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Captain America - The First Avenger

Captain America - Poster 02
Regie: JOE JOHNSTON
Drehbuch: CHRISTOPHER MARKUS & STEPHEN McFEELY
Medium: Kino
Spielzeit: 124 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 18. August 2011

„Warum ein schwächlicher Mann? Ganz einfach, Mr. Rogers. Ein schwächlicher Mann kennt den Wert von Stärke und Macht."


Der großartige Schriftsteller und Drehbuchautor ARTHUR MILLER (Tod eines Handlungsreisenden, Hexenjagd, Misfits – Nicht gesellschaftsfähig, Spiel um Zeit) sagte es einmal ganz direkt.

„Die Manipulationsmöglichkeiten haben sich natürlich im Zeitalter des Massenmedien erheblich erhöht." 

Captain America - ComicUnd MILLER musste es wissen, denn als sozialkritischer und intelligenter Journalist hatte er immer die Medien und die aktuellen Ereignisse im Blick. Als Teil des Medienmechanismus kannte er die Macht, die in Film, Fernsehen und Zeitung begraben lag und beobachtete deshalb argwöhnisch, wie sämtliche Regierungen der Welt die Medien für sich einsetzten. Damals jedoch kein Regime so professionell wie die NS-Diktatur in Deutschland, die sogar von einem ganzen Propaganda-Ministerium geleitet wurde. Die Nazis nutzten dabei jegliche Medienform voll aus, was auch in Kriegszeiten weiter betrieben wurde. Erst 1941, als der Zweite Weltkrieg immer schlimmer wurde, tat es ihnen die US-Regierung gleich und beauftrage den Timely Verlag, übrigens der direkte Vorläufer von Marvel, mit der Schaffung eines extrem propagandistischen und patriotischen Comics, um möglichst viele junge Männer für die US Army anzuwerben. Heraus kam Captain America aus den Federn von JACK KIRBY (Iron Man, Thor, X-Men, Die Rächer) und JOE SIMON, der im US-And-A-Kostüm ausgesandt wurde Nazis zu bekämpfen. Wie geplant wurde Captain America ein Riesenhit, den man auch nach Ende der Nazidiktatur einsetzen konnte, um ihn gegen Kommunisten, Hippies, den Vietkong und böse Taliban zu Felde ziehen zu lassen.
Captain America - 12Aufgrund der Beliebtheit wurde der Comic schon drei Mal verfilmt. Die ersten beiden Male 1979, das zweite Mal 1990 und zuletzt im Frühjahr 2011. Interessant ist es jedoch, dass Captain America trotz des momentan überbordenden Trends von Comicverfilmung erst relativ spät kommt. Die US-Bevölkerung ist nämlich durch die Krise im Irak und in Afghanistan inzwischen sensibilisiert auf derlei Comics, in denen Kriege durch übermenschliche Kräfte und Perlweiß-Grinsen gewonnen werden. Dennoch handelt es sich bei Captain America nebenbei um einen der ersten Superhelden einer ganz neuen Generation, die zusammen später Die Rächer bilden sollten. Eine Verfilmung war deswegen auch unvermeidlich. Das Autorenduo CHRISTOPHER MARKUS und STEPHEN McFEELY (Die Chroniken von Narnia, You Kill Me) wurde schließlich auserkoren, diese schwierige Aufgabe zu meistern, wie man einen solch patriotischen Stoff für den internationalen Markt umsetzen sollte. Als das Drehbuch schließlich stand, wurde mit JOE JOHNSTON (Jumanji, Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft, The Wolfman, Jurassic Park III, Hidalgo) auch ein massenkompatibeler Regisseur engagiert. Die Hauptrolle fiel CHRIS EVANS (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Push, Sunshine) zu. In weiteren Rollen außerdem TOMMY LEE JONES (Men In Black, Auf der Flucht, Volcano), HUGO WEAVING (Der Herr der Ringe, Matrix) und STANLEY TUCCI (In meinem Himmel, Emergency Room). Bereits am 22. Juli lief der Film in den USA an, wo der Film mit 158 Millionen Dollar seine 140 Millionen Dollar schweren Produktionskosten schon wieder eingespielt halt. Aber auch international zieht das Werk mit 128 Millionen Dollar Einspielergebnis eine gute Bilanz, wobei der deutsche Markt noch komplett aussteht, da Captain America – The First Avenger erst am 18. August in unseren Kinos anläuft.

