Machete

Machete - Poster 02
Regie: ROBERT RODRIGUEZ & ETHAN MANIQUIS
Drehbuch: ROBERT & ÁLVARO RODRUIGEZ
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: circa 106 Minuten
FSK: ab 18 Jahren
Start: 04.11.2010

„Machete schreibt keine SMS. Machete improvisiert.“


Machete 11Der Begriff „Grindhouse“ kommt aus dem Amerikanischen und bezeichnet zusammenfassend das miese und trashige Exploitationkino und etliche B- und C-Movies, die in den 1970ern oft in schmuddeligen Hinterhof- und Porno-Kinos liefen. Jahrzehnte lang galt das „Schundkino“ als vergessen, bis vor drei Jahren die beiden Kultregisseure ROBERT RODRIGUEZ (From Dusk Till Dawn, Desperado, Sin City) und QUENTIN TARANTINO (Pulp Fiction, KILL BILL, Django Unchained) das dreckige, schmutzige und bluttriefende Grindhouse-Kino mit ihrem Doublefeature Death Proof und Planet Terror aus der Versenkung holten, mit allem was dazu gehört: grisslige Bilder, Filmrisse, Tonschwankungen und stilechten, jedoch auch gefakete Trailer für die nächsten Trashstreifen, die nur dazu dienen sollten, die beiden Hauptfilme noch atmosphärischer dastehen zu lassen. An diesem Spaß waren einige namhafte Schauspieler und Regisseure beteiligt, die jeweils diverse Fake-Trailer inszenierten. So auch die beiden Horrorregisseure ELI ROTH (Cabin Fever, Hostel, Aftershock) und ROB ZOMBIE (Halloween, Haus der 1.000 Leichen, The Devil`s Rejects) sowie Schauspielgrößen wie NICOLAS CAGE (Con Air, Lord Of War, 8MM) und das Chaoten-Duo SIMON PEGG und NICK FROST (Shaun Of The Dead, Hot Fuzz, The World`s End). Einen Fake-Trailer inszenierte RODRIGUEZ sogar selbst und zog dafür seine alten Kumpel DANNY TREJO (From Dusk Till Dawn, Halloween, El Mariachi) und CHEECH MARIN (Cheech & Chong, Es war einmal in Mexico, Tin Cup) heran. Heraus kamen knapp drei Minuten aus dem nicht existenten Rachegemetzel Machete.



Machete 12Dieser gefakete Trailer kam aber so gut an, dass in RODRIGUEZ die Idee heranwuchs Machete wirklich zu drehen. Da er aber zeitgleich an anderen neuen Projekten arbeitete, zog sich der Drehtermin allerdings ein wenig in die Länge und konnte erst Ende 2009 in Angriff genommen werden. Zugunsten von Machete gab RODRIGUEZ sogar die Regie zu Predators ab, um sich voll auf diesen Streifen konzentrieren zu können. Das Drehbuch schrieben ROBERT RODRIGUEZ und sein Cousin ÁLVARO RODRIGUEZ (From Dusk Till Dawn 3: The Hangman`s Daughter), wobei ROBERT RODRIGUEZ bei der Regie von ETHAN MANIQUIS unterstützt worden ist, der seit dem Grindhouse-Doublefeature lediglich als Editor in Erscheinung trat. In der Hauptrolle sieht man, wie schon im Fake-Trailer, DANNY TREJO als Machete, aber auch CHEECH MARIN griff seinen Part als Schrotflintenpriester wieder auf. Jedoch auch für die estliche Besetzung und kleinere Nebenrollen konnten etliche hochkarätigen Stars verpflichtet werden. So sieht man hier unter anderem Oscar-Preisträger ROBERT DE NIRO (Taxi Driver, Kap der Angst, Good Fellas), Vollblut-Amazone MICHELLE RODRIGUEZ (Resident Evil, The Fast And The Furious, Avatar), Drogentante LINDSEY LOHAN (Herbie, Girls Club, Freaky Friday), die oberscharfe JESSICA ALBA (Sin City, Fantastic Four, The Eye), Actionikone STEVEN SEAGAL (Alarmstufe Rot, Exit Wounds, Zum Töten freigegeben), 1980er-Star DON JOHNSON (Miami Vice), die B-Kinogröße JEFF FAHEY (Der Rasenmähermann, Manticore, Operation Delta Force) und Splatterexperte TOM SAVINI (Maniac, Dawn Of The Dead, From Dusk Till Dawn).
Trotz durchweg positiver Kritiken spielte Machete bislang lediglich 33 Millionen Dollar ein, wobei aber im internationalen Vergleich noch sehr viele Staaten ausstehen, die erst ab November in den Genuss von Machete kommen. So auch Deutschland, wo der Film ab dem 4. November 2010 in den hiesigen Kinos läuft.

