Krampus

Krampus - Poster 03Regie: MICHAEL DOUGHERTY
Drehbuch: MICHAEL DOUGHERTY
Medium: Kino
Spielzeit: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 3. Dezember 2015

 

„Der heilige Nikolaus kommt in diesem Jahr nicht. An seiner Stelle kommt ein viel älteres, bösartigeres Wesen. Sein Name ist Krampus. Er und seine Helfer kommen nicht um zu geben, sondern um zu nehmen.“

 

So, meine lieben DGF-Leser. Die ganze Welt spricht derzeit natürlich über Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht – und der Streifen wird von uns noch selbstverständlich auch noch besprochen – aber es ist nun einmal Weihnachten und an dieser Stelle folgt nun natürlich eine passende Kritik zu einem echten Weihnachtsfilm. Einem echt fiesen Weihnachtsfilm natürlich!
 
Die Rede ist von Krampus, der eine Mischung aus Horrorfilm, Gruselmärchen, schwarzer Komödie und Weihnachtsfilm ist und sich bereits als echter Kinohit bewiesen hat. Dabei dürfen sich wir Deutsche bzw. die Alpenbewohner von Bayern, Österreicher und Südtirol ruhig geehrt fühlen, denn der Krampus ist eigentlich ein rein deutscher Mythos, wobei der Routen-schwingende Unhold als Gegenspieler zum Nikolaus funktioniert und böse Kinder bestraft.
Krampus 05Umgesetzt hat den Mythos kein Anderer als MICHAEL DOUGHERTY, der selbst eine ungewöhnliche Karriere hinter sich hat. Der Amerikaner begann seine Laufbahn als Autor von X Men 2 und Superman Returns, wofür er sich viel Schelte gefallen lassen musste. Nur kurze Zeit später schrieb und inszenierte er jedoch mit Trick 'R Treat sein Regiedebüt, was aber aufgrund mangelnder Reputationen zunächst auch von sämtlichen Verleihern fallen gelassen wurde, sich aber zwei Jahre später als richtiger fetter Kulthit im DTV-Sektor beweisen konnte. Diesen Erfolg nutzte MICHAEL DOUGHERTY nun ordentlich aus, um für Krampus ein höheres Budget herauszuholen. Die Hauptrollen in Krampus spielen ADAM SCOTT (Parks And Recreation, Black Mass), TONI COLLETTE (The Sixths Sense), Kinderdarsteller EMJAY ANTHONY, DAVID KOECHNER (Anchorman, Cheap Thrills) und Newcomerin ALLISON TOLMAN (Fargo). In den Nebenrollen sind unter anderem CHONCHATA FERRELL (Two And A Half Man), STEFANIA LAVIE OWEN (The Carrie Diaries) und die Österreicherin KRISTA STADLER zu sehen. Seit dem 3. Dezember 2015 ist Krampus in den internationalen Kinos zu sehen und wir berichten euch jetzt, warum das Horrormärchen nicht nur dieses Weihnachten einen vollauf gelungenen Abend verspricht.
 
Krampus 15Es ist Weihnachten und jedes Kind freut sich auf die Geschenke - bis auf Max Engel! Seine Mutter Sarah hat die komplette Verwandtschaft eingeladen, die eigentlich Keiner von ihnen ausstehen kann. Darum kippt sein Vater schon früh am Nachmittag Whiskey in den Tee und seine Schwester Beth sucht das Weite, während Sarah ständig am Rande des Nervenzusammenbruches steht. Seine deutschstämmige Oma versteht ihn, doch nicht mal ihre Plätzchen können an Heiligabend den Frieden bewahren, als Sarahs Schwester Linda mit ihrem großkotzigen Ehemann Howard und ihren verzogenen Krüppeln eintrifft. Es kommt, wie es kommen muss: noch während des Abendessens kommt es zu einem riesigen Streit, bei dem Max natürlich im Mittelpunkt steht, obwohl seine Cousinen sich selbst wie Arsch und Friedrich benommen haben. Er landet in seinem Zimmer und fühlt sich zu Recht so sehr verraten, dass er den gut gemeinten Brief an den Weihnachtsmann zerreißt und aus dem Fenster wirft. Doch dadurch hat Max unversehens den Krampus auf seine Spur gelockt. Der Krampus ist ein uraltes Wesen, was böse Menschen, die nicht an Weihnachten glauben wollen, auf schrecklich-bösartige Weise bestraft. Dummerweise ist er dabei mit Max und seiner Familie genau richtig und er vergeudet keine Zeit, ihnen allen das Fürchten zu lehren!

