MtP Artcorner


SOD1Kalender
Die Kalender und Artbooks von MtP Art (Mario Heyer),
die in Zusammenarbeit mit dem CALVENDO Verlag
entstanden,
sind im Handel erschienen. Nähere infos bekommt ihr
hier -->

Follow us on Facebook

Prometheus - Dunkle Zeichen


Prometheus - Deutsches Poster 02Regie: RIDLEY SCOTT
Drehbuch: JON SPAIHTS & DAMON LINDELOF
Medium: Kino
Spielzeit: 124 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 09. August 2012

„Soll das heißen, wir fliegen zwei Jahre durchs All, nur weil ein paar alte Völker Sternenkarten gemalt haben?"

„Es ist keine Sternenkarte, es ist eine Einladung."

„Eine Einladung? . . . Von wem?"


Alien 31Als der Regisseur Sir RIDLEY SCOTT (Gladiator, Thelma & Louise, Hannibal, Black Rain) im Jahr 1979 seinen Klassiker Alien in die Kinos brachte, war er zwar von einem Hit überzeugt, aber das gewaltige Ausmaß und die Begründung einer der wertvollsten Franchises in der Kinogeschichte überraschten selbst ihn. Drei reine Fortsetzungen folgten, unzählige Comics, Videospiele und schließlich sogar zwei Versus-Filme mit dem Predator kamen seit den letzten 33 Jahren dazu. Nachdem 2007 der letzte Versus-Film wegen seiner mangelnden Qualität aber nicht mehr besonders gut ankam, spaltete man die Monster wieder und der Predator bekam im Jahr 2010 eine eigene Fortsetzung spendiert. Schon im Mai 2009 wurden jedoch damals schon Pläne laut, dem schleimigen Alien eine neue Chance zu geben und man tüftelte verschiedenste Ideen aus, wie man einen weiteren Film der Reihe auf die Beine stellen konnte. Schließlich entschied man sich noch im selben Jahr für die Ideen des bis Dato noch völlig unbekannten Drehbuchautors JON SPAIHTS, dem keine Fortsetzung, sondern ein Prequel in Form von zwei Kinofilmen vorschwebte. Im selben Moment ließ das Studio 20th Century Fox dann die Bombe platzen und verkündete öffentlich, dass Sir RIDLEY SCOTT wieder die Regie übernehmen würde – nach Blade Runner sein erster Science-Fiction-Film nach exakt 30 Jahren! Es hätte so schön sein können, doch wegen Streitigkeiten um die Finanzierung und dem angepeilten Rating kam es zu einigen Verzögerungen. Um die Arbeit an den Skripten dennoch voran zu pushen, wurde DAMON LINDELOF (Lost, Cowboys & Aliens, Star Trek) verpflichtet SCOTT und SPAIHTS unter die Arme zu greifen. Und damit begann sich das geplante Alien-Prequel viel weiter zu entwickeln – nämlich hin zu Prometheus.
Prometheus 29LINDELOF brachte dermaßen viele Ideen mit ein, die auch sofort die Zustimmung von RIDLEY SCOTT und damit auch dem Studio fanden, dass zwar SPAIHTS ein wenig ins Hintertreffen geriert, willigte aber stillschweigend ein und das Projekt konnte sich nun vollends entfalten. Nachdem LINDELOF die Arbeiten am Drehbuch unter den wachen Augen des Meister-Regisseur abgeschlossen hatte, konnte unverzüglich die Vorproduktion beginnen, weil man sich nun zunächst auf einen Film geeinigt hatte. Äußerst wohlwollend wurde die Rückkehr von H.R. GIGER aufgenommen, denn der Schweizer hatte das Kultmonster Alien 1979 entworfen und war auch 1992 bei Alien³ am Design der Kreatur beteiligt. Die Hauptrollen wurden mit MICHAEL FASSBENDER (300, Centurion, Inglorious Bastards), NOOMI RAPACE (Verblendung), CHARLIZE THERON (Monster, Hancock), GUY PEARCE (Lockout, Lawless, L.A. Confidential), IDRIS ELBA (Luther, Ghost Rider: Spirit Of Vengeance, Pacific Rim) und dem aufstrebenden LOGAN MARSHALL-GREEN (Devil, Dark Blue, Gesetz der Straße) besetzt. Einem wirklich sehr hochkarätigem Cast also, dem sich angeblich auch PATRICK WILSON (Insidous, Watchmen, Lakeview Terrace) angeschlossen hatte; der aber bis zuletzt nicht in der Besetzungsliste auftauchte. Das Interesse an dem Film war zwar von Anfang an sehr hoch, allerdings wurde Prometheus ebenso von einer sehr umfangreichen Werbekampagne begleitet. Besonders die virale Kampagne gehört mitunter zu den professionellsten Werbemaßen, die jemals zu einem Film aufgezogen wurde. Nicht billig, aber sehr lohnend, wenn man bedenkt, dass Prometheus in den USA und Außerhalb trotz des R-Ratings nach nur einer einzigen Kinowoche seine Produktionskosten + Gewinn wieder eingespielt hat, und etliche Staaten sogar noch ausstehen. Darunter Deutschland, wo Prometheus - Dunkle Zeichen erst ab dem 9. August in den Kinos zu sehen sein wird.

