Conan der Barbar

Conan - Cover 01Regie: JOHN MILIUS
Drehbuch: JOHN MILIUS & OLIVER STONE basierend auf ROBERT E. HOWARD
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 126 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 25.08.1982

„Ich will von einem Zeitalter berichten, dass begann, als Atlantis im mehr versank; und das endete, als die Söhne des Ajas die Macht eroberten. Ich will erzählen von Conan, der dazu ausersehen war in dieser Zeit der großen Abenteuer, seine Stirn, hinter der sich viele Sorgen verbargen, mit der Juwelenkrone von Aquilonien zu schmücken. Ich will die Geschichte meines Herren erzählen.“


Mit diesen Worten beginnt der düstere Fantasyfilm Conan der Barbar, der seit seiner Premiere im Herbst 1982 zu den langlebigsten Kultfilmen des Fantasy- und Abenteuergenres zählt und ganze Generationen von Fans begeistert hat. Sogar im Zeitalter des Internets und der Blu-Ray-Disc steht der Barbar aus den cimmerischen Wäldern bei vielen Fantasy- und Abenteueranhängern an erster Stelle.
Conan 18Conan der Barbar basiert auf den Werken des texanischen Schriftstellers ROBERT E. HOWARD, der seiner Figur Conan schon 1932 Leben einhauchte und so auch schon zu Lebzeiten so zu einiger Berühmtheit gelangte. Den wirklichen Siegeszug von Conan konnte er aber leider nicht mehr erleben, da er sich 1936 im Alter von 30 Jahren das Leben nahm. Über die Jahre wurde Conan immer wieder neu aufgelegt, was dafür sorgte, dass der cimmerische Krieger eine immer größer werdende Fanschar für sich einnehmen konnte und der Kultfaktor des Stoffes wachsen und wachsen konnte. Wie fast immer in so einem Fall, wenn eine Franchise eine gewisse Größe erreicht, springt die Filmindustrie auf den Zug auf und erwägt eine Verfilmung des Materials. Der Erste, der auf Conan aufmerksam wurde und sich auch sogleich die Rechte sicherte, war der italienische Kinomogul und Kultproduzent DINO DE LAURENTIIS (King Kong 1976, Hannibal, Hannibal Rising, Centurion, Die Bounty, Dune – Der Wüstenplanet, Armee der Finsternis, Flash Gordon). LAURENTIIS war ebenfalls ein Fan von HOWARDs Schöpfung und wollte unbedingt aus dessen Werken einen Film schaffen. Hierfür brauchte er aber einen guten Drehbuchautor und einen passenden Regisseur. Aber eine Gemeinsamkeit von allen großer Produzenten ist es, sich jeweils genau das richtige Personal für das passende Projekt herauszusuchen. So wandte er sich an die beiden damals relativ jungen Filmemacher OLIVER STONE (Platoon, Alexander, Savages, Natural Born Killers, Das Jahr des Drachen, Scarface) und JOHN MILIUS (Das Kartell, Apocalypse Now, Red Dawn, Rom), die sich nicht lange bitten ließen und auch sogleich zusammen ein Drehbuch schrieben, welches noch 1980 fertiggestellt wurde. Ganz am Anfang des Projektes stand noch nicht fest, welcher von Beiden Regie führen würde. JOHN MILIUS hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Filme mit Starbesetzung gedreht, STONE lediglich den recht kleinen Thriller Sugar Cookies im Jahr 1973. Aber abseits von Conan der Barbar plante OLIVER STONE ohnehin wieder einen eigenen Film zu drehen, für den er das Drehbuch bereits geschrieben hatte. Nämlich für den Horrorfilm Die Hand, dessen Produktion sich zeitlich mit Conan der Barbar nahezu vollständig überschnitt. Nun lag es also an JOHN MILIUS, Conan auf die große Leinwand zu bringen.
Conan 42Die Vorproduktion wurde jedoch von der Suche nach einem geeigneten Hauptdarsteller überschattet, denn Conan ist laut HOWARD ein muskelbepackter Hüne. Woher nimmt man aber einen solchen Riesen, der über und über mit Muskeln bepackt ist, und der auch noch zumindest ein ganz klein wenig Schauspielern konnte. Der Kreis der Bewerber um die Rolle war, allein schon körperlich bedingt, deshalb nicht gerade groß. Aber genau darum wollten MILIUS, STONE und LAURENTIIS größte Vorsicht walten lassen. Zum Glück fand sich jedoch unter den Anwärtern auch der damals 34-Jährige ARNOLD SCHWARZENEGGER (Terminator, Phantom Commando, Predator, Red Heat, Total Recall, End Of Days, The Expendables); ein professioneller Bodybuilder, der neben zahlreichen Titeln wie Mister Universum, Mister World und Mister Olympia schon in mehreren Kinofilmen zu sehen war. Zum ersten Mal 1970 in der Komödie Herkules in New York und neun Jahre später in Kaktus Jack gegenüber von KIRK DOUGLES (Spartacus, Wege zum Ruhm, Die Wikinger, Die Fahrten des Odysseus, Vincent Van Gogh, Teufelskreis Alpha), also geringe Erfahrung zum Filmdreh hätte mitbringen können. Die Chancen für ARNOLD SCHWARZENEGGER standen also von Beginn an recht gut. Da sich SCHWARZENEGGER aber nun als Österreich erwies, eben aus dem deutschsprachigen Raum stammte, woher ROBERT E. HOWARD auch seinen Conan stammen ließ, hatte man endgültig den idealen Hauptdarsteller gefunden.

