Ghost Rider: Spirit Of Vengeance

Ghost Rider II - Poster 02Regie: MARK NEVELDINE & BRIAN TAYLOR
Drehbuch: SCOTT M GIMPLE & SETH HOFFMAN nach einer Idee von DAVID S. GOYER
Medium: Kino
Spielzeit: 96 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 23.02.2012

„Ich kann es nicht mehr kontrollieren. Es ist zu stark, es will da heraus. Und wenn es herausbricht, dann ist da keine Gerechtigkeit – sondern nur Hunger!"


Ghost Rider II - 17Noch bevor die Comicwelle mit voller Wucht zuschlug kam 2007 der Ghost Rider in die Kinos. Geschrieben und inszeniert von MARK STEVEN JOHNSON (Daredevil, When In Rome) war der Film nicht gerade der Bringer. Trotz fetter Special Effects, NICOLAS CAGE (Con Air, The Rock, Wild At Heart, Drive Angry 3D, Kick-Ass) in der Hauptrolle, Eyecandy EVA MENDEZ (Irgendwann in Mexiko, The Spirit) und einem diabolischen PETER FONDA (Easy Rider, 3:10 To Yuma, Futureworld) blieb die Comicverfilmung künstlerisch und finanziell hinter den Erwartungen zurück. Der Film litt unter einer gedrückten Altersfreigabe zugunsten eines PG-13-Ratings, war stellenweise langatmig und lieferte weder nennenswerte Höhe- noch besondere Tiefpunkte. Nachdem sich der Trend der Comicverfilmungen allerdings weiterhin sehr erfolgreich durchsetzte, wurde beschlossen auch dem Ghost Rider eine zweite Chance zu geben – allerdings mit einem fast komplett neuen Team. Die grundlegende Story entwarf mit DAVID S. GOYER (Blade, The Crow, The Dark Knight) ein Spezialist für düstere Comichelden. Aus seinen Ideen heraus schrieben die TV-Autoren SCOTT M. GIMPLE (FlashForward, American Dragon, Filmore!) und SETH HOFFMANN (Prison Break, Dr. House, FlashForward) das Drehbuch. Die Regie überließ man nun jedoch dem Duo MARK NEVELDINE und BRIAN TAYLOR, die durch ihre beiden Crank-Filme, Gamer und Pathology doch schon für härtere und abgedrehtere Kost bekannt sind. Als einziger Schauspieler des Vorgängers kehrte NICOLAS CAGE in der Hauptrolle des Johnny Blaze zurück. Als Co-Stars sind dieses Mal dabei IDRIS ELBA (Prometheus, Thor, Luther), VIOLANTE PLACIDO (The American), CIARÁN HINDS (Rom, The Rite, Dame, König, As, Spion, Die Frau in Schwarz), JOHNNY WITWORTH (CSI Miami, Ohne Limit) und CHRISTOPHER LAMBERT (Highlander, Subway, Road Flower, Knight Moves, Der Sizilianer). Ab dem 23. Februar 2012 läuft Ghost Rider: Spirit Of Vengeance in unseren Kinos, wobei der Film ausnahmsweise nur wenige Tage nach dem US-Start in die Kinos kommt.

