Mad Max: Fury Road

Mad Max Fury - Poster 03Regie: GEORGE MILLER
Drehbuch: GEORGE MILLER, BRANDON McCARTHY und NICK LATHOURIS
Medium: Kino
Spielzeit: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 14. Mai 2015

 

„Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch, der vor den Lebenden und den Toten davon läuft. Umgeben von Räubern, Kannibalen und Mördern. Mein Name ist Max. Meine Welt ist reduziert auf einen einzigen Instinkt: Überleben!"

 

Max Rockatansky . . . eigentlich kein sonderlich attraktiver Name für einen Helden und doch ging Max unter diversen Spitznamen in die Kinogeschichte ein: der Vollstrecker, der Straßenkrieger oder einfach nur Mad Max!
Mad Max Fury - Promo 01GEORGE MILLER (Todesstille, Lorenzos Öl, Die Hexen von Eastwick) schuf den „irren" Actionhelden im Jahr 1979 und gelang damit gleich mit seinem Debüt ein Kultfilm, der bislang drei Mal fortgesetzt wurde. 1981 mit Mad Max II – Der Vollstrecker und 1985 mit Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel, der bis heute als der beste Teil der Reihe gilt und Hauptdarsteller MEL GIBSON (Braveheart, Lethal Weapon, The Expendables 3) engültig zu einem internationalen Star machte. Seit dieser Zeit aber warteten die Fans des grimmigen Einzelgängers auf einen weiteren Film, der trotz diverser Ankündigungen immer wieder verschoben werden musste, zeitweise auf der Kippe stand und auch noch den Verlust des Hauptdarstellers verkraften musste. Doch GEORGE MILLER gab in all diesen Jahren nicht auf und schaffte es trotz widriger Umstände endlich den vierten Teil der Actionreihe zu inszenieren, der als Mad Max: Fury Road nun endlich in unseren Kinos angelaufen ist. Weil die Produktion von Mad Max: Fury Road eine derart schwierige Geburt war, ist die Entstehungsgeschichte des Films in diesem Spoiler nachzulesen.

 

SPOILER:

Mad Max Fury 02Laut der Aussage von GEORGE MILLER reicht die Geschichte von Mad Max: Fury Road zurück bis ins Jahr 1998, als dem Australier einige Ideen für einen vierten Teil der Mad Max Reihe ins Gedächtnis kamen. Unter anderem der Grundgedanke des Actionfilms, dass die neueste Wüstenschlacht sich nicht um Güter wie Benzin oder Wasser, sondern direkt um Menschenleben drehen sollte. Im folgenden Jahr begann MILLER auch gleich mit der Ausführung der Storyboards und eines Drehbuches sowie der Finanzierung, die im Jahr 2000 bereits so gut wie sichergestellt war. De facto war das Projekt schon damals vollständig unter Dach und Fach, Drehorte festgelegt und MEL GIBSON natürlich auch wieder in seine Paraderolle vorgesehen. Doch dann kam es am 11. September 2001 zur Katastrophe. Der Terroranschlag auf das Pentagon, das Weiße Haus und die Twin Towers in New York erschütterten die ganze Welt, Millionen von Menschen waren geschockt und befanden sich in tiefer Trauer. Die wirtschaftlichen Konsequenzen waren immens und davon betroffen war auch die Filmindustrie. Der direkte Impakt ging dabei nicht von dem Terroranschlag selbst aus, sondern von den daraus resultierenden Kursschwankungen des Dollars, denn Mad Max IV war schon damals als australisch-amerikanische Koproduktion vorgesehen. In Folge dessen wuchs das Budget des Actionfilms dermaßen krass an, dass die Studios und auch GEORGE MILLER keinen Gedanken mehr daran verschwenden wollten. Von der weltweiten Stimmung ganz zu schweigen.
Mad Max Fury 16GEORGE MILLER verließ sich darum auf seinen Instinkt und trieb darum die Arbeiten an seinem Animationsfilm Happy Feet voran. Das Projekt war im Rahmen des Animationsfilms ein sehr großes und umfangreiches Projekt, weshalb Happy Feet die volle Aufmerksamkeit MILLERs in Anspruch nahm. Doch seinen Wüstenkrieger hatte der Australier nicht vergessen und als es 2002 zu Verzögerungen mit dem 100 Millionen teuren Animationsfilm kam, die sich wegen der Rechenleistung der speziellen Animationstechnik nicht vermeiden ließen, sah GEORGE MILLER seine Chance gekommen. Schließlich war das Drehbuch fertig, das Studio Warner Bros. war nun auch gewillt und die Vorproduktion konnte abermals anrollen. MEL GIBSON war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch an Mad Max IV beteiligt und die Dreharbeiten sollten eigentlich im Mai 2003 beginnen. Doch schon wieder machte der Terror GEORGE MILLER einen Strich durch die Rechnung. Nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika die Taliban aus Afghanistan vertrieben hatten, erklärten die USA am 20. März 2003 auch dem Irak den Krieg und begannen noch am gleichen Tag mit der Invasion. Der Krieg gegen die Taliban war vorhersehbar und richtig, doch mit der Offensive gegen den Irak überwarfen sich die USA mit den meisten ihrer Verbündeten. Es kam zu Sanktionen, Flugsperren, Einreiseverboten und abermals schwachen Dollarzeichen. Deswegen war der Dreh von Mad Max IV aber noch nicht geplatzt und MILLER verfolgte fest sein Ziel. Letztendlich zogen aber Warner Bros. den Stecker, weil sie befürchteten der harte Actionfilm würde im damaligen politischen Klima nicht besonders gut ankommen. Schließlich regte sich weltweit und auch in den USA großer Widerstand gegen den Irakkrieg.
Mad Max Fury 20Nachdem die Produktion von Mad Max IV effektiv gestoppt und abgebrochen war, verließ auch Hauptdarsteller MEL GIBSON das Projekt, um sich seiner eigenen Regie-Karriere zu widmen. GIBSON hatte der Figur des verrückten Max zwar viel zu verdanken, verfolgte aber schon im Jahr 2001 diverse Pläne wieder selbst einen Film zu inszenieren, was er auch umgehend in Angriff nahm. Genauer gesagt den biblischen Splatterfilm Die Passion Christi, der 2004 zu einem richtig großen internationalen Hit wurde. Auch GEORGE MILLER hatte nun erst einmal die Schnauze voll und konzentrierte sich in den folgenden Jahren wieder verstärkt auf Happy Feet, der im Jahr 2006 endlich erscheinen konnte. Doch bis dahin hatte sich die sogenannten „Produktionshölle" von Mad Max IV schon in den Gazetten herumgesprochen und natürlich wurde GEORGE MILLER bei verschiedenen Presseterminen nach dem aktuellen Stand gefragt, der damals dementsprechend finster aussah. Dabei kam im November 2006 heraus, dass der Film damals schon den Titel Fury Road tragen sollte, aber MILLER absolut kein Interesse mehr daran hätte einen weiteren Teil zu drehen. Schuld daran sei das Drehbuch, was durch den Verlust von MEL GIBSON quasi wertlos geworden sei. Immerhin kam MILLER damals auch erstmals auf die Idee, Mad Max ohne GIBSON fortzusetzen. Cineasten und Fans auf der ganzen Welt zeigten sich enttäuscht, doch auch verständlich. Aber die ganze Welt achtete zu diesem Zeitpunkt ohnehin viel mehr auf Happy Feet, der sich mit knapp 350 Millionen Dollar Einspielergebnis nicht nur als fetter Kinohit, sondern auch großer Kritikerhit herausstellte, der mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurde. Darunter auch den Oscar für den besten Animationsfilm. MILLER war darum so zufrieden, dass sich sein Engagement für diese Produktion derart ausgezahlt hatte, dass er umgehend mit den Arbeiten an dem Sequel Happy Feet 2 begann.