Conan 09Conan ist noch ein kleiner Knabe, als sein verschneites Dorf in den düsteren Wäldern Cimmeriens von einer Horde blutrünstiger Räuber überfallen wird. Sie brennen sämtliche Hütten nieder, töten die Männer im Kampf und schlachten auch die Frauen ab. Die Kinder werden jedoch verschont, sie erwartet die Sklaverei. Conan und die anderen Knaben werden an einer großen Mühle angekettet, die sie drehen sollen. Tag ein, tag aus. Die Jahre verstreichen und Conan wächst durch die harte Arbeit zu einem Hünen mit der Kraft eines Bären heran, was den obersten Wächter dazu bringt ihn zu einem Gladiator zu machen. Conan tötet einen Gegner nach dem Anderen, macht seinen Herrn reich. Zur Belohnung lernt er lesen, Jungfrauen werden ihm zu gebracht und er wird in der Schwertkunst unterrichtet. Ohne ersichtlichen Grund wird Conan anschließend freigelassen, was er auch sofort nutzt, um den Mördern seiner Familie nachzujagen. Ihre Gesichter hatte er in all Jahren nicht vergessen und auch ihre Standarte hat er noch sehr gut im Gedächtnis: eine Schlange mit zwei Schädeln, die sich gegenseitig anstarren. Auf der Suche nach Hinweisen trifft er den Bogenschützen Subotai und die junge Diebin Valeria, in die er sich verliebt. Zusammen rauben sie einen riesigen Diamanten, der Conan unvermittelt auf die Spur der mörderischen Räuberhorde führt. Er erfährt von einem geheimnisvollen Schlangenkult, dessen Anführer Thulsa Doom fast mit hypnotischer Wirkung über seine Anhänger herrscht. Conan sieht seine Chance gekommen, als die Diebe die geraubte Tochter von König Osric zurückholen sollen, aber Subotai und Valeria ist der Auftrag zu heikel und wollen sich absetzen. Conan hingegen ist nur von dem Gedanken beherrscht, sich an Thulsa Doom zu rächen. Er zieht alleine los, um mit dem Anführer des Schlangenkultes endgültig abzurechnen.
Conan - Banner 06Archaische Kulturen, sehr viel Abenteuer, ein wenig Erotik und eine gewisse Dosis Fantasy – das wusste schon ROBERT E. HOWARD in seinen Schriften hervorragend einzusetzen, aber wie brilliant JOHN MILIUS und OLIVER STONE die Atmosphäre und vor Allem den Geist der Bücher in Conan der Barbar umgesetzt haben, erreichen sie nahezu eine Perfektion, wie sie nur sehr sehr selten bei Literaturverfilmungen zu finden ist.
Conan 32In der deutschen Fassung des ohnehin recht wortkargen Films fallen die Begriffe „Hyborisches Zeitalter“ und „Cimmerien“ nicht, wohl aber erkennt auch der Conan unkundige Zuschauer sofort, dass er sich in einem sehr frühen Zeitalter weit vor den ersten (bekannten) Hochkulturen befindet. Die Menschen laufen hier mit Fellen und Pelzen bekleidet herum, das Schwert sitzt immer im Anschlag und altertümliche, unbekannte Städte werden besucht. Allerdings ist das hyborische Zeitalter in der Version von MILIUS und STONE schon ein gutes Stück wilder und brutaler; simpel unzivilisierter als sie HOWARD beschrieben hatte. Obwohl der Zuschauer einige große Städte besucht und man sehr wohl große und architektonisch durchdachte Gebäude und Paläste erblickt, kann man im Querschnitt gegenüber der Vorlage hier großen Zivilisationen nur erahnen. Hexen lauern überall, Gladiatoren werden in sehr kleinen Arenen aufeinandergehetzt, der Fleischeslust wird nach Belieben nachgegangen und wilde, mordlustige Meuten durchstreifen die Länder. Recht und Gesetz existieren zwar schon, werden jedoch ziemlich grob umgesetzt. Je stärker man ist, desto mehr Rechte besitzt man. Trotzdem erkennt man immer und überall die literarische Vorlage wieder. Beispielsweise wird der Fantasyaspekt zwar durch fremde Kulturen vertreten, die jedoch nur als Teil von vergessenen Zivilisationen unserer Erdgeschichte dargestellt werden, was im Zuschauer eine seltsame Vertrautheit weckt. Genauso, wie es HOWARD vorgesehen hatte, nur halt nicht in schriftlicher, sondern in filmischer Form. Dementsprechend trifft Conan auch auf mehrere Weggefährten, erledigt ziemlich blutig seine Feinde und durchstreift verlassene Ruinen. Und natürlich trifft er auch auf leicht bekleidete Frauen mit weichen Kurven. Und dies selbstverständlich auch noch diversen Variationen wie die toughe Diebin oder verführerische Hexe mit magischen Kräften. Einige Sexszenen darum auch inbegriffen. Zwar inklusive nackter Haut, aber auch ohne besondere Anzüglichkeit.
