I Saw The Devil

I Saw The Devil - Poster 02Regie: KIM JEE-WOON
Drehbuch: PARK HOON-JUNG
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 136 Minuten
FSK: SPIO/JK-Gutachten
Start: 15.04.2011

„Vergib mir Joo-yun. Ich war nicht für dich da. Ich kam wie immer . . . viel zu spät. Aber eins verspreche ich dir hoch und heilig . . . dein Mörder wird dafür büßen, was er dir angetan hat!“


Auf die Frage hin, welcher Kontinent das derzeit beste Kino produziert, kann es nur eine Antwort geben: Asien! Zwar liefern schon die Japaner dank ihres Kinogroßmeister AKIRA KUROSAWA (Rashomon, Die sieben Samurai, Das Schloss im Spinnwebwald, Yojimbo – Der Leibwächter, Ran, Kagemusha) seit den 1950ern regelmäßig großartige Beiträge in jeder Kategorie ab, aber seit circa 10 Jahren drängt sich Südkorea an die Spitze und brilliert ein ums andere Mal mit Meistwerken jeden Genres. Man denke an dieser Stelle nur mal an den Kriegsfilm Brotherhood von KANG JE-GYU, den sozialkritischen Monsterfilm The Host und den raffiniert-dichten Thriller Mother; beide von BONG JOON-HO. Oder gar natürlich an Südkoreas Musterregisseur PARK CHAN-WOOK, der besonders durch seine Rachetrilogie, bestehend aus Sympathy For Mr. Vengeance, Oldboy und Lady Vengeance international einen sehr hohen Ruf bei Fans und Kritikern genießt. Gerade Oldboy gilt als ein absolutes Meisterwerk und einer der besten Beiträge zum Rachefilm überhaupt.
I Saw The Devil 20Mit I Saw The Devil bahnte sich aber sogar schon im Vorfeld ein Meisterwerk an, was Potential hat den schier unschlagbaren Oldboy sogar noch zu übertreffen. Dabei stammt das Drehbuch sogar noch von einem Debütanten! Nämlich PARK HOON-JUNG, dessen Drehbuch allerdings augenblicklich die Aufmerksamkeit von KIM JEE-WOON erregte. KIM JEE-WOON gehört ebenfalls zu den ganz großen Regisseuren Südkoreas, der sich 2003 mit seinem sensiblen Horrordrama A Tale Of Two Sister schlagartig in die oberste Liga Asiens katapultierte. Auch seine melancholische Gangsterballade A Bittersweet Life zwei Jahre später bekam überwältigende Kritiken, spielte international viel Geld ein und avancierte im Nu zu einem Kultfilm. 2008 legt KIM in Sachen Action, Witz und Tempo sogar noch eins drauf und präsentierte mit The Good, The Bad, The Weird einen sehr amüsanten Asia-Western. Gute Kritiken und Publikumserfolg waren ihm auch hier sicher. Mit I Saw The Devil kehrte er jedoch zum anspruchsvollen Film zurück und inszenierte seinen ersten Thriller, für die er einige der besten Schauspieler Asiens verpflichten konnte. Für die erste Hauptrolle konnte kein Geringerer als der großartige Edelmime CHOI MIN-SIK (Shiri, Brotherhood, Nameless Gangster, Crying Fist) verpflichtet werden; der gleiche Schauspieler, der sich mit seiner Performance in der Hauptrolle als Oldboy selbst ein Denkmal setzte und über Nacht zum Superstar des asiatischen Kinos wurde. Sein Gegenspieler ist mit KIM JEE-WOONs Stammakteur LEE BYUNG-HUN (J.S.A. – Joint Secruity Area, A Bittersweet Life, The Good, The Bad, The Weird) ebenfalls ein großer Star und erstklassiger Schauspieler, der etliche Preise gewinnen konnte. Auch er genießt international hohe Achtung und Respekt. In einigen Medien war darum auch schon von einem Duell der Giganten zu lesen – was man sogar wortwörtlich nehmen kann.