Mad Max Fury 01Von der Öffentlichkeit aber fast unbemerkt, arbeitete MILLER klammheimlich an Mad Max IV weiter, indem er sich BRANDON McCARTHY und NICK LATHOURIS als Ko-Autoren hinzu zog. LATHOURIS ist ein alter Weggefährte und Freund GEORGE MILLERs und spielte außerdem 1979 im ersten Mad Max den Fiesling Grease Rat. Wesentlich interessanter ist an dieser Stelle BRANDON McCARTHY, der als britischer Comic-Autor besonders für Judge Dredd bekannt ist und augenscheinlich wenig mit Mad Max zu tun hat. Bis auf die Tatsache, dass McCARTHY Mitte der 1980er dermaßen beeindruckt von Mad Max II – Der Vollstrecker war, dass er den Comic Freakwave zeichnete, der auch GEORGE MILLER im Gedächtnis blieb, und in Folge dessen ein hervorragendes Gespür für den Stoff besitzt. Während MILLER also fleißig an Happy Feet 2 arbeitete, skizzierte LATHOURIS die Story für einen neuen Hauptdarsteller und McCARTHY entwarf zahlreiche neue Charaktere und Fahrzeuge für den geplanten Film. Nachdem einige Monate ins Land gegangen waren, fand auch MILLER, dass es Zeit wäre, sich seinem Projekt wieder anzunähern und bekundete öffentlich sein wiedererlangtes Interesse an Mad Max: Fury Road. Noch im Jahr 2008 ging dieses Projekt in die Vorproduktion, obwohl MILLER damals noch schwer mit den Arbeiten an Happy Feet 2 beschäftigt war. Wahrscheinlich deshalb kam der Filmemacher auf die Idee auch Fury Road als Animationsfilm zu realisieren, was auf den zweiten Blick gar nicht so verkehrt wirkt. Auf diese Weise würde sich nämlich ein Film ohne MEL GIBSON realisieren lassen, ebenso mit einem niedrigeren Budget, aber dennoch mit hartem R-Rating. MILLER war sogar dermaßen enthusiastisch, dass er von einer „Renaissance der Franchise" sprach, verglich die Größe des Projektes gar mit dem Anime-Klassiker Akira und unternahm noch weitere Anstrengungen das Projekt zu fördern.
Mad Max Fury 03GEORGE MILLER war nämlich so sehr von dem Vorhaben überzeugt überzeugt, dass er im Jahr 2008 mit seinem Partner DOUG MITCHELL sogar ein eigenes Animationsstudio gründete, mit dem Fury Road realisiert werden sollte; neben den Arbeiten an Happy Feet 2. Doch zwei Animationsfilme gleichzeitig auf die Beine zu stellen – an Genre, Publikum und Anspruch auch noch total unterschiedlich – erwies als zu gewaltige Aufgabe, weshalb GEORGE MILLER beschloss sich Hilfe zu holen. Über Umwege kam MILLER darum mit der Videospielbranche in Kontakt und stieß dort auf die Avalanche Studios in Schweden, die schon einige Male mit Warner Bros. zusammengearbeitet hatten. Avalanche boten nicht nur ihre Hilfe an, sondern kamen auch auf die Idee ein Videospiel zum Kinofilm zu produzieren. Beide Projekte sollten damals gleichzeitig entwickelt werden, gleichzeitig promoted werden und natürlich auch gleichzeitig erscheinen. Es versteht sich dabei von selbst, dass Kinofilm und Videospiel aufeinander aufbauen sollten, wie es heutzutage des Öfteren der Fall ist. MILLER zeigte sich einverstanden und begann nun mit der Unterstützung von Avalanche gleichzeitig an einem Kinofilm und einem Videospiel zu arbeiten, jedoch mit der Priorität auf den Film. Doch für das Videospiel wollte der Perfektionist einen ebenso starken Regisseur mit an Bord haben und seine Wahl fiel auf CORY BARLOG. Einem Designer und Regisseur, der maßgeblich für die unsterbliche God Of War Reihe bekannt ist, dessen (Anti-)Held Kratos recht viel mit Max Rockatansky gemeinsam hat. Beide verloren ihre Familien, beide nahmen grausame Rache und beide suchten anschließend immer nach ihrem Platz an ihren Welt. Die Parallelen waren/sind unmissverständlich da und deswegen war es Avalanche auch möglich, BARLOG den Santa Monica Studios abzuwerben.


