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Ghost In The Shell (1995)

Ghost In The Shell - Poster 01Regie: MAMORU OSHII
Drehbuch: KAZUNORI ITÔ, basierend auf dem Manga von MASAMUNE SHIROW
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 83 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 15. November 1996

 

„Es gibt nichts Traurigeres als eine Puppe ohne Geist. Ganz speziell von der Sorte, durch die rotes Blut fließt.“

 

Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Anime-Kinofilm Ghost In The Shell zu den größten Klassikern des Genres zählt, der neben Akira und Neon Genesis Evangelion maßgeblich dazu beigetragen hat Animes auch in der westlichen Welt als einzigartige und anspruchsvolle Kunstform für Erwachsene zu etablieren. Nicht umsonst wurde Ghost In The Shell nun aufwendig als Live-Action produziert, wofür sogar die renommierte Produktionsstätte DreamWorks – die Firma von STEVEN SPIELBERG – ganze sieben Jahre und etliches namhaftes Personal brauchte. Und sogar mit diesem finanziellen und äußerst reputativen Hintergrund ist diese Live-Action nicht geglückt. Dafür ist Ghost In The Shell für den angepeilten Massenmarkt im breiten PG-13-Spektrum einfach zu komplex und zu anspruchsvoll, was die US-Studios (wieder einmal) vollkommen missverstanden haben. Aber durch diese großbudgierte Live-Action wird es nach Akira, Gungrave, Elfen Lied und Neon Genesis Evangelion für uns endlich einmal Zeit uns ausführlich mit Ghost In The Shell zu befassen.

 

SPOILER:


