Die Frau in Schwarz

The Woman In Black - Poster 03Regie: JAMES WATKINS
Drehbuch: JANE GOLDMAN nach einem Roman von SUSAN HILL
Medium: Kino
Spielzeit: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 29. März 2012

„Jagen Sie keinen Schatten hinterher, Arthur."


The Woman In Black - 15Folterpornos mit Gedärmgarantie, billigste Nippon-Trasher jenseits von Gut und Böse, dümmlichste D-Ware aus den USA inklusive zig langweiligen Remakes und natürlich Found Footage ohne Ende. Der moderne Horrorfan hat es in diesen Zeiten nicht leicht angemessen und auf hohem Niveau unterhalten zu werden. Da ist es eine wahre Wohltat, dass sich langsam aber sicher wieder eine Trendwende abzeichnet und man zurück zum klassischen Gruselkino geht. Einer dieser Rückblicke in die guten Zeiten des Horrors ist die Verfilmung des Bestsellers Die Frau in Schwarz von SUSAN HILL. Zu diesem Zweck wurde der Besteller von JANE GOLDMAN (Kick-Ass, Der Sternenwanderer, X-Men: Erste Entscheidung) für die Leinwand adaptiert und Regie führte JAMES WATKINS, der durch den Horrorfilm Eden Lake sich bereits eine Namen machte. Die Hauptrolle sicherte sich DANIEL RADCLIFFE, der nach dem Ende der Harry Potter Reihe beweisen will, dass er die Schauspielerei durchaus ernst nimmt. Zwar will sich RADCLIFFE eben deswegen auch in der Hauptrolle des Paul Bäumer in der Verfilmung des Klassikers Im Westen nichts Neues beweisen, aber bis dieses Projekt realisiert wird, dauert es noch eine Weile, weshalb ihm das Angebot von Die Frau in Schwarz gerade recht kam. An der Seite von RADCLIFFE ist unter anderem auch CIARÁN HINDS (Dame, König, As, Spion, Ghost Rider: Spirit Of Vengeance, Rom) zu sehen. Produziert wurde Die Frau in Schwarz übrigens vom britischen Horror-Kultstudio Hammer, das erstmals seit der Übernahme von JOHN DE MOL im Jahr 2008 einen Erfolg verbuchen konnte. Satte 100 Millionen Dollar hat Die Frau in Schwarz bereits eingespielt und in Deutschland läuft der Gruselfilm erst ab dem 29. März 2012 in den Kinos an.

