Blick auf die Menschen, die das Todesspiel inszenieren.
The Cabin In The Woods 18Der Horror in The Cabin In The Woods ist dermaßen klischeehaft übertrieben, das man als Horrorfan den ganzen Film gegenüber einfach nur mit breitem Grinsen davor sitzt und in beinahe jeder Szene einen anderen Horrorklassiker entdecken kann. Die fünf Klischee-Teenies kennt man ja bereits aus unzähligen Horrorstreifen von den 1970ern aufwärts und bedürfen darum keiner weiteren Erläuterung. Die berüchtigten Zombies sind ein Mix aus der kaputten Sippe in Texas Chainsaw Massacre und den vergammelten Kreaturen in Return Of The Living Dead, der See, an dem die Teenies ihren Urlaub verbringen, erinnert frappierend an den Crystal Lake aus Freitag der 13., und zu guter Letzt schwebt über der ganzen Szenerie der Geist von Tanz der Teufel. Das merkt man besonders an der Hütte selbst, dem Wald und dem unheimlichen Keller voll von altem Gerümpel. Als Krönung kopiert The Cabin In The Woods sogar noch die bekannte Szene, wo in Tanz der Teufel plötzlich die Kellerluke aufspringt. Aber nicht nur konkrete Klassiker an sich, auch alle möglichen Genremonster kommen in The Cabin In The Woods auf blutige Art und Weise zum Einsatz. Banshees, Werwölfe, Seeungeheuer, riesige Vogelspinnen und Schlangen, rachelüsterne Geister aus Japan, Aliens, Vogelscheuchen, Fledermäuse, Ghoule, verrückte Ärzte, Vampire, Dämonen, Mumien und sogar Zenobiten! WHEDON und GODDARD lassen aber auch wirklich gar Nichts aus und legen sogar noch die geistreiche Schlussfolgerung oben drauf, dass das einzig wahre Böse unter der Erde lauert. Nein, der Satan spielt hier keine Rolle, sondern vielmehr Horrorgott H. P. LOVECRAFT und sein Kultwerk Necronomicon.
The Cabin In The Woods 09Über LOVECRAFT kommt auch die Verbindung zu dem großen Spiel dahinter zustande. Hier stehen nicht die Teenies im Vordergrund, sondern die beiden Anlagenleiter Sitterson und Hadley. Über sie erfährt der Zuschauer nach und nach, was hier eigentlich wirklich läuft und was hinter dem Todesspiel steckt – und dies auch noch auf sehr witzige Weise. Denn Sitterson und Hadley sind wie die Killer Jules und Vincent aus Pulp Fiction; nur älter und in typischen Bürohemden. Sie labern über alltägliche Dinge, Ehestress, Politik und die Deppen aus anderen Abteilungen, während sie gleichzeitig dafür sorgen sollen, dass ein paar junge Menschen einen grausamen Tod sterben. Für sie ist dieses Todesspiel inzwischen blutige Routine und genau so verhalten sie sich auch. Sie wetten mit Kollegen, verarschen untergebene Techniker und drehen gelegentlich an einem Schalter, damit sie die Titten von Jules besser ins Bild bekommen. Sogar die ausgedehnten Dialoge und die simplen Einstellungen sind an QUENTIN TARANTINO angelehnt, was unweigerlich in einem staubtrockenen Humor endet, bei dem man sich fiese Lacher nicht verkneifen kann. Aber auch der Kiffer Marty sorgt mit seiner skurrilen Art für einen gewissen Witz, der den ganzen Film über unterhält und so auch die sehr ordentliche Brutalität entschärft, die zum Ende in einem wahren Splattertornado ausufert. Allerdings schon wieder so überzeichnet, dass The Cabin In The Woods genau an dem kritischen Punkt zwischen einer FSK 16 und einer FSK 18 schwebt. Die FSK drückte jedoch dieses Mal beide Augen zu und vergab für die ungeschnittene Fassung eine FSK 16, weswegen man die erheblichen Blutspritzer in The Cabin In The Woods auch ohne Abstriche im Kino genießen kann.

The Cabin In The Woods 14The Cabin In The Woods ist also fürwahr ein sehr witziger und amüsanter Horrortrip, der viel viel mehr zu bieten hat, als nur ein paar Teenies in einem doppelbödigen Spiel auf Leben und Tod. Das funktioniert deswegen so gut, weil The Cabin In The Woods hier strikt zwischen Opfern und Tätern hin- und herschaltet. Stück für Stück erleben wir auf der einen Seite einen typischen Horrorfilm mit Anreise, den üblichen Spanungsbögen und blutigen Morden, aber auf der anderen Seite immer wieder den zynischen Blick hinter die Kulissen, wo die Techniker und Wissenschaftler jeden Schritt der Opfer beeinflussen und parallel dazu immer weiter ein Stückchen von dem Rätsel preisgeben, warum denn nun diese jungen Menschen krepieren müssen. So arg wie Sitterson und Hadley auch darüber herziehen, hat das schon was vom Film-Im-Film-Prinzip, wo nach und nach ein Horrorklischee nach dem anderen offengelegt und durchleuchtet wird. Nicht zuletzt heißt auch einer der Charaktere Truman; nach dem Realiltydrama Die Truman Show. Allerdings laufen die Fäden hier mit einem Bruch direkt zusammen und machen das Ausmaß des Todesspiels erst deutlich. Manche Logiklöcher sind zwar darin inbegriffen, aber die gehören zu so einem umfangreichen Horrorfilm einfach dazu, wie auch die Vorhersehbarkeit von einigen Morden. Aber dies ist wiederum auch so von den Filmemachern eingeplant. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, ja sogar noch auf die intellektuellen Unfähigkeiten mancher Amerikaner draufgehauen; und das trauen sich nicht viele Filmemacher. Nicht zuletzt ist The Cabin In The Woods ein sehr humorvoller und doch spannender Film, der von Anfang bis Ende Laune macht. Eine Fortsetzung ist zwar möglich, müsste jedoch – wenn man den Plot weiterspinnt – weniger in einem Horrorfilm münden, als in einem epischen Action- und Fantasyfilm.