Mad Max Fury 33Das klang also nach einem soliden Plan und tatsächlich schien es damals so, als würde der Wüstenkrieger endlich auf der richtigen Straße fahren. Doch es sollte nicht so problemlos ablaufen, wie sich das Studio und MILLER erhofft hatten. Nachdem die Fury Road nämlich fast in die gesamte Vorproduktion durchlaufen hatte, kamen GEORGE MILLER doch noch arge Zweifel an seinem Vorhaben. Er überlegte, dass sich das Publikum nur schwer mit einer animierten Version anfreunden konnte, die als Actionfigur fest in der modernen Popkultur verankert ist. Im Mai 2009 rückte der Filmemacher letztendlich ganz von seinem Animationsvorhaben ab und wollte stattdessen wieder einen ganz klassischen Actionfilm drehen; mit echten Schauspielern und echten Stunts. Einzig das 3D wollte MILLER behalten, weil er von der Technologie überzeugt war. Dass sich die Produktion von Mad Max: Fury Road nun jedoch abermals um zwei oder vielleicht drei Jahre verzögern wurde, war Allen klar. Die Frage war nur, ob Warner Bros. sich nun erneut auf einen Realfilm einlassen wollte, den sie Jahre zuvor hatten fallen lassen. Doch letztendlich überzeugte sie die Tatsache, dass ein echter Mad Max auch attraktiver auf ein Publikum wirken konnte. Warner Bros. gaben also ihren Segen und auch mit der Entwicklung des Videospiels gab es keine Probleme, da das Konzept an sich erhalten blieb. Insgeheim kam es Avalanche sogar gelegen, denn nun verlagerte man die Entwicklung des Mad Max Videospiels von der damaligen Konsolengeneration gleich auf die nächste Generation. Dabei besteht allerdings die Möglichkeit, dass das Spiel und der Kinofilm nur noch lose aufeinander aufbauen werden.
Mad Max Fury 26Nach diesem mehr oder weniger unproblematischen Wechsel vom Animationsfilm zu einem ausgewachsenen Actionstreifen begann GEORGE MILLER auch sofort seine Visionen in die Tat umzusetzen. Die Storyboards wurden noch einmal angepasst, das Skript von MILLER noch einmal überarbeitet, nach Drehorten gesucht, die Realisierung vorbereitet und der Cast zusammengestellt. In der Presse und unter Fans wurde heiß hin und her diskutiert, wer denn nun die Titelrolle spielen sollte. Letzten Endes entschied sich GEORGE MILLER für TOM HARDY (Kind 44, No Turning Back, Star Trek Nemesis), einem damals noch mehr oder weniger unbekannten Darsteller, der sich aber sowohl in Action- als auch Charakterrollen bewiesen hatte. Letztendlich hatte HARDY auch mit Inception und vor allem The Dark Knight Rises seinen großen Durchbruch, obwohl die Dreharbeiten zu dem Batman-Film erst nach Mad Max: Fury Road beginnen sollten. Ein ähnliches Phänomen zieht sich übrigens durch die gesamte Besetzung, denn NICHOLAS HOULT (Jack The Giant Killer, Warm Bodies, Autobahn (AT)) sollte ebenfalls erst später bekannt werden, genauso wie das Model ROSIE HUNTINGTON-WHITELEY (Transformers 3) und ANGUS SAMPSON (100 Bloody Acres, Insidious, Kokoda), der aber fairerweise damals schon 2010 ein bekannter Star in Australien war. Nur Oscar-Preisträgerin CHARLIZE THERON (Prometheus, Monster, Dark Places) war zum Zeitpunkt des angesetzten Drehs ein angesehener und hochgeachteter Star.


