Colombiana



Regie: OLIVIER MEGATON
Drehbuch: LUC BESSON & ROBERT MARK KAMEN
Medium: Kino
Spielzeit: 107 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Start: 15.09.2011

„Eine Killerin, ja? Das möchtest du also sein? Okay, pass auf. Ich kann dich zu einem Killer ausbilden, kein Problem, aber dann bis du in spätestens zwei Jahren tot. Oder du besuchst die Schule und lernst, wie das Leben funktioniert, lernst dich anzupassen und dich zu tarnen. Und dafür musst du in die Schule! Hier in der linken Hand ist dein Rucksack, in der rechten Hand die Knarre. Du wählst!"


Es ist schon eine kleine Ewigkeit her, seitdem der kultige Filmemacher LUC BESSON (Das fünfte Element, Johanna von Orleans, Im Rausch der Tiefe, Subway, 96 Hours, Transporter Teil 1 bis 3, Die purpurnen Flüsse, Unleashed, Wasabi, Taxi, From Paris With Love) ankündigte, er würde ernsthaft eine Fortsetzung seines Klassikers Léon – Der Profi in Betracht ziehen. Léon – Der Profi war 1994 einer der ganz großen Hits, der Publikum wie Kritiker gleichermaßen begeisterte und in den Bann zog. Der Film bot eine einzigartige Mischung aus Gefühl und Gewalt, als sich der Auftragskiller Léon plötzlich um die Waise Mathilda kümmern musste. Sehr emotional, nuanciert, detailliert und dennoch mit blutigen Schießereien und harten Explosionen. Seitdem wartet BESSONs Fangemeinde, dass der französische Kinomogul die Geschichte fortsetzt. Daran arbeitet LUC BESSON zwar nun schon seit über 10 Jahren und ein Film ist noch lange nicht in Sicht, dennoch entstand aus derselben Idee heraus der Thriller Colombiana.
Es geht darum die Rolle des eiskalten Rächers anstatt eines männlichen Muskelmachos mit einer Frau zu besetzen und dabei wieder eine Mischung aus Gefühl und Gewalt zu verwenden. Etwas, was BESSON schon in einem seiner ersten Actionthriller Nikita 1990 so hervorragend umzusetzen wusste, dass der Film schon kurz nach dem Kinostart in Europa ein Klassiker wurde. Schrieb er damals jedoch noch allein, so entwickelt BESSON seit Das fünfte Element von 1997 jedes Skript zusammen mit dem Amerikaner ROBERT MARK KAMEN (Die Kadetten von Bunker Hill, Karate Kid Teil I bis III, Lethal Weapon 3 – Brennpunkt L.A.). Mit diesem Skript wandte sich das Duo auch sogleich an Regisseur OLIVIER MEGATON (Transporter 3), von dem BESSON wusste, dass dieser gerade auf der Suche nach einem ernsthafteren Actionskript war. Darum schlug er auch sofort zu und verfeinerte das Projekt sogar als eine indirekte Hommage an Léon – Der Profi und Nikita. Das Casting der Schauspieler war überaus schnell abgeschlossen, da man mit ZOË SALDAÑA (Avatar, 8 Blickwinkel, Star Trek) die perfekte Besetzung für die Hauptrolle fand. Auch die anderen Rollen sind mit CLIFF CURTIS (Stirb Langsam 4.0, Sunshine, Die Legende von Aang, Whale Rider), dem Spaniern JORDI MOLLÀ (Bad Boys II, Blow, Che, Knight And Day) und LENNIE JAMES (Outlaw, Human Target, 72 Stunden – The Next Three Days) erstklassig besetzt. Am 15. September 2011 startet Colombiana in den deutschen Kinos.