Krampus - Banner 01

Mit Krampus macht MICHAEL DOUGHERTY genau da weiter, wo er mit Trick `R Treat aufgehört hat. . . . Mit einem alten Mythos, fiesem Humor, gruseliger Atmosphäre und subtiler Moral, die uns sehr spannend und ungeheuer unterhaltsam präsentiert werden. Mit anderen Worten: so hat der Krampus eigentlich recht viel mit DOUGHERTYs Vorgänger gemein. Doch wo der Filmemacher bei seinem Halloween-Film seinen Genremix noch bunt durchmischen konnte, weil es sich um einen Episodenfilm handelt, da ist seine weihnachtliche Gruselmär recht linear und deswegen auch in mehrere Kapitel unterteilt.

 

Krampus 03So beginnt Krampus natürlich als ziemlich üble Gesellschaftssatire, die den ganzen Weihnachtsrummel ordentlich auf`s Korn nimmt. Alleine schon die Eröffnungsszene ist herrlich zynisch, wenn alle möglichen Menschen einen Supermarkt stürmen und eine wüste Massenschlägerei um die reduzierten Angebote losbricht, während „It's the Most Wonderful Time Of The Year" von ANDY WILLIAMS aus den Boxen läuft. Die Bilder, vollkommen in Zeitlupe, sind so herrlich selbsterklärend einfangen und kommen derart boshaft rüber, dass eigentlich jetzt schon klar ist, dass man sich einen hervorragend fiesen Film ansieht. Wie fies und wie gründlich MICHAEL DOUGHERTY arbeitet, merkt man jedoch erst in den anschließenden 20 Minuten, wenn mit einem ganz exakten Auge sämtliche Klischeetypen erfasst werden. Da ist die Mutter, die in ihrem Harmonie-Wahn ein krampfhaft perfektes Weihnachten „für die ganze Familie“ erschaffen will. Der Vater, dem das ganze Getue einfach nur tierisch auf den Sack geht und sich deswegen schon heimlich mit Alkohol betäubt. Der Sohn, der immer noch an den Weihnachtsmann glaubt und doch eine Enttäuschung nach der Anderen erlebt, sowie die Tochter, die weit mehr ihre heimliche Liebe im Sinn hat. Dann die Tante, die sich nicht zwischen ihrem Proletenmann und ihrer Schwester entscheiden kann, ihre ebenso bulligen wie grobschlächtigen Töchter, die man leicht mit zwei Kerlen verwechseln könnte, und ein nerviges Baby. Zu guter Letzt darf aber auch die Großtante nicht fehlen, die ihre Umgebung mit Sarkasmus und ihrer Sucht nach Alkohol mächtig auf die Nerven geht.


Krampus 12Wie diese Charaktere nun miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen, ist zwar leicht übertrieben, aber dennoch dermaßen authentisch, dass es wohl kaum einen Menschen gibt, der so eine Situation nicht schon in einer ähnlichen Art und Weise erlebt hat. Und genau deswegen kann man sich als Zuschauer locker auf Ausgangslage von Krampus einlassen und sich an den bösartigen Witzen und sarkastischen Sprüchen erfreuen, die ihr fast schon im Minutentakt für ein zynisches Grinsen sorgen. Aber nichts desto Trotz handelt es sich bei Krampus um einen Horrorfilm, der seine gruselige Atmosphäre nach circa 20 bis 25 Minuten voll entfaltet – und das schon verdächtig schnell! Tatsächlich kommt der Bruch zum zweiten Kapitel schon in rasanter Geschwindigkeit, denn sobald Max den Brief zerrissen hat, legt sich schon tiefer Schnee über das Viertel, der Strom fällt aus und die Kommunikation wird gekappt. Und ehe man sich versieht, wird die Familie Engel bereits vom Krampus bedrängt, der sich einen Spaß daraus macht, seiner Opfer zunächst mit subtilen, später mit aggressiven Mitteln zu terrorisieren. Beispielsweise  mit unheimlichen Schneemännern, die immer näher ans Haus heranrücken, oder mit einer ganzen Horde verbissener Lebkuchenmännchen, die den Engels ganz schön zusetzen. Dabei kann DOUGHERTY jedoch abermals nicht die Finger von mehreren Subgenres lassen. Wie in einem klassischen Terrorfilm muss sich die Familie hier im Haus verbarrikadieren und wird zu Opfern im eigenen Heim. Wie bei einem Monsterfilm machen hier diverse Ungeheuer und Helferlein des Krampus Jagd auf die Menschen, doch wie bei einem Slasher holt sich der Krampus einen nach dem anderen.