Ghost Rider II - 06Johnny Blaze hat sich fernab der Zivilisation irgendwo in Osteuropa verkrochen und versteckt sich in einem Blechverschlag vor seinem Fluch. Der düstere Dämon in ihm, der Ghost Rider, verlangt nach sündigen Seelen und der Hunger bringt Johnny fast um den Verstand. Nur abseits der Menschen und mit diversen Drogen kann er den Geist der Rache kontrollieren. Da tritt auf einmal Moreau an ihn heran und bittet um Hilfe. Moreau gehört zu einem uralten Orden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen vor dem Teufel und seinen Dämonen zu beschützen. In der Obhut des Ordens befand sich auch die Ex-Söldnerin Nadya mit ihrem Sohn Danny, auf den es der Teufel abgesehen hat. In Gestalt des mächtigen Geschäftsmannes Roarke engagierte er Nadyas ehemaligen Kollegen und Ex-Freund Ray Carrigan und setzte ihn auf den Jungen an. Ray überfiel mit seiner Truppe das Kloster, in dem sich Nadya und Danny versteckten, aber sie konnte gerade noch rechtzeitig fliehen. Ihnen bleibt nur eine Chance und das ist der Ghost Rider. Er soll Danny finden, zu einem anderen Kloster bringen, wo der Junge sicher sein soll, und ihn auf dem Weg dahin beschützen. Aber Johnny Blaze lehnt zunächst rigoros ab, die Furcht vor seinem Alter Ego ist zu groß. Da macht Moreau ihm das Angebot, ihn von seinem Fluch zu erlösen. Das Angebot ist zu verführerisch für Johnny und er akzeptiert den Deal. Doch Carrigen und Roarke sind Gegner, die man nicht unterschätzen sollte.
Ghost Rider II - Banner 01Wer bereits den mittelmäßigen Film von 2007 mochte, der wird sicherlich auch Ghost Rider: Spirit Of Vengeance etwas abgewinnen können. Mehr Qualität bietet der neue Film leider kaum, obwohl die Stärken und Schwächen 2011 nun anders verteilt sind.
Ghost Rider II - 15Atmosphärisch sticht besonders der nun rauere und düstere Grundton heraus, der dem Film wirklich gut zu Gesicht steht. Es wirkt glaubwürdiger und sinnvoller als der aufgesetzte Kommerzhumor des Vorgängers. Jedoch muss man auf den einen oder anderen Gag auch hier nicht verzichten, wobei die Sprüche doch ein klein wenig besser, frecher und kaltblütiger rüberkommen. Das spürt man besonders an Johnny Blaze selbst, der nun weit weniger zu lustlosen Witzen auflegt ist und erst während der Reise wieder langsam auftaut. Gleichwohl liegt der Fokus von Ghost Rider: Spirit Of Vengeance ganz klar auf der Action und den Special Effects, die der Film in etwa dem gleichen Maß, wie sein Vorgänger bietet. Allerdings sind sie besser, mitreißender und brachialer umgesetzt als noch 2007. Zudem entsteht durch die kürzere Spielzeit der Eindruck, als ob Ghost Rider: Spirit Of Vengeance generell actionreicher ist und sich bei Weitem schneller anfühlt als der erste Teil. Die Gewalt und die Härte in den Actionszenen sehen zwar immer noch nach PG-13 aus, also wenig Blut und niedriger Bodycount, allerdings wirken sie insgesamt rauer, brutaler und fetziger. Dabei sollte man aber das Comicfeeling nicht unterschätzen, was Spirit Of Vengeance durch böse Dämonen mit diabolischen Kräften, dem Grundatzkonflikt zwischen Himmel und Hölle und einer saftigen Dosis Okkultismus unterstreicht. Damit jedoch driftet die Comicverfilmung leider ein wenig ins Lächerliche, weil manche Szenen recht altbacken wirken und teilweise völlig unspektakulär am Zuschauer vorbeigehen, ohne einen nennenswerten Eindruck zu hinterlassen. Gerade die Szenen im Kloster lassen jeden Bombast vermissen und auch das Finale wirkt gegenüber manchen Actionszenen mitten im Film ein wenig blass. Dafür allerdings liefert diese Comicverfilmung endlich einmal eine vernünftige Erklärung dafür, warum der Teufel auf der Erde regelmäßig das Nachsehen hat.

Ghost Rider II - 12Wo also die Atmosphäre hier im Großen und Ganzen noch recht gelungen ist, da liegen die großen Schwächen von Ghost Rider: Spirit Of Vengeance in der Handlung. Die Story an sich ist minimal, um nicht zu sagen richtig flach, und nun ganz klar auf der Action ausgerichtet. Wie die Brücken dazu erzählt werden, war anscheinend ebenso Nebensache, wie einigermaßen Charaktertiefe oder eine flüssige Erzählweise. Tatsächlich hat man mehr als einmal den Eindruck, als würden hier einige Szenen fehlen und man kann in diesen Zeiten auch nicht ausschließen, dass man für die Kinofassung einige Kürzungen vornahm. Einerseits um die Altersfreigabe zu drücken, denn mit PG-13 kann man einfach ein größeres Publikum erreichen, aber auch wegen der Spielzeit des Films, damit man auf gute 90 Minuten kommt und man so eine Vorstellung am Tag mehr unterbringen kann. Dazu gibt es außerdem noch vorhersehbare Wendungen und jede Menge riesiger Logiklöcher in einem Maß, was sogar noch den Vorgänger in den Schatten stellt. Inwieweit nun DAVID S. GOYER wirklich in die Story involviert war, bleibt im Endeffekt unklar. Fans des Autors sollten sich aber auf ein insgesamt enttäuschendes Storygerüst einstellen. Auf der anderen Seite ist Ghost Rider: Spirit Of Vengeance extrem kurzweilig und bietet im Gegensatz zum Vorgänger keinen Durchhänger. Das liegt auch an dem konstant sehr hohen Tempo, was der Film von Anfang bis Ende durchzieht; und damit ist er dem ersten Film von 2007 um ein ganzes Stück voraus. Trotz der inhaltlichen Schwächen ist Ghost Rider: Spirit Of Vengeance also alles Andre als langweilig. BRIAN TAYLOR und MARK NEVELDINE ziehen übrigens einen dritten Teil von Ghost Rider ernsthaft in Betracht und gewisse Pläne zu einer Fortsetzung scheinen bereits zu existieren.