The Woman In Black - 17England Anfang des 20. Jahrhunderts. Der junge Anwalt Arthur Kipps leidet sehr unter dem Tod seiner jungen Frau, die während der Geburt seines Sohnes starb. Seitdem ist Arthur ein gebrochener Mann, was sich auch auf seine Arbeit auswirkt. Seine Kanzlei zeigte bisher Verständnis, nun jedoch verlieren sie langsam die Geduld mit ihm. Arthur soll darum noch eine letzte Chance bekommen und sich um die Papiere und den Nachlass der kürzlich verstorbenen Alice Drablow kümmern. Mrs. Darblow wohnte allein und zurückgezogen in einer großen, verlassenen Villa mit dem Namen Eel Marsh House in dem kleinen Küstenstädtchen Crythin Gifford. Eigentlich hätte diese Dinge auch der ortsansässige Anwalt Jerome erledigen können, aber dieser verweigert jegliche Kooperation. Aus diesem Grund soll Arthur selbst nach Crythin Gifford reisen und dort innerhalb von wenigen Tagen die Papiere durcharbeiten. Gesagt, getan, doch angekommen erwartet ihn nur Abscheu und Ablehnung, die Arthur ratlos und genervt zurücklässt. Arthur kann sich jedoch keinen Fehltritt mehr leisten und tritt stoisch seine Arbeit in dem großen und sehr unheimlichen Eel Marsh House an. Es dauert nicht lange, da vernimmt Arthur immer wieder seltsame Geräusche und sieht eine mysteriöse Frau in Schwarz. Als er im Dorf davon berichtet, reagieren die Bewohner mehr als nur wütend und wollen ihn sogar gewaltsam aus dem Ort vertreiben. Der Einzige, der zu ihm hilft, ist der ältere und vermögende Sam Daily, der die Vorwürfe als abergläubisches Geschwätz abtut und Arthur couragiert seine Arbeit wieder aufzunehmen. Als jedoch im Ort immer mehr Kinder einen grausamen Unfalltod sterben, beginnt auch Arthur langsam umzudenken. Er beginnt der mysteriösen Frau in Schwarz nachzuforschen – und entdeckt düstere Geheimnisse von Trauer und Tod.
The Woman In Black - Banner 01Die Frau in Schwarz ist fürwahr ein klassischer Gruselfilm, der fast vollkommen unblutig schocken und gruseln kann, dass sich den Zuschauern die Nackenhaare aufstellen.
The Woman In Black - 06Regisseur JAMES WATKINS setzt nämlich durchgehend auf eine sehr düstere Atmosphäre, die von kalten Bildern bestimmt wird. Schon in den ersten Minuten macht sich so eine sehr unwohlige Stimmung breit, die sich durch den gesamten Film zieht. Zentraler Punkt des Films ist selbstverständlich das Eel Marsh House, was man als pure Verkörperung der typischen Horrorvilla betrachten kann. Schließlich konzentrieren die Filmemacher die heftige Suspense auch auf das viktorianische Gebäude, was zeitweise vom Meer umspült ist. Das Haus ist scheinbar verlassen, überall liegt Staub herum, Spinnenweben in jeder Ecke, die viktorianische Einrichtung wirkt alt und doch gleichzeitig auf eine seltsame Art romantisch. Dielen knarren, der Wind pfeift durch diverse Löcher und das einzige Licht kommt von Kerzen, während man draußen unter dem herbstlich-grauen Himmel alte Gräber sehen kann, die fürchterliche Schatten werfen, wie überhaupt im ganzen Haus. Alleine schon diese Lokation wirkt immens bedrückend und außerordentlich unheimlich, doch Regisseur WATKINS zelebriert den Ort regelrecht als Brutstätte immenser Hochspannung, wenn Arthur allein und abgeschnitten von der Außenwelt, unheimlichen Schatten hinterherjagt. Die Frau in Schwarz bietet sehr lange und über die Maßen knisternde Spannungsbögen, die meist sogar von mehreren, teils sehr krassen Schockeffekten gekrönt sind – genau so, wie es bei einem guten Horrorfilm sein sollte! Die Mittel dazu sind so alt wie effektiv, wenn das Böse hinter den Protagonisten steht, Gegenstände sich von alleine bewegen und Schatten die düstere Phantasie bis zum Ende ausreizen. WATKINS kostet jene Szenen meist minutenlang aus ohne dem Zuschauer die kleineste Möglichkeit einer Verschnaufpause zu lassen, weshalb man Die Frau in Schwarz als bestes Gruselkino in der reinsten Form werten kann. Dabei wirft der Film auch einen großzügigen Blick in das Dorfleben hinein und zeigt darin die menschliche Seite des Horrors, mit all ihren Folgen. Eine depressive und deprimierende Szenerie, die sich gänzlichen den Themen von Tod, Trauer, Verlust und Rache annimmt. Zwischendrin gibt es aber auch eine winzige Prise Humor der Marke Made In Britain: passend schwarz und auch ein wenig verschroben. Allerdings sollte man sich bewusst sein – und das macht Die Frau in Schwarz ebenfalls hervorragend – dass dieser zarte Humor auch wiederum auf Trauer und Verlust basiert. Diese Elemente sorgen dafür, dass Die Frau in Schwarz ein durch und durch sehr düsterer Film ist.

The Woman In Black - 12Die Handlung von Die Frau in Schwarz ist, wie man schon in der Beschreibung lesen kann, eine nahezu klassische Geistergeschichte, die der Film auch ebenso geradlinig wie kompromisslos verfolgt. Der Zuschauer erlebt dabei die Geschichte fast vollends aus der Sicht von Arthur Kipps, der – ohnehin schon vorbelastet durch den Tod seiner Frau – sich nun auch noch mit dem Übernatürlichen auseinandersetzen muss. Zwar wirkt es schon ein wenig seltsam, dass Arthur trotz der beängstigenden Erlebnisse im Eel Marsh House nicht davonrennt, aber man weiß, dass Existenz seiner Familie auf dem Spiel steht und mit der Zeit schimmert die Möglichkeit durch, dass Arthur vom Glauben an ein Leben nach dem Tod Hoffnung schöpft. Dies wird nicht nur in seinem Auftreten angedeutet, sondern auch in der Interaktion mit den Nebencharakteren. Dies verleiht der an für sich einfachen Geistergeschichte von Rache und Vergeltung, die ohnehin schon recht stark präsentiert wird, eine zusätzliche Substanz. Das Finale allerdings ist wieder ein eigener brillanter Höhepunkt, der einen düsteren Ausgang nimmt und man dennoch als Happy End werten kann. Es ist natürlich klar, dass für die Kinofassung einige Änderungen in der Handlung vorgenommen werden mussten, da das Kino ganz anderen Anforderungen unterliegt. Was sich schriftlich nachvollziehbar erklären lassen kann, würde im Film eventuell unlogisch wirken. Gerade die Motivation von Arthur Kipps bereitete GOLDMAN beim Entwickeln des Skriptes einiges Kopfzerbrechen, bis sie sich entschloss Arthurs Sohn einige Jahre älter zu machen, während er im Roman gerade erst geboren wird. Durch diese Änderungen war es möglich die Geschichte so weit wie möglich beizubehalten, weshalb sich auch SUSAN HILL sehr zufrieden mit dem Drehbuch zeigte.