Krampus 01Durch diese Vorgehensweise ist es MICHAEL DOUGHERTY auch möglich, etliche Easter Eggs in seinem Gruselfilm unterzubringen, denn Krampus steckt tatsächlich voller Reminiszenzen an zahllose andere Horrorklassiker. Darunter Halloween, Beetlejuice, Chucky, Armee der Finsternis und Gremlins, der auch an Weihnachten spielt. Seine märchenhafte Atmosphäre legt Krampus jedoch in keiner Sekunde ab und gibt sich viel Mühe, die Szenerie als gruselig darzustellen, ohne jedoch zu sehr in blanken Terror zu verfallen. Die Situation ist für die Familie Engel ernst, aber auch irgendwie surreal. Die Monster sind fies und gefährlich, aber nicht übermäßig brutal oder gar mörderisch. De facto werden hier keine Menschen umgebracht – wie es in vielen klassischen Märchen nicht der Fall ist – sondern sie werden an einen unbekannten Ort entführt, wie es in dem alpinen Mythos überliefert ist. Überhaupt hält sich MICHAEL DOUGHERTY sehr eng an die deutsche Vorlage und stellt den Krampus ganz genau so dar, wie er auf klassischen Stichen und Illustrationen zu sehen ist. Und nicht zuletzt hat man ja auch mit Oma Engel einen wirklichen deutschen Charakter in der Gruselmär, der dem Zuschauer so Einiges über den Krampus berichten kann. Untermalt werden diese Szenen mit einer wunderbar bizarr-düsteren Stop-Motion-Sequenz, womit endgültig klar ist, dass DOUGHERTY auch jüngere Zuschauern einen guten Film bieten wollte, der auch Erwachsene unterhalten kann.

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Krampus 14Freigegeben ist Krampus jedoch mit einer heillos übertriebenen FSK 16, was man von allen Blinkwinkel einfach nur als lächerlich betrachten kann! Blut fließt den ganzen Film hindurch so gut wie gar nicht, Schimpfwörter gibt es kaum zu hören und die Gewaltszenen kann man an einer Hand abzählen. De Facto gibt es nur eine einzige blutige Szene, die sich auf eine Bisswunde bezieht. Und nicht einmal diese wird explizit gezeigt, weil sie unter einem Berg von Schnee stattfindet. Bleibt also nur noch der hohe Gruselfaktor, der aber mit allerhand fiesem Humor und grauenhaften Monstern angereichert ist. Durch diese Gefahr wiederum lenkt MICHAEL DOUGHERTY jedoch die Aufmerksamkeit geschickt wieder auf den eigentlichen Geist von Weihnachten: nämlich der Besinnlichkeit, dem Zusammenhalt in der Familie und andere Menschen zu akzeptieren, so wie sie sind. Auf diese Weise enthält Krampus also auch den nötigen Schuss Weisheit und vermittelt besonders für ein junges Publikum eine wichtige Botschaft, die auf diese Weise erstens unterhaltsam und zweitens einprägsam vermittelt wird. Ironischer Weise hat das auch die FSK erkannt, verweigerte dem Film aber trotzdem eine Freigabe ab 12 Jahren, die in meinen Augen korrekt gewesen wäre; wie die wesentlich passendere PG13 in den USA. Schließlich wurde der wesentlich brutalere, blutigere MacBeth erst mit einer FSK 12 freigegeben, was darauf schließen lässt, dass die Freiwillige Selbstkontrolle nach einigen Jahren Menschenverstand, den Selbigen schon wieder aufgegeben hat.

 