Prometheus 13Im Jahre 2089 zieht die Prometheus einsam ihre Bahn durchs All. Ihr Ziel ist der Planet LV-223, der weit draußen im All um eine fremde Sonne kreist und womöglich die Heimat einer außerirdischen Rasse ist. Die Wissenschaftler Dr. Elizabeth Shaw und Dr. Charlie Holloway haben in einer Höhle auf der schottischen Insel Skye eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Nämlich eine 35.000 Jahre alte Höhlenmalerei, die auf eine bestimmte Sternenkonstellation hinweist. Dieselbe Konstellation fand sich bei anderen uralten Zivilisationen, die zueinander keinen Kontakt haben konnten. Die einzig logische Schlussfolgerung liegt in einer außerirdischen Rasse, die die Menschheit einst von dort besuchte. Die Fakten überzeugten auch Peter Weyland, der Gründer des Großkonzerns Weyland Corporation, der nun über seine Firma die Reise zu dem Sternensystem finanziert hat. Mit an Bord der Prometheus sind neben dem raubeinigen Kapitän Janek auch die Weyland-Funktionärin Meredith Vickers, selbstverständlich Dr. Shaw und Dr. Holloway sowie die Geologen Fifield und Millburn, die sich gerade alle in Stasis befinden. Der Androide David bewacht und überwacht ihren Schlaf und wartet auf den Zeitpunkt, an dem die Prometheus ihr Ziel erreicht. Jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen und Shaw und Holloway können die Crew in das Projekt einweihen. Sie haben LV-223 erreicht und finden tatsächlich geologische Strukturen, die nicht natürlichen Ursprungs sein können. Doch die Vorfreude hält nur kurz, denn der Berg scheint verlassen. Ungewöhnliche Hologramme zeigen beunruhigende Bilder von Wesen, die vor einer unbekannten Gefahr davonlaufen. Ganze Leichenberge werden gefunden und noch dazu hat David geheime Befehle, die nicht wirklich mit dem Ziel der Mission konform sind; auch wenn er damit bewusst Menschenleben in Gefahr bringt. Die Mission wird zusehends zu einer mörderischen Begegnung mit unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt.
Prometheus - Banner 01Man muss SCOTT wirklich Respekt dafür zollen, dass er sämtliche Versprechen die Prometheus vorangingen, vollständig eingehalten hat. Der Film spielt sich im gleichen Universum ab, Prometheus geht tatsächlich dem Klassiker von 1979 voran und der Streifen fühlt sich auch ähnlich an, weil man sehr viele Strukturen und Verweise auf den Sci-Fi-Horror findet. Alien-DNA, wie es SCOTT nannte. Aber dennoch handelt es sich hier um einen wirklich unterschiedlichen Film, weil hier ganz andere Fragen im Vordergrund stehen.
Prometheus 19Prometheus stellt die Frage nach den Ursprüngen der Menschheit und beantwortet diese schon mit voller Deutlichkeit in der ersten Szene nach dem Vorspann mit einer außerirdischen Rasse von Humanoiden, die in Prometheus "Ingenieure" genannt werden; "Konstrukteure" in der deutschen Fassung. Dies ist nur eine der recht umstrittenen Theorien von diversen Schriftstellern, aber auch Wissenschaftlern, die man unter dem Überbegriff Präastronautik zusammenfasst. Die Anhänger von vorzeitlicher Raumfahrt gehen nämlich vollkommen überzeugt davon aus, dass die Menschheit von einer außerirdischen Rasse erschaffen und in vergangenen Zeiten regelmäßig von dieser Besucht worden ist. Offensichtlich gehören auch RIDLEY SCOTT und seine Autoren SPAIHTS und LINDELOF zu dieser Fraktion, denn sie scheren sich, gelinde ausgedrückt, einen Dreck um das Geschwafel der Skeptiker. Prometheus lässt jede noch kontroverse Theorie der Präastronautik Wirklichkeit werden. Von der Erschaffung der Menschheit, der primitiven Einstufung als Götter, dem Bau gewaltiger Monumente bis hin zu bestimmten Sternenkarten von längst untergegangen Zivilisationen folgt dieser Science-Fiction-Film den Ideen von Autoren wie etwa ERICH VON DÄNIKEN, JOHANNES VON BUTLAR und ZACHARIA SITCHIN. Wenn man sich diverse Spitzen in den Dialogen so ansieht, dann werden die Skeptiker darin auch versteckt als ignorant und arrogant bezeichnet. Aber dieses Thema ist nicht neu, führte PAUL W. S. ANDERSON den Zuschauer doch schon in seinem B-Produkt Alien Versus Predator an die Präastronautik heran. In Prometheus gingen die Filmemacher jedoch so sensibel und geschickt vor, dass man problemlos beide Filme nebeneinander betrachten kann, denn sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Da ist die Präastronautik bereits bewiesener Fakt und quasi als selbstverständlich zu betrachten.