Ghost In The Shell 19Wie so viele Anime auch, so beruht Ghost In The Shell auf einem gleichnamigen Manga. In diesem Falle auf Kôkaku Kidôtai von MASAMUNE SHIROW aus dem Jahr 1989. SHIROW war zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfolgreicher, angesehener Mangaka in Sachen Science Fiction war. Seine Karriere begann der 1961 in Kobe geborener Japaner in den frühen 1980ern mit heute vollkommen unbekannten Werken wie Areopagus Arther oder Yellow Hawk, konnte aber mit Appleseed im Jahr 1985 einen riesigen Hit in Japan landen. Wohl, weil sich SHIROW damals äußerst kritisch dem damaligen Zeitgeist auseinandersetzte. Noch im Jahr 1988 wurde Appleseed erstmals als Anime umgesetzt, wobei die kritischen Töne jedoch kaum zur Geltung kamen. In etwa der gleichen Zeit kam SHIROW aber auch noch mit dem fundamental psychologischen Werk The Ghost In The Machine des österreichisch-ungarischen Schriftstellers ARTHUR KOESTLER in Kontakt. KOESTLER veröffentlichte das Buch im Jahr 1967 gleich auf Englisch und wurde erst später im eigentliche Sinne falsch als Das Gespenst in der Maschine ins Deutsche übersetzt. Das Werk greift die Meinung des britischen Philosophen GILBERT RYLE auf, der bei der menschlichen Existenz von einer dualen Basis bestehend aus Körper und Geist ausgeht. Jede persönliche Erfahrung entstehe aus einem Holon, was für sich alleine steht, aber dennoch Teil eines Ganzen ist. Vereinfacht gesprochen, sammelt jedes Holon für sich physische und mentale Erfahrungen, wodurch jedes Holon einzigartig ist. Zusammen bilden sie aber eine Essenz des Meta-Wesens, die man als „Geist“ bzw. den „menschlichen Geist“ bezeichnen kann, während es sich beim menschlichen Körper lediglich um eine bessere Maschine handelt. Außerdem gehen KOESTLER als auch RYLE davon aus, dass sich das menschliche Gehirn aus recht primitiven Strukturen entwickelt hat, die zum Teil noch vorhanden sind und schlechte Verbindungen zueinander haben, wodurch ein starkes Konfliktpotential entsteht. Deswegen kann es dazu kommen, dass das logische Denken übergangen wird und es zu irrationalen Entscheidungen kommt, die von Wut, Hass oder Stress geleitet werden.
Ghost In The Shell 23Der kundige Leser kann hier in dieser groben Zusammenfassung schon die wichtigsten Blickwinkel des Kultmanga erkennen und tatsächlich bekannte MASAMUNE SHIROW sich selbst dazu, dass The Ghost In The Machine einen dermaßen starken Einfluss auf seine Arbeit als Geschichtenerzähler hatte, dass er den Titel sogar seinem Produkt anglich: eben Ghost In The Shell. Andere Einflüsse des Manga treten dagegen viel offener zu Tage, auch wenn sie SHIROW stark miteinander kombiniert. Das gilt insbesondere für die enorme Cyberpunk-Komponente, der in den 1980ern ganz besonders stark in Japan boomte, und den Gefahren und Vorteilen einer totalitär vernetzten Welt. SHIROW betrachtete die immer rasanter werdende technologische Entwicklung des Menschen mit Argwohn und nahm in Ghost In The Shell das Internet, die moderne Bionik, mechatronische Implantate, die Fortschritte in der Robotik und der Prothesentechnik vorweg, womit er abermals genau den Nerv der Zeit traf. Ghost In The Shell entwickelte sich in Japan rasch zu einem riesigen Hit, zu dem sich recht schnell Production I.G. die Rechte sichern konnten. Das Anime-Studio wurde im Jahr 1987 unter anderem von MATSUHISA ISHIKAWA gegründet, der sich selbst am stärksten um den Manga bemühte. Und das ist an dieser Stelle kein Zufall, da sich Production I.G. auf Science Fiction, Action und Cyberpunk spezialisiert hatten. Beispielsweise gelang ihnen Ende der 1980er mit der Patlabor-Franchise ein angenehmer Erfolg, den sie versuchten nun auszubauen. Doch es sollten am Ende noch mehrere Jahre vergehen, bis die Produktion von Ghost In The Shell effektiv anlaufen konnte.
Ghost In The Shell 02Production I.G. entwickelte sich rasch von einem eher kleinen Studio zu einem ernsthaften Konkurrenten für die damaligen großen Studios wie Kyoto Animation, GAINAX, Madhouse, Nippon Animation oder Mushi Production, doch im Jahr 1993 befand sich das Studio am Scheideweg. Entweder man verließ sich hauptsächlich auf der Produktion von TV-Serien und OVAs oder man beschloss eine neue Abteilung zu gründen, die sich gleichzeitig mit Kinofilmen beschäftigte. Ein hohes finanzielles Risiko, was die beiden Firmengründer MATSUHISA ISHIKAWA und TAKAYUKI GOTO aber vollen Mutes eingehen wollten. Zunächst einmal sollte das Personal des Kinofilms zusammengestellt werden, wofür man sich zunächst für MAMORU OSHII entschied. Der Toykoter Anime-Macher begann seine Karriere als recht kleiner Regisseur für solche unbekannten Serien wie Yatterman und Zenderman, bevor er 1981 mit Serie Urusei Yatsura erste Erfolge einheimsen konnte. Etwas Science Fiction, etwas Romantik und