Bogotà im Jahre 1996. Die Hauptstadt Kolumbiens ist einer der großen Umschlagplätze für den Drogenhandel und viel Geld wird gemacht. Einer der obersten Bosse ist Drogenbaron Don Luis, der dank seines Handlangers Marco und seines Partners Fabio reich und mächtig geworden ist. Doch als Fabio aussteigen und ein neues Leben beginnen will, kann Don Luis das Risiko nicht eingehen. Er schickt Marco um Zeugen und Beweise zu eliminieren, was ihm auch fast gelingt. Fabio und seine Frau Alicia sterben im Kugelhagel, nur die 9-jährige Cataleya kann gerade noch so entkommen und sich zu ihrer Großmutter und Onkel Emilio in Chicago durchschlagen.
15 Jahre später lebt Cataleya unter ihrem Tarnnamen Jennifer immer noch in Chicago. Nur ist sie durch Emilios Ausbildung nun eine eiskalte, raffinierte und sehr intelligente Profikillerin. Cataleya erledigt ihre Missionen stets gewissenlos, sehr präzise und sehr leise. Ihre Aufträge werden ihr von Emilio zugeschanzt, der ihr auch organisatorisch den Rücken freihält. Doch insgeheim hat Cataleya zwei Laster: sie ist mit dem Künstler Danny liiert, bei dem sie einfach plötzlich auftaucht, ihn verführt und danach wieder verschwindet, obwohl sie ihn liebt. Und – was viel schlimmer ist – hinter Emilios Rücken tötet sie in eigener Sache jeden Menschen, der an der Ermordung ihrer Familie beteiligt war, wobei sie auch bewusst mysteriöse Nachrichten auf die Opfer schmiert. FBI-Agent James Ross ist ratlos und schaltet darum die Medien ein, wovon er sich endlich Hinweise erhofft. Nur ahnt er nicht, dass dies genauso von Cataleya geplant war. Aber sie hat die Rechnung ohne Emilio gemacht, der sich wutentbrannt von Cataleya abwendet. Ein Profi lebt und arbeitet nun einmal verdeckt. Jeder Mensch, der Cataleya etwas bedeuten würde, schwebe nun ihretwegen in Lebensgefahr. Außerdem weiß Cataleya nicht, dass Don Luis inzwischen unter dem Schutz des CIA steht. Der Geheimdienst drängt den Drogenbaron natürlich dazu, diese lästige Made endlich loszuwerden. Und der Weg dazu führt über Danny!


Colombiana Banner II

Transporter 3 war ja ein eher langatmiger Actionfilm, der den beiden Vorgängern weder inhaltlich noch visuell gerecht werden konnte. Mit Colombiana beweist Regisseur MEGATON allerdings äußerst eindrucksvoll, dass er sehr wohl in der Lage ist spannende und niveauvollere Actionfilme zu inszenieren.
Denn Action gibt es in Colombiana reichlich und noch dazu von der guten Sorte ganz im Sinne der alten Schule. Dass heißt im Klartext beeindruckende Verfolgungsjagden mit Fahrzeugen oder zu Fuß, harte Stunts und Stürze, brachiale Zweikämpfe, Schießereien und natürlich heftige Explosionen. Allein schon richtig fesselnd und akrobatisch auf höchstem Level ist die Flucht der junge Cataleya, gespielt von AMANDLA STENBERG, durch die Favelas Bogotàs mit etlichen Freerunning-Einlagen. Kein Wunder, wenn da sogar Parkourjunkie DAMIEN WALTERS mit von der Partie ist. Wenn es zu Explosionen oder Schießereien kommt, dann fliegen die Fetzen, bei den Zweikämpfen gehen ganzen Einrichtungen zu Bruch. Shotgun, Maschinengewehre, Sniper, Raktenwerfer, Sprengstoff . . . das Waffenangebot lässt keine Wünsche offen. Und da die Franzosen fern jeglicher PG-13 arbeiten fällt auch der Härtegrad mit blutigen Einschüssen, großen Messern und bösen Haustieren wohltuend derber aus als in vergleichbaren US-Filmchen. Wichtig dabei ist, dass Colombiana nebenbei jedoch auch noch sehr auf Spannung und Emotionen setzt. Da nämlich Cataleya bei manchen ihrer Missionen zum Teil schon sehr riskante Pläne verfolgt, finden sich hier darum auch starke Spannungsbögen zwischen der Action. Zum anderen sorgen natürlich die gefühlvollen Ingredienzien dafür, dass sich der Zuschauer mit Cataleya zu identifizieren versucht und man auf diese Weise automatisch mit ihr mitfühlt, mitfiebert und mitkämpft. Dabei sollte man sich jedoch nicht durch Adjektive wie „gefühlvoll" oder „emotional" abschrecken lassen, denn im Gegensatz zu Léon – Der Profi trennt Colombiana seine sensiblen Momenten nicht von der harten Action ab, sondern lässt sie aufeinander aufbauen. Jede Szene aus Cataleyas Privatleben hängt direkt oder indirekt mit ihrem tödlichen Beruf zusammen, wird davon beeinflusst und umgekehrt, was auch zu Konfrontationen mit ihrem Liebhaber und ihrer eigenen Familie führt.
Auf diese Weise bleibt Colombiana von Anfang bis Ende äußerst unterhaltsam, wie auch das Spiel mit den beiden indirekten Vorgängern Nikita und Léon – Der Profi zeigt. Es gibt Augenblicke und Szenen, die man diesen beiden Klassikern beim ersten Sehen hin problemlos zuordnen kann. Beispielsweise wenn Cataleya ihrem Liebhaber Danny um den Hals fällt, wobei sie bei ihm nur auftaucht, um mit ihm zu schlafen; ähnlich wie in Nikita. Oder wenn die Polizei in ähnlicher Art und Weise von Léon – Der Profi Cataleyas Wohnung stürmt, wobei die gesamte Wohnung zerlegt, zerschossen und zerbombt wird und die Polizei dabei, umgangssprachlich ausgedrückt, voll auf die Fresse kriegt. Keine dieser Szenen ist aber nicht einfach nur eine blasse Kopie, sondern ein augenzwinkernder Fingerzeig auf die beiden Klassiker, da OLIVIER MEGATON mit den Erwartungen und dem Wissen des Zuschauers spielt; ihnen manchmal nachgibt, aber auch verwehrt. MEGATON hat die Definition von Hommage also genau richtig umgesetzt und hat dabei die Gratwanderung sehr gut gemeistert, Colombiana als eigenes Werk zu zeigen und Fans der Klassiker dennoch zum Schmunzeln zu bringen. Man hat also sowohl als Unkundiger als auch Kenner der beiden Klassiker hier seinen Spaß.