The Woman In Black - 08Da das Eel Marsh House in Die Frau in Schwarz eine besondere Rolle spielt, vor allem in der Atmosphäre, ließen die Filmemacher hier besondere Sorgfalt walten. JAMES WATKINS wollte bei seiner Inszenierung Trauer und Verlust auch optisch spürbar machen, weshalb er auf eine große Farbpalette zurückgriff, die Tod und Verfall wiederspiegeln sollten. Dunkle Töne von Violett, Rot, Braun, Purpur, Grün und natürlich Schwarz. Passend dazu setzte er auf einen sehr kalten Farbfilter, mit dem unheimlich blasse Bilder von den verschiedensten Orten Englands eingefangen wurden. Die Außenaufnahmen für die klamme Gegend fanden in Osea Island, Essex, im Osten von England statt, was tatsächlich mehrmals am Tag vom Meerwasser überschwemmt wird. Die Aufnahmen des Dorfes fanden jedoch im Dorf Cotterstock Hall in Northamptonshire im Norden Englands statt, wobei das ansässige Herrenhaus auch die Vorlage für das Eel Marsh House gab. Die Innenaufnahmen, wo auch das sehr gruselige Innenleben des Eel Marsh House entstand, fanden ganz in der Tradition von Hammer in den Pinewood Studios statt. Anstatt auf verwackelte Bilder bleibt die Kamera hier in fast allen Fällen recht ruhig, verzichtet aber nicht auf aufwendige Kamerafahrten und nutzt so die Optik der Gruselvilla vollends aus. CGI gibt es hier ohnehin nur wenig und wird genau richtig eingesetzt. Richtig Laune macht auch die Soundkulisse mit dem düsteren Soundtrack von MARCO BELTRAMI (The Thing, I, Robot, Scream, The Eye), der mit hohen Streichern und melancholischem Klavier eine depressive sowie aufgeladene Stimmung erzeugt. Für das flaue Gefühl im Magen sorgt im Übrigen eine starke Basskulisse, die den ganzen Film über konsequent begleitet. Die unheimlichen Spielzeuge im Film sind übrigens wirklich historisch und wurden von einem Sammler zu Verfügung gestellt.

The Woman In Black - 04Die Frau in Schwarz ist die erste richtig große Bewährungsprobe für DANIEL RADCLIFFE, sich von seinem Harry Potter Image zu lösen – und das schafft er auch problemlos mit einer beeindruckenden Performance. Da ist kein doofes Herumfuchteln mit dem Zauberstab und kein stupides Aufsagen von sinnentleerten Zaubersprüchen. Hier zeigt DANIEL RADCLIFFE erstmals richtige Mimik, eine fehlerlose Gestik und ein exzellentes Spiel mit den Augen. Mit verzweifeltem Blick, ängstlichen, angespannten Augen und trüber Miene lässt der junge Brite den Zuschauer leibhaftig an den Depressionen und Ängsten teilhaben, die Arthur Kipps plagen. Die Rolle ist zwar nicht zwingend facettenreichenreicher als Harry Potter, aber um Längen anspruchsvoller und von RADCLIFFE sehr überzeugend gespielt. Er zeigt in der Tat sehr eindrucksvoll, dass er es mit der Schauspielerei ernst meint. Um nun allerdings ein perfektes Ergebnis zu erzielen, indem man auch wirkliche emotionale Bande ausnutzte, wurde die Rolle von Arthus Sohn an MISHA HANDLEY vergeben, der der echte Patensohn von DANIEL RADCLIFFE ist. Außerdem wurde für jeden Nebencharakter eine eigenständige Hintergrundgeschichte von WATKINS und GOLDMAN entworfen, damit sich die Darsteller besser in ihre Rollen anpassen konnten. Dieser Aufwand hat sich durchaus gelohnt, denn auch die Nebendarsteller überzeugen auf der ganze Linie. Allen voran der altgediente CIARÁN HINDS, der hier als der väterliche Sam Daily noch die meiste Screentime neben RADCLIFFE besitzt. Er spielt Daily oft mit einem freundlichen Lächeln, wo man die Weisheit und das aufgeschlossene Wesen dahinter regelrecht spüren kann. Die bittere Wahrheit hinter dem Charakter von Sam Daily verheimlicht HINDS jedoch in keiner Sekunde.

Fazit: Der britische Gruselfilm Die Frau in Schwarz ist ein gnadenloser Sesselkraller, der den Zuschauern vollkommen unblutig das Fürchten lehrt. Durch die beängstigend gute Inszenierung von JAMES WATKINS und das stimmige Drehbuch von JANE GOLDMAN ist Die Frau in Schwarz eine äußert gelungene Umsetzung des Bestellers von SUSAN HILL, bei der sich DANIEL RADCLIFFE zum ersten Mal als ernsthafter und sehr überzeugender Schauspieler präsentiert. Wer also endlich mal wieder klassisches Gruselkino erleben will – inklusive einer permanenten Gänsehaut, einem frostigen Gefühl zwischen den Fingern und kalte Schauer über den Rücken – der ist bei Die Frau in Schwarz genau richtig. Wir vergeben exzellente 9 von 10 Punkten und eine klare Empfehlung zu einem Kinobesuch.

 


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