viel Humor. Also recht seichte und auch ziemlich hirnlose Kost, bevor er versuchte mit der OVA Dallos und dem Film Angel`s Egg etwas Anspruchsvolleres zu schaffen. Letztendlich kam OSHII aber noch im Jahr 1987 bei Production I.G. unter, wo er die erste OVA zu Patlabor und auch den ersten Kinofilm inszenierte. Bei dieser Gelegenheit lernte OSHII auch den Drehbuchautor KAZUNORI ITÔ kennen, der heutzutage besonders für die .hack// Reihe und die Gamera-Filme bekannt ist. OSHII wünschte abermals mit ITÔ zusammenzuarbeiten, was ihm natürlich auch gewährt wurde. Beide befanden sich mit MASAMUNE SHIROW auf einer Wellenlänge und entwickelten schon kurz nach den ersten kreativen Sitzungen ein visionäres Konzept, was sich aber aufgrund der umfangreichen Technik und des finanziellen Aufwandes nur schwer für Production I.G. alleine realisierbar war.
Ghost In The Shell 01Doch GOTO und ISHIKAWA waren alles andere als dumm und strengten schon damals einen fast revolutionären Deal an. Sie beschlossen das wachsende internationale Interesse an Animes auszunutzen und schlossen einen Vertrag mit Manga Entertainment aus den USA und Metrodome Distribution aus dem Vereinten Königreich geschlossen, um Ghost In The Shell gleichzeitig in die japanischen, britischen und amerikanischen Kinos zu bringen. In dem Deal war auch eine Finanzspritze von Manga Entertainment und Bandai enthalten, denen im Gegenzug der Vertrieb von Ghost In The Shell gestattet wurde. Mit den Geldern der Partner konnte das Budget der Produktion auf ganze 600.000.000 Yen anwachsen, was umgerechnet 5,3 Millionen Dollar entspricht. Somit konnten OSHII und ITÔ endlich ihre Visionen umsetzen, was besonders auf technischer Ebene zu spüren war. Für Ghost In The Shell wurden erstmals digitale Effekte mittels Computergraphiken und sogenannten Cel Animationen eingesetzt, die man unter dem Sammelbegriff Digitally Generated Animation, kurz DGA, zusammenfasst. Wie man sieht, setzte Ghost In The Shell tatsächlich ganz neue Maßstäbe. Letztendlich kam der Anime nach zwei Jahren Produktionszeit auch planmäßig am 18. November 1995 interkontinental in die Kinos – zündete aber nicht. In Japan wurde Ghost In The Shell wie zu erwarten ein massiver Hit an den Kinokassen und konnte sich mit ordentlich Gewinn von der Leinwand verabschieden. In USA aber konnte der Anime gerade noch seine Produktionskosten wieder einspielen und in Großbritannien stürzte der anspruchsvolle Science-Fiction-Thriller gnadenlos ab. Der Gewinn stellte sich für Ghost In The Shell außerhalb Japans erst ein Jahr später ein, als der Anime erstmals auf Video veröffentlicht wurde. Doch der richtig große Durchbruch zum Kulthit erfolgte wiederum erst einige Jahre später mit dem Song „King Of My Castle“ des WAMDUE PROJECT.
Ghost In The Shell 08Das Dance-Duo hatte den Song eigentlich schon 1997 als Single veröffentlicht, bleibt aber damals ebenfalls unbeachtet. Nur ein Jahr später jedoch beschloss der italienische House-Produzent Mauro Ferrucci alias ROY MALONE den Song für sein eigenes Album Program Yourself zu verwenden und fertigte zu diesem Zweck einen Remix an. Im Jahr 1999 sollte der Song letztendlich auch als Single veröffentlicht werden und weil es sich bei MALONE um einen Fan von Ghost In The Shell handelte, ließ er anfragen, ob er Material aus dem Kinofilm für einen Videoclip verwenden durfte. Die Rechteinhaber Bandai und Manga Entertainment leiteten die Anfrage jedoch direkt an MAMORU OSHII, KAZUNORI ITÔ und MASAMUNE SHIROW weiter, die auch sofort ihre Zustimmung gaben. Der Song „King Of My Castle“ beschäftigt sich nämlich mit SIGMUND FREUDs Theorie des Unbewussten, wonach „das Ich nicht Herr im eigenen Hause ist.“ FREUD begründet diese Meinung damit, als dass der Mensch viel zu sehr unbewussten Einflüssen unterworfen ist, um wirklich der Herr seiner Sinne zu sein; und somit eben kein freier Geist ist, der über sich selbst bestimmen kann. Und eben diese Grundlage bildete auch eine Basis für ARTHUR KOESTLERs Das Gespenst in der Maschine, wodurch sich wiederum eine Brücke zwischen diesem Werk, Ghost In The Shell und dem Song „King Of My Castle“ ergab. Letztendlich wurde MALONE also nicht nur gestattet, einzelne Szenen zu verwenden, sondern er durfte im Endeffekt auf das gesamte Material zugreifen; was der Italiener auch ausnutzte. Denn nun konnte der gesamte Videoclip mit Szenen aus Ghost In The Shell zusammengesetzt werden, was sich für den Anime sowie den Musiker enorm auszahlen sollte. Der Song stürmte weltweit die Single-Charts, landete in 13 europäischen Staaten in den Top 10 und erreichte in den USA und Großbritannien gar Platz 1, was wiederum zu einem enormen Interesse an Ghost In The Shell führte und der Anime, vier Jahre nach der Veröffentlichung, endgültig zu einem riesigen Hit wurde.