Mad Max Fury 12Die australische Presse und Fans auf der ganzen Welt zeigten sich hoch erfreut, dass nun endlich die Dreharbeiten beginnen konnten, und selbst GEORGE MILLER schwang in die Eurphorie mit ein. So verriet er Anfang 2011 in einem Interview, dass er nicht nur einen, sondern gleich zwei Filme hintereinander drehen wollte. Zunächst Mad Max: Fury Road und gleich im Anschluss Mad Max: Furiosa. Apropos Dreharbeiten . . . Natürlich waren die Schwierigkeiten von Mad Max: Fury Road an dieser Stelle immer noch nicht zu Ende. Anders als in den zwei Anläufen zuvor, war es nun nicht der Terror durch die Taliban, sondern Mutter Natur, die die Dreharbeiten verhinderte. Geplant war ein Drehstart im Frühjahr 2011 in New South Wales im Südosten Australiens. Doch just in diesem Moment wurde ausgerechnet genau der Drehort Broken Hill wider allen Erwartungen von heftigen Regenschauern heimgesucht. Nicht nur, dass das Set plötzlich in tiefem Matsch stand, die Regenschauer verwandelten die sonst so trostlose und heiße Wüste in einen Ort des blühenden Lebens und damit das genau Gegenteil eines Ödlandes. GEORGE MILLER und Warner Bros. wollten sich aber nicht ein drittes Mal geschlagen geben und suchten darum auf der ganzen Welt nach Alternativen. Letztendlich fand man in Namibia im Südwesten Afrikas eine geeignete Wüstenlandschaft, weshalb der gesamte Tross im November 2011 nach Afrika verlagert wurde. Das kostete Zeit und verhinderte die Dreharbeiten von Mad Max: Furiosa, doch letztendlich konnte man Mad Max: Fury Road in Namibia ohne weitere Probleme drehen.


Mad Max Fury 27Die Dreharbeiten begannen im Juli 2012 und dauerten lediglich etwas über vier Monate, was der sorgfältigen Vorproduktion zu verdanken ist. Denn normalweise dauern die Dreharbeiten für ein derartiges Actionaufgebot wesentlich länger. Ironischer Weise verhielt es sich in der Nachproduktion genau umgekehrt, denn wo sich manche Filme recht schnell schneiden lassen, da nahm Mad Max: Fury Road fast weitere zwei Jahre in Anspruch, was durchaus eine Seltenheit darstellt. Einerseits wollte GEORGE MILLER den Zuschauern feinstes 3D garantieren, was er auch geschafft hat, andererseits wollte er die wenigen CGI-Effekte im Film auf höchstem Niveau haben. Immer wieder fand GEORGE MILLER, dass ihm einige Szenen zu rasant und andere nicht schnell genug waren, weshalb er höchstpersönlich die Frame-Rate in jeder einzelnen Szene veränderte. Bei über 2.700 Schnitten im gesamten Film ein riesiges Unterfangen, bei dem MILLER manche Szenen leicht schneller machte, andere verlangsamte. Doch leider war der Perfektionist mit vereinzelten Szenen immer noch nicht ganz zufrieden und setzte im Frühjahr 2013 einen Nachdreh an, mit dem er schließlich Mad Max: Fury Road komplettieren konnte. Wirklich abgedreht, fertigproduziert, mit Sound unterlegt und fertig geschnitten war die Fury Road im Herbst 2013 und die Werbekampagne machte sich sofort an die Arbeit. Fixiert wurde ein Kinostart im Juni 2014. Doch als Warner Bros. den Film vorab gesehen hatten, waren sie dermaßen begeistert und überzeugt von Mad Max: Fury Road, dass sie die Werbekampagne augenblicklich stoppten und den Actionfilm Mitte Mai anlaufen lassen wollten. Das Jahr spielt in diesem Sinne weniger eine Rolle als der Monat. Denn statistisch gesehen ist genau dieses Wochenende in der Mitte des Mais das erfolgreichste Wochenende im gesamten Jahr! Mal abgesehen davon, dass die Konkurrenz im Frühjahr und Sommer 2014 mit den Blockbustern Godzilla, X-Men, Edge Of Tomorrow, Brick Mansions, Transformers 4, The Raid 2, The Purge: Anarchy, Planet der Affen - Revolution, Guardians Of The Galaxy und The Expendables 3 wirklich ganz enorm war.
EMad Max Fury 29inen ersten Vorgeschmack wollten uns Warner Bros. aber nicht verweigern und veröffentlichten noch im Juli 2014 einen ersten Trailer, der auf der Comic-Con in San Diego gezeigt wurde. Diese Maßnahme kann man ruhig als Probelauf von Warner Bros. auffassen, wie gut oder wie schlecht Mad Max: Fury Road ankommen sollte. Aber die Reaktionen unter Fans in Foren und Fachkreisen überwältigen selbst GEORGE MILLER und bestätigten Warner, dass sie richtig entschieden hatten. Mad Max war sowieso eine potentielle Hit-Franchise mit immensem Kultpotential. Und mit Fury Road hatten sie auch beste Chancen, denn der Film katapultierte sich während der zweiten Jahreshälfte 2014 auf Platz 1 der Most-Wanted-Liste, wobei Warner Bros. und GEORGE MILLER den Hype um Mad Max immer mehr anheizen konnten, bis der Film endlich in die Kinos kommen sollte.


Aber nun – nach all diesen schier endlosen 17 Jahren – lief Mad Max: Fury Road am 14. Mai 2015 weltweit gleichzeitig an, wobei der Film schon im Vorfeld einen Rekord brechen konnte: Fury Road ist bislang der R-Rating-Film mit dem weitesten Start, obwohl ein R-Rating allgemein als Kassenbremse gilt. Aber so, wie es aussieht, scheint der Wüstenkrieger auch diesen alten Studio-Weisheiten zu trotzen. Auf die ersten Zahlen vom Box Office warten wir zwar derzeit noch, die erst am Montag veröffentlicht werden, doch es zeichnet sich bereits jetzt ein riesiger Hit ab. Mad Max: Fury Road schoss innerhalb von nur wenigen Tagen auf Platz 25 der All-Time-Bestenliste von IMBD (!!!) und mit einem satten Plus von 98% bei Rotten Tomatoes und 89% bei Metascore ist der Actionstreifen auch bei Kritikern ein richtig, richtig fetter Hit! Zeit also auch für uns herauszufinden, was dran ist, an Mad Max: Fury Road.