Colombiana 13Die Story von Colombiana ist nicht neu und schon drei Mal nicht originell – aber dafür extrem kurzweilig und sehr spannend inszeniert! Tatsächlich gehört Colombiana zu der sehr seltenen Kategorie von Filmen, wo man schon nach einigen Minuten das Zeitgefühl komplett verliert, vollkommen in den Film eintaucht und am Ende gar nicht fassen kann, dass schon 107 Minuten verstrichen sind. Dies liegt zum Großteil natürlich an der hohen Geschwindigkeit von Colombiana, die kaum Zeit mit Nebensächlichkeiten vergeudet und sehr geradlinig den Weg von Cataleya verfolgt. Dass heißt aber nicht, dass die Kamera nur stur die Killerin begleitet, denn gelegentlich zeigt man auch Don Luis und Marco; erklärt deren Beziehung zum CIA. Oder auch Agent James Ross, der mit einer immensen Beharrlichkeit und Energie der Killerin auf der Spur ist. Das schielt in klassisches Actionkino und dadurch ist man auch quasi hautnah dabei, wie sich die Schlinge um Cataleya immer enger zieht. Die meisten Schlüsselszenen sind jedoch vorhersehbar, aber macht das den Film langweiliger? Verdammt Nein! Dank des schieren Unterhaltungspotentials nämlich bleibt man als Zuschauer immer am Ball, obwohl man gut erahnen kann, wie welche Szene nun ausgeht. Leider bleibt die Logik in ein oder zwei Stellen auf der Strecke, wo man als Zuschauer nur kopfschüttelnd davor sitzen kann. Wie etwa, wenn die junge Cataleya einfach nur dasitzt, während ihre Familie vor der Haustür durchsiebt wird. Solche Momente sind allerdings rar und haben auf die Handlung nur wenig Einfluss. Der Unterhaltungswert flacht also dadurch nur geringfügig ab. Durch das doch ein wenig ungewöhnliche Ende allerdings hat man alle Chance auf eine Fortsetzung, die ich nur begrüßen kann.

Colombiana 07Colombiana lebt natürlich auch zum Teil von der gelungenen Optik. Angefangen bei der Location, die leider eben nicht Bogotà zeigt, sondern den Hauptdistrikt von Mexico City; vom echten Bogotà genau 3.180 km entfernt. Der Unterschied dürfte allerdings nur Touristen auffallen, die Bogotà einmal besucht haben. Chicago hingegen bekommt man in Colombiana jedoch wirklich zu Gesicht, inklusive einiger schöner Aufnahmen der Skyline. Gedreht wurde mit einem speziellen Farbfilter, der die Farben sogar ein kleines Stückchen mehr als natürlich leuchten lässt. Dies macht besonders in den Actionszenen einen guten Eindruck und lässt die Szenerie ein wenig lebenslustiger erscheinen, als die an für sich aufgeladene Geschichte, die in dem Film erzählt wird. Für die Actionszenen war natürlich BESSONs hauseigene Truppe unter der Führung von MICHEL JULIENNE (Unknown Identity, Transporter Teil 1 bis 3, James Bond, From Paris With Love) verantwortlich, ein absoluter Profi, weswegen die Actionszenen allesamt auch komplette ohne Pixelhilfe entstanden und genau deshalb richtig mitreißend aussehen. Die harten und realistischen Zweikämpfe jedoch choreographierte ALAIN FIGLARZ, dem Mann hinter den Fights von Die Bourne Identität und Babylon A.D.. Und der sorgte natürlich auch in Colombiana für heftig-harte Zweikämpfe. Die Musik von Colombiana setzt sich aus wenigen, bekannten Popsongs zusammen, unter anderem auch mit JOHNNY CASH, weitgehend aber mit einem instrumentalem Arrangement, was schon in den ersten Takten an bestes Actionkino aus den 1980ern erinnert. Vergleichbar mit dem Soundtrack von Red Heat, Tango & Cash, Die City-Cobra und Phantom Commando.