 

Der späte Erfolg von Ghost In The Shell blieb aber auch in Japan nicht unbemerkt. Allen voran bei MAMORU OSHII, der nun endlich die Zeit gekommen sah, seine existenzielle Philosophie in einem weiteren Kinofilm umzusetzen; musste er doch auf die Realisierung im ersten Teil verzichten. Nach einigen Jahren in der Produktion konnte schließlich Ghost In The Shell 2: Innocence im Frühjahr 2004 Premiere feiern, wobei er sich durch den Kultstatus des ersten Films natürlich sofort als Kassenschlager durchsetzen konnte. Man kann also sagen: erst mit dem Erfolg des Sequels wurden amerikanische Studios auf den Anime aufmerksam und bemühten sich um eine Live-Action, die natürlich beim ersten Teil bediente. Doch wie wir später noch sehen werden – unsere Kritik zum Remake ist nämlich einer üblichen Sperrfrist unterworfen – ist und bleibt das Original an Niveau, Anspruch und Atmosphäre unerreicht.

 

Ghost In The Shell 06Im Jahr 2029 hat die technologische Vernetzung endgültig vom menschlichen Körper Besitz ergriffen. Implantate sind so alltäglich wie einfach zu haben. Schon für wenig Geld kann man sich elektronische Augen einsetzen lassen oder eine mechanische Leber leisten, während man mit Gehirnimplantaten quasi die ganze Zeit mit der gesamten Welt voll vernetzt ist. Doch der technologische Fortschritt birgt auch seine Schattenseiten. Nach wie vor gibt es Verbrecher, die – nun eben auf elektronischem Wege – stehlen, rauben und sogar morden können. Und ebenso gibt es nun Spezialisten bei der Polizei, diese Kriminellen zu schnappen. In Japan soll Sektion 9 dafür sorgen Cyberverbrechen aufzuklären. Chief Aramaki ist zwar streng, steht aber zu seinen Mitarbeitern. Allen voran zu Major Makoto Kusanagi, der ältere Batou und der junge Togusa, die zusammen ein eingespieltes Team bilden.
Ghost In The Shell 11Sektion 9 gehört zu den erfolgreichsten Abteilungen der japanischen Verbrechensbekämpfung, doch ihr jüngster Fall bringt selbst die Spezialeinheit an ihre Grenzen. Es beginnt mit der heimlichen Flucht eines Programmierers, die Sektion 9 gerade noch so verhindern kann und dabei versehentlich Sektion 6, dem Außenministerium, in die Parade fährt. Doch kurz darauf kommt es zu einem Hackangriff auf einen Diplomaten, der den Ghost seiner Sekretärin kostet. Dass heißt, ihr Charakter und ihr eigenes Gedankengut werden rücksichtlos ausgelöscht, um sie zu einer Marionette zu machen. Ghost-Hacking wird dieses irreparable Schwerverbrechen genannt, was aber nur die besten Hacker beherrschen können. Darum kommt Sektion 9 schon schnell auf die Spur des Puppetmasters, der nun wohl endlich in Japan angekommen ist. Der Puppetmaster ist ein Berufskrimineller und ein brillanter Hacker, der für zahllose Verbrechen wie Datenschmuggel, Sabotage, Industriespionage, Terroranschläge und sogar Mord verantwortlich sein soll. Aber selbst wortwörtlich ein Geist ist. Man weiß nur, dass es sich wahrscheinlich um einen amerikanischen Mann handeln könnte. Zuerst schlug er in den USA und Europa zu, nun ist er offenbar in Japan und verfolgt ein konkretes Ziel. Major Kusanagi, Chief Aramaki, Batou und Togusa sind fest entschlossen den Puppetmaster zu fassen. Sie folgen der Spur des Hacker-Genies und kommen auf die Spur eines mysteriösen Projektes mit der Code-Nummer 2501. Doch je näher sie dem Kriminellen kommen, desto mehr beginnt sich Sektion 6 einzumischen. Sektion 9 ahnt schon sehr schnell, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Doch dann geschieht etwas völlig Unvorhersehbares: der Puppetmaster stellt sich – und die Ereignisse überschlagen sich!

Ghost In The Shell - Banner 01

Ghost In The Shell erzählt eine tief philosophische Geschichte, wie man echtes und künstliches Leben definiert und wie diese beiden Existenzen zueinander stehen können. Das klingt nun etwas nach schwerer Kost, doch das bedeutet nicht, dass die Japaner ihre Thesen nicht auch in einer intelligenten und gegebenenfalls auch actionreichen Geschichte verpacken können.
Ghost In The Shell 14Schon in den ersten 15 Minuten wird uns als Zuschauer klar, wie überlegt und exakt beobachtet MASAMUNE SHIROW und MAMORU OSHII die Zukunft vorhergesehen haben – denn die Entwicklung, die sich im Manga wie auch im Anime abzeichnet, ist nun schon größtenteils eingetroffen. Heute können wir mit unseren Smartphones jederzeit ins Internet gehen und sind wortwörtlich 24/7 mit der gesamten Welt vernetzt. Wir können rasch nach interessanten Orten googlen, andere Sprachen lernen, für jeden allerletzen Scheiß gibt es irgendeine App und wir legen mehr Wert darauf, was irgendein Spacko im Fressebuch postet, als der Mensch zu sagen hat, der direkt vor uns sitzt – und genau dieses emotionale Verkrüppelung im Sog der Vernetzung nahm SHIROW in seinem Manga vorweg, was im Anime von OSHII sogar noch viel stärker präsent ist. In Ghost In The Shell hat man bereits die nahezu perfekte Symbiose von Fleisch und Technik erreicht, so dass man nun keine Smartphones mehr braucht. Stattdessen gibt es Implantate direkt ins Gehirn, mit denen eine drahtlose Kommunikation möglich ist. Fast alle Personen in Ghost In The Shell haben mehrere Gadgets und/oder künstliche Gliedmaßen. Sei es, um eigene Makel auszubessern, effektiver arbeiten zu können oder um dem eigenen Ego zu schmeicheln. Gleichwohl sind künstliche Intelligenzen ebenso omnipräsent wie in allen Bereichen hilfreich, um dem Menschen die Existenz leichter zu machen oder zu versüßen. Sexbots ersetzen den Partner und erfüllen pflichtgemäß jeden noch so perversen Wunsch. Andere Geräte schmeißen den Haushalt ganz von allein, damit man mit geschlossenen Augen im Netz surfen kann. Die Welt an sich ist für den Menschen in Ghost In The Shell schon sehr viel bequemer geworden.
Ghost In The Shell 09Doch genau hier haben wir schon die erste Finesse der Filmemacher vor uns: man sieht diese unglaubliche Verschmelzung von biologischer Existenz und Technologie, erlebt diese ganzen Vorteile und dennoch betrachten SHIROW, OSHII und ITÔ diese Entwicklung grundsätzlich extrem kritisch. Das beginnt schon in der Welt, in der sich die Figuren bewegen. Es ist eine großstädtische Welt mit zig verschachtelten Straßen und Gassen, reiche und arme Viertel gehen deswegen fließend ineinander über und lassen sich nur schwer optisch unterscheiden. Nicht zuletzt Dank der farbenprächtigen Umgebung mit der oft üppigen Beleuchtung, den elektronischen Signalen, unzähligen Neonlichtern und Hologrammen. Denn so schlimm wir im Smartphone auch permanent mit Werbung beschallt werden, genau so schlimm tritt sie auch in Ghost In The Shell hervor. Den Zuschauer erwartet in manchen Szenen eine überwältigende Farbenpracht, reich an Details und Sortiment, die jedoch die hässliche Wahrheit absichtlich übertönen. Guckt man nämlich genauer hin, so erkennt man sehr deutlich, dass diese Gebäude schon alt sind, der Beton bröckelt und der Verfall nicht lange auf sich warten lassen wird. Die Straßen sind versifft, die Farben abgenutzt und es bilden sich penetrante Rostflecken in der gesamten Stadt. Nach außen hin wirkt Alles neu und modern, ein Blick ins Innere lässt uns aber enttäuscht zurück, denn hinter der glänzenden Fassade spielt sich das eigentliche Leben in der digitalen Welt ab, während die reale Welt vor sich hin gammelt. Das zeigt uns OSHII auch in einigen Minutenlangen Szene mit dem atmosphärischen Soundtrack. Dass heißt, schon alleine das Design der Stadt wird zum Synonym für kritische Haltung, die in Ghost In The Shell verborgen liegt.