 

Mad Max Fury 23Nach dem Tod seiner Frau und seiner Tochter zieht der ehemalige Polizist Max durch das Ödland. Ein Atomkrieg hat die Erde in eine Wüste verwandelt, in der Wasser und Benzin zwei hart umkämpfe Güter sind. Neue Gesellschaften und Kulturen haben sich gebildet, von denen einige freundlich, die meisten jedoch feindlich sind. Auch der Einzelgänger Max fällt ihnen zum Opfer. Sein Wagen wird geschrottet und er gerät in die Gefangenschaft von Immortan Joe und seinen Warboys, die ein riesiges Wasservorkommen kontrollieren und somit die Überlebenden in der Umgebung in der Hand haben. Max wird nur am Leben gelassen, weil er als Organspender herhalten soll. Doch er hat Glück im Unglück. Die Transport-Fahrerin Furiosa, von Immortan Joe Imperatorin genannt, soll einen Tanklastzug mit Wasser und Muttermilch an die Munitionsfabrik und die Raffinerie liefern. Doch in Wahrheit hat Furiosa den Harem von Immortan Joe befreit und will die Frauen in Sicherheit bringen. Als Immortan Joe ihren Verrat bemerkt, setzt er alle möglichen Kampffahrzeuge ein, um seine Frauen zurückzuholen. Max wird als „Blutbeutel" auf den Wagen des irrwitzigen Nux geschnallt und erlebt die brutale Autoschlacht quasi hautnah mit. Doch es gelingt ihm auch zu fliehen. Aus der Notlage heraus schließt sich Max der Rettungsmission von Furiosa an und will die Frauen bis zu dem Ort begleiten, den Furiosa für sicher hält. Doch auf der Strecke warten noch weitere Wüstenräuber, Nux hat sich heimlich auf den Truck geschlichen und Immortan Joe ist ihnen mit seiner gesamten Streitmacht dicht auf den Fersen.