Captain America - 09Es herrscht Krieg in Europa; der Zweite Weltkrieg wütet und hinterlässt Nichts weiter als Schutt und Asche. Die USA sind gerade in den Krieg eingestiegen und brauchen immer neue Soldaten. Junge Männer werden angeworben, um dem Militär beizutreten und in Europa für Gerechtigkeit zu kämpfen. Steve Rogers wäre so gern einer von Ihnen, aber er darf nicht. Obwohl aus einer Familie stammend, wo jede Generation für sein Vaterland kämpfte, wird Steve aufgrund seines körperlichen Zustandes die Einberufung verweigert. Er ist unterdurchschnittlich klein, sehr schmächtig und zudem auch noch sehr kränklich. Aber er hat Mut und Verstand, weswegen er zufällig die Aufmerksamkeit von Dr. Erskine erregt. Erskine ist ein deutscher Forscher aus Augsburg, der einst im Auftrag des SS-Wissenschaftlers Johann Schmidt ein Serum entwickelte, mit man normale Männer mit übermenschlichen Kräften ausstatten kann. Schmidt zwang Erskine das Serum an ihm zu testen, aber es ging schief und Erskine konnte sich in die USA absetzen, wo er nun für die US Army tätig ist. Er hat das Serum nun perfektioniert und glaubt in Steve die perfekte Testperson gefunden zu haben, weswegen er ihn in die geheime Operation Rebirth von Colonel Phillips einbringt. Dieser ist zwar davon überhaupt nicht begeistert, aber da Erskine das letzte Wort hat, muss er ihm vertrauen. Und die Zeit drängt, denn Schmidt hat in der Zwischenzeit seine eigenen Forschungen vorangetrieben und die SS-Unterorganisation Hydra gegründet, mit der er nun eine alles entscheidende Energiequelle in seine Hände bekommen hat. Phillips muss also handeln; aber Schmidt hat Eskrine und Rogers schon im Visier.
Captain America - Banner 03
Captain America - 07In erster Linie ist Captain America – The First Avenger eine typische Comicverfilmung mit Allem, was dazu gehört. Einem bedenkenlos selbstlosen Helden, superfiesen Bösewichten und einigermaßen Action, wobei er sich in manchen Dingen doch als überraschend gut entpuppt.
Und zwar besonders in den kritischen Fragen rund um seinen Patriotismus, seiner Handlung und der Charakterisik! Zwar wurde Captain America vor genau 70 Jahren eigens für den Hurra-Patriotismus erfunden, und Ansätze davon sind hier auch noch zu spüren, aber MARKUS, McFEELY und JOHNSTON überziehen das Bild dermaßen krass, dass dieser Patriotismus schon regelrecht in die Satire hineingezogen wird. Noch dazu schwingt in dieser Satire noch eine kräftige Dosis Kritik mit, wenn beispielsweise Captain America in der Heimat ein patriotischer Superstar ist, die vom Krieg gezeichneten Soldaten an der Front ihm aber nur den nackten Arsch zeigen, weil es ihnen mies und dreckig geht. Oder wenn die guten, richtigen Soldaten versuchen jedes Problem mit Gewalt und Kraft zu knacken und der schmächtige Rogers – der kleine, unliebsame Außenseiter – es mit Grips im Handumdrehen löst. Dabei zeigt Captain America den Patriotismus nicht als selbstverständlich oder zwingende Pflicht eines jeden Amerikaners, sondern nur durch Naivität seines Hauptprotagonisten heraus. Gleichzeitig präsentiert der Film nicht den Deutschen als typischen Bösewicht, sondern mit Johann Schmidt alias Red Skull einen Bad-Ass, der seine ganz eigenen Interessen vertritt und darum auch für die deutschen Mächte sehr gefährlich wird. Zumal schon die Tatsache selbst schon höchst ironisch ist, dass der aufrechte Held auf deutscher und amerikanischer Seite denselben Eigenschaften unterlag: nämlich groß, stark, blond und blauäugig. Zu guter Letzt arbeitet ja auch mit Eskrine ein Deutscher ebenfalls gegen das Unrecht und er wird einige Dinge zu Steve sagen, die viel mehr mit Menschlichkeit zu tun haben, als in vielen anderen Comicverfilmungen der Fall ist.
Captain America - 11Schwächen weist Captain America – The First Avenger dagegen ausgerechnet in seinem Spannungsaufbau und seiner Action auf. Zwar ist der Film von Anfang an unterhaltsam, richtig fesseln kann er aber nicht. Alles zieht sich ein wenig in die Länge, was den Charakteren sehr zu Gute kommt, aber auf der anderen Seite nicht genügend Raum für Spannungsaufbau lässt. Die Action ist an für sich wirklich gut inszeniert, jedoch wurde hier auch vergleichsweise oft mit dem Computer nachgeholfen, was den Szenen doch schon arg die nötige Authentizität raubt. Es geht schlicht keine Gefährlichkeit von den Stunts aus und das Adrenalin bleibt auf der Strecke. Außerdem kann man mit Steve Rogers später kaum noch mitfiebern, da er einfach unbesiegbar erscheint und seine Gegner wie Nix weghaut. Obwohl in den frühen Comics nicht gerade zimperlich, wurde Captain America sichtlich auf eine PG-13 getrimmt. Der Bodycount wurde bewusst gedrückt und es gibt nur noch wenige blutige Einschüsse, die auch recht schnell wieder aus dem Bild sind. Ein wenig kurios wirkt auch der technische Fortschritt der Hydra-Organisation, der die damalige amerikanische Angst vor deutschen Wunderwaffen noch einmal Revue passieren lässt. Ein-Mann-U-Boote, neuartige Fluggeräte, Nur-Flügler und extrem tödliche Schusswaffen. Es ist kein Geheimnis, dass die deutschen Wissenschaftler ihren Zeitgenossen um Jahrzehnte voraus waren, was auch ein Protagonist hier deutlich erwähnt, doch hier hat dies schon einen leichten Anflug von Science Fiction, wenn die Jungs mit Plasmagewehren aufeinander los gehen. Das erinnert dann in einigen Schlachtszenen auch mehr an Sternenkriege als den Zweiten Weltkrieg.