Ghost In The Shell - Banner 03

Ghost In The Shell 05Dieses zwiespältige Verhältnis zwischen moderner Technologie und biologischer Existenz wird sowohl im Manga als auch im Anime durch die drei Hauptcharaktere Major Makoto Kusanagi und ihren Kollegen Batou und Tugusa noch einmal verdeutlicht. Seit frühester Kindheit steckt Major Kusanagis Gehirn in einem künstlichen Körper, weil eine unheilbare Krankheit sie getötet hätte. Auf diese Weise konnte man zwar ihren Charakter und wenn man so will ihre Seele – ihren Ghost – retten, doch nun muss sie sich ständig fragen, ob man sie noch als Mensch werten kann und wie das menschliche Leben überhaupt definiert werden kann. Das führt im Film zu einigen interessanten Dialogen mit ihren Kollegen Batou und Togusa sowie dem Puppetmaster. Batou ist einige Jahre älter und besitzt so einige Implantate, um seine taktischen Fähigkeiten zu verbessern. Gleichzeitig wiegt er Vor- und Nachteile seiner Implantate genauestens ab. Tugusa hingegen besitzt nur eine geringe Erweiterung seiner Gehirnkapazität, ist aber ansonsten vollkommen menschlich und benutzt sogar noch klassische Revolver, worauf er auch großen Wert legt. Zu guter Letzt ist da noch der Puppetmaster, der sich von einem Programm zu einem eigenen Charakter weiterentwickelt hat; er also einen eignen Ghost besitzt, ohne vorher einen Körper besessen zu haben. Und genau das macht ihn auch zur Schlüsselfigur von Ghost In The Shell, denn kann man auch eine rein digital generierte Intelligenz als eigenständiges Lebewesen werten? Eine interessante Frage, die Ghost In The Shell aber nicht eindeutig beantworten will, sich aber auf moralische Tendenzen in den Charakteren verlässt. Die Lösung, die der Anime findet, ist darum vielschichtig interpretierbar, aber es sei an dieser Stelle erwähnt, dass MAMORU OSHII nach eigener Aussage zeigen wollte, dass jedes Leben kostbar ist.


Ghost In The Shell 20Aber damit Leben auch in der Fiktion kostbar bleibt, muss es zerstörbar sein – und diese schmerzliche Tatsache ist auch sämtlichen Figuren in Ghost In The Shell bewusst, was MAMORU OSHII in einigen Szenen ebenso akut wie schonungslos zur Schau stellt. Stellenweise gibt es darum einige sehr blutige Szenen zu sehen, in der die Menschen von den Kugeln regelrecht zerfetzt und zerbombt werden. Und zwar so sehr, dass von manchen Opfern fast nur roter Matsch übrig bleibt. Doch solche extremen Gewalteruptionen bilden in Ghost In The Shell die Ausnahme, verdeutlichen aber sehr eindrucksvoll, dass sich der Tod als ewige Konstante des Lebens von Nichts und Niemandem besiegen lässt. Doch MASAMUNE SHIROW geht in Ghost In The Shell sogar noch einen Schritt weiter, indem er das sogenannte Ghost-Hacking entworfen hat. Durch alle Zeitalter hinweg, in jeder Mythologie verankert und in jeder Religion zementiert ist der Gedanke, dass der Mensch eine Seele besitzt, die nach dem Tod in eine Art Himmelsreich einkehren; egal ob man es nun Valhalla, Eylsium, Nirvana oder ewige Jagdgründe nennen will. Man geht davon aus, dass der Tod nicht das Ende ist. Aber was geschieht nun, wenn man eben stirbt, sondern digitalisiert wird? Oder noch schlimmer: was geschieht, wenn der eigene „Geist“ überschrieben? Da wird nicht gestorben, sondern gelöscht. Die eigene Seele ist einfach weg, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. Ein Schicksal also, schlimmer als der Tod an sich, weil eben Nichts mehr bleibt. Dadurch erreicht Ghost In The Shell eine latente Bedrohlichkeit, die von den Charakteren zwar zur Kenntnis genommen, aber kaum beachtet wird, weil diese Form des völligen Identitätsverlustes schon zum Alltag gehört.