Conan 45Typische Fantasykreaturen wie Einhörner, Elfen oder Orks bekommt man natürlich nicht zu Gesicht, dafür spielen Schlangen in Conan der Barbar eine größere Rolle, die auch in der Vorlage erhebliches Gewicht besaßen. Thulsa Doom ist von Schlangen besessen, gründete sogar den Schlangenkult und mit einer riesigen Schlange muss sich auch Conan anlegen, was er auch schon in den Originalgeschichten mehrmals machen musste. Und gemäß der Vorlage enthält der Film auch verhältnismäßig viel Action, die durch gnadenlose Schwertkämpfe bestimmt werden, in denen viele Menschen auf brutale Art ihr Leben lassen müssen. Schwerter, Äxte, Speere, Hämmer, verzierte Klingen und sogar sehr spezielle Giftpfeile kommen zum Einsatz, um Menschenleben kaltblütig auszulöschen. Die kleinen Schlachten wie etwa der Überfall auf das Dorf sind darum auch mit einer rücksichtslosen Härte und Schnelligkeit inszeniert. Die Gewalt hierbei ist nicht gerade zimperlich. Aufgespießte Köpfe auf Pfählen aneinandergereiht, eine Orgie mit Menschenfleisch, und Unmengen von Blut. Insgesamt geizt man mit dem roten Lebenssaft ebenso wenig, wie man vor Splatter nicht zurückschreckt. In den USA hatte der Film mit einem R-Rating, vergleichsweise FSK 16, keine Probleme, in Deutschland war man aber dank solcher Streifen wie Dawn Of The Dead und Freitag der 13. recht sensibilisiert auf harte Gewalt. Dennoch wurde der Film damals unzensiert ab 16 Jahren freigegeben, was er heute noch ist. Natürlich gibt es diverse Schnittfassungen, die jedoch ausschließlich Handlungsschnitte aufweisen, keine Gewaltzensuren.
Ohne atmosphärische Einbußen kommt Conan der Barbar leider nicht aus. Während Conan in der Vorlage noch lediglich als Barbar eingestuft wird, weil er aus einer waldbewucherten Wildnis kommt, ist er in diesem Film wirklich ein ungestümer Rohling, der zunächst weder lesen noch schreiben kann. Zwar ist er ebenso verschlagen und hinterhältig in seinem Denken, auch so spontan wie in der Vorlage, aber bei weitem wortkarger und stiller und auch nicht so gebildet, was fremde Sprachen angeht. Wo sich in HOWARDs Schriften außerdem noch allerhand zynische Zivilisationskritik fand, steht Conan der Barbar eindeutig der Unterhaltungswert im Vordergrund. Allerdings kann man dem Film einen sehr ernsthaften Unterton in Form von Thulsa Doom nicht absprechen, zeigt er doch in seinem Auftreten und Handeln sehr auffallende Ähnlichkeiten mit realen Sektenführern wie etwa die destruktiven Verführungskünste von Charles Manson und den religiösen Machtmissbrauch von Jim Jones. Die Parallelen sind offensichtlich und auch die Anhänger von Thulsa Doom würden für ihren Führer in den Freitod gehen. So bekommt auch der Film einen realistischen, bitteren, aber keinesfalls negativen Beigeschmack. Auch wenn man das Gebaren der Schlangenjünger als Persiflage auf das Hippietum interpretieren kann.