Cortez ist einer der härtesten Cops Mexikos und loyal dem Gesetz gegenüber. Er trägt den Spitznamen „Machete“, weil er lieber eine Machete als einen Revolver benutzt. Er ist auf der Jagd nach Drogenbaron Torrez, der quasi über ganz Mexiko herrscht. Schon sehr bald wird Cortez zu lästig für Torrez. Er lockt Machete in eine Falle, enthauptet seine Ehefrau und zündet das Haus an, damit es aussieht, als ob Machete der Schuldige ist.
Machete 01Drei Jahre später befindet sich Machte in einer kleinen Grenzstadt auf amerikanischem Boden. In Mexiko kann er sich nicht mehr blicken lassen und nun verdingt er sich als Tagelöhner immer auf der Suche nach dem nächsten Job. An dem Treffpunkt für illegale Einwanderer gabelt ihn der Geschäftsmann Michael Booth auf. Booth erzählt Machete, dass es ihm überhaupt nicht passt, dass Senator MacLaughlin einen Grenzzaun plant, mit dem man den Fluss an illegalen Einwanderer aufhalten will. Darum muss er sterben! Bei dem geplanten Attentat bemerkt Machete allerdings, dass er hereingelegt wurde. Mit einer Kugel in der Schulter kann gerade noch entkommen und wird vom Netzwerk gesund gepflegt. Das Netzwerk ist eine Organisation, die illegale Einwanderer aus Mexiko einschleust und unterstützt. Geleitet wird das Netzwerk von Imbissbuden-Besitzern Luz, die aber mit ihrem Netzwerk dem Bürgerrechtler Von und Senator MacLaughlin ein Dorn im Auge ist. Zudem hat Luz die Einwanderungsbeamtin Sartana im Nacken, die sich nicht zwischen ihren mexikanischen Verwandten und dem Gesetz entscheiden kann. Sie will sich nach oben arbeiten und der Weg dazu führt über Machete, der nach dem Attentat überall gesucht wird. Er brennt auf Rache. Als er herausfindet, dass Booth und Torrez gemeinsame Sache machen, ist die Kacke endgültig am Dampfen!
Machete - Banner
Schon in den ersten Minuten des Intros stellt der Film klar, um was es in Machete eigentlich geht: coole Sprüche, Action, übertriebenes Blutvergießen und (halb)-nackte Weiber allesamt heißer als Chili!
Machete 09Mehr Zutaten braucht man nicht, um eine lockere, aber keinesfalls leichte Atmosphäre zu zaubern, die sich konsequent durch den ganzen Film zieht. In erster Linie ist Machete ein typischer Grindhouse-Streifen mit hohem Trashfaktor und jeder Menge gewollter Klischees. Der Ex-Cop, der als Rächer jede Menge Bösewichter möglichst blutig niederstreckt, rassistische Texaner mit Cowboyhut, eiskalte Drogenbarone mit Knarre und Katana und mexikanische Mädels mit weichen Kurven. Der Gewaltgrad von Machete ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Blutfontänen wohin man blickt, drastische Schusswunden, einige zum Teil witzige Splattereinlagen wie ein Seil aus Gedärm, explodierende Schädel und rollende Köpfe in Serie. Jedes Mädchen in Machete sieht einfach nur unglaublich scharf aus, egal ob Krankenschwester oder Automechanikerin und selbstverständlich gibt es weit mehr als nur ein paar Titten von mehr als nur willigen Weibern zu sehen. Obwohl man hier schon angesichts der puren Übertreibung leicht ins Schmunzeln kommt, packt Machete dennoch ein paar zündende Gags obendrauf. Meist zehren die Lacher vollständig aus dem Wortwitz der Figuren, von denen eine jede Einzelne die Coolness mit dem Strohhalm aufgesaugt hat. Action gibt es natürlich auch, verstärkt in Form von einigen Schießereien und vereinzelten Explosionen. Den ganzen Film hindurch unterhält diese Mischung hervorragend, bis es nun endlich zum großen Showdown kommt, aber genau hier fehlt das gewisse Etwas. Es wird viel herum geschossen, noch ein paar coole Sprüche geklopft und einige Explosionen gezündet, was man aber in vorher schon den ganzen Film über sehen konnte und darum nicht ganz überzeugt. Es fehlt ganz schlicht der ganz große, Big-Bang-Motherfucker-Knall. Aber ansonsten ist Machete absolut sehenswert, weil er schlicht verdammt gut unterhält ohne Ansprüche zu stellen. Das Problem der US-Einwanderungspolitik dient lediglich dazu ein paar deftige Seitenhiebe in Richtung der konservativen Republikaner zu verteilen und ein paar Vorurteile gegenüber Mexikaner genüsslich auf die Schippe zu nehmen. Selbstverständlich sprüht auch Machete nur vor Insidergags, wie etwa das Gericht Puerco Pibil, Red Line Zigaretten, die Mariachi-Knarre oder einige Anspielungen auf Desperado.