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Das Warten hat sich zumindest für Actionfans vollends ausgezahlt! Mad Max: Fury Road ist nämlich ein zutiefst visueller Film und ein Actionfest, das euch geradewegs unter dem Arsch explodiert und eure Gesichter überrollt!
Mad Max Fury 11Etwas flapsig formuliert, ist Mad Max: Fury Road ist kein Endzeitfilm mit Actionszenen – es ist eine einzige Actionorgie mit wenigen Handlungsszenen und noch weniger Verschnaufpausen! Tatsächlich ist der Film schon von Beginn an sehr rasant, wenn die Warboys nach nur wenigen Sekunden Max an den Kragen wollen, doch spätestens nach 20 Minuten eröffnet GEORGE MILLER die wohl längste und mit einem gigantischen Abstand actionreichste Verfolgungsjagd in der Kinogeschichte! Denn die Action in Mad Max: Fury Road ist dermaßen gewaltig, dermaßen groß und dermaßen wild, dass sie volle zwei Stunden die Atmosphäre bestimmt. Über volle 100 Minuten hinweg rasen pausenlos diverse Kampffahrzeuge und detailverliebt zusammengebaute Schrottkarren aneinander vorbei, überholen sich, krachen ineinander und werden schließlich zerfetzt oder meist sogar brutal und sehr sehr feurig in die Luft gesprengt! Rauch, Dreck, Feuer, Projektile, Granaten, Schrott, Sand, Blech und auch Bad Guys explodieren quasi pausenlos den ganzen Film hindurch! Doch Fury Road verzichtet dabei auch nicht ebenso auf fetzige wie brutale Faustkämpfe – und zwar bei voller Fahrt! Die Wüstenkrieger kämpfen mit Fäusten, Pistolen, Messern, Äxten, Gewehren, Harpunen und sogar jede Menge Sprengstoff miteinander. Die Gewalt im Film ist jedoch anfangs nicht sonderlich brutal, da die Kontrahenten meist gleich vom Fahrzeug fliegen, ohne dass ihnen die Kamera weitere Beachtung schenkt. Selbst bei Schuss- oder Schnittwunden bleibt Mad Max: Fury Road verdächtig blutarm. Da könnte man schon fast meinen, dass GEORGE MILLER seinen Actionthriller als PG-13-Produkt inszenieren wollte, denn schließlich schätzt man die Produktionskosten auf 100 bis 150 Millionen Dollar und mit dem 12er-Siegel ist das potentielle Publikum einfach viel größer. Doch schon ab der Hälfte zieht der Filmemacher den Gewaltgrad Stück für Stück an und die Opfer dürfen ab jetzt auch derbe überfahren fahren werden, bis es gegen Ende hin doch noch zu ziemlich grässlichen Szenen kommt. Die FSK 16 bzw. das R-Rating sind auf diese Weise vollends gerechtfertigt.
Mad Max Fury 08Neben all dieser überdimensionalen Action ist es fast schon ein Wunder, dass es GEORGE MILLER schafft noch viel viel tiefer in die post-apokalyptische Welt von Mad Max abzutauchen. Bereits im letzten Teil Mad Max III – Jenseit der Donnerkuppel, der 1985 erschienen ist, hat der australische Filmemacher angefangen eine Art mittelalterliches Gesellschaftsystem zu etablieren, ohne der Sache jedoch weiter auf den Grund zu gehen, weil die alten Zivilisation noch nicht vergessen scheinen. Doch diese alten Zivilisationen spiegeln sich nur bedingt in Fury Road wieder und kann man getrost als Echo einer längst vergangenen Ära wahrnehmen, und teilweise sogar einigermaßen humorvoll interpretieren. Jede einzelne Gruppierung hat hier eine eigene Religion, eigene Riten und eigene Wertvorstellungen. Der Schlachtruf der Warboys erinnert ein wenig an den Klassiker „Wild Boys" von DURAN DURAN, wobei der berühmte Videoclip den Mad Max Filmen nachempfunden wurde. Wie die keltischen Krieger bedecken sie sich mit Kalk, rasieren sich wie Nazis die Schädel kahl und stürzen sich ohne Umschweife in einen gnadenlosen Tod, der sie nach Valhalla führen soll. Alleine schon Immortan Joe ist ein kulturelles Pottpüree aus den fiesesten Gegnern der Kino- und Menschheitsgeschichte. Gekleidet in eine römische Plastik-Rüstung, hält er sich einen Harem wie ein Sultan und verspricht doch mit Wasser und Gewalt die Erlösung des Fleisches, wie vor ihm nur Thulsa Doom in Conan der Barbar. Dass heißt, GEORGE MILLER zelebriert nicht nur seine Kultfigur Mad Max auf allerhöchstem Niveau, sondern auch das Action- und Gewaltkino an sich, wie es nicht in den Vorgängern der Fall war!
Mad Max Fury 25In gewisser Weise kehrt aber GEORGE MILLER dennoch zum ersten Mad Max zurück, denn während seine Familie in den letzten beiden Filme keine Rolle mehr spielten, so wird hier sein Trauma um den Verlust wieder sehr deutlich und beeinflusst direkt das Geschehen und das Verhalten von Max. MILLER geht sogar so weit, dass er Max' kleine Tochter ihm in Visionen ins Gewissen reden lässt und Max jedes Mal ordentlich auf's Maul bekommt, wenn er ihren Ratschlag nicht befolgt. Das ist ein wichtiger Prozess in Mad Max: Fury Road, der auf direkte Weise aufzeigt, wie sehr der tragische Held der Geschichte von seiner Vergangenheit beeinflusst wird und sein Gewissen doch noch nicht verloren hat. Und das Gewissen ist Einzige, was ihn und Furiosa von den Bestien ihrer Zeit abgrenzt, in der es nur noch ums Überleben geht. Sprich: Wasser, Benzin und Munition! Letztendlich geht es in Mad Max: Fury Road wieder um ein menschliches Thema, indem Furiosa versucht anderen Menschen zu helfen und in diesem Sinne die Mitgefühl und Moral zeigt, die Max auf seinem Weg verloren hat. Da ist es kein Wunder, dass weit weniger Max der Antrieb des Films ist, sondern Imperatorin Furiosa, die sich direkt auf Augenhöhe mit Max Rockatansky befindet. Wenn man so will, so ist sie sogar sein direktes Gegenstück. Denn sie hat ebenfalls eine tragische Vergangenheit hinter sich, musste mit Verlusten zurechtkommen und kämpfte ums nackte Überleben. Doch anders als Max, besitzt Furiosa noch einen offenen Sinn für Gut und Böse, was auch der sture Wüstenkrieger auf brutale Art erfahren muss. Dahinter steckt jedoch auch der Grundgedanke, dass man sich selbst in unmenschlichen Zeiten eine gewisse Humanität bewahren kann, auch wenn es bittere Opfer erfordert.

 

