Monster Man



Regie: MICHAEL DAVIS
Drehbuch: MICHAEL DAVIS
Medium: DVD
Spielzeit: 91 Minuten
FSK: Keine Jugendfreigabe
Start: 30.03.2003

„Rooooooossssseeeebuuuuuuddd!“


Neulich hatten wir ja erst mit Uncle Sam – I Want You Dead das Vergnügen einen sehr amüsanten und gleichzeitig auch sehr kritischen Trashfilm kennen zu lernen, der vor hintersinnigem Sarkasmus nur so triefte. Nun, das kann Monster Man aus dem Jahr 2003 zwar nicht liefern, aber er ist nicht minder mit Humor ausgestattet und mit dem gleichen Elan gefilmt.
Monster Man war eine der Spaßgranaten vom Fantasy Filmfest 2003. Das Fantasy Filmfest ist eine internationale Filmtour, die extrig für derlei Werke aus den Bereichen Horror, Science Fiction und Fantasy gegründet wurde. Seit 1987 können Anhänger des Genrekinos dort amüsante Abende erleben. Inzwischen gibt es das Fantasy Filmfest in acht deutschen Städten, hat europäische Landesgrenzen überschritten und kann man sogar in den USA bewundern. Deshalb laufen seit einigen Jahren dort auch anspruchsvolle Filme, was aber nicht heißt, dass dem Trash dort nicht weiterhin gehuldigt wird. Auch Monster Man wurde auf dem Fantasy Filmfest gezeigt und hinterließ einen so starken Eindruck, dass der Film nach wie vor als Geheimtipp gehandelt wird. Geschrieben und inszeniert wurde der Film von MICHAEL DAVIS, der vorher schon durch einige Independent-Filme auf sich aufmerksam machte, wobei es sich ausnahmslos um seichte TV-Komödien handelte. Monster Man war sein erster Versuch einen Film der härteren Gangart auf die Beine zu stellen, was ihm so gut gelang, dass er knapp vier Jahre später den Funactioner Shoot `Em Up drehen durfte. Seitdem warten die Fans allerdings auf einen neuen Film. Die Hauptrollen in dem urigen Horror-Road-Movie bekamen ERIC JUNGMANN (Nicht noch ein Teenie-Film!, Night Stalker, Red Velvet), JUSTIN URICH (Lake Placid 2, Dead Awake, Undressed, Hinterm Mond gleich links) und die niedliche AIMEE BROOKS (Shark TV-Serie, Critters 3, The Mangler Reborn), die in Monster Man um ihr Leben rennen dürfen.

Adam ist ein junger Mann vom College und ein Spießer ohne Ende. So sehr, dass er sogar einen Kompass in seinem Auto hat. Er hatte die besten Noten, war Klassenbester und hängt immer noch einer jungen Frau mit dem Namen Betty-Ann hinterher, für die er immer die Hausaufgaben erledigt hat, obwohl sie ihn nicht einmal ran gelassen hat. Nun will sie heiraten und hat ihn zur Hochzeit eingeladen, wo er selbstverständlich hofft sie zurückzugewinnen. Darum sitzt er gerade im Auto und fährt Richtung Süden, wobei Adam natürlich sicherheitshalber 10 Meilen unter der Geschwindigkeitsbegrenzung fährt. Da taucht auf einmal Harley auf dem Rücksitz auf und jagt ihm einen gehörigen Schrecken. Harley ist Adams bester Freund, mit dem er sich genau wegen der Tussie zerstritt. Die Reise will Harley nutzen, um sich mit Adam auszusöhnen, wobei er aber das genaue Gegenteil von Adam ist. Er ist laut, faul, frech, ein Partygänger und Weiberheld, weswegen die Reise alleine schon zu einer halben Katastrophe wird. Aber es soll noch schlimmer kommen, denn unterwegs erregen sie die Aufmerksamkeit des Monster Man, der mit seinem Monstertruck Adams Wagen ein wenig anschubst. Dies nimmt Harley wiederum zum Anlass dem Monster Man beim nächsten Rastplatz in den Wagen zu pinkeln. Von da an aber geht der Spaß erst richtig los, was Adam und Harley schon bald sehr blutig erleben müssen. Als sich dann noch die sexy Anhalterin Sarah zu ihnen gesellt, ist das Chaos endgültig perfekt.