Prometheus 12Auf diese Weise findet man auch viel leichter Zugang zu den religiösen und philosophischen Fragen, die hier weit präsenter sind. Warum wurden wir erschaffen? Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es ein ewiges Leben? Kann man den Tod überlisten und was macht eigentlich unsere menschliche Identität aus? Fragen, auf die sich die Figuren in Prometheus von den Außerirdischen Antwort erhoffen, aber auf die SCOTT nur selten direkt eingeht. Viel eher spielt er mit dem Zuschauer und arbeitet mit diversen Assoziationen, die man mit Alien verbindet. Da erkennt man wirklich streckenweise den Klassiker wieder, ohne jedoch, dass SCOTT diesen kopiert. Selten genial auch, wie SCOTT eine der Kernfragen seines anderen Klassikers Blade Runner wieder aufgreift und rotzfrech sogar zitiert! War Decker in Blade Runner nun ein Replikant oder war es nicht? Eine brennende Frage, die auch einen der Hauptcharaktere in Prometheus betrifft; und ich rede jetzt nicht von David, bei dem diese Tatsache in keinster Weise verheimlicht wird. Wobei gerade David für sich genommen ebenfalls ein sehr interessanter Ansatzpunkt des Films ist. David ist ein Androide, der drauf programmiert ist, so menschlich wie nur irgendwie möglich zu sein und darum streng versucht menschliches Verhalten zu imitieren. Das schließt eine kindliche Naivität mit ein, für die man ihn einfach nur gern haben kann; allerdings auch kaltblütigen Sarkasmus, der in fein ausgedrückten Taktlosigkeiten und sogar einer gewissen Bösartigkeit endet. Wobei; David hat als Androide ja kein Gewissen, da er nur Befehlen gehorcht, die von seinen Schöpfern kommen. Darf man ihm also böse sein? Auf diese Weise verkommt die Figur zur personifizierten Metapher des ganzen Films, wenn die Crew der Prometheus ihre außerirdischen Schöpfer sucht. Prometheus ist also in der Tat kein simpler Horrorfilm mehr, der sich lediglich im Weltall abspielt. Muss man deswegen auf Action, Unterhaltung, schleimige Monstern und richtig derben Suspense verzichten? . . . Aber Nein, verdammt!

