The Legend Of Goemon



Regie: KAZUAKI KIRIYA
Drehbuch: KAZUAKI KIRIYA
Medium: DVD
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 28.05.2010

„Wir kämpfen doch auch dafür, dass der Krieg endlich aufhört.“

„Diesen Scheißdreck hab ich in letzter Zeit viel zu oft gehört!“


Vor sechs Jahren sorgte KAZUAKI KIRIYA mit seiner Live-Actionversion von Casshern für gehöriges Aufsehen. Es handelte sich um die Neuauflage des gleichnamigen Animes von 1973, wobei der Streifen inhaltlich sogar besser war als die Serie. Richtig interessant war aber die Optik, die stark danach aussah, als hätte sie KAZUAKI KIRIYA aus einem Videospiel entlehnt.


Das sorgte schon vor dem Kinostart für Aufmerksamkeit. In Asien wurde Casshern wie zu erwarten ein Megahit. Doch auch in den USA und Europa war der Film sehr erfolgreich im DVD-Geschäft. Die Filmgemeinde war gespannt auf KIRIYAs nächsten Film. Doch der junge Regisseur ließ sich fast 5 Jahre Zeit, bis am 1. Mai 2009 endlich Goemon in die japanischen Kinos kam. Aber wo KIRIYA bei Casshern mit Anime-Drehbuchschreiber DAI SATO (Cowboy Bebop, Samurai Champloo, Halo Legends, Eureka 7, Ergo Proxy, Ghost In The Shell: Stand Alone Complex) noch einen hervorragenden Co-Autor hatte, schrieb er das Drehbuch zu Goemon vollkommen selbst. Noch dazu bediente er sich für den Film bei Ishikawa Goemon. Einem Helden, der in Japan schon seit Jahrhunderten ein Mythos ist. Ishikawa Goemon war zur Azuchi-Momoyama-Zeit (1573 bis 1603) ein von der Obrigkeit gefürchteter Bandit und von der Bevölkerung geliebter Ninja, der sein Diebesgut großzügig an die Armen verteilte. Auch heute noch wird der Räuber, der im Gegensatz zu Robin Hood tatsächlich belegt ist, in etlichen Bühnenstücken, Romanen, Manga, Liedern und Filmen verehrt. Die Ansprüche waren also von Haus aus ziemlich hoch. Besonders für den Hauptdarsteller. Die Wahl fiel auf YÔSUKE EGUCHI (Children Of The Dark, Silk, Synesthesia). In weiteren Rollen sind außerdem noch RYOKO HIROSUE (Hana und Alice, Wasabi, Departures) und TAKAO ÔSAWA (Bizan, Sky High, Aragami, Into The Sun) zu sehen. Für den internationalen Markt wurde der Titel schlicht erweitert, so dass der Film nun The Legend Of Goemon heißt, wo er unter diesem Titel im Frühjahr 2010 auch in Deutschland erschien.

Ishikawa Goemon ist Ende des 16. Jahrhunderts ein Meisterdieb und gefeierter Volksheld, weil er die Beute großzügig unter den Armen verteilt. Er und sein Helfer führen ein einfaches, aber gutes Leben. Dank ihres Rufes stehen ihnen die Freudenhäuser offen und Goemon hat richtig Spaß daran, den Oberen auf die Stiefel zu treten. Das ändert sich jedoch, als er in einem Warenhaus eine kleine blaue Schatulle mitgehen lässt. Unversehens ist eine kleine Armee von Söldnern hinter ihm her. Goemon gelingt es sie zwar abzuschütteln, aber nur um leider festzustellen, dass die Schatulle leer ist. Enttäuscht wirft er sie in die Menge, wo ein kleiner Junge sie findet. Derweil setzt der Landesherr den gesamten Polizeiapparat und hochgefährliche Ninja auf Goemon und die Schatulle an. Es handelt sich um die Schatulle der Pandora; ein westlicher Mythos und angeblich eine Geheimwaffe. Sobald man nämlich die Schatulle öffnet, löst man eine Katastrophe aus. Wie genau die aussieht, weiß in Japan natürlich Niemand. Aber der Fürst hat den Plan, die Schatulle als Geheimwaffe gegen den amtierenden Herrscher einzusetzen. Doch dummerweise hat sie Goemon bereits geöffnet und muss schon bald feststellen, wie gefährlich der Inhalt der Schatulle ist. Laut griechischer Mythologie wurden dort Hass, Krankheit und Krieg eingeschlossen. Nun findet Goemon am nächsten Tag den Jungen, der die Schatulle fand. Seine Mutter wurde gerade ermordet. Er rettet ihn vor den Häschern. Doch mit der Aufnahme des Jungen beginnt für Goemon eine Reise in die eigene Vergangenheit, in der tief begrabende Dämonen lauern. Und auch der Hass, der in der Schatulle eingesperrt war, entfaltet nun seine volle Wirkung. Krieg scheint unausweichlich, denn Gewalt und Mordlust holen sich schon die ersten Opfer.