Ghost Rider II - 09In der Inszenierung merkt man freilich den typischen Stil von MARK NEVELDINE und BRIAN TAYLOR. Oft passt das seltsamerweise ganz gut, in manchen Szenen übertreibt es das Regieduo jedoch maßlos und die Comicverfilmung wird zu einer uncoolen Farce, wenn man schon mal Johnny Blaze im Tunnelblick teuflische Fratzen und Grimassen schneiden lässt oder kuriose Montagen einblendet, die den Ghost Rider feurig pissen zeigen. Selbstverständlich dürfem auch ein paar skurrile Over-The-Top-Actionszenen nicht fehlen, die jedoch optisch auf höchstem Niveau umgesetzt sind. Und dies hat man den brillianten Spezialeffekten zu verdanken. Die Special Effects im ersten Ghost Rider waren schon sehr gelungen, aber genau da legt nun Ghost Rider: Spirit Of Vengeance noch eine ganze Schippe drauf. Einfach zu behaupten, dass es schlicht an der Technik liegt, die sich in den letzten vier Jahren weiterentwickelt hat, das wäre gelogen. Man sieht hier einfach, dass sich die Tricktechniker richtig viel Mühe gemacht haben, Liebe in ihre Arbeit investiert und sich Zeit genommen haben, um den feurigen Reiter so perfekt wie nur möglich darzustellen. Das spürt man in jedem kleinsten Pixel und darum sieht der Ghost Rider hier auch endlich so richtig zum Fürchten aus und gleichzeitig saumäßig cool. Über das 3D ist im Vorfeld zwar ein wenig gemeckert worden, aber tatsächlich kann man die dritte Dimension hier durchaus akzeptabel werten. Vielleicht nicht so überbordend wie in manch anderen Werken, aber man hat zumindest nicht das Gefühl, um den Aufpreis betrogen werden. Im Soundtrack gibt es wieder eine ganz nette, wenn auch nicht außergewöhnlich Score zu hören, die aber mit passendem Texasrock unterlegt ist. Da stimmt auch wieder die Atmosphäre zusammen mit den einsamen Straßen Rumäniens. Besonderen Respekt verdienen auch die Drehorte in Kappadokien und Pamukkale, beide in der Türkei, wo man eher selten eine Drehgenehmigung bekommt, wie etwa das Ihlara-Tal, Göreme und Hierapolis.

Ghost Rider II - 13Wie man sich denken kann, wird den Schauspielern hier nicht allzu viel abverlangt und das merkt leider ganz arg an Hauptdarsteller NICOLAS CAGE, der hier eine durchwachsene Leistung zeigt. Mal zeigt er sich von seiner guten Seite, zum Beispiel wenn er als Johnny Blaze versucht sich bewussteinsbefriedigende Substanzen zu verschaffen, andererseits fehlt ihm die nötige Coolness und die Überzeugungskraft wirklich unter einem mörderischen Dämon zu leiden. Sein Gegenspieler CIARÁN HINDS, eigentlich ein britischer Edelmime, spielt lediglich auf einem etwas besseren Standard. Viel mehr Laune machen da schon die Nebendarsteller. JOHNNY WITWORTH freut sich anscheinend so sehr darüber, dass er nicht mehr in CSI Miami versauern muss, der den Söldner Ray Carrigan oft mit einem schmierigen Lächeln und mit sichtlicher Spielfreude rüberbringt. VIOLANTE PLACIDO übernimmt hier mehr oder weniger die Funktion des Eyecandys und das macht sie auch ganz gut, ohne viel nackte Haut zu zeigen. Oft reicht bei ihr schon ein Blick. Was aber PLACIDO mit ihren Augen macht, schafft IDRIS ELBA auch so, wenn er Moreau ein wenig schnodderig, sympathisch und auch nicht dumm darstellt. Dass heißt, trotz seiner geringen Screentime schafft es der Brite doch deutlich Präsenz zu zeigen. Größe Überraschung im Cast ist jedoch FERGUS RIORDAN, der hier Danny spielt und dabei trotz seiner jungen Jahre frischen Wind auf die Leinwand bringen kann. Zu guter Letzt fehlt an dieser Stelle noch CHRISTOPHER LAMBERT, der in Ghost Rider: Spirit Of Vengeance leider nur einen kurzen Auftritt als voll tätowierter Mönch besitzt und damit auf seine vergangenen Rollen ein wenig anspielt. Und aus diesem Grund darf er hier auch mit dem Schwert ein wenig herumhantieren. Allzu viel sollte man von seinem kurzen Auftritt jedoch nicht erwarten.

Fazit: Alles in Allem ist Ghost Rider: Spirit Of Vengeance ein recht durchwachsener Film, bei dem es fraglich ist, ob er auch Fans über die Comic-Klientel hinaus begeistern kann. Schließlich ist der Stil von MARK NEVELDINE und BRIAN TAYLOR nicht immer passend, die dürftige Handlung ist vielleicht doch ein Stückchen zu platt und die Logiklöcher tun ihr Übriges. Diejenigen, die sich allerdings auf den Geist der Rache einlassen, werden zumindest mit einem sehr kurzweiligen, schnellen und actionreichen Film belohnt. Wegen der wirklich sehr gelungenen Tricks und dem akzeptablen 3D schafft es Ghost Rider: Spirit Of Vengeance darum dennoch leicht über den Durchschnitt auf 6 von 10 Punkten.

 


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