Mad Max Fury 24Story? Vergesst es! Die Handlung von Fury Road ist im Handumdrehen erzählt, denn eigentlich geht es im Grunde nur darum, dass Max mit ein paar wirklich heißen Weibern durch die Wüste gejagt wird und dabei gefühlte hundert Fahrzeuge aller Formen und Größen sich überschlagen, zu Bruch gehen und/oder spektakulär explodieren. Anders aber, als in den vorherigen Pressemitteilungen berichtet, ist Mad Max: Fury Road nicht rückwirkend erzählt. Es handelt sich also anders als Mad Max II und Mad Max III nicht um einen riesigen Flashback, an den sich ein Zeitzeuge erinnert, sondern einen äußerst linearen Film, der in etwa zwei, maximal drei Tage umfasst und dabei sehr spannend und sehr actionreich erzählt ist. Obwohl die Geschichte von Mad Max: Fury Road alles Andere als umfangreich ist, hat man dennoch den Eindruck, dass hier und da einige Szenen gekürzt wurden. Das wird daran deutlich, dass GEORGE MILLER des Öfteren nach kurzen Dialogen einfach abblendet, was man entweder als absolut Old School interpretieren kann – also als Stilmittel – oder aber MILLER verschleiert hier einige Handlungs- oder sagen wir besser Charakter-Schnitte, denn einige der wenigen Dialoge enden wirklich etwas abrupt und auch die Länge des Films würde dafür sprechen. Denn Mad Max: Fury Road ist bis auf die Minute genau zwei Stunden lang und besitzt somit ein passgenaues Kino-Maß. Etwaige Schnitte sollten bei nüchterner Betrachtung Niemanden verwundern.
Mad Max Fury 30Außerdem endet Mad Max: Fury Road mit einem einfachen, runden Ende, mit dem der Actionthriller auch für sich alleine stehen kann. Gemeint ist nicht nur ohne Sequel, sondern auch ohne die drei Vorgänger, auf die MILLER im Übrigen nicht viel Bezug nimmt. Allerhöchstens auf den ersten Teil von 1979, weil Max hier immer wieder mit den Gesichtern seiner Familie konfrontiert wird, wie es nicht in Mad Max II und Mad Max III der Fall war. Zeitlich gesehen lässt sich Mad Max: Fury Road also am ehesten zwischen dem ersten und dem zweiten Teil einordnen, was jedoch nicht so ganz einfach ist. Grund ist das Fahrzeug von Max, nämlich das frisierte 73er Ford Falcon Coupé, was in Mad Max II unwiderruflich zerdeppert. Dummerweise fährt Max hier in diesem Film das gleiche Fahrzeug, was leider ähnlich zerlegt wird. Auf diese Weise kommt es doch zu einem kleinen Bruch in der Chronologie der Franchise. Hinweise auf die geplante Fortsetzung Mad Max: Furiosa gibt es an dieser Stelle nicht, weil Max und Furiosa mit so ziemlich allen Bösewichtern aufräumen und kurzen Prozess machen. Leider ist der Titel Furiosa auch nicht ganz unproblematisch, denn er nimmt schon einige Sachverhalte von Fury Road vorweg und deutet an, dass sich die Fortsetzung eventuell um Furiosa drehen wird. GEORGE MILLER verkündete erst vor wenigen Tagen, dass er im Falle des Erfolgs von Mad Max: Fury Road noch zwei weitere Geschichten zu erzählen hätte. Und auch TOM HARDY gab schon Mitte April 2015 an, für ganze drei weitere Filme unterschrieben zu haben. Die endgültige Entscheidung trifft natürlich das Publikum, doch ein überwältigender Kassenerfolg zeichnet sich jetzt bereits ab, womit eine Fortsetzung auch nur eine Frage der Zeit ist.

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Mad Max Fury 22Wer die Entstehungsgeschichte von Mad Max: Fury Road in unserem Spoiler verfolgt hat, der weiß natürlich, dass der Actionstreifen geschätzte 150 Millionen Dollar gekostet hat. Und wo das Geld hingeflossen ist, das sieht man in diesem Fall extrem deutlich! Für den vierten Mad Max wurden insgesamt knapp 80 Fahrzeuge verwendet. Fast alle wurden sogar ganz individuell konstruiert und mussten für den Actionfilm eigens angefertigt werden, denn – und das muss man sich als Actionfan auf der Zunge zergehen lassen – es werden alle Fahrzeuge bis auf Eines restlos zerlegt, zerschossen und in die Luft gesprengt. Und die Fahrzeuge mussten auch Alle nach Regeln der traditionellen Action-Kunst zerstört werden, weil GEORGE MILLER unter allen Umständen auf digitale Unterstützung verzichten wollte. Ganze 150 Stuntmen wurden für den Actionfilm eingesetzt. Ja, man griff sogar auf Olympioniken und Mitglieder des Cirque de Soleil zurück. Die Spezialeffekte in Fury Road setzen sich darum auch aus circa 85% physischen Effekten und nur circa 15% Computereffekten zusammen. Hauptsächlich wurden nur der Roboterarm von Furiosa und ein überdimensionaler Wüstensturm mit dem Computer erstellt, der Rest ist traditionelle Pyro-Technik vom Feinsten. Es besteht kein Zweifel daran, dass Mad Max: Fury Road bei den nächsten Taurus Awards abräumen sollte, wie kein anderer Actionstreifen. Auch das Make-up befindet sich auf dem höchsten Niveau, damit die zahlreichen skurrilen Figuren auch so lebensecht rüberkommen, die sich BRANDON McCARTHY für Mad Max hat einfallen lassen. Darunter nicht nur der bedrohliche Diktator Immortan Joe, sondern auch dessen Sohn Rictus Erectus, Imperator Ripsaw oder mein persönliches Highlight: den Doof Warrior inklusive Doof Wagon, der die Kriegsmeute mit fettem Gitarrensound und Flammenwerfer anpeitscht. Als wäre das gesamte Konstrukt direkt aus einem Heavy Metal Comic herausgerissen worden.
Mad Max Fury 15Wenn wir also auch schon beim Sound angekommen sind, dann können wir uns auch gleich einmal den Soundtrack etwas näher anhören, der von dem niederländischen Multitalent TOM HOLKENBERG komponiert und eingespielt worden ist, der sich jedoch als JUNKIE XL vor allem elektronischer Mucke verschrieben hat. Die elektronischen Elemente waren auch noch in den letzten Trailern von Mad Max: Fury Road zu spüren, aber im Film selbst ist Gepiepse und nervtötendes Synthesizer-Geschrammel absolut kein Thema, sondern gänzlich klassische Arrangements. Und das ist auch wichtig, denn GEORGE MILLER nahm auch einige klassische Oper in seinen Actionfilm auf. Unter anderem auch das unglaublich mächtige "Dies Irae" aus GUISEPPE VERDIs "Requiem", was schon im Trailer einen bombastischen Eindruck hinterlassen hat. Zu guter Letzt beschäftigt uns natürlich auch die Frage nach dem 3D, bei dem sich GEORGE MILLER auch nicht lumpen ließ. So wurde Mad Max: Fury Road im Jahr 2012 gleich mit modernster Technik in 3D gedreht, anstatt den Film postkonvertieren zu lassen, wie es leider bei einigen Blockbustern in der jüngsten Vergangenheit der Fall war. Doch das 3D bei Mad Max besitzt eine solide Tiefe und gleich mehrere Pop-Out-Effekte den ganzen Film über, weshalb der Aufpreis für 3D jeden Cent wert ist.

