Lockout

Lockout - Poster 02Regie: JAMES MATHER & STEPHEN ST. LEGER
Drehbuch: LUC BESSON, JAMES MATHER & STEPHEN ST. LEGER
Medium: Kino
Spielzeit: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 10. Mai 2012

„Hier ist ein Apfel, hier eine Knarre. Sprechen Sie nicht mit Fremden, erschießen Sie sie."


Lockout 04Der Franzose LUC BESSON (Das fünfte Element, Léon – Der Profi, Subway, Die purpurnen Flüsse) ist inzwischen nicht nur als Drehbuchautor und Regisseur sehr bekannt, sondern mittlerweile auch eine echte Marke als Produzent von rasanten und niveauvollen Actionfilmen. Der Martial-Arts-Kracher Unleashed, Wasabi, die flotte Taxi-Reihe, die Transporter-Trilogie, der Welthit 96 Hours und zuletzt Colombiana stammen von BESSONs Produktionsfirma Europa Corp., und nicht selten ist der kultige Filmemacher auch der Initiator hinter den Projekten. Das Gleiche gilt auch für Lockout, zu dem BESSON die Idee hatte und die erste Drehbuchfassung schrieb. Auf der Suche nach geeigneten Regisseuren fand er die beiden Iren JAMES MATHER und STEPHEN ST. LEGER, die seit jeher ein hervorragendes Team bilden. Den Ausschlag für BESSON gab ihr actionreicher Kurzfilm Prey Alone, von dem letztendlich auch einige Elemente in Lockout aufgenommen wurden, denn BESSON übergab seine erste Drehbuchfassung den beiden Iren, damit sie das Skript nach ihren Vorstellungen überarbeiten durften. Die Hauptrollen bekamen der angesehene Australier GUY PEARCE (Prometheus, L.A. Confidential, Seeking Justice, Ravenous), MAGGIE GRACE (Lost, 96 Hours, Faster, Knight & Day) und PETER STORMARE (Fargo, Armageddon, 8MM, Windtalkers). In den Nebenrollen zu sehen sind unter anderem LENNIE JAMES (Colombiana, Human Target, 72 Stunden – The Next Three Days) und die beiden Briten VINCENT REGAN (300, Troja, Point Men, Kampf der Titanen) und JOSEPH GILGUN (Harry Brown, This Is England). In den USA und Frankreich läuft Lockout bereits seit dem 20. April, wir Deutschen müssen uns leider noch bis zum 10. Mai 2012 gedulden. Aber dann scheppert es auch in unseren Kinos.