Prometheus 25Prometheus ist von Anfang an ein recht unterhaltsames Science-Fiction-Erlebnis, was sich in seiner Atmosphäre kontinuierlich zu einem bestimmten Punkt verändert. Der Film beginnt als wissenschaftliche Forschungsreise, die auch religiöse und philosophische Blickwinkel bietet, endet jedoch in einer aufgeladenen, spannungsreichen und auch recht actionlastigen Szenerie. Dieser Wandel findet in Prometheus fast schleichend statt, wobei die versteckten und unbekannten Gefahren immer heftiger zu Tage treten. Manchmal plötzlich, wie etwa ein gewaltiger Sturm. Manchmal im Geheimen brodelnd, so dass nur der Zuschauer sich der Gefahr bewusst wird. SCOTT streut mehrere Quellen für eine potentielle Bedrohung, die er auch alle restlos verwertet. Die Spannungsbögen sind nahezu klassisch und schnüren der Crew der Prometheus langsam aber sicher jeden Ausweg ab. Die außerirdische Formation birgt so einige dunklen Geheimnisse, aber auch David verhält sich Alles andere als aufrichtig, wie überhaupt der Konzern Weyland. Man weiß nicht, wem man hier trauen kann und wem nicht. Tote bleiben nicht aus, wobei man das R-Rating an dieser Stelle ruhig ein wenig kritisch betrachten kann. Es gibt hier in Prometheus schon ein paar recht grausige Szenen, die – wenn nötig – auch dementsprechend blutig umgesetzt. Darin inbegriffen so ein zarter Hauch von Splatter, der für das amerikanische Kino womöglich doch ein Stückchen zu derb war und man auf Nummer Sicher gehen wollte. Für den deutschen Markt ist Prometheus mit einer FSK 16 gekennzeichnet, die auch die vollkommen korrekte Wahl darstellt. Die wenigen Actionszenen in Prometheus wurden zum Teil fetzig, aber auch recht episch umgesetzt, wenn die Raumschiffe hier brachial auf den Planeten krachen.
Prometheus - Banner 03Prometheus 26Prometheus weißt in etwa dieselbe Laufzeit wie Alien auf und ist auch in vergleichsweise ruhigen Bildern erzählt. Jedoch wirkt Prometheus ungleich viel flüssiger und schneller, weil hier ganz einfach viel mehr passiert. Im genial in Szene gesetzten Alien war es noch eine simple Horrorgeschichte, wie eine Raumschiff-Crew von einem unheimlichen Wesen dezimiert wird. Hier in Prometheus muss erst einmal der Planet entdeckt werden, Konflikte zwischen der Crew werden offenbar, manche Geheimnisse sind an Bord verborgen, die außerirdische Formation muss untersucht werden und dann ist da noch das merkwürdige Verhalten von David – aber da ist dann auch nur etwa die Hälfte des Films vorbei! Man sieht, hier ist insgesamt schon wesentlich mehr Inhalt zu finden, als bei Alien, der aber sogar noch um eine Stunde gekürzt in die Kinos kam. Deswegen kann man auch nicht ausschließen, dass ebenso Prometheus für eine kinotauglichere Laufzeit etwaige Handlungsschnitte über sich ergehen lassen musste – und Hinweise darauf gibt es zahlreich. Bei vielen Abschnitten drängt sich bereits subtil Eindruck auf, als würden hier einige Szenen fehlen. Manche Beziehungen zwischen den Crewmitgliedern wirken ungewöhnlich grob. So, als hätte SCOTT hier mit einer Raspel und keiner Feile gearbeitet. Es gibt diverse Anschlussungereimtheiten und auch das ein oder andere Logikloch bleibt nicht aus, wie etwa das völlige Verschwinden eines Crewmitgliedes, und nicht zuletzt existieren offizielle Screenshots von Szenen, die ausdrücklich nicht in der jetzigen Kinofassung zu sehen sind. Dies verweist unweigerlich auf eine längere Fassung für das Heimkino, wie sie heutzutage ja fast schon Standard ist. Höchstwahrscheinlich müssen wir aber nicht, wie im Falle von Alien, 24 Jahre warten bis ein Director's Cut erscheint.
Prometheus 06Ganz am Anfang, als erste Details zu dem Alien-Prequel auftauchten, wurde gemutmaßt, dass man sich vielleicht an den Comics von MARK VERHEIDEN orientieren könnte, der bereits in den frühen 1990ern ein Szenario entwarf, in welchem der Tod des berühmtes Space Jockeys geklärt wird. Wenn man nun Prometheus und den Comic vergleicht, dann kann man auch nicht ausschließen, dass sich LINDELOF und SPAIHTS beim Schreiben des Skriptes daran orientiert haben. Allerdings taucht eben dieser spezielle Pilot, den die Crew der Nostromo in Alien findet, nicht in Prometheus auf; und das hängt auch weit weniger mit einer längeren Videofassung als vielmehr mit einer potentiellen Fortsetzung zusammen. Warum handelt es sich denn zum Beispiel um den Planeten LV-223 anstatt LV-246? Sagen wir mal so: Prometheus kann man als abgeschlossen betrachten, aber er lässt die Türe ganz schön weit offen stehen. Dieser Film ist zwar sehr deutlich das Prequel von Alien – und dies kann man wirklich in jeder Faser erkennen – aber der Film schließt den Bogen zu SCOTTs Klassiker einfach nicht richtig. Da fehlt im Endeffekt doch noch ein gutes Stück bis zur Ausgangslage, die man in Alien vorfindet, und RIDLEY SCOTT ließ bereits vor dem Kinostart indirekt durchblicken, dass ein Sequel zu Prometheus geplant ist. Wir erinnern uns: in den allerersten Meldung zu diesem Projekt war von zwei Kinofilmen die Rede, und nicht nur von einem. Tatsächlich wurde die Fortsetzung mit dem Arbeitstitel Prometheus 2 noch Anfang August 2012 von Fox-Studiopräsidentin EMMA WATTS höchstpersönlich bestätigt.