Conan 25Im Mittelpunkt der Handlung von Conan der Barbar steht stets immer nur Conan, auf den sich das Geschehen voll und ganz konzentriert. Es gibt keine einzige Nebenhandlung, die sich auf andere Charaktere konzentriert oder ihren Hintergrund näher beleuchtet. Die Handlung selbst kommt aus diesem Grund auch sehr schnell in die Gänge und gibt gehörig Gas. Genauso rigoros, wie Conan seine Gegner vernichtet, schreitet der Film selbst auch ziemlich schnell voran und zieht sein hohes Tempo bis zum Ende durch. Tatsächlich schlägt der Film ein derart flüssiges Tempo an, dass man als Zuschauer nicht merkt, wie man quasi als kleinen Tribut an die einzelnen Kurzgeschichten von ROBERT E. HOWARD den Film ebenso strukturiert erzählt. Erster Abschnitt ist der kleine Barbar, der von der Räuberhorde versklavt wird. Im zweiten Abschnitt wird er der unbesiegbare Gladiator, der nach seiner Ausbildung freigelassen wird. Erst jetzt wird der Film ein wenig gemächlicher, was es leichter macht die einzelnen Stationen Conans besser zu unterscheiden. Das sind dann auch die Momente, in denen man mehr über Conan und seine Suche nach Rache erfährt. Durchhänger oder auf der Stelle treten existiert dadurch praktisch nicht. Erst gegen Ende hin gibt es ein oder zwei ruhigere Momente zu sehen, was aber nur dazu dient diesen Augenblicken noch mehr Gewicht zu verleihen, die Dramatik auszubauen und der epische Hauch, der bisher in der blutrünstigen Geschichte verborgen lag, aufkeimen zu lassen. Zwar weitgehend schlicht präsentiert, aber genau deswegen sehr angenehm zu schauen, wie sich Conan von einem versklavten Knabe über einem Gladiator entwickelt, der Dieb wird, als Söldner angeheuert und schließlich zu Rächer in eigenem Interesse wird. Entsprechend der Vorlage in diverse Lebensstationen aufgeteilt. Bedingt durch eine kinogerechte Umsetzung nun zeitlich chronologische, und nicht durcheinander, so wie sie HOWARD niedergeschrieben hatte. Conan der Barbar ist auf diese Weise ein sehr geradlinig und sehr flott inszenierter Fantasyfilm mit einem unheimlich großen Unterhaltungsfaktor.
Conan 26Kürzere deutsche Schnittfassungen wurden lediglich für das Fernsehen und wegen der beschränkten Kapazität von Videokassetten angefertigt. Die modernen DVD-Editionen beinhalten alle zumindest die ungeschnittene Original-US-Kinofassung, eine circa vier Minuten längere Extended Version, die hauptsächlich ein wenig mehr Handlung birgt, ist inzwischen leider vergriffen. Im Jahr 2012 jedoch, 30 Jahre nach Premiere von Conan der Barbar, wurde der Film erstmals auf Blu Ray veröffentlicht und dies direkt mit dem Director`s Cut von JOHN MILIUS. Insgesamt weist dieser Director`s Cut eine Länge von 134 Minuten auf, gut 10 Minuten länger als die Kinofassung, jedoch handelt es sich dabei vollkommen um diverse Ergänzungen, aber zum Teil auch um völlig neue Szenen. Allerdings muss man vorsichtig sein, ob man sich die deutsche Blu-Ray-Edition zulegen möchte, oder nicht doch lieber die britische Edition. Denn die deutsche BD-Version basiert auf einer erweiterten Schnittfassung der Produzenten und diese ist circa zwei Minuten kürzer als der wirkliche Director`s Cut von JOHN MILIUS, der auf der britischen Blu Ray zu finden ist.
Conan - Banner 03Conan 22Wer mit den Originalgeschichten von ROBERT E. HOWARD vertraut ist, dem werden augenblicklich die Schwierigkeiten bewusst werden die etlichen Kurzgeschichten in einen zusammenhängenden Filmplot zusammenzufassen. Schließlich darf man hier nicht vergessen, dass OLIVER STONE und JOHN MILIUS vor der sehr schweren Aufgabe standen den Geist und die Welt aus insgesamt drei dicken Bänden in einem Kinofilm vorzuführen. Und genau an dieser Stelle kommt ihnen der Umstand, dass Conan aus etlichen Kurzgeschichten besteht, sehr entgegen. Denn man konnte aussuchen, welche Geschichten man nun im fertigen Film sehen wollte und welche nicht; und welche man sich für eventuelle Fortsetzungen aufsparen sollte. Da es sich aber sowohl bei MILIUS als auch bei STONE um erklärte Fans von ROBERT E. HOWARD handelt, reifte in ihnen schon früh der Gedanke den potentiellen Spielraum der Vorlage weit über den Tellerrand auszudehnen, was man auch umgehend in Angriff nahm. Nicht nur Conan alleine, sondern auch die anderen Werke des Schriftstellers sollten in dem Film spürbar werden. Obwohl also in der Handlung von Conan der Barbar Einiges auch nicht aus Conan stammt, so kommen eingefleischte Fans von ROBERT E. HOWARD doch ins Schmunzeln und denken wehmütig an die Werke des Autors zurück. Denn im Film wird tatsächlich nicht nur der cimmerische Krieger verarbeitet.