I Saw The Devil 07Kyung-chul ist ein Sadist, ein Psychopath und ein passionierter Serienmörder. Er tötet nicht nur aus innerem Trieb heraus, es bereitet ihm sogar unbändiges Vergnügen seine Opfer zu quälen und zu zerstückeln. Und so verschwindet eine junge Frau nach der Anderen. Die Polizei ist ratlos, denn für sie handelt es sich nur um Vermisstenfälle, da die Opfer Kyung-chuls in fast allen Fällen nicht gefunden werden. In einer verschneiten Winternacht trifft er auf die junge Joo-yun, deren Auto liegengeblieben ist. Natürlich nimmt Kyung-chul die Gelegenheit wahr; überfällt und tötet das Mädchen grausam und bestialisch. Er zerstückelt sie wie seine anderen Opfer zuvor und schafft die Leichenteile weg. Doch dieses Mal finden einige Kinder Teile von Joo-yuns Leiche. Die Polizei ist alarmiert und leitet eine groß angelegte Suche ein. Schließlich werden auch die restlichen Gliedmaßen gefunden, was unvermittelt großes Entsetzen unter den Beamten auslöst. Denn Joo-yun war die Tochter des ehemaligen Polizeipräsidenten und mit dem Geheimdienstagenten Soo-hyeon verlobt. Beide sind gebrochen vor Trauer. Nach dem Begräbnis aber schlägt die Trauer in unermessliche Wut um – Joo-yuns Mörder darf nicht entkommen! Unabhängig von der Polizei verfolgt Soo-hyeon darum seinen eigenen Plan. Von Joo-yuns Vater bekommt er eine Liste mit verschiedenen Verdächtigen, die für den Tod seiner Geliebten verantwortlich sein könnten. Er sucht einen Verdächtigen nach dem Anderen auf und foltert sie mit unglaublicher Brutalität, um herauszufinden, ob sie Joo-yun ermordet haben. Kyung-chul ist der dritte auf der Liste und als Soo-hyeon einen Hinweis von Joo-yun bei ihm Zuhause findet, gibt es für ihn keinen Zweifel mehr. Von nun an beginnt Soo-hyeon mit Kyung-chul ein beispiellos sadistisches Spiel zu spielen, dass jenseits jeglicher Dimension von Grausamkeit liegt.
I Saw The Devil - Banner 04Dem grandiosen Thriller I Saw The Devil liegt das beinahe urklassische Prinzip von Gut gegen Böse zugrunde. Begleitet aber von der sehr berühmten Frage, ob man durch den Kampf mit Monstern nicht selbst zu einem Monster werden kann.
I Saw The Devil 11Atmosphärisch ist I Saw The Devil ein reiner Rachefilm, der überdies auch sehr spannend und unterhaltsam gemacht ist. Natürlich wird in ganz wenigen Szenen am Anfang gezeigt, wie tiefgehend und gefühlvoll die Beziehung zwischen Soo-hyeon und Joo-yun ist, bevor sie durch Kyung-chul drastisch ermordet wird und den Racheplot so erst auslöst. Die Explizität dabei schockiert schon in den ersten Gewaltakten, wenn Kyung-chul rücksichtslos und heftig mit einem Hammer auf seine Opfer schlägt. Aber das ist beinahe Nichts im Vergleich zu der Gewalt und Brutalität, mit welcher der Zuschauer im Laufe des Films konfrontiert wird. I Saw The Devil ist so ziemlich und mit weitem Abstand der wohl härteste Film der letzten Jahre! Zum Einen enthält der Film sehr sehr viel Gewalt in fast allen Variationen. Menschen werden aufgeschlitzt und erstochen, Knochen gebrochen, Tritte und Schläge mit Hämmern, Stangen und Stöcken. Zum Anderen wird diese Gewalt und Brutalität auf eine ernste, seriöse und anspruchsvolle Art präsentiert und zuletzt zeigt I Saw The Devil fast all seine brutalen, blutigen und unglaublich sadistischen Szenen ganz offen; schlägt sie dem Zuschauer direkt ins Gesicht, woraufhin manche Szenen fast kaum zu ertragen sind. Der Blutgehalt ist darum auch nicht gerade von schlechten Eltern, obwohl sich der Film jeglicher Übertreibung verweigert. Damit einher geht auch noch eine sehr saftige Dosis psychischer Gewalt, die die ganze Bandbreite menschlicher Perversionen zum Ausdruck bringt. Darüber hinaus geht der Thriller für das asiatische Kino auch untypisch offen mit nackter Haut um und man traut sich Frauen (fast) nackt darzustellen. Entblößte Brüste inbegriffen. Sogar davor einen (zensierten) Porno zu zeigen schreckte KIM JEE-WOON nicht zurück. Durch die harten Zweikämpfe, eine Verfolgungsjagd und Schusswaffengebrauch kommt außerdem noch ein wenig Action hinzu. Aber auch wenn in I Saw The Devil Gewalt dauernd präsent ist, heißt das nicht, dass hier pausenlos eine Gewalttat an die andere gereiht wird. Dazwischen betreibt man starkes Spannungskino auf höchstem Niveau, sowohl handwerklich als auch künstlerisch. Und schließlich hat der Film auch einen sehr ernsten Anspruch.