Prometheus 22Dass sich Prometheus auch ähnlich, wie Alien anfühlt, dafür sorgt natürlich auch die kühle Inszenierung von Sir RIDLEY SCOTT. Die Bilder der Kamera sind sehr klar, der Schnitt äußerst präzise gesetzt und auf eine Wackelkamera verzichtet Prometheus fast völlig. Sogar in den Actionszenen, weshalb er sich deutlich und wirklich wohltuend vom Gros des modernen Kinos abhebt. Gleichwohl lässt SCOTT einige sehr effektive Kamerafahrten zu, die unweigerlich an Alien verweisen. Dabei spielt auch die Optik eine große Rolle, wobei ich persönlich nicht so recht weiß, was man von dem extrem fortschrittlichen Look der Prometheus halten soll. Holographische Bildschirme, dreidimensionale Projektionen und eine gar ungeheuerlich futuristische Krankenstation wirken doch ein kleines Stück zu modern gegenüber der Nostromo in Alien, die eigentlich jüngeren Produktionsjahres ist. Das schließt auch Davids Möglichkeiten mit ein, die Träume der Menschen in den Stasiskapseln lesen zu können, sowie der ungewöhnlich helle Look des Raumschiffes. Schon klar, die Prometheus ist ein hochmodernes Forschungsschiff und die Nostromo ein zweckmäßiger Frachter, dennoch wäre in diesem Fall etwas mehr Primitivität doch ratsam gewesen. Allerdings erkennt man, dass beide Schiffe von derselben Firma gebaut worden sind, und es gibt den Filmemachern so die Möglichkeit, die neue 3D-Technologie auszureizen, die man für Prometheus aufgewendet hat. Zwar ist diese Tatsache bei Prometheus bei Weitem nicht so gepusht worden, wie etwa bei Transformers 3 oder Saw 3D, aber dieser Film stellt tatsächlich eine ganz neue Dimension auf und präsentiert sich als einer der besten 3D-Filme überhaupt. Das liegt daran, dass das Bild in Prometheus nicht nur eine unglaubliche Tiefe besitzt, sondern auch zahllose Pop-Out-Effekte, die den ganzen Film gegenüber zu sehen sind. Prometheus ist also nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein echtes Erlebnis.
Prometheus 27Das schließt natürlich auch die Handschrift von HANSRUEDI GIGER mit ein, die man hier sehr deutlich in den Kreaturen herauslesen kann, die er in Prometheus auf die Menschen loslässt. Gut, den Space Jockey, dessen Raumschiff und die düsteren Gänge kannte man ja bereits aus Alien. Aber in Prometheus erwarten den Zuschauer auch ganz neue Kreaturen, die nicht minder tödlich sind, als das schleimige Kultmonster. Auf einen Wiedererkennungseffekt muss man darum auch nicht verzichten, auch wenn sich die Filmemacher ein wenig Zeit dafür lassen. Aber das Warten lohnt sich definitiv. Übrigens hält der Soundtrack von Prometheus eine ganz besondere Überraschung parat. Nämlich die ursprüngliche Main Theme von Alien, die von JERRY GOLDSMITH komponiert wurde, aber wegen einem sehr bösen Streit mit RIDLEY SCOTT und seinem damaligen Editor TERRY RAWLINGS gestrichen wurde. Das heißt, der Zuschauer hört in Prometheus erstmals die Score, die eigentlich für den Klassiker geplant war. Daran orientiert sich auch der neue Soundtrack des Münchners MARC STREITENFELD, weswegen die musikalische Untermalung des Films wesentlich epischer und hymnischer ausgefallen ist. Der aufgekratzte und spannungsgeladene Song, der im Trailer zu hören war, fehlt jedoch leider in der Kinofassung. Aber das stört nur wenig, denn auf düstere Streicher gemischt mit noch fieseren Electroklängen muss man im Film auch nicht verzichten. Der Score folgt damit der Atmosphäre von Prometheus und wird zusehends düsterer, apokalyptischer und fataler.