Conan 41Ganz offensichtlich diente er jedoch als das angestrebte Vorbild für den rauen, brutalen Grundton des Films. Schließlich entspricht der Hauptcharakter auch in weiten Zügen den Schriften HOWARDs und einige Ereignisse von Conan der Barbar kann man ganz eindeutig ihren Vorlagen zuordnen. Der Raub eines Edelsteines aus einem großen Turmes liegt Der Turm des Elefanten von 1932 zugrunde. Die Kreuzigung in Salome, die Hexe von 1934 wurde dermaßen gut übernommen, dass das Szenenbild beinahe sämtlichen Illustrationen hierzu gleicht; lediglich wurde diese Sequenz weniger drastisch inszeniert und natürlich der Filmhandlung angepasst. Auch Crom, der Hauptgott der Cimmerier, wird hier mehrmals ausdrücklich erwähnt. In anderen Elementen wurden allerdings einige Details der Geschichten miteinander verschmolzen. In HOWARDs letzter veröffentlichter Geschichte über Conan mit dem Titel Aus den Katakomben, geschrieben 1935, taucht zwar eine Valeria auf, deren Aussehen auch in Conan der Barbar transportiert wurde. Jedoch handelt es sich charakterlich viel mehr um Bêlit, die Conan 1932 in Die Königin der schwarzen Küste kennenlernte. Eine wilde, stolze und unbeherrschbare Anführerin einer schwarzen Piratenbande, die Conan unter allen Umständen und über den Tod hinaus beschützt. Interessant wird es mit Thulsa Doom, dem Hauptbösewicht des Films. In den Geschichten des wüsten Cimmeriers spielte schon in der erste Story Im Zeichen des Phönix ein gewisser Thot Amon mit, der einige Ähnlichkeiten mit dem filmischen Thulsa Doom aufweist. Jedoch gibt es diesen Bösewicht tatsächlich in der Kurzeschichte Delcardes` Cat, die allerdings nur in den Stories rund um Kull vorkommt; einem anderen Helden von ROBERT E. HOWARD. Obwohl riesige und gefährliche Schlangen auch in den Originalgeschichten des Öfteren eine wichtige Rolle einnehmen, wurden auch sie wie Thulsa Doom ebenfalls von Kull entnommen. Die kleine Episode, in welcher sich unser Film-Conan mit einer Hexe vergnügt, geht vermutlich auf die Kurzgeschichte Worms Of The Earth zurück, die jedoch zur Welt von Bran Mak Morn gehört; wiederum ein weiterer Held aus der Feder von ROBERT E. HOWARD. Im Endeffekt ist Conan der Barbar also keine exakte Verfilmung von Conan, sondern eine großartige Betrachtung des gesamten literarischen Schaffens von ROBERT E. HOWARD und in diesem auch gleichzeitig eine grandiose Hommage an den 1936 verblichenen Autor, der bis heute neu aufgelegt wird.

Conan 38Dabei gingen MILIUS und STONE sogar noch weiter und griffen nicht nur auf HOWARD zurück. Was kaum Jemand weiß: auch andere Werke, besonders historische Quellen, wurden von dem Autorenduo mit in ihr Skript eingearbeitet. Aber anstatt sich damit von Conan weg zu bewegen, wie es in der Regel der Fall gewesen wäre, traten sie sogar noch einige Schritte auf HOWARD zu, was in der Filmbranche bisher absolut einzigartig ist. Ermöglicht wird dies dadurch, dass Conan selbst in einem frühen, fiktiven Zeitalter unserer Erdgeschichte angelegt ist, nämlich im sogenannten hyborischen Zeitalter. Der Schlangenkult erinnert in seiner Verehrung ein wenig an die des alten Ägypten. Ein anderes kleines Beispiel wie verdammt gut die Zahnräder von HOWARDs Kurzgeschichten und historischen Themen ineinandergreifen ist Conans Ausbildung zum Schwertkämpfer in West-Asien. Als ihn nämlich sein Lehrmeister dort frägt, was das Beste im Leben eines Mannes sei, gibt er ihm folgende kultträchtige Antwort: „Zum Kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten; und sich zu erfreuen an dem Geschrei der Weiber.“ Ein Satz, der nicht von HOWARD stammt und weder von MILIUS oder STONE – sondern von einem unbekannten Verfasser, denn es handelt sich um einen kurzen Auszug aus Die geheime Geschichte der Mongolen, die ein anonymer Autor circa 1227 verfasst hat und die Lebensgeschichte von Dschinghis Khan beinhaltet, dessen Lebensweg einige Parallelen mit der fiktiven Figur Conan aufweist, besonders jedoch mit dem Charakter des Films und darum auch hervorragend in die Atmosphäre des Stoffes passt. Mit diesen Zutaten brauchten OLIVER STONE und JOHN MILIUS nur noch geeignete Brücken dazwischen zu setzen; wie etwa Conans kurze Zeit als Gladiator und die Suche nach dem Geheimnis des Stahls. Diese sind war wirklich Produkte der Drehbuchautoren, aber entscheidend ist, dass man ihnen nicht sehr viel Zeit einräumt und man diese Erlebnisse trotzdem ohne Einschränkungen Conan zutraut. Erst recht wenn man die Geschichten von ROBERT E. HOWARD alle gelesen hat.