Ghost In The Shell 21Die anderen feste Konstante dagegen, nämlich Sex bzw. Liebe, fehlt auffallender Weise fast vollständig. Ja, da gibt es etwaige Nacktszenen und das nicht einmal zu knapp, da die künstliche Haut des Majors über thermooptische Tarnung verfügt. Aber das findet einmal mehr ohne jegliche Form von Erotik statt. Der Major steht nackt im Raum und kämpft, wobei es auch den Anschein hat, als würden ihr die primären Geschlechtsmerkmale fehlen, was jegliche sexuelle Aktivitäten von vornherein ausschließt. Im Manga ist dies nicht so, da Makoto Kusanagi klar lesbisch porträtiert wird, was auch in einigen explizit pornographischen Darstellungen dokumentiert ist. Sex ist dabei nicht einmal das Entscheidende, denn auch in der Anime-Welt von Ghost In The Shell kann man sich digitalen oder noch wirklich physischen Sex leicht leisten. Warum MAMORU OSHII also im Kinofilm darauf verzichtete, darüber kann man nun spekulieren, denn schließlich hat der Meisterregisseur keine Scheu vor blutigsten Splatterszenen. Man kann aber davon ausgehen, dass die hauptsächlichen Ursachen wohl in der japanischen Zensurpolitik liegen, wo explizit erotische Darstellungen immer noch nur unter strengen Auflagen gezeigt werden können. Andererseits konnte OSHII auf künsterlischer Seite Kapital daraus schlagen. Denn ohne Sex wirkt die Welt von Ghost In The Shell nur umso steriler, denn gerade der Austausch von Zärtlichkeiten ist ein existenzieller Bestandteil zwischenmenschlicher Kommunikation und nicht zuletzt ist die Reproduktion besonders zum Ende in ein ganz wichtiges Thema im Manga sowie dem Anime, weil es die natürlichste Methode ist, um Leben zu erschaffen. Aber Liebe muss echt und fühlbar sein. Doch in einer Welt in der Alles künstlich ist, kann die Liebe auch nur künstlich sein. Eine weitere, bitterkalte Wahrheit, die MAMORU OSHII und KAZUNORI ITÔ in ihrem Meisterwerk vorausgesehen haben.

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Ghost In The Shell 24Trotz des unglaublich großen Interpretierungsraums des Animes und des immensen Reichtums an Philosophie, so ist die eigentliche Handlung von Ghost In The Shell ironischer Weiser ziemlich kurz und in nur wenigen Sätzen zusammengefasst. Kurzum geht es um die Fahndung nach dem berufskriminellen Puppetmaster und der daraus resultierenden Auseinandersetzung zwischen Sektion 9 und Sektion 6. Die Handlung wird dabei recht sporadisch erzählt und kommt oft mit nur wenigen Worten ein ganzes Stück voran, was im groben Aufbau am ehesten an eine OVA erinnert. Der Kinofilm stützt sich dabei weitegehend auf die Haupthandlung des Manga, wobei das Werk von MASAMUNE SHIROW natürlich wesentlich ausführlicher, aber auch actionreicher, wesentlich humorvoller und für manche Leser wohl auch kurzweiliger sein mag, als der Anime. Dort, wo MASAMUNE SHIROW seine Haupthandlung für andere Fälle unterbricht, wobei es stellenweise noch blutrünstiger zur Sache geht, da zeigt OSHII lieber atmosphärische und perfekt animierte Ansichten ungenannten Großstadt. Daran kann man auch die drei Kapitel von Ghost In The Shell voneinander trennen, in die sich der Anime gliedert. Zwischen den Zeilen kann man sogar noch zwei Easter Eggs entdecken. Gegen Ende hin gibt es ein kurzes Wiedersehen mit dem Lebensbaum aus OSHIIs vorherigem Film Angel`s Egg und an mehrere Stellen sieht auch vereinzelt Basset Hounds die Szenerie bereichern, was aber keinen besonderen Grund hat. MAMORU OSHII findet diese Hunderasse einfach niedlich und deswegen adaptiert Batou im zweiten Teil sogar einen Basset Hound.
Ghost In The Shell 12Mit dem offiziellen zweiten Teil Ghost In The Shell 2: Innocence hat dieser Film jedoch recht wenig gemein, obwohl es sich dabei um eine direkte Fortsetzung handelt. Die Geschichte hier ist in sich abgeschlossen und Innocence wurde so konstruiert, dass er auch für sich alleine stehen kann, obwohl man die gleichen Charaktere schon in Ghost In The Shell kennenlernt. Spielt hier der Major eine zentrale Rolle so ist es im Sequel Batou, der eine grausame Mordserie aufklären muss. Der Major Kusanagi taucht in Innocence erst gegen Ende ein einziges Mal auf, um ihren Freund zu unterstützen. Nur wenige Jahre nach dem zweiten Teil wurde jedoch auch noch der erste Teil komplett überarbeitet und als remasterte Version neu veröffentlicht. Im Gegensatz zu einigen Gerüchten, die eine Zeit lang im Netz kursierten, enthält diese remasterte Version aus dem Jahr 2008 mit dem Titel Ghost In The Shell 2.0 eben keine neuen Szenen. Ganz im Gegenteil: es wurde dort sogar einige mariginale Szenen entfernt! So, dass Ghost In The Shell 2.0 fast eine Minute kürzer läuft als die Kinofassung! Außerdem wurden lediglich alle digitalen Effekte überarbeitet, der Farbton geändert und durch moderne Computereffekte ersetzt.