Prometheus - Banner 02Prometheus 28NOOMI RAPACE spielt sich in der Hauptrolle Elizabeth Shaw wie schon in Verblendung die Seele aus dem Leib und ist in ihrer Rolle kaum wieder zu erkennen. RAPACE gehört zu denjenigen Schauspielern, die nicht nur eine Sprechrolle ausführen, sondern tatsächlich ihre Rollen bis zur letzten Faser ausleben. Sie zeigt sich als würdige Nachfolgerin von SIGOURNEY WEAVER und nicht minder widerstandsfähig, wenn sie sich verbissen ans Leben klammert und jeder Gefahr mit verzweifeltem Mut trotzt. Da fällt auch LOGAN MARSHALL-GREEN kaum ab, bei dem man sogar geneigt ist in ihm einen jungen TOM HARDY wiederzuerkennen. Er ist der aufrichtige und lebenslustige Partner von Elizabeth, nämlich Dr. Holloway, der all seine Freuden, Ängste, Anspannung und Sorgen hinter einem breiten Lächeln verbirgt, was jedoch stets sehr passend bitter, zynisch oder enttäuscht wird. Von IDRIS ELBA gibt es in Prometheus leider nicht allzu viel zu sehen. Das heißt, in dieser Kinofassung nicht, wo er Captain Janek verkörpert. Janek ist ein etwas raubeiniger Charakter, der sich um die Anweisungen von Weyland einen Dreck schert. Für ihn zählen die Crew, das Weltall und ein kühles Bier in den Händen, mit dem er doch durch einen gewissen Charme überzeugt. Und CHARLIZE THERON erst . . . was für ein facettenreiches Miststück namens Meredith Vickers sie in Prometheus wieder preisverdächtig verkörpert, was sich nur für die Belange der Firma zu interessieren scheint und erst nach und nach menschlichere Züge annimmt, Panik und Furcht zeigen darf. Davon unbehelligt zieht MICHAEL FASSBENDER sein Programm als David fast klinisch maschinell durch und lässt gerade mal so viel Mimik zu, dass er als künstliches Konstrukt zu erkennen ist. Das liegt in einem sehr zarten Lächeln, was David auch in den gefährlichsten Situationen nicht ablegen kann. Das wirkt so unscheinbar wie unberechenbar und genau deswegen geht so eine Faszination von dieser Figur aus.
Prometheus 18Lediglich GUY PEARCE enttäuscht, da er in Prometheus lediglich als extrem betagter Greis zu sehen ist und deswegen unter einem starren Make-Up stark eingeschränkt ist. Er muss sich weitgehend auf das Spiel mit seinen Augen verlassen, weshalb man nur in den wenigen Close-ups die Klasse des australischen Mimen erahnen kann. So einen jungen Schauspieler für so eine betagte Rolle zu wählen erscheint auf den ersten Blick hin unlogisch und unpassend. RIDLEY SCOTT erklärte jedoch später, dass er eigentlich fest geplant hatte, in einigen zusätzlichen Traumsequenzen den junden Peter Weyland zu zeigen. Allerdings wurden diese Szenen nie gedreht. Um GUY PEARCE also richtig als Peter Weyland wahrzunehmen, dafür muss man sich schon die viralen Clips ansehen, die für Prometheus gedreht worden sind. Dort erleben wir den jungen PEARCE mit einer eisernen, berechnenden und äußerst entschlossenen Miene, wo er für die Mission der Prometheus spricht. Um sich also einen Überblick über den Charakter zu verschaffen, muss man sich also die virale Werbekampagne ansehen. Und ja – PATRICK WILSON ist wirklich in Prometheus dabei, seltsamerweise aber nur in wenigen Sekunden. Er spielt den Vater der kleinen Elizabeth Shaw und kommt zusammengerechnet nicht einmal auf eine Minute Screentime. Hier finden sich möglicherweise auch wieder weitere Hinweise auf eine längere Fassung für das Heimkino als auch eine Fortsetzung, denn man engagiert so einen vorzüglichen Schauspieler üblicherweise nicht für so einen kurzen Auftritt, der keinen Cameo darstellt. Man darf also gespannt sein, wie es mit Prometheus weitergeht. Die jetzige Kinofassung lohnt sich allemal nicht nur für Sci-Fi-Fans, sondern ist Pflichtbesuch für jeden Cineasten!