Wer glaubte, dass KAZUAKI KIRIYA sich wegen des traditionellen Stoffes einer herkömmlichen Kameratechnik bediente, der irrt sich gewaltig. Von wegen, stattdessen wurde die eigentümlich Optik von Casshern für The Legend Of Goemon noch um ein Vielfaches ausgebaut und perfektioniert. Das Resultat sieht schlicht beeindruckend aus und verschlägt dem Zuschauer mehr als nur einmal die Sprache. Die Schauspieler sind real, richtige Hintergründe und Sets kann man aber an einer Hand abzählen. Gefilmt wurde nämlich zu 95% am Green-Screen, wo später die Hintergründe am Computer entstanden und eingefügt wurden. Und so sieht The Legend Of Goemon noch viel stärker aus wie ein Videospiel und holt dabei das Maximum aus den Prozessoren raus. Da leuchten die Farben in abartiger Schönheit, erfreuen die Augen mit Millionen von Details, schaffen Szenerien von beeindruckender Pracht und von nie geahnten Ausmaßen. Sehr geschickt spielt The Legend Of Goemon auch mit der Farbgebung, denn es herrscht immer nur ein gewisses Farbspektrum in einer Szene, so dass es trotz des an für sich sehr farbenfrohen Filmes nie zu einer Überdosierung oder zur planlosen totalen Buntheit kommt. Dabei gilt aber zu beachten, dass die Farbskala von Vorne bis Hinten durchgemacht wird. Dass heißt, während der Film anfangs noch fröhlich ist und helle bzw. knallige Farben bevorzugt werden, der Look jedoch mit jeder Filmminute düster, trostloser und apokalyptischer aussieht. Die Farben sind also keineswegs per Blinde-Kuh-Verfahren ausgelost worden, sondern dienen dazu der Atmosphäre mehr Gewicht und Gefühl zu verschaffen, was KAZUAKI KIRIYA auch dadurch beispiellos gut gelingt; ganz ähnlich wie in JOHN BOORMANNs (Beim Sterben ist Jeder der Erste, Point Blank, Der Exorzist II – Der Ketzer, Der Schneider von Panama, Der General, Rangoon) Klassiker Excalibur. Klar, dass bei so einem Videospiellook sich auch die Kostüme und Gebäude alles Andere als an die Traditionen und Überlieferungen halten. Rotzfrech sehen da so manche Soldaten aus wie die Sturmtruppen in Star Wars oder tragen übelst verschnörkelte Rüstungen, die man eher in Final Fantasy vermutet. Aber das trägt sehr viel zum frischen Erscheinungsbild des Films bei, der so viel mehr zu einem atemberaubenden Märchen wird.

Und wie ein richtiges Märchen ist The Legend Of Goemon anfangs noch ein ausgelassener, ja gar fröhlicher Film. Es gibt zum Teil den typischen Asia-Humor mit prequeren Situationen und sogar eine anzügliche Revueeinlage von zig japanischen Tänzerinnen, die weit weniger traditionell als sexy gestylt sind. Doch wie die Farben immer dunkler werden, so driftet auch The Legend Of Goemon immer weiter in einer ernstzunehmende und anspruchsvolle Schiene ab, die sich von der einfachen Heldenstilisierung zu einer sehr emotionalen Geschichte wandelt, die nahezu episch präsentiert wird. Es geht um Mord, Verrat, Machinteressen und Gewalt. Dort es geht es nicht mehr einfach nur Gut oder Böse, sondern es wird fast aus philosophischer Sicht ein sehr kritischer Blick auf den Krieg und seine Ursachen genommen. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Goemon und Cha Cha wird dadurch auch in den Hintergrund gerückt. Denn der Hass rückt in den Fokus und damit entfaltet der Streifen auch eine sehr düstere Seite. Den märchenhaften Touch legt The Legend Of Goemon hier zwar dennoch nicht ab, aber wie Viele von uns (hoffentlich) wissen sollten sind die meisten Märchen alles Andere als für Kinder geeignet. Dort reiht sich oft eine Grausamkeit nach der Anderen aneinander. Dementsprechend mutiert The Legend Of Goemon im späteren Verlauf auch zu einem sehr grausamen Film der Not und Elend, Krieg, Folter, und sogar Hinrichtungen offen zeigt. Auch das reale, unmenschliche Ende von Ishikawa Goemon wird hier ohne Rücksicht auf Verluste dem Zuschauer präsentiert, ja gar um noch einen ganzen Tick grausamer gemacht. Und um die gesamte Bandbreite menschlicher Empfindungen abzudecken erwartet den Zuschauer noch ein tieftrauriger Schluß.
Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: The Legend Of Goemon ist von Anfang bis Ende sehr actionreich. Der Film dauert nicht ohne Grund über zwei Stunden, denn allein die heftige Action nimmt seinen Platz ein. Schon in den ersten fünf Minuten scheppert es an allen Ecken und Enden. Granaten zerfetzen Häuser und ganze Wohnbezirke werden so dem Erdboden gleich gemacht. Dazu gibt es natürlich auch packende Zweikämpfe und gut umgesetzte Martial Arts Szenen. Und auch hier bediente sich KIRIYA ausgiebig bei Videospielen indem die Protagonisten wie mit Superkräften ausgestattet dutzende Meter hoch springen können, sich doppelt so schnell wie normale Menschen bewegen und hunderte Gegner mit einem Streich niedermetzeln können. Für das asiatische Actionkino typisch fliegen auch hier die Fetzen und Körperteile wild durch die Gegend. Die Blutfontänen sind zahlreich und grade mit der speziellen Videospieloptik kommt das Blut fabelhaft rüber. Leider stammt das Filmblut zum Großteil aus dem Computer, was man an manchen Stellen überdeutlich erkennen kann, ist dies doch gewollt. All diese ganze Action ist in großartigen Kamerafahrten eingefangen, die hier den ganzen Film hindurch den Zuschauer regelrecht ins Geschehen reißen.

Fazit: KAZUAKI KIRIYAs Werk The Legend Of Goemon ist weit mehr als nur ein Fantasy-Film in stylischer Videospieloptik. Es ist ein großartiges, grausames, actionreiches und trauriges Märchen. Freunde des asiatischen Kinos und ähnlichen modernen Märchenfilmen wie Pan`s Labyrinth können bedenkenlos zugreifen und werden mit bombastischen Bildern voller Schönheit und einer bewegenden Parabel über Gut und Böse belohnt. 9 von 10 Punkten in der Wertung.