 

Mad Max Fury 06Normalerweise sorgt die Änderung eines Hauptdarstellers in einer bekannten Franchise immer für Kontroversen, die jedoch ausgerechnet bei Mad Max: Fury Road ausblieben. Sowohl Actionfans als auch Cineasten waren mit TOM HARDY als neuem Max Rockatansky weitgehend einverstanden und er macht seine Sache auch wirklich sehr gut, weil er sich exakt an dem Spiel von MEL GIBSON orientiert. So porträtiert HARDY Max als schweigsamen und zurückhaltenden Mann, der kaum Informationen von sich preisgibt. Die Mimik bleibt depressiv und die Gestik gering. Auf diese Weise ergibt sich eine perfekte Überleitung der alten Filme zu Mad Max: Fury Road. Im Vorfeld von Fury Road wurden ja Gerüchte gestreut, MEL GIBSON würde zumindest einen Cameo haben. Doch das entspricht nicht der Wahrheit und sehr ich die Fan/Warboys dieser Welt enttäuschen mag: MEL GIBSON ist hier in keiner Sekunde zu sehen oder zu hören. Keine Nebenrolle, kein Cameo und keine Erwähnung. Der ursprüngliche Max hatte nämlich während der Dreharbeiten zu Fury Road mit der Nachproduktion seines Actioners Get The Gringo und dem Dreh von Machete Kills selbst alle Hände voll zu tun. Aber – wie es GEORGE MILLER im März 2015 bekräftigte – es handelt sich bei Max Rockatansky aus Fury Road nur um die jüngere Version der Figur aus Mad Max II oder Mad Max III. Es handelt sich darum um den gleichen Charakter und deswegen schloss MILLER eine Beteiligung von MEL GIBSON bei weiteren Fortsetzungen nicht aus.
Mad Max Fury 18Dafür gibt es ein äußerst erfreuliches Wiedersehen der anderen Art. HUGH KEAYS-BYRNE – der 1979 im legendären ersten Mad Max den Bösewicht Toecutter spielte – mimt auch hier den obersten Bösewicht namens Immortan Joe, der sich ganz hervorragend mit einem Sektenführer und Diktator vergleichen lässt. Leider jedoch ist HUGH KEAYS-BYRNE den ganzen Film über hinter einer furchteinflößenden Maske verborgen, weswegen sich die Kamera auch meist mit dessen Augen auseinandersetzt und höchstens seine weiten Gesten einfängt. Viel eher konzentriert sich Mad Max: Fury Road ohnehin auf CHARLIZE THERON als Imperatorin Furiosa. Furiosa ist eine ganz ähnlich gebrochene Figur, die THERON ebenfalls ganz arg an den klassischen MEL-GIBSON-Max anlehnt. Die Mimik bleibt ähnlich kühl und undurchsichtig, aber definitiv feindlich, während ihre Bewegungen zu 40% zum Lenkrad gehen, zu 40% eine Waffe greifen und zu 20% zum Schlag ausholen. Als wohltuender Gegenpol zu der mentalen Finsternis dient NICHOLAS HOULT als ewig überdrehter und affiger Warboy Nux, der sich immer mit Volldampf nach Valhalla stürzen will und doch immer wieder scheitert, was manchmal sogar sehr witzig anzuschauen ist. In weiteren Rollen zu sehen sind ROSIE HUNTINGTON-WHITELEY, ZOË KRAVITZ, COURTNEY EATON, RILEY KEOUGH und ABBEY LEIGH als sogenannte Brüter. In anderen Worten: der Harem von Immortan Joe und damit auch mehr oder weniger als Eye-Candies für den Film, was auch hervorragend funktioniert, da MILLER jeder Einzigen einen eigenen Charakter zusteht. ANGUS SAMPSON taucht nur in sehr wenigen Sekunden als schnodriger Metzger/Doktor/Chirurg auf und ist deswegen kaum der Rede wert.

 

Fazit: 30 Jahre sind wirklich eine sehr lange Zeit, doch das Warten hat sich auf der ganzen „Strecke" gelohnt. Mad Mad: Fury Road ist eine 150 Millionen Dollar teure, extrem rasante und saumäßige fetzige Actionorgie, die den Zuschauer buchstäblich überrollt! Kein anderer Film bot bisher eine dermaßen prächtig ausgestattete, detailverliebte Material-Schlacht mit spektakulären Stunts auf einem derart hohen Niveau. Mit einem starken Ensemble, großem Aufwand und dichter Atmosphäre zelebriert GEORGE MILLER schnörkelloses, direktes Actionkino und kann damit locker an seine alten Mad Max Klassiker anknüpfen. Es steht außer Zweifel, dass Mad Mad: Fury Road den Hype und Kult um den Straßenkrieger in eine ganz neue Dimension antreiben wird.
Wir vergeben – zutiefst objektiv betrachtet – 9 von 10 Punkten, weil die Handlung des Actionfilms doch schon etwas arg flach ist. Doch wie geil ihr diese „furiose" Schrottkarren-Schlacht findet, bleibt alleine euch überlassen. Subjektiv gesehen könnte MILLER gerne noch weitere vier Mad Max Filme drehen!