Machete 02Storytechnisch hat man den Eindruck, dass nicht allzu viel passiert, was auf zwei verschiedene Ursachen zurückzuführen ist. Erstens hat man den Eindruck, dass man Alles schon mal irgendwo gesehen hat. Aber da Machete sich als typischer Grindhouse-Streifen versteht, der sich die zahllosen B- und C-Movies der 1970er aufgreift und wieder aufleben lässt, ergibt dies durchaus Sinn. Zweitens besitzt Machete leider auch so ein gewisses Schema, dass sich durch den ganzen Film zieht und immer wiederholt. Machete wird angegriffen, er metzelt alle Feinde blutigst nieder, schnappt sich eine heiße Braut und lässt einen coolen Spruch ab. Dazwischen gibt es einige Szenen, die die Charaktere näher beleuchten, bevor schon die nächste Episode anfängt. Das sorgt auch dafür, dass Machete seine ganzen 106 Minuten über hervorragend unterhält, aber das Finale nicht so richtig zünden kann, obwohl es dort auch ganz schön zur Sache geht. Man hat es schlicht vorher schon 90 Minuten lang mit den gleichen Charakteren und der gleichen Brachialität erlebt. Durch diese Erzählweise wird das Handlungsgeflecht immer nur brockenweise enthüllt. Jede Figur ist auf irgendeine Art mit der Anderen verwoben, weswegen die Beziehungen untereinander auch mehr oder weniger komplex sind. Aber durch die gängigen Muster altbekannt sind und so nichts Neues bieten. Viel wichtiger ist ohnehin, wie diese Klischees und erzählt werden – nämlich cool, actionreich, blutig, witzig und mit viel nackter Haut. Dabei legt Machete auch ein recht geradliniges Tempo an den Tag. Es gibt keine Flashbacks, deine Durchhänger, keine breitgetretenen Nebenhandlungen und auch keine Langeweile. Fast alle Szenen des Fake-Trailers wurden übrigens nahtlos in den Film integriert bzw. teilweise neu gedreht.
Einen letzten Gag hob sich ROBERT RODRIGUEZ sogar bis zum Schluss auf, in dem er gleich zwei weitere Machete-Filme ankündigte. Diese heißen namentlich Machete Kills und Machete Kills Again . . . In Space. Eigentlich nur ein weiterer Gag, doch wenn man etwas genauer hinsieht, so hegte RODRIGUEZ wohl schon damals Pläne für eine ganze Franchise. Schließlich wurde Machete Kills nur einige Jahre später realisiert und 2013 in unsere Kinos gebracht und Machete Kills Again . . . In Space befindet sich in der Entwicklung.

Machete 10Leider kommt bei der Inszenierung der Grindhouse-Look bei weitem nicht mehr so stark rüber, wie noch in Planet Terror oder Death Proof. Richtig grisslig sind die Bilder nur noch am Anfang und am Ende. Tonsprünge, Filmrisse und dergleichen wurden komplett eliminiert, obwohl man gelegentlich den Eindruck hat, als würden diverse Szenen fehlen. Nur da das Ganze hier nicht mehr so offensichtlich ist, entsteht bei Machete viel mehr der Eindruck, als handle es sich um simple Schnitte zugunsten einer längeren Videofassung. Und wirklich kündigte RODRIGUEZ zwar schon kurz nach dem Kinostart eine längere Fassung mit noch brutaleren Szenen an, was aber inzwischen leider wieder verworfen wurde. Zumindest wird vorerst nur eine spezielle Edition erscheinen, in der manche Szenen in der Rubrik „Delected Scenes“ bei den Extras ihren Platz finden. Auf eine wirklich längere Fassung des Films muss man höchstwahrscheinlich noch ein Weilchen warten. Ansonsten weist Machete viele Einstellungen mit der Standkamera auf, verwackelte Bilder gibt es so kaum zu sehen, wobei aber RODRIGUEZ Markenzeichen nicht vergessen wurde, einer Figur mit der Kamera direkt zu verfolgen, wie sie ohne Schnitt einen Gangsterloch blutig ausradiert. Der Soundtrack besteht weitgehend aus staubtrockenem und sandigem Texasrock, wobei es Niemanden überraschen dürfte, dass RODRIGUEZ Stammband TITO & TARANTULA auch zu Machete den Titeltrack beisteuerten. Auch RODRIGUEZ eigene Band CHINGON steuerte ein paar Songs bei, wie etwa eine sehr coole Coverversion der Opernarie „Ellens dritter Gesang (Ave Maria)“. Erst im Abspann kommt nochmal so richtiges Grindhouse-Feeling auf, wenn weitere Fortsetzungen mit möglichst trashigen Titeln angekündigt werden. Bislang wurde oft die deutsche Synchronisation kritisiert, was leider auch seine Berechtigung hat. Wo die Sprüche im Original nur so vor Coolness triefen, haben die deutschen Stimmen Mühe mitzuhalten. Und auch Viele der derben Sprüche wurden leider in entschärfter Version übersetzt, was dem Film ebenfalls ein Stück seiner staubigen Rauheit und damit auch an Charakter nimmt.