Denn was I Saw The Devil so speziell und so grandios macht, ist seine ernsthafte Betrachtung von Gewalt, Gegengewalt und der eigenen moralischen Verrohung durch Gewalt. Das Motto des Rachethriller basiert dabei sehr offensichtlich auf dem berühmten Zitat von FRIEDRICH NIETZSCHE aus seinem Meisterwerk Jenseits von Gut und Böse – Vorspiel einer Philosophie der Zukunft, was bereits mi Jahr 1886 erstmals erschien.

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“


I Saw The Devil 25In I Saw The Devil wird dieser Abgrund von Kyung-chul personifiziert, einem Mörder und Sadisten aus purer Leidenschaft. Er ist ein Sadist, ein Arschloch, ein gewalttätiger Psychopath ohne Gnade oder Skrupel, der Spaß am Töten und Foltern hat. Ihm bereitet es sogar schon Vergnügen andere Mitmenschen blöd von Seite anzumachen und sie zu beleidigen. Kyung-chul ist simpel böse und er fühlt sich gut dabei. Dies mag zwar auf den ersten Blick hin recht eindimensional wirken, jedoch ist es nötig, um die Verwandlung der gerechten Nemesis zu einem fast noch schlimmeren Monster zu ermöglichen. Dies betrifft ganz direkt Soo-hyeon, der ja eigentlich das Gute verkörpern sollte, aber im Laufe des Films immer mehr zu der gleichen Bestie wird, wie die Serienmörder, die er jagt und foltert. Äußerlich merkt man ihm das weniger an, da er kaum Emotionen zeigt. Dafür sprechen seine Taten und seine kaltblütige Vorgehensweise eindeutig für sich, wenn er unvermittelt auftaucht und Kyung-chul wieder sadistisch zu quälen beginnt und dabei Stück für Stück brutaler und blutrünstiger wird. Irrwitzigerweise geschieht dies meist dann, wenn Kyung-chul selbst gerade wieder dabei ist Böses zu tun. Dies führt zu dem Dilemma, dass sich Soo-hyeon noch viel mehr im Recht glaubt, als er ohnehin schon tut. Dass er dabei die Grenze vom Menschen zum Monster überschreitet, ja sogar von Kyung-chul indirekt dazu gestoßen wird, bekommt er also gar nicht mit. Wichtig aber dabei ist, dass I Saw The Devil auf keiner Seite Stellung bezieht. Der Film wirft einen sehr tiefen Blick in die menschliche Psyche ohne dabei zu beschuldigen oder zu entlasten. I Saw The Devil bleibt objektiv und rechtfertigt nicht. Viel eher nimmt der Film eine beobachtende Haltung ein, was es dem Zuschauer leichter macht das Geschehen zu analysieren. Er kann selbst entscheiden, ob Soo-hyeons Handeln gerechtfertig ist oder nicht, obwohl die unbeschreibliche Grausamkeit seiner Rache kaum Raum für Zweifel lässt – und genau Das ist das große Kunststück bei I Saw The Devil!
I Saw The Devil - Banner 02I Saw The Devil 24Die Handlung von I Saw The Devil präsentiert KIM JEE-WOON stets aus der Perspektive des vermeintlichen Opfers. In der ersten Stunde bedeutet dies, dass die Kamera Soo-hyeon begleitet und wie er von Trauer und Wut getrieben einen Verdächtigen nach dem anderen aufsucht und gewaltsam befrägt. Ab circa 50 Minuten jedoch wechselt der Film die Perspektive und begleitet nun Kyung-chul ausführlich, den der Zuschauer nun gründlich kennen lernen kann und dabei immer angewiderter und angewiderter wird. Erst in der kommen Stunde begreift man eigentlich, was für ein unmenschliches Monster Kyung-chul eigentlich ist. In dieser Phase holt die Handlung Alles aus sich heraus, denn auch wenn sich Soo-hyeon natürlich dem kranken Killer überlegen fühlt, rollen hier dennoch einige Ereignisse auf ihn zu, die weder er noch der Zuschauer vorhersehen können. Wie etwa die berüchtigte Taxifahrt, Kyung-chuls Arztbesuch und der oftmals diskutierte Besuch beim Kannibalen. Von Anfang an besitzt der Film auch einige, allerdings auch kleine Nebenhandlungen, auf die man während des Films weniger achtet, dafür aber im Finale eine wichtige Rollen einnehmen. Für etwaige Rührseligkeiten nimmt sich der Film überhaupt nicht viel Zeit, obwohl er die Trauer Soo-hyeons und der Familie seiner Verlobten auch nicht verheimlicht. I Saw The Devil nimmt sich genau die Zeit, die er für sich braucht und verzichtet vollständig auf unnötige Kamerafahrten oder Einstellungen. Das heißt, dass der Film trotz seiner längeren Spielzeit von 136 Minuten alles andere als langsam daherkommt. Das Filmtempo von I Saw The Devil ist konstant hoch und offenbart sich darum auch als unterhaltsam und recht spannend.