 

Ghost In The Shell 10Aber nicht nur das, auch wurde in Japan für Ghost In The Shell 2.0 eine neue Synchronisation angefertigt, mit denen nun einige Dialoge anders wirken, was vermutlich auch die Verwirrung in der Fan-Base und die Gerüchte erklärt. Doch primär ging es um die nun erweiterte Soundtechnik, die vom Dolby Digital der ersten Generation auf hochmodernes 6.1 aufgemotzt wurde. Für Deutschland und dem englischen Sprachraum wurde keine neue Synchronisation erstellt, stattdessen wurde die englische Tonspur ebenfalls neu gemastered und der deutsche Markt bekam 2005 ohnehin eine neue Synchronisation spendiert, die sich bereits mit Dolby DTS 5.1 umgesetzt wurde. Die Qualität dieser Synchronisation ist jedoch bei Weitem besser als die erste Version aus dem Jahr 1996. Einerseits wirken die Sprecher wesentlich professioneller und andererseits – und das ist das Entscheide – ist die Übersetzung viel akkurater und somit auch verständlicher. Fairer Weise sollte man jedoch noch erwähnen, dass schon die alte deutsche Synchronisation mit einem 5.1 Sound produziert worden ist.
Ghost In The Shell 16Der Soundtrack an sich ist eine weitere wahre Meisterleistung von Komponist KENJI KAWAI, der vorher schon Patlabor und Ranma vertonte. Nach eigener Aussage wollte KAWAI die beinah sterile Welt von Ghost In The Shell direkt hörbar machen und „die Essenz“ dieser Welt in seiner Musik verankern. Anders, als die meisten Zuschauer vielleicht vermuten, orientierte sich der Komponist jedoch nicht an traditionell japanischer Musik, sondern bulgarischen Harmonien aus dem Mittelalter. Die Texte allerdings verfasste KAWAI wiederum in der Yamato-Sprache; der ältesten bekannten Version des Japanischen, was schon im 8. Jahrhundert von der klassischjapanischen Sprache abgelöst wurde. Gesungen wird der Soundtrack ebenso von japanischen Folksängern, wobei es sich bei dem wiederkehrenden Thema um ein Heiratslied handelt, was bösartige Einflüsse auf die Ehe verhalten soll. Anders ausgedrückt, steht das atmosphärische Stück in direktem Zusammenhang mit dem Zenith von Ghost In The Shell, wo Puppetmaster die Vereinigung mit dem Major anstrebt. Der Soundtrack ist also hier wortwörtlich Teil der Erzählung geworden und drum hätte es sich angeboten die Musik zu untertiteln, was aber bislang nicht geschehen ist. Bis heute ist der Soundtrack alleine fast schon ebenso Kult, wie der Film an sich. So viel Verständnis für die japanische Kultur hatte man in den USA trotz aller Leidenschaft und Perfektion der japanischen Filmemacher und Musiker nicht. Hätte uns an dieser Stelle ja auch gewundert. Stattdessen hört am Ende der US-Version den Brechreiz-Bullshit-Electro-Gedöns „One Minute Warning“, eine Kollaboration zwischen U2 und BRIAN ENO; weil Mitproduzent ANDY FRAIN auch bei dem damaligen U2-Label Island Records arbeitete. Wir Europäer blieben zum Glück von diesem Schund verschont.