Prometheus 21Fazit: Dieser Film ist tatsächlich die Vorgeschichte zu Alien, ohne den Klassiker aber zu kopieren, denn Prometheus ist ein facettenreiches Meisterwerk, was wie kaum ein anderer Film zuvor Spannungselemente mit den kontroversen Theorien der Präastronautik verbindet. Der Film setzt sich äußert unterhaltsam und ambitioniert mit philosophischen und religiösen Fragen auseinander und liefert doch im gleichen Atemzug viel Suspense sowie einige brachiale und zum Teil auch epische Actionszenen. Noch dazu ist Prometheus dank der neuesten 3D-Technologie, dem furchteinflößendem Design von H.R. GIGER, fabelhaften Schauspielern und dem sehr gelungenem Soundtrack von MARC STREITENFELD ein einzigartiges Kinoerlebnis, was man nicht verpassen sollte. Es ist im Vorfeld viel über Prometheus spekuliert worden, die Erwartungen waren unglaublich und dennoch ging Sir RIDLEY SCOTT keiner noch so hoch gesteckten Anforderung aus dem Weg und kann mit Hilfe des Drehbuchs von DAMON LINDELOF und JON SPAIHTS seine triumphale Rückkehr zur Science Fiction feiern. Außerdem können wir uns auf auf eine Fortsetzung von Prometheus – Dunkle Zeichen freuen, denn ein zweiter Kinofilm ist bereits bestätigt. Dies merkt man dem Finale, was einige Punkte offen lässt, sowie einigen Anschlussungereimtheiten, die auf eine längere Videofassung hindeuten. Die Kinoversion ist uns darum 9,5 von 10 Punkten wert.



Film kaufen bei Amazon