Captain America - 10In seiner Handlung macht Captain America zunächst viel richtig, wenn er sich Zeit für seine Charaktere nimmt. Schritt für Schritt erzählt der Film von Steve Rogers, zeigt seine Unnachgiebigkeit und den ständigen Kampf gegen seine wesentlich größeren und kräftigeren Mitstreiter. Er berichtet von Hydra, von Johann Schmidt, wie er seine bösen Finger nach der Welt ausreckt und was Philips und Co. dagegen unternehmen wollen. Action ist in der ersten Stunde also noch rar und der Unterhaltungswert läuft noch perfekt auf der charakterlichen Ebene, wobei es jedoch zu einem sehr abrupten Bruch kommt und man in der zweiten Hälfte umso mehr Action zeigt. Damit beginnt Captain America leider ordentlich zu straucheln, wenn vorher noch die Figuren wichtig waren und es auf einmal an allen Ecken und Enden zischt und scheppert. Die Action wird dem Zuschauer ganz einfach schlagartig und völlig ohne direkte Vorgeschichte vor den Latz geknallt, was ziemlich seltsam und auch ein wenig unpassend rüberkommt. In der einen Szene noch Lagebesprechung im englischen Bunker und einen Augenblick später schon in den Alpen mitten im schwersten Gefecht. Ohne einleitende Übergänge wirken solche Sequenzen einfach planlos. Davon zeugen auch die Logiklöcher, die ab der Hälfte immer mehr und mehr zunehmen; einige regelrechte Hämmer mit dem WTF-Siegel inbegriffen. Auf die Handlung aber haben sie jedoch keinen allzu großen Einfluss. Allen Besuchern des Films möchte ich an dieser Stelle außerdem anraten den Film bis zum Ende zu schauen. Also wirklich ganz bis zum Ende inklusive dem Abspann. Das bedeutet zwar ein paar Minuten Nerv tötende Warterei, allerdings dürfte sie sich für Comicfans durchaus lohnen.