Ghost In The Shell - Banner 02Ghost In The Shell 03Herausragend bei Ghost In The Shell ist und bleibt jedoch die Animationstechnik, mit welcher der Film produziert wurde. Man verließ sich auf die DGA-Technik, was ausgeschrieben Digitally Generated Animation bedeutet. Dabei werden Cel Animationen mit Computergraphiken gemeinsam umgesetzt. Als Cels werden klare Folien bezeichnet, die lediglich eine oder mehrere Objekte beinhalten. Bei Ghost In The Shell wurden die meisten Zeichnungen bereits direkt am Computer erstellt und koloriert, anschließend mit einem traditionellen Cel Animationsverfahren komplettiert und schließlich mit einem AVID System der gleichnamigen Firma endgültig digitalisiert. Heutzutage werden die meisten Animes mit einer ähnlichen Methode produziert, war aber damals in diesem Umfang absolut ungewöhnlich und ziemlich aufwendig. Ungewöhnlich ist die Produktionsweise sogar aus heutiger Sicht immer noch wegen der einzigartigen Licht- und Schattenkreation. Unter anderem machten es sich die Illustratoren zur Aufgabe reflektierende und nicht reflektierende Elemente direkt in die Cels einzufügen, um die einzigartige Lichtgebung von Ghost In The Shell zu erreichen. Ein absolutes Highlight ist natürlich die thermooptische Tarnung des Majors, was nur mit aufwendiger Computertechnik zu erreichen war. Nicht zuletzt enthält Ghost In The Shell auch eine Fülle an CGI-Effekten, mit denen der Film nach dem DGA-Prozess vervollständigt wurde. Als großer zeichnerische Höhepunkt kann der finale Kampf mit dem Spinnenpanzer gewertet werden, für den Chefzeichner TOSHIHIKO NISHIBUKU und sein Team eigens in eine Waffenfabrik nach Guam geschickt wurde, um die reelle Physik eines Feuergefechtes zu studieren.
Ghost In The Shell 27Im Jahr 2008 kam Ghost In The Shell nochmals als remasterte Version namens 2.0 in die japanischen Kinos, wurde aber auch rasch ins Ausland exportiert. Und wir haben schon ärgerlicher Weise feststellen müssen, dass dort einige Szenen fehlen. Leider sind die neuen Computereffekte auch nicht gerade schön anzusehen, denn aus den 2D-Effekten wurden nun völlig unpassende 3D-Effekte, die sich extrem negativ vom DGA-Stils des Hintergrunds abheben. Stattdessen ist Makoto Kusanagi in einigen Szenen nun noch etwas nackter und auch etwas länger im Bild. Die Qualität dieser Animationen orientiert sich leider auch ziemlich arg an einem zweitklassigen 3D-Hentai und verschlimmern so nur den miesen Gesamteindruck. Aber schlimmer geht bekanntlich immer und deswegen gibt es bei Ghost In The Shell 2.0 nun auch einen neuen Farbfilter und einen nagelneuen Weichzeichner. Das bewusst sterile Computer-Grün wurde durch einen orange-gelben Farbton ersetzt, der sich wie eine Staubwand auf den Film legt, und der Weichzeichner lässt schön brav einige Details verschwinden, die in der Kinofassung noch zu sehen waren. Nope, Production I.G. und MAMORU OSHII haben sich mit der neuen Version definitiv keinen Gefallen getan! Zum Glück findet man bei heutigen Blu Ray Boxen aber entweder eine Box, die gleich beide Version von Ghost In The Shell enthält, oder aber auch nur die Kinofassung, die immer noch das Non-Plus-Ultra bleibt.


Fazit: Mit einer ungewöhnlichen Produktion, kühler Präzision und einem fabelhaften Soundtrack haben MAMOUR OSHII und KAZUNORI ITÔ ein selten atmosphärisches Meisterwerk geschaffen, dass den hohen Kultstatus völlig zurecht genießt. MAMORU OSHII ging mit Ghost In The Shell völlig neue Wege und entwirft auf dem Fundament des gleichnamigen Manga von MASAMUNE SHIROW ein beängstigendes und unglaublich detailreiches Zukunftsszenario, was mit allerhand Philosophie angereichert worden ist. Die Macher der Animes gehen dabei der Frage auf den Grund, wie Leben an sich definiert werden muss und welchen Einflüssen es in unserer immer stärker vernetzten Welt unterworfen ist – und das kann eben auch äußerst negative Auswirkung mit sich bringen, wie die emotionale Verkrüppelung und das Ghost-Hacking warnend demonstrieren.
Ghost In The Shell 25Eine medizinische Sonderausstellung des Deutschen Museums im Jahr 2010, was nun aber auch schon sieben Jahre her ist (!), erwies sich als überdeutlich . . . Künstliche Gliedmaßen können bereits durch das Gehirn gesteuert werden. Die Brille, die es dem blinden Geordi LaForge aus Star Trek – The Next Generation ermöglicht zu sehen, existiert in ihrer Grundversion bereits! Und die Tarnvorrichtung mit Lichtbrechung, zwar ähnlicher des Predator anstatt des Majors, befindet sich in der Test-Phase. Außerdem gibt bereits Programme, die sich selbstständig verbessern, überschreiben, neu zusammenfügen und verbinden, um ein neues Programm zu erschaffen – genauso, wie der Puppetmaster!!! Angesichts dieser Entwicklung kann man nur noch gleichermaßen erschrocken und fasziniert realisieren, wie nahe wir bereits an MASAMUNE SHIROWs Visionen dran sind. Die Entwicklung mag vielleicht nicht lange so schnell stattfinden, wie es im Manga und dem Anime der Fall ist, doch wir können die Wegweiser schon jetzt überdeutlich erkennen – und genau deswegen sollten wir die Warnung von Ghost In The Shell sehr ernst nehmen!
Dass heißt, jetzt erst – nach über 20 Jahren – erkennen wir, wie visionär dieser Anime wirklich ist und dass wir dieser verlogenen Scheinwelt wieder ein Stückchen näher gekommen sind. Darum wird Ghost In The Shell mit jedem Jahr zwar noch besser, aber gleichzeitg auch immer realistischer und bedrohlicher. Wir vergeben hier selbstverständlich 10 von 10 Punkten für die Kinofassung und maximal 6 von 10 Punkten für die remasterte Version aus dem Jahr 2008.