The Cabin In The Woods 05Man möchte es zwar nach den ersten paar Minuten nicht vermuten, aber hinter The Cabin In The Woods verbirgt sich ein recht geschickt inszenierter Film. Sogar sehr respektabel dafür, dass es sich um das Regiedebüt von DREW GODDARD handelt. Die Kamera liefert klare Bilder, eine perfekte Balance zwischen Wackelkamera und dem Stativ und der Schnitt ist wirklich gut gelungen, was man auch von den Special Effects sagen kann. Obwohl sich klassische Bluteffekte eher in Grenzen halten, sieht hier das Pixelblut ebenso perfekt bzw. beinahe lebensecht aus. Womöglich die professionellsten Splatterszenen, die bisher am Computer entstanden sind, denn man muss in manchen Szenen schon zwei Mal hinsehen, um den Unterschied zu erkennen. Gegen Ende hin wird es zwar offensichtlich, dass es sich um Computereffekte handelt, aber die Qualität kann dabei locker mit aktuellen Blockbustern mithalten. Allerdings auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Filmmacher hier beinahe zwei Jahre dazu Zeit hatten. The Cabin In The Woods wurden eigentlich schon im Jahr 2009 gedreht, kam bzw. kommt aber erst jetzt in unsere Kinos. Die Studios MGM und Mutant Enemy erkannten nämlich schon bei der ersten internen Vorführung das erhebliche Potential für 3D und wollten The Cabin In The Woods nachträglich in die dritte Dimension konvertieren. Eine Entscheidung, gegen die sich WHEDON und GODDARD fast schon verbissen zur Wehr setzten. Aus diesem Grund musste The Cabin In The Woods eine erhebliche Verzögerung von zwei Jahren hinnehmen, bis es schließlich bei der 2D-Version bleiben sollte. In meinen Augen die wesentlich bessere Entscheidung, denn sämtliche moderne Standardverfahren zu einer Konvertierung führen immer noch zu einem geradezu peinlichen 3D-Ergebnis. GODDARD und WHEDON haben sich also erfolgreich durchgesetzt und das ist auch vollkommen richtig so, denn auch in 2D macht The Cabin In The Woods mächtig was her. Der Soundtrack besitzt zum Teil natürlich eine klassische Score, verzichtet aber auch nicht auf ein wenig Classic Rock von REO SPEEDWAGON und IGGY POP, Dance von VASSY und fetten Grunge von NINE INCH NAILS, deren „Last" den Titelsong gibt.

The Cabin In The Woods 16Im Produktionsjahr liegt auch die Ursache, weswegen man von CHRIS HEMSWORTH hier doch nicht allzu viel zu sehen bekommt, denn richtig zum Star wurde er erst nach der Produktion von The Cabin In The Woods durch die Comicverfilmung Thor. Hier in The Cabin In The Woods gibt er mit Curt den typischen Quaterback-Kumpel mit Hang zur Angeberei. Aber HEMSWORTH bleibt wohltuend natürlich und verkommt deswegen nicht gar so zu einer Klischeefigur. Anders als FRAN KRANZ, der als ständig zugedröhnter Marty einen saukomischen und urigen Typen abliefert, wo man schon fast bei jedem Kommentar zumindest ein Grinsen auflegen muss. Er ist das lockere Gewissen von The Cabin In The Woods und damit einer der wichtigsten Charaktere des ganzen Films. ANNA HUTCHINSON hat als modebewusstes Barbie-Püppchen Jules sichtlich Spaß daran hat nackte Haut zu zeigen, davon profitieren auch die Zuschauer; gleichwohl wird ihr auch nicht viel mehr abverlangt. Ähnlich blass bleiben leider auch KRISTEN CONNOLLY als nachdenkliche Dana und JESSE WILLIAMS als introvertierter Holden, die beide hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Da wäre eventuell mehr an Mimik und Gestik drin gewesen. Als Ausgleich gibt es mit RICHARD JENKIS und BRADLEY WHITFORD als Sitterson und Hadley ein echtes Dreamteam, wenn es darum geht jede noch so klischeehafte Situation mit staubtrockenem Humor zu kommentieren. Sie sind definitiv eine Show für sich allein und in jeder Faser dermaßen natürlich, dass man vollkommen vergisst, dass hier Menschenleben auf dem Spiel stehen. Als kleines Sahnehäubchen gibt es sogar noch SIGOURNEY WEAVER (Alien, Red Lights, Ghostbusters, Copykill) oben drauf, die in ihrer Rolle auch die letzten Geheimnisse offen legt, wie es sich für einen Film wie The Cabin In The Woods auch gehört.

Fazit: Man muss DREW GODDARD wirklich großes Lob für sein Kinodebüt aussprechen. Sein Erstling The Cabin In The Woods ist teils großartige Hommage an den Horror, teils eine zynische Betrachtung aller Klischees, die dieses Genre begleiten. Mit gut aufgelegten Darstellern demonstrieren JOSS WHEDON und GODDARD den Horror und feiern ihn doch zugleich mit einem sehr humorvollen, aber auch spannenden und sehr unterhaltsamen Film, der mit einer fabelhaften Atmosphäre, exquisiten Special Effects, staubtrockenen Charakteren, einer Menge Blut und nahezu allen möglichen Monstern, Ungeheuern und Horrorgestalten aufwarten kann, die man sich nur vorstellen kann. Wie vergeben grandiose 9 von 10 Punkten.