Conan - Banner 05Conan 37Dafür hat JOHN MILIUS den Film auch viel zu gut inszeniert. Zuallererst brauchte man einen passenden Drehort, den man schließlich in Spanien fand. Entscheidend war hierbei, dass es neben trockenen Wüstenlandstrichen, bergigen Gegenden und verschneiten Wäldern auch einige rechtliche und finanzielle Vorteile bot. Die zwei Städte, die Conan im Film besucht, sind in Wahrheit ein und dieselbe Filmkulisse in Almería, Andalusien. Ursprünglich für den Western El Condor gebaut, brauchte man die Szenerie nur ein wenig umgestalten. Viel aufwendiger dagegen war die Errichtung von Thulsa Dooms 27 Meter hohem Tempel, den man leibhaftig in Agua Dulce in einen Berg hinein bauen musste, nur um ihn am Ende wieder abzufackeln. Dabei sollte der Tempel jedoch sehr planmäßig abbrennen, was zum Glück gelang und MILIUS die gewünschten Szenen erhielt. Noch schwerer waren die Szenen in Conans Heimatdorf auf die Beine zu realisieren, welches in den düsteren, verschneiten Wäldern von Valsain entstand. Um es möglichst authentisch aussehen zu lassen wurden die Hütten hierzu auch tatsächlich aus Holz, Stroh, Stein und nach antiken Vorgaben gebaut. Umso schmerzlicher, dass man es in wüsten, apokalyptischen Szenen wieder komplett abfackeln musste – noch dazu mitten in einem Waldgebiet! Die Brandschutzbestimmungen waren bei den Dreharbeiten sehr streng, weit härter noch als in den USA, und man hatte nur einen einzigen Versuch. Aber den Pyrotechnikern gelang es sämtliche Bestimmungen einzuhalten und die Zerstörung des Dorfes auf Zelluloid zu bannen. Der Überfall sieht darum auch besonders realistisch und wahrhaft barbarisch und blutrünstig aus. Bei den Gewalt- und Kampfszenen wurde keine Möglichkeit ausgelassen Blut fließen zu lassen, jedoch stets auf einem realistischen Level. Das Blut ist nicht übertrieben rot und spritzt auch nicht zu übermäßig, wenn jedoch auch nicht damit gespart wird. MILIUS fokussiert allerdings seinen Blick nicht auf das Blutvergießen, sondern zeigt es lediglich als Folge des Kampfes. Nur in einigen direkten Splatterszenen, die für die damalige Zeit recht gekonnt getrickst worden sind, lässt er die Kamera direkt drauf halten. Hinzu kommt, dass Conan der Barbar fast vollkommen ohne einen speziellen Farbfilter gedreht wurde. Die Farben sollten ganz natürlich leuchten und wirken, was sich besonders in teilweise wunderbaren Landschaftsaufnahmen niederschlägt. Die Lebensfreude beim Gelage wird so unterstrichen, die Gewalt jedoch auch nicht verharmlost. Einzige Ausnahmen sind extremer Rottöne, während einer Orgie und Conan Heilungsprozess. Die Kostüme der Schauspieler sind exakt der Beschreibung HOWARDs nachempfunden.