I Saw The Devil 12In der Inszenierung setzt sich die analysierende Art und Weise fort, mit welcher I Saw The Devil seine Figuren beobachtet. Schnelle Zooms gibt es nicht zu sehen und von einigen effektiven Kamerafahrten einmal abgesehen bleibt auch die Kamera ruhig. KIM JEE-WOON verzichtete beim Dreh weitgehend auf verwackelte Aufnahmen und benutzte überwiegend das Stativ. Viel eher arbeitet der Film weit mehr über seinen geschickten, raffinierten und gegebenenfalls auch rasanten Schnitt und den lebensnahen Einstellungen. Gedreht wurde in einer ländlich gelegenen Gegend außerhalb von großen Städten. Die unterschwellige Einsamkeit, die so entsteht, trägt ebenfalls nicht unerheblich zu dem eiskalten Look des Films bei; trotz, dass hier ohne den typischen blauen Farbfilter gedreht worden ist, den man oft bei vergleichbaren Thrillern anwendet. Darüber hinaus geht man hier mit dem Soundtrack verhältnismäßig sparsam um, besonders in der ersten Hälfte des Films ist Musik eher rar. Was allerdings dafür sorgt, dass manche unheimlichen Momente in ihrer Intensität erheblich gesteigert werden. Erst in der zweiten Hälfte wird ausgiebiger Gebrauch von musikalischer Untermalung gemacht, die dank des klassischen Arrangements unterlegt mit treibenden Drums ganz schön pusht und den Herzschlag in die Höhe treibt. Und natürlich fehlt KIM JEE-WOONs Markenzeichen nicht, einen klassischen und wunderbar melancholischen Gitarrentrack mit einzubauen.
I Saw The Devil 27Wie bereits erwähnt handelt es sich bei I Saw The Devil um einen sehr sehr harten Rachethriller, der seine Härte vor allem durch seine Authentizität und den Realismus in seiner Gewalt und Brutalität besitzt. Aus diesem Grund nutzte KIM JEE-WOON fast ausnahmslos Alles, was die Tricktechnik und das Make-Up hergibt. Vom realistischen Einsatz von Bluteffekten über offene Wunden bis hin zu einigen derben Splattereinlagen fehlen lediglich die leider in Mode geratenen CGI-Effekte, die man selbst mit der heutigen Technik leicht identifizieren kann. Indem also JEE-WOON darauf verzichtet und das vorhandende Material geschickt mit seinem Schnitt kaschiert, kommt der sehr hohe Realismus gänzlich ohne Einbußen zustande. Diese beispiellose Härte sorgt aber leider dafür, dass die Zuschauer mit einigen Einbußen auskommen müssen. Der Film – obwohl mit einer derart hochkarätigen Klasse ausgezeichnet – musste in Deutschland um satte 11 Minuten geschnitten werden, um überhaupt eine FSK 18 zu erreichen!!! Aber nicht nur hier in Deutschland hatte der Film mit seinem Gewaltlevel Probleme. Die Koreanische Bewertungsstelle wollte I Saw The Devil in der ungeschnittenen Fassung lediglich das Restricted-Siegel geben, weswegen der Thriller höchstens in Pornokinos gezeigt werden hätte können. Aus diesem Grund musste KIM JEE-WOON nochmals die Schere ansetzen und circa 90 Sekunden herausschneiden, um sein Werk dennoch ins Kino bringen zu können. International jedoch wird die tatsächliche ungeschnittene Fassung vertreiben, die auch in Deutschland im Rahmen der Black Edition mit einem JK-Gutachten unzensiert erhältlich war, jedoch inzwischen auf Liste B indiziert ist, wobei sogar noch die Möglichkeit besteht, dass I Saw The Devil hierzulange beschlagnahmt wird. Allerdings entbehrt diese Version eine Sexszene, so dass wirklich keine der national abhängigen Fassungen wirklich ungeschnitten ist.