Captain America - 14Tricktechnisch ist Captain America beinahe hervorragend gemacht. Hauptdarsteller CHRIS EVANS musste nämlich für die ersten 40 Minuten des Films in einen mickrigen Zwerg verwandelt werden; mit schmalen Schultern, ohne Muckies und gar hagerer Statur. Dabei ist der reelle EVANS alleine schon 1,84 m groß. Spüren tut man das allerdings überhaupt nicht, wobei nicht ein einziger Effekt zu erkennen ist. Gedreht wurde nämlich mit ähnlichen Tricks wie bei Der Herr der Ringe und dessen Hobbits. Auch die restlichen Special Effects können sich sehr wohl sehen lassen und lassen überhaupt nicht zu wünschen übrig – 3D allerdings schon! Captain America ist leider nachträglich in die dritte Dimension konvertiert worden und zeigt sich dabei von einer abschreckenden Seite. Nicht nur, dass das 3D in Captain America unglaublich flach aussieht, das Bild wird durch die Brille auch noch nicht unerheblich abgedunkelt. Im Endeffekt kann man sich also den Aufpreis für 3D sparen. Auf die grandios ekelhaft fiese und böse Maske von Red Skull hat das nämlich auch keinen Einfluss, der mit dem roten Totenkopf eben genau der miese Bad-Ass ist, den man sich als Comicfan nur wünschen kann. Der Schnitt sowie die Kamerafahrten sind zwar darum auch nicht außergewöhnlich, jedoch auch besser als der Durchschnitt. Die Musik von ALAN SILVESTRI (Predator, Judge Dredd, Schatten der Wahrheit, Forrest Gump) ist weitgehend orchestral und passt oft recht zu dem Film, ist im Großen und Ganzen allerdings belanglos und vergisst man auch ebenso schnell wieder. Recht witzig allerdings sind die überaus satirischen Jingles aus den 1940ern.

Captain America - 16CHRIS EVANS gibt sich alle Mühe seinen Superhelden menschlich darzustellen, was er auch oft mit einem ernsten Blick erledigt, in manchen gefühlvolleren Szenen jedoch noch einige kleine Schwächen aufzeigt. Im Durchschnitt jedoch eine gute Leistung. Richtig Spaß hat man mit HUGO WEAVING als Johann Schmidt, wenn er Bösartigkeit, Machtbesessenheit und Wahnsinn in seinem Blick vereinigt und damit nicht nur den Figuren um sich herum Angst einjagt. Später als Red Skull wird er sich alleine auf seinen Blick verlassen müssen, da das Make Up ein wenig steif ist. Aber dafür sieht die Maske ja auch alleine schon zum Fürchten aus. STANLEY TUCCI holt Alles aus seiner gering bemessenen Screentime heraus und zeigt als Deutscher Wissenschaftler Eskrine, dass es nicht auf die Nationalität oder Ethnie ankommt, was er auch immer wieder Colonel Philips alias TOMMY LEE JONES wissen lässt. JONES jedoch spult sein Programm als rauer Befehlshaber mit dem eigenen Standard herunter; nicht schlecht, aber auch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Da heben sich auch allesamt die zahlreichen Nebendarsteller wohltuend hervor. Das liegt zum einen daran, dass man ihnen vergleichsweise viel Zeit räumt mit- und untereinander zu agieren. Dies kommt HAYLEY ATWELL, SEBASTIAN STAN, TOBY JONES und DOMINIC COOPER nur entgegen und sie nutzen ihre Zeit auch vollends aus, was dem Film nur zu Gute kommt, da so mehr Komplexität entsteht. Insgesamt von allen beteiligten Schauspielern eine solide bis gute Leistung, an der man nur wenig kritisieren kann.

Fazit: Alles in Allem ist Captain America – The First Avenger eine solide und unterhaltsame Comicverfilmung, die gleichermaßen Handlung und Action bietet. Der befürchtete Hurra-Patriotismus wird satirisch durch den Kakao gezogen, sogar die Nebencharaktere kommen zur Geltung und die Schauspieler liefern weitgehend eine akzeptable Leistung ab. Zwar stören einige Logiklöcher und die Action wirkt ein wenig kraftlos, dennoch ist ein Kinobesuch für jeden Comicfan durchaus empfehlenswert, solang man sich Captain America im regulären 2D ansieht. Dafür gibt es auch wohlwollende 7 von 10 Punkten.