Conan 07Ungewöhnlich für einen Kinofilm fiel dem Soundtrack bei Conan der Barbar eine außergewöhnlich wichtige Rolle zu. Die Musik im Kino hatte schon seit jeher eine wichtige Rolle, in Zeiten des Stummfilms war sie gar unersetzlich. Sie sollte direkt Gefühle und Emotionen erzeugen und später, als der Tonfilm die Leinwand zu beherrschen begann, vorhandene Emotionen ausnutzen und verstärken. Nun allerdings wesentlich subtiler und unterschwelliger. Conan der Barbar hatte nun aber das Problem, dass es sich um einen sehr wortkargen Film handelt, bei dem sogar der Hauptprotagonist nur sehr wenige Sätze von sich gibt und JOHN MILIUS bei dem Film allgemein auf geringe Mimik setzte - und genau darum musste die Filmmusik sämtliche Emotionen erzeugen und austragen! MILIUS räumte also der Musik beinahe so einen großen Stellenwert ein, wie zuletzt 60 Jahre zuvor beim Stummfilm. Er war sich der Tragweite dessen und dem Risiko, das darin schwang, sehr wohl bewusst. Der Film würde über seinen Soundtrack stehen oder fallen, und genau darum war er entsetzt, als DINO DE LAURENTIIS ihm eröffnete, er wolle einen Rock- und Popsoundtrack haben. MILIUS war aber so überzeugt von der Kreativität und dem Können seines Komponisten BASIL POLEDOURIS (RoboCop, Starship Troopers, Jagd auf Roter Oktober, Wolfsblut), dass er es schaffte LAURENTIIS zu einer gänzlich orchestralen Score zu überreden, was sich im Nachhinein als die richtige Entscheidung herausstellte. BASIL POLEDOURIS übertraf sich selbst und schuf mit 90 Musikern und einem 24-köpfigen Chor die Musik von Conan der Barbar und damit einen der besten Soundtracks in der Geschichte des Kinos, wenn nicht sogar die beste Filmmusik überhaupt! Für die hymnische Titelsequenz „Anvil Of Crom“ benutzte er zum ersten Mal etliche Hörner, die den mächtigen barbarischen Charme voll ausspielten. Das anfangs noch wehmütige Stück „The Riddle Of Steel“, was später in dem mächtigen und erhabenen „Riders Of Doom“ mündet, wurde zu einer Hymne unter Fantasyfans. Seit seiner Erstveröffentlichung 1982 wird der Soundtrack regelmäßig neu veröffentlicht. 2010 wurde er gar komplett neu eingespielt und abermals veröffentlicht. Bis heute bringt man die Musik mit dem cimmerischen Barbaren in Verbindung und umgekehrt.
Conan - Banner 02Conan 33ARNOLD SCHWARZENEGGERs schauspielerische Fähigkeiten wurden seit jeher kritisiert bzw. deren Existenz sogar angezweifelt. Doch für Conan der Barbar brauchte man eben einen solchen muskelbepackten Hünen, der in Anbetracht der Vorlage fast 1:1 der Beschreibung HOWARDs gleicht. Stolze 1,90 Meter groß, professioneller Bodybuilder und die Haut von der Sonne gebräunt, fehlten nur die schwarzen Haare und die eisblauen Augen. Trotz mangelnder schauspielerischer Erfahrung legte sich SCHWARZENEGGER jedoch voll ins Zeug und nutze zusammen mit den anderen Akteuren die rechtlichen Möglichkeiten von Spanien aus. In den USA hätte man nämlich auf Body-Doubles zurückgreifen müssen, was aber MILIUS unter allen Umständen vermeiden wollte, wenn man schon einen so passenden Darsteller gefunden hatte. SCHWARZENEGGER selbst nahm sechs Monate lang Schwertkampf- und Kendounterricht, um seine Rolle so weit es ging authentisch rüberzubringen. Bei der Kreuzigungsszene wurde auf einen echten toten Vogel zurückgegriffen, in den er hineinbeissen musste. Sein starker österreichischer Dialekt kam ihm dabei sogar noch entgegen, da Conan im Original ebenfalls immer mit einem fremdländischen, hart anmutenden Dialekt spricht. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass SCHWARZENEGGER oft wie mit einer zu Eis erstarrten Mimik agiert und nur selten die Miene verzieht. Dies gibt Freiraum zu Interpretationen. Selbstverständlich greift hier der Vorwurf mangelnder Schauspielkunst, aber auch konkrete Absicht wäre möglich. Beispielsweise muss Conans Begleiter Subotai für ihn weinen, da Conan keine Tränen vergießen könne. Die feste Mimik könnte also durchaus gewollt sein. Dafür spricht auch das Spiel von JAMES EARL JONES (Ambulance, Jagd auf Roter Oktober, Sommersby), der Thulsa Doom verkörpert. An für sich ein grandioser Theaterschauspieler, der meist aber ebenso verhalten agiert, nur selten sein teuflisches Lachen zeigt. Bis auf die Alles durchbohrenden, hypnotischen Augen, mit denen er die Zuschauer an sich fesselt. Es fällt auf, dass ausgerechnet die beiden Charaktere, die einen direkten Konflikt miteinander austragen, auch ein ähnliches Spiel aufweisen. Nur was der Eine mit seinem bloßen Körper macht, erledigt der Andere mit der Kraft seines Blickes.