Lockout 08Im Jahr 2079 befindet sich die Menschheit auf dem Sprung das Weltall zu erobern. Den Orbit nutzen die Menschen bereits ausgiebig und haben dort schon einige große Raumstationen mit künstlicher Schwerkraft errichtet. Eine davon ist die internationale Strafanstalt MS One; ein Hochsicherheitsgefängnis in der Erdumlaufbahn, wo die Gefangenen unter Stasis gehalten werden. Angeblich das sicherste Gefängnis der Welt, bei dem natürlich auch die USA reges Interesse zeigen. Die Präsidententocher Emilie Warnock soll darum überprüfen, ob das orbitale Gefängnis den Sicherheitsanforderungen gerecht wird und ob die Häftlinge gerecht und menschenwürdig behandelt werden. Als einer ihrer Leibwächter jedoch gegen die Anweisung der Wärter eine Waffe einschmuggelt, gelingt es dem Gefangenen Hydell die Wärter zu überwältigen und seine Mitgefangenen zu befreien. Es kommt zu einer blutigen Revolte und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Häftlinge herausfinden, wer Emilie in Wirklichkeit ist. Die einzigen Hoffnungen von Präsident Warnock ruhen nun ausgerechnet auf einem verurteilen Mörder – nämlich Undercover-Agent Snow, der angeblich an einer Verschwörung gegen die USA beteiligt ist und einen General erschoss. Der Leiter des Secret Service, Langral, hatte Snow schon länger in Verdacht, während Präsidentenberater Shaw von dessen Unschuld überzeugt ist. Er überredet Präsident Warnock zu einer gefährlichen Rettungmission, die vorsieht Snow klammheimlich in MS One einzuschmuggeln, Emilie zu finden und anschließend mit ihr zu entkommen. Sollte er es schaffen, so ist er frei. Snow hat keine andere Wahl und akzeptiert den Deal. Schon alleine in die Raumstation reinzukommen ist gar nicht so einfach, aber erst mit Emilie wird es für Snow so richtig anstrengend; von den Häftlingen ganz zu schweigen.
Lockout - Banner 01LUC BESSON beweist wieder einmal sein Gespür für einen routinierten Erfolgskurs. Zusammen mit seinen Regisseuren JAMES MATHER & STEPHEN ST. LEGER legt er mit Lockout einen gut ausbalancierten Actionfilm mit viel Humor vor.
Lockout 06Lockout folgt in seiner Atmosphäre vielen klassischen Actiontugenden und hebt manche von diesen ein ganzes Stück hervor. Besonders den typischen und extrem coolen Humor, der hier fast alleine durch die staubtrockene Art von Protagonist Snow entsteht, wenn er mit lässigen Einzeilern jede noch so brenzlige Situation  humoristisch untermauert. Schon in den ersten Minuten, während des Verhörs, kann man sich ein fieses Lachen angesichts der respektlosen Sprüche nicht verkneifen. Durch den Witz kommen auch die Actionszenen ein wenig lockerer rüber, obwohl sie an für sich recht brachial inszeniert worden sind. MATHER und LEGER wollten für ihren Film trotz Weltall und Co. realistische und harte Actionszenen, was ihnen auch weitgehend geglückt ist, denn die Action in Lockout besteht in erster Linie aus Zweikämpfen und Schießereien, die auf einem lebensechten Level umgesetzt. Laut den Regisseuren orientierte man sich dabei an solchen Filme wie Die Bourne Identität, weshalb die Kämpfe oft recht flüssig und fetzig anzuschauen sind. Dass heißt aber auch, dass es in Lockout mitunter etwas blutiger zugeht, als man bei den Trailern vermuten könnte. Man sieht blutige Einschüsse wahlweise in den Körper oder den Kopf, manche Menschen werden mit einem Messer aufgeschlitzt und abgestochen und auch vor explosiven Enthauptungen schreckt man nicht zurück. Der Film verharmlost also trotz seines Humors nicht den Ernst der Lage, rückt die Gewalt aber nicht in den Fokus. Die FSK 16 ist hier darum genau richtig gewählt. In den USA startete Lockout übrigens mit einer PG13, was zu einigen Gerüchten führte, aber hierfür musste der Actionfilm ähnlich wie bei Colombiana geschnitten werden. Dicke Explosionen sind zwar seltener zu sehen, aber dennoch vorhanden. Selbst wenn das Meiste davon virtuell am Computer entstehen musste, um einige Raumschlachtszenen zu entwerfen. Der Sci-Fi-Aspekt ist hierbei jederzeit spürbar, weil Lockout recht viele Attribute des Weltalls aktiv mit einbezieht. Inklusiver einige Weltraumspaziergänge, Hinrichtungen mit der Luftschleuse und dem Spiel mit der künstlichen Schwerkraft. Gleichzeitig erlebt der Zuschauer auch etliche Außenaufnahmen und das Weltall in den Bullaugen sowie ein halbwegs futuristische Design.

Lockout 13Typisch für LUC BESSON ist eine logische Handlung zwar sekundär, aber der Routinier achtete zumindest darauf, dass aus Lockout nicht einfach nur ein planloser Genremix aus Humor, Action und Science Fiction wurde. Logiklöcher finden sich deshalb besonders in einem kleinen Rahmen. Hier finden sich in der Tat ein korrekter Storyaufbau und ein klares, allerdings nicht sonderlich komplexes Handlungsgefüge. Mehr benötigen JAMES MATHER und STEPHEN ST. LEGER allerdings auch nicht, um aus Lockout das Maximum an Unterhaltung herauszuholen. Der Film vergeudet kaum Zeit mit Charakteristik, sondern kommt in jeder Hinsicht gleich zum Punkt und liefert mit viel Wortwitz ein spannendes Actionabenteuer im Weltall. Das liegt zum Einen am raschen Tempo von Lockout als auch an der Rahmenhandlung, die eigentlich Nichts mit der Geiselnahme zu tun hat, aber immer mehr und mehr diese affektiert. Nicht zuletzt sind hier auch viele Stereotypen des Actiongenres vertreten, aber genau das macht das Zuschauern überraschend angenehm. Für einige Überraschungen und Wendungen reicht der zaghafte Plot dennoch, obwohl die Handlung an sich recht vorhersehbar angelegt ist: Dies kann man dem geschickten Stil von MATHER und LEGER verdanken, denn ihnen gelingt es problemlos Spannung und Unterhaltung zu erzeugen. Einer Fortsetzung steht zwar Nichts im Wege, doch Lockout ist in sich abgeschlossen und würde auch kein Sequel benötigen, um offen gebliebene Fragen zu beantworten. Der Film räumt mit seinen Rätseln komplett auf, wofür sich Lockout auch die Zeit nimmt und den Abklang nach dem Höhepunkt des Film ein wenig länger ausführt.