Machete 13Bei so einem Staraufgebot muss man sich leider darüber im Klaren sein, dass einige Darsteller aufgrund der begrenzten Screentime zu kurz kommen. Beispielsweise STEVEN SEAGAL, den man nur in wenigen Szenen am Anfang und am Ende wirklich in Aktion erleben kann, wo er mit gewohnt stoischer Miene den bösen Drogenbaron Torrez spielt. Sein Gesichtsausdruck unterscheidet sich dabei allerdings kaum von seinen anderen Rollen, weswegen nicht nur die Figur, sondern auch er als Schauspieler ein austauschbarer Gegner von Machete bleibt. Schmerzlich auch die kurzen Momente mit Oscar-Preisträger ROBERT DE NIRO, dem man seinen Spielspaß deutlich ansieht. Er hat richtig Freude daran, seinen Senator MacLaughlin vollends als verbohrten Rassisten darzustellen mit deutlichem Blick auf sehr reale Vorbilder der republikanischen Partei. Auch DON JOHNSON im schwarzen Cowboy-Dress macht seine Sache erstaunlich gut und hätte mehr Aufmerksamkeit vertragen können. Ebenso wie CHEECH MARIN, der Machetes Bruder spielt, der nun ein Priester ist. Das Fluchen hat er allerdings genauso wenig verlernt, wie den Umgang mit der Schrotflinte, was er auch sehr blutig beweist. Die wenigste Zeit besitzt mit Abstand TOM SAVINI, der nur in sehr wenigen Szenen als Profikiller auftritt. Den weiblichen Akteuren wird hauptsächlich nur der pure Sexappeal abverlangt. JESSICA ALBA, die hier ihre Augen stets zuckersüß leuchten lässt, sorgt mit ihrem Auftritt für eine ziemlich steife Brise, wenn sie vollkommen vollkommen nackt und feucht (von der Dusche natürlich) lasziv in die Kamera guckt. LINDSEY LOHAN, ebenfalls nackt, lebt in Machete ihr wahres als Partygirl und Skandalnudel nun auch vor der Kamera aus, kommt aber – wie viele andere Schauspieler in diesem Film – viel zu kurz. MICHELLE RODRUIGEZ allerdings wurde anfangs noch eine eher ungewöhnliche Rolle als Imbissbuden-Besitzerin zu teil, die so auch wesentlich sanfter agieren kann, als in ihren anderen Werken. Erst im Finale darf sie wie gewohnt die toughe Kriegerin rauhauen. Und da sie entweder verdammt knappe Hot Pants oder wahlweise nur einen BH dazu trägt, macht ihr das Zuschauen umso mehr Spaß. JEFF FAHEY spielt den Gangster Michael Booth, der quasi der Knotenpunkt zu allen Figuren und darum die meiste Zeit über zu sehen ist. Er verlässt sich dabei besonders auf seine eisblauen Augen und kaltblütigen Gestik. DANNY TREJO, der ansonsten ein gern gesehener Nebendarsteller ist, hat endlich auch mal die Hauptrolle bekommen, die er verdient und dies auch vollends ausnutzt. Oft reicht es für ihn aus, wenn er einfach nur im Bild ist ohne große Reden zu schwingen. Die Machete dafür umso mehr. Dass er dabei kaum die Miene verzieht und kaum ein Wort spricht, macht die Sache eigentlich nur noch cooler.

Fazit: Obwohl der Grindhouse-Faktor hier nicht mehr so offensichtlich ist, bietet Machete genau das Kino, was man als Grindhouse-Fan sehen möchte. Eine trashige und vor Klischees nur so strotzende Story, einschlägige Charaktere, viel nackte Haut, viel Action, viele coole Sprüche, Blut, Splatter und noch viel mehr Spaß. Machete ist ein Streifen, bei man einfach nur das Hirn ausschalten braucht, um sich köstlich zu amüsieren. Da das Grindhouse-Feeling hier leider nicht mehr so spürbar ist und das Ende ein bisschen flach kommt, erreicht der Film „nur“ 8 von 10 Punkten.