Conan 35Dritte im Bunde ist die Tänzerin SANDAHL BERGMAN, die man sonst eigentlich nur auf dem Broadway zu sehen bekam, was man besonders in ihren Kampfszenen bemerkt. Sie spielt exakt nach ihrem offensichtlichen Vorbild Bêlit die tapfere Kriegerin Valeria, die Lust am Rauben und Plündern hat. Ihr weiblicher Part gesteht ihr offensichtlich eine großzügigere Mimik und Gestik zu, als ihren männlichen Mitstreitern, was ihr auch einen Saturn Award und einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin einbrachte. An Körpereinsatz mangelte es auch ihr nicht, denn wie alle anderen Schauspieler in Conan der Barbar verzichtete sie auf ein Bodydouble, was ihr eine Fingerkuppe kostete. Ihre Rolle als Valeria ist vermutlich auch der Grund, weswegen sie als böse Königin in Red Sonja verpflichtet wurde, der atmosphärisch Conan arg ähnelt. Auch ARNOLD SCHWARZENEGGER war in diesem Film in einer sehr ähnlichen Nebenrolle zu sehen. Nämlich als der Krieger Kalidor, der dem Geist Conans wohl von allen Darstellungen am Nächsten ist. Eine weiterer Gefährte Conans ist der Bogenschütze Subotai, augenscheinlich ein Vorfahre der Mongolen und doch von dem gebürtigen Hawaiianer GERRY LOPEZ gespielt, der eigentlich ein Surfer ist. Dennoch spielt er in den wenigen Szenen überzeugend den spaßigen Begleiter Conans, der sich meist zurückhält und mit seinem Bogen austeilt. Dann jedoch kann man direkt noch erkennen, dass sich LOPEZ so hinstellt, als würde er sich gerade auf einem Surfbrett befinden. Obwohl hierzulande relativ unbekannt, erfreut sich der japanische Schauspieler MAKOTO IWAMATSU (Pearl Harbor, Sieben Jahre in Tibet, Kanonenboot im Yangtse-Kiang, Die Wiege der Sonne) , kurz MAKO, in den USA immer noch großer Beliebtheit, obwohl er bereits im Juli 2006 starb. Er spielt den verlotterten, hinterlistigen und trotz seines Alters drahtigen Zauberer Akiro, der den Barbaren wohl am meisten versteht, obwohl er es nicht zugibt. In einer kleinen, auch nicht ganz unbedeutenden Szene gibt sich sogar Edelmime MAX VON SYDOW (Der Exorzist, Sleepless, Solomon Kane, Dune, Shutter Island, Minority Report) als wutentbrannter König Osric ein Stell-Dich-Ein. Eine weitere Szene mit ihm fiel leider der Schere zum Opfer und findet man lediglich im Bonusmaterial mancher Editionen.

Fazit: JOHN MILIUS und OLIVER STONE gelang mit der Verfilmung von Conan einer der beeindrucktesten Fanatsyfilme in der Geschichte des Kinos. Conan der Barbar ist ein zeitloser Klassiker mit großartiger Inszenierung und der grandiosen Musik von BASIL POLEDOURIS. Mitreißende Schlachtszenen und brutale Zweikämpfe wechseln sich in einer archaischen Welt mit tollen Landschaftsaufnahmen und spannend erzählten Abenteuern ab, so wie sie einst ROBERT E. HOWARD ersonnen hat. Schließlich zollt man seinen anderen Figuren gehörigen Tribut. Hier merkt man einfach, dass hier in jeder Faser große Fans von ROBERT E. HOWARD am Werk waren.
Der überwältigende Erfolg von Conan der Barbar war für Hauptdarsteller ARNOLD SCHWARZENEGGER der Auftakt zu einer beispiellosen Karriere und der Zement für seinen Kultstatus als Actionstar, der seine Rolle als cimmerischer Barbar in Conan der Zerstörer 1984 ein zweites Mal aufleben ließ. Leider leidet das Sequel inhaltlich unter einer sehr schlechten Qualität und kann dem Erstling in keinster Weise das Wasser reichen. Dem Kultstatus der Figur tut dies keinen Abbruch. 1997 wurde eine qualitativ ebenfalls sehr schlechte TV-Serie produziert. Seit 2010 befindet sich der Zeichentrickfilm Conan: Red Nails in der Produktion und 2011 erschien eine große Neuverfilmung mit dem Titel Conan, die sich wesentlich dichter an dieser einen Vorlage bewegen soll. Im Endeffekt war diese Kinoversion jedoch dermaßen mies, dass die Mängel in ihrer Masse und Schwere nur noch von der Serie übertroffen werden. Die Qualität und der Kultstatus von Conan der Barbar liegen also weiterhin jenseits aller Reichtweite!