Lockout 15Wie man richtig vermutet, war die Produktion von Lockout wegen der Sci-Fi-Szenen nicht ganz billig, weshalb organisatorisches Geschick gefragt war. Dies sah dann so aus, als dass sämtliche Dreharbeiten in den nagelneuen PFI Studios von Belgrad, Serbien, stattfanden, wo man vergleichsweise billig produzieren konnte. Die Special Effects aber wiederum wurden von JAMES MATHER und STEPHEN ST. LEGER höchstpersönlich kreiert und überwacht. Ihre Special-Effects-Firma Windmill Lane VFX sitzt jedoch in Irland, weshalb man durch die irischen Gesetze auch einige Steuervorteile nutzen konnte. Das heißt, dass man mit weniger finanziellen Mitteln doch ein hochwertigeres Produkt herstellen konnte. Die visuellen Effekte unterscheiden sich in ihrer Qualität nur geringfügig schwächer als von amerikanischen Protz-Produktionen und wirken nur zu Beginn des Films ein wenig unausgereift. Auffällig wirkt dabei schon der Gegensatz zu handgemachten Gewalteffekten mit Blutpakten, Blutkabeln und diversen Gliedmaßen sowie Leichenteilen. Das Setting der MS One ist recht geschickt aufgebaut und spielt ein wenig mit klassischem Knast-Design und kalten Farben, wirkt aber dennoch modern und rustikal genug, um als futuristische Gefängnisanstalt genau den richtigen Ton zu treffen. Der Soundtrack von ALEXANDRE AZARIA (Transporter, Im Spiegel des Bösen) verzichtet vollständig auf zeitgenössische Musik und setzt auf eine dicke, fast epische Score. So, dass hier nochmal richtiges Kinofeeling aufkommt.

Lockout 02GUY PEARCE hatte sich in den letzten Jahren ja ein wenig rar gemacht und war davor meist in der Rolle des aufrichtigen, engagierten und moralisch vorbildlichen jungen Helden zu sehen – was PEARCE in Lockout gekonnt auf Links zieht! Snow ist müde, abgekämpft und dermaßen abgebrüht, dass ihn kaum noch Etwas aus der Fassung bringen kann. Eben deswegen kommt der Humor in den herrlichen Einzeilern wesentlich besser rüber, was PEARCE oft sehr lässig mit der Kippe am Lippenrand und zynischem Lächeln grandios selbstironisch darstellt. Besonders, wenn PEARCE auf MAGGIE GRACE alias Präsidententocher Emilie trifft, macht das Zusehen hier so richtig Spaß, weil Snow ebenso auch kaum Respekt vor hohen Persönlichkeiten hat. GRACE hingegen durchlebt in Lockout eine impressive Wandlung vom schüchternen und hilflosen Töchterchen zu einer toughen Heldin wider Willen, woran wiederum Snow mit seiner trockenen Art nicht ganz unschuldig ist. Fans von PETER STORMARE und LENNIE JAMES sollten sich jedoch darauf einstellen, dass sie einmal mehr ihre eigenen Klischeetypen aufwärmen. STORMARE als eine undurchsichtige und auch leicht hölzener Figur, von der man nie ahnen kann, auf wessen Seite sie steht, und LENNIE JAMES als der verantwortungsbewusste und couragierte Freund und Partner. Für die größere Überraschung sorgen die beiden Briten VINCENT REGAN und JOSEPH GILGUN als die Bösewichte Alex und Hydell, die O-Ton-Fetischisten voll auf ihre Kosten kommen lassen, wenn sie mit starkem irischen Slang schimpfen, streiten und sich gegenseitig auf den Sack gehen. Mal ganz abgesehen davon, dass die deutsche Synchro sowas von dermaßen mies ist, dass Lockout in der deutschen Version gerade noch so für taube und hörgeschädigte Zuschauer erträglich ist. Gerade der junge JOSEPH GILGUN liefert als irrer Killer eine genial verschrobene Mimik-Show ab, bei der Wahnsinn und Gefährlichkeit extrem spürbar werden, während VINCENT REGAN alias Alex als Führer und Denker souveräne Kühle und Berechnung zeigt. Das heißt, dass Lockout auch fernab des führenden Gespanns von GRACE und PEARCE sehenswerte darstellerische Schauwerte liefert.

Fazit: Der Name LUC BESSON steht für eine gewisse Qualität und die liefert auch dieser actionreiche und humorvolle Science-Fiction-Film. Die beiden Regisseur JAMES MATHER und STEPHEN ST. LEGER zeigen mit Lockout einen schnörkellosen Actionfilm mit einem staubtrockenem Helden, viel Wortwitz und einer dicken ironischen Note. Die Leistung der Schauspieler ist durchweg akzeptabel, wobei man GUY PEARCE, MAGGIE GRACE und JOSEPH GILGUN den Spielspaß deutlich ansieht. Dafür vergeben wir sehr gute 8 von 10 Punkten und eine deutliche Empfehlung zu einem Kinobesuch.

 


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