I Saw The Devil - Banner 03I Saw The Devil 13Schauspielerisch hat sich das „Duell der Giganten“ ebenfalls bestätigt, wenn sich auch CHOI MIN-SIK eindeutig als Sieger dieses Duells ausmachen lässt. Mit Kyung-chul gelang dem südkoreanischen Edelmimen schon zum zweiten Mal eine schier unschlagbare Leistung, die seiner Performance in Oldboy in absolut Nichts nachsteht! Alleine was CHOI mit seiner die Mimik macht, reicht aus, um in Kyung-chul den unsympathischen und kaltblütigen Scheißkerl erkennen zu lassen, während sich in seinen Augen der pure Wahnsinn gemischt mit einer Mordsgefährlichkeit wiederspiegelt. Man spürt die Lust, die Gewaltgeilheit, die Wut und den Schmerz. Er agiert kaltblütig, arrogant, sexistisch und lässt den Zuschauer trotzdem unweigerlich mitleiden, wenn ihm schreckliche Schmerzen zugefügt werden. Die kommen von einem wie immer distanziert agierenden LEE BYUNG-HUN, dessen Spiel sich beinahe vollständig auf die Augen konzentriert, was auch über einen kurzen Bruch von Statten geht. Anfangs sieht man ihn nämlich noch lächeln, locker gestikulieren und dann glaubwürdig an der Trauer zerbrechen, bevor er fast ohne Gestik und mit eiskalter Miene ohne äußerliche Emotionen das Foltern und Terrorisieren der Mörder beginnt. Aber auch wie bei CHOI MIN-SIK beherrscht LEE BYUNG-HUN das Spiel mit den Augen perfekt. Denn dort spiegelt sich der Hass, der Ekel und die Wut wieder, die Soo-hyeon gegenüber Kyung-chul empfindet.
I Saw The Devil 22In einer größeren Nebenrolle sieht man überdies CHOI MOO-SEONG, der durch sein Wirken in Beautiful, Seven Days, Missing Person und Detective K einer der gefragtesten Newcomer Südkoreas. Und diese Klasse sowie das Potential für den internationalen Markt stellt er hier wieder einmal äußerst eindrucksvoll unter Beweis. In I Saw The Devil spielt er den geistig leicht zurückgebliebenen Mörder, der mit Kyung-chul befreundet und süchtig nach Menschenfleisch ist. Auch er verkörpert seine Rolle mit solch einer Inbrunst, wenn er wie ein Schwein Fleisch in sich hinein schaufelt, bewusst stupide und verwirrt drein guckt, dumm lächelt und sich ebenso behäbig bewegt, wie es seinem geistigen Zustand entspricht. Er spricht leise und langsam und fast könnte man sogar Mitleid mit ihm haben, wenn es sich denn nicht auch um einen perversen Serienmörder handeln würde. Eine schwierige Gratwanderung, die CHOI MOO-SEONG aber mit Bravour meistert.
Insgesamt zeigen alle Schauspieler von den Hauptrollen bis in die kleinste Nebenrolle hinein eine sehr gute Leistung, weswegen sich I Saw The Devil auch schauspielerisch als ein wahrer Augenschmaus entpuppt.

Fazit: KIM JEE-WOONs Meisterwerk I Saw The Devil ist ein ernsthafter, spannender und gnadenlos harter Rachethriller, der durch die berühmte Frage, ob man durch den Kampf mit Monstern nicht selbst zu einem Monster wird, gleichermaßen Anspruch wie Brisanz zeigt. Die offen gezeigte Gewalt und Brutalität dieses Films schockieren zwar bis ins Mark, haben aber durchaus ihren Sinn. Zudem hat I Saw The Devil mit CHOI MIN-SIK und LEE BYUNG-HUN zwei geniale Hauptdarsteller. Besonders CHOI MIN-SIK überzeugt mit einer ungeheureren Intensität den Mörder Kyung-chul, der vermutlich ebenso zu einer Kultfigur werden wird, wie seine Darstellung des Oh Dae-su in OldboyI Saw The Devil ist deswegen auch volle 10 Punkte wert.