Krampus 08Um Kosten zu sparen, wurde Krampus vollständig in Neuseeland gedreht. Genauer gesagt: in den Stone Street Studios von Wellington, was man im Film aber kaum bemerkt. Schließlich sind die Kulissen äußerst detailreich und sehr vielseitig ausgefallen. So dass man kaum die Illusion verliert sich irgendwo in den Vereinten Staaten zu befinden. Nur der Kunstschnee ist in einigen Szenen recht deutlich zu erkennen, was man aber verschmerzen kann, da sich Krampus zu geschätzten 80% im Haus der Engels abspielt, was immer mehr zur Falle des Krampus und seinen Lakaien wird. Die Gefolgschaft des Krampus besteht aus einigen Monstern, die Spielzeugen nachempfunden sind, aber auch einigen fiesen Wichteln, die vollständig ihren realen Vorbildern aus Bayern nachempfunden sind. So sehr, als ob sich MICHAEL DOUGHERTY die hiesigen Krampus-Läufe schon sehr genau angesehen und beschlossen die kleinen Schläger auch in seinem Film zu verwenden. Die kleinen Helferlein vom Krampus sind so originell wie unterschiedlich, wurden aber auch auf verschiedene Weise zum Leben erweckt. Die kleinen Lebkuchenmännchen wurden vollständig mit dem Computer realisiert, weil derart kleine Puppen wohl zu aufwendig waren. Anders bei dem Monster-Teddy, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Critters aufweist, dem Clownwurm oder der Terror-Taube, die vollständig durch animatronische Effekte zu Stande kamen. Der Krampus selbst ist ebenso fast vollständig mit klassischen Tricks zum Leben erweckt worden und ist so gruselig wie märchenhaft in Szene gesetzt. Und das ist auch wichtig, denn auf diese Weise hebt sich Krampus auch optisch wohltuend von dem billigen PC-Mist ab, den man sonst in vergleichbaren Horrorfilmen zu sehen bekommt. Überhaupt merkt bei Krampus sehr deutlich den hohen Produktionsstandard von detailreichen Kulissen bis hin zu den digitalen Kameras, die ein sehr deutliches, kontrastreiches Bild liefern.

 

Krampus 04Krampus ist also atmosphärisch und optisch schon sehr gut gelungen, doch MICHAEL DOUGHERTY hatte auch mit seiner Besetzung ein hervorragendes Händchen. Im Mittelpunkt von Krampus steht EMJAY ANTHONY, der Max Engel schon von Beginn an genervt und enttäuscht verkörpert, aber noch die Restillusion besitzt, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Eskortiert wird der Knabe dabei von einer dauergestressten und ständig labilen TONI COLLETTE, die als Mutter Sarah das perfekte Weihnachten mit aller Gewalt herbeizaubern will, und auf der anderen Seite von einem ebenso genervten, aber weitaus zynischerem ADAM SCOTT als Vater Thomas, der sich die ganze Zeit fragt, warum man denn den ganzen Blödsinn immer noch mitmacht. ALLISON TOLMAN, mit Fargo ja zum Shooting-Star avanciert, bleibt hier in Krampus etwas benachteiligt, da sie als Sarahs Schwester Linda nur zwischen den Engels und ihrem großkotzigen Ehemann Howard alias DAVID KOECHNER vermitteln muss, der sichtlich Spaß daran hat seine Umwelt – aber ganz besonders Sarah – mit sarkastischen Kommentaren zu aufwendigen Gerichten zu quälen, die er erstens kaum zu würdigen weiß und viel lieber seine grundamerikanischen Tugenden wie Waffenwahn, Bierkonsum und American Football im Sinn hat. Die heimlichen Stars in Krampus sind an dieser Stelle CHONCHATA FERRELL und die Österreicherin KRISTA STADLER, die hier in ihrem ersten US-Film als Oma Engel zu sehen ist, die schweigsam, aber liebevoll Plätzchen bäckt und den kleinen Max bei Laune hält. Er ist ohnehin der Einzige, der ihren schweren Alpendialekt versteht. Doch selbst er weiß nicht, dass seine Oma eine eigene, düstere Vergangenheit hat, mit der STADLER auch eine entscheidende Schlüsselrolle in Krampus spielt. Diese besitzt zwar CHONCHATA FERRELL nicht, aber dafür bringt sie mit einer ordentlichen Portion alkoholgetränkten Humor mit, der auch in den finstersten Szenen von Krampus für herbe Lacher sorgen kann.

 

Fazit: Nach Trick `R Treat kann Filmemacher MICHAEL DOUGHERTY nun mit Krampus schon zum zweiten Mal beweisen, dass er ein hervorragender Genre-Regisseur mit Sinn für Atmosphäre, Suspense und fiesem Humor ist. Sein Weihnachts-Horrorfilm ist nämlich eine ebenso sarkastische Satire auf den ganzen Christmas-Trouble, wie ein fantastisches Gruselmärchen für die ganze Familie, wobei die moralische Botschaft dem Zuschauer in keinster Weise aufgedrängt wird. Stattdessen erleben wir eine unheimliche Geschichte mit märchenhafter Erzählweise, starker Besetzung und hervorragenden Special Effects, die dem alten alpinen Mythos neues, bedrohliches Leben einhauchen.
Wir vergeben äußerst starke 9 Punkte für den Krampus und würden uns schon sehr wundern, wenn der Weihnachtsunhold nicht schon bald ebenso Kult werden wird, wie der kleine Sam aus Trick `R Treat.