Wie es der Titel und die Beschreibung bereits andeuten verbirgt sich hinter Monster Man ein neumodischer Trashfilm aus dem Horrorsektor, aber auf eine sehr liebevolle und unterhaltsame Art erzählt.
In erster Linie beginnt Monster Man als ein witziges Road Movie mit Allem, was dazu gehört. Ein heißer Schlitten, ein staubige Straße und zwei Typen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine, Adam, ist ein solcher Spießer, dass er nur Klettverschlüsse benutzt, zwei Lenkradschlösser hat, sich penibel an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält und sogar seinen Benzinverbrauch genauestens mit Bleistift festhält – weswegen er auch vom Anderen, Harley, auch immer ganz dolle verarscht wird. Denn Harley ist das genau Gegenteil, der sogar in einer Truckerbar keine Probleme damit hat sie mit wüsten Worten zu veräppeln. Er greift Adam schon mal ins Steuer, philosophiert über die Schambehaarung einer Frau und deren Aussage (Strich = nimm mich!) und hält wild gewordene Reden über Nazi-Junkies. Mit diesem Gespann bzw. deren Reibereien und Streitereien gestaltet sich der Film von Anfang bis Ende als sehr witzig und überzeugt mit seinem rauen Charme auf der ganzen Linie. Wenn dann noch Sarah hinzukommt kann man auch mit einer Minimaldosis Erotik rechnen, inklusive noch einigen schlüpfrigen Scherzen. Aber kein Horrortrash ohne irrwitzige Monster. In diesem Falle hat der Unhold auch noch den bezeichnenden Titel Monster Man und fährt einen wüsten Monstertruck, mit dem er Jagd auf das Trio macht und ihnen auch gehörig Angst einjagt. Dies geschieht aber gemäß seiner trashigen Machart auf eine sehr witzige und humorvolle Weise, weswegen die Spannungsbögen nicht gerade Schauer über den Rücken jagen als viel mehr zum Lachen anregen. Richtige Suspense kommt hier deswegen nicht auf, dafür bleibt der Unterhaltungsfaktor durchgehend sehr hoch. Dass der Monster Man nicht einfach nur so gefährlich ist, davon zeugen einige Leichen. Der Bodycount und die Explizität halten sich dabei aber in Grenzen. Erst ab der Mitte wird der Film ein wenig schleimiger und blutiger und man traut sich vergammelte Leichen zu zeigen, abgetrennte Gliedmaßen, Gedärmhumor und perverse Zombies. Der Gewaltgrad ist dabei auch nicht sonderlich überragend. Vergleichbare Filme wie etwa Die Killerhand oder Chuckys Baby, die in meinen Augen sogar ein Stückchen härter sind, wurden ungeschnitten mit einer FSK 16 abgesegnet. Das soll aber nicht heißen, dass die KJ hier verkehrt am Platz wäre.

Der grundlegende Plot von Monster Man weist natürlich einige unwiderlegbare Parallelen mit dem Klassiker Duell von 1973 auf, dem ersten Kinofilm von STEVEN SPIELBERG (Minority Report, Indiana Jones Teil I bis IV, Der Soldat James Ryan, Der weiße Hai, Jurassic Park, München). Ebenso schnell kann man die Handlung auch in einem Satz zusammenfassen: Ein paar junge Menschen, die von einem Irren mit Mörderfahrzeug verfolgt werden. Was aber in Duell noch blutiger Ernst war, ist in Monster Man humorvoll erzählt, weswegen man den Film zum Teil auch als Persiflage auf den Klassiker verstehen kann. Da es sich hier darum auch um ein halbes Road Movie handelt, wird der Zuschauer Zeuge von allerhand witzigen bzw. erschreckenden Erlebnissen auf der Reise von Adam und Harley, die im weiteren Verlauf auch immer abgedrehter und irrer werden. Monster Man konzentriert sich dabei voll und ganz auf diese Fahrt und weist keine Nebenhandlungen und Rückblenden auf. Den Grund für diese Reise, oder auch das einstige Zerwürfnis zwischen Adam und Harley, erfährt der Zuschauer praktisch aus der Perspektive des Beifahrers. Gleichwohl sei aber angemerkt, dass Monster Man sein Tempo weder erhöht noch verlangsamt. Von Anfang an geht der Film ziemlich flott zu Werke und läuft in Episoden ab, die alle zusammenhängen und aufeinander aufbauen. Eine direkte Steigerung ist deswegen nicht auszumachen, auch wenn der Film mit einem kleinen, aber ultra-trashigen Finale aufwarten kann.