Colombiana 14Zwar haben sich in Colombiana jede Menge guter Schauspieler eingefunden, jedoch sticht besonders die junge AMANDLA STENBERG heraus, die in ihren 20 Minuten als junge Cataleya schon mal sehr gut vorlegt. Ganz am Anfang sieht man sie noch lächeln, dann die Angst während des Mordanschlags, später wird sie jegliche Emotion verlieren, da sie einen kühlen Kopf bewahren muss, um zu ihrem Onkel Emilio zu gelangen. Insgesamt spürt man hier ein großes Talent. ZOË SALDAÑA muss im Grunde zwei Rollen vereinigen. Da haben wir einerseits die präzise, eiskalte, gewissenlose Killerin, die oft nur mit einem zarten Lächeln eine Spur von Sadismus aufkommen lässt, und andererseits die zarte Cataleya, die unter der Zurückweisung ihrer Familie leidet und zerrissen darüber ist, ob sie ihrem Lover Danny mehr von sich preis geben soll oder nicht. Eigentlich eine schwierige Aufgabe, wo sich SALDAÑA allerdings geschickt durchwindet, indem sie beide Rollen im Gegensatz zur Atmosphäre schlicht trennt. Entweder sie ist Killerin ohne jegliche Emotion oder zeigt innere Zerrissenheit mit Mimik und Gestik während sie mit Onkel Emilio streitet. Und dass sie im hautengen Anzug, mit Hot Pants nur in Unterwäsche und auch ganz gerne Nippel-stark ohne BH herumläuft, zeigt sie viel Sexappeal, woraufhin sie zugleich als perfektes Eyecandy funktioniert. Onkel Emilio seinerseits wird von CLIFF CURTIS verkörpert. Litt er vor Kurzem noch unter Komplettversagen in Die Legende von Aang, so spürt man in Colombiana keine einzige Schwäche mehr. Blick und Gestik sind perfekt auf den immer besorgten Ziehvater ausgerichtet. Er nutzt seine Screentime vollends aus und zeigt sich als seriöser Schauspieler der gehobeneren Klasse.
LENNIE JAMES überzeugt als verbissener, teils auch verbitterter FBI-Agent Ross, der sichtlich verärgert darüber ist, dass Cataleya keine Spuren hinterlässt und ihm so auf der Nase herumtanzt. Ärgerlicherweise ist der Part von JORDI MOLLÀ weitgehend verschenkt worden, da man seiner Figur des Handlangers Marco nicht genügend Zeit einräumt und MOLLÀ mehr einen nüchternen Bodyguard gibt an Stelle des dreckigen Gangsters. Ein ähnliches Schicksal, dass er sich mit MICHAEL VARTAN teilt, der hier Cataleyas Liebhaber Danny spielt. Okay, man weiß, dass Danny die Frau abgöttisch liebt, die er als Jennifer kennt. Und man weiß, dass er sich dieses Verhalten von plötzlich Auftauchen und eine Nummer schieben nicht mehr gefallen lassen will. Für mehr reicht es wegen fehlender Zeit einfach nicht. Aber das spielt in dem betont actionreichen Film sowieso nur eine untergeordnete Rolle und stört deshlab auch kaum.

Fazit: OLIVIER MEGATON ist mit Colombiana ein extrem unterhaltsamer und sehr kurzweiliger Actionfilm geglückt, der nicht nur Genrefans hervorragend unterhalten kann. Der Film besitzt handgemachte, ehrliche Stunts, harte Zweikämpfe, fetzige Schießereien und Sinn für seine Charaktere. Von einigen gröberen Logiklöchern abgesehen hat sich Colombiana seine 8 von 10 Punkten wohl verdient. Mit Cataleya am Start wird der Herbst definitiv heiß!