Monster Man entstand im sonnigen Kalifornien in den Straßen rund um Santa Clarita. Die Lokation ist wegen seinen toll Landschaft, die man hier auch mehr als einmal bewundern kann, und den weitläufigen Straßen bei Filmemachern recht beliebt. Jüngst wurden dort auch das Rachedrama Faster und die Sci-Fi-Komödie Paul realisiert, ebenso wie zahlreiche Folgen der TV-Serien CSI Las Vegas. Dabei wurde Monster Man in gerade mal 22 Tagen gedreht, was man ihm jedoch überhaupt nicht anmerkt. Denn der Film besitzt eine geschickte Inszenierung mit wackeligen Actionkameras, statischen Blickwinkeln, ein sehr guter Schnitt und sogar einige interessante Kamerafahrten. Der Soundtrack kommt bis auf ein paar staubige Texas- und Southern Rock Ausnahmen jedoch von der Keyboard-Stange, was den Spaß aber nur gering trübt. Die Spezialeffekte sind dabei bewusst übertrieben und die Ekeleffekte kann man auch leicht als solche erkennen, was viel dazu beiträgt, dass der Härtegrad trotz des gezeigten Splatters optisch softer ausfällt. Durch die gute Inszenierung konnte man auch den verruchten Monstertruck viel brachialer wirken lassen, als er in Wirklichkeit war. Von der Crew wurde der Truck schlicht „Sheet Metal“ getauft, was frei übersetzt so viel wie „Papiermetall“ heißt. Dies rührt daher, dass dieser Monstertruck in der Tat nur mit billigsten Mitteln zusammengeschustert wurde, so dass der Monstertruck umgerechnet nur 1.750 € kostete. Das „Metall“ ist nämlich in Wahrheit bemaltes Holz, dem durch Farbe und Lack lediglich der abgerissene Metal-Look verpasst wurde. Der Motor war dermaßen schwach, dass er das Gefährt nur auf maximal 50 km/h beschleunigen konnte. Zudem konnte der Truck höchstens nur 30 Minuten gefahren werden, weil er sonst überhitzte. Ironischerweise musste der Motor ausgerechnet mit Raketentreibstoff betrieben werden, der umgerechnet 55 € pro Liter kostete. Die Spritkosten kamen im Endeffekt also wahrscheinlich teurer als der gesamte Truck. Darüber hinaus hatte der Monstertruck nicht einmal ein Lenkrad, einen Sitz oder Pedale. Der Fahrer konnte das Gefährt also nur stehend mit einigen Hebeln steuern.

Mit seinen Schauspielern griff MICHAEL DAVIS auch voll ins Schwarze. Zum einen handelt es sich um neue, unverbrauchte Gesichter und zum anderen sind sie auch top besetzt. ERIC JUNGMANN gibt als naiver und misstrauischer Spießer vom Dienst eine jämmerlich gute Figur. Schon mit der schlichten Kurzhaarfrisur und dem roten Hemd in Klettverschluss-Shorts sieht er zum Schießen aus. Wenn JUNGMANN dann noch stets die Augenbrauen hochzieht und genervt das Gestikulieren beginnt, hat man ihm den sorgenvollen Spießer und Was-Wäre-Wenn-Menschen vollends abgekauft. Sein Pendant JUSTIN URICH geht in seiner Rolle als ungehobelter Prolet ebenfalls voll auf. Genauso wie JUNGMANN die Augenbrauch nach oben zieht, grinst er zu jeder Rüppelei teuflisch und zeigt seine gebleichten Zähne. Überhaupt scheint es nicht eine einzige Szene zu geben, in denen URICH nicht versaut, hinterfotzig und lüstern zu grinsen scheint. Harley lebt in den Tag hinein und hat Spaß in seinem Leben, was URICH sehr gekonnt und mit viel Witz umsetzt. AIMEE BROOKS ist die typische Anhaltertussi im Gothic-Metallook, die ganze Gerne zeigt, was sie hat, was sie auch gnadenlos in erotisierende Posen und ein heißem Outfit ausnutzt. Ihr Blick bleibt in allen Lagen lasziv und aufreizend, so, damit man auch optisch immer seinen Spaß hat. Insgesamt merkt man allen Schauspielern richtig dick den Spielspaß in jeder einzelnen Szene an, was sich auch augenblicklich auf den Zuschauer überträgt.

Fazit: MICHAEL DAVIS Trashfilm Monster Man ist ein witziges Road Movie und abgedrehte Horrorkomödie zugleich. Der unterhaltsame Film bietet Alles, was man für einen gelungenen Abend bei bierseeliger Laune braucht. Action, Humor, ein wenig Splatter und eine Mordsportion Spaß. Darum gibt es auch 8 von 10 Punkten.