The Dead Lands

Dead Lands - Cover 03Regie: TOA FRASER
Drehbuch: GLENN STANDRING
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 103 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 21. April 2015

 

„Ein ehrenvoller Tod? Das erzählen die alten den jungen Kriegern, damit sie sich für ihren Stamm opfern. Der Tod ist für Niemanden ehrenvoll."

 

Dead Lands 13Die Maori sind das urtümliche Volk Neuseelands, denen es ganz ähnlich erging, wie den Aborigines in Australien: die meist britischen Kolonisten nahmen ihnen das Land weg, ihre Kultur wurde unterdrückt und die Volksangehörigen ihrer Rechte beraubt. Doch anders als in Australien, näherten sich beide Kulturen schon in den 1840ern an und spätestens seit 1880 sind die Maori mit ihrer Kultur absolut gleichgestellt und bilden heute tatsächlich das dominante Bild Neuseelands. Da erscheint es merkwürdig, dass es in 130 Jahren gemeinsamer Geschichte bislang nur sehr wenige Kinofilme der Maori gibt. Einer davon ist The Dead Lands, der vor zwei Jahren fast als reine Maori-Produktion entstand. Die Hauptrollen spielen JAMES ROLLESTON, LAWRENCE MAKOARE (Marco Polo, Der Hobbit), TE KOHE TUHAKA und XAVIER HORLAN, die trotz der etwas englischen Namen zu den Maori gehören. Regie führte TOA FRASER, der davor nur einige Dramen drehte; jedoch auch wiederum rund um die Maori-Kultur. Lediglich Drehbuchautor GLENN STANDRING hat keinen Eingeborenen-Hintergrund.
Dead Lands 02Geplant war ein an für sich kleiner Film basierend auf einer alten Maori-Legende. Doch in Neuseeland avancierte The Dead Lands in Windeseile zu einem richtig dicken Hit, der die Kultur der Maori dermaßen gut repräsentierte, dass man beschloss den actionreichen Abenteuerfilm als Neuseelands Beitrag für den besten Auslands-Oscar im Jahr 2015 einzureichen. Doch leider wurde The Dead Lands nicht nominiert. Eine echte Schande, wenn man sich mal ansieht, welche Filme neben Leviathan und Wild Tales nominiert waren! Immerhin konnte der Abenteuerfilm genügend Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass Verleiher rund um den Globus den Film unter Vertrag nahmen. In diesem Sinne wurde The Dead Lands erst kürzlich auch in Deutschland veröffentlicht und wir haben auch mal einen Blick darauf geworfen.

 

Dead Lands 04Hongi ist der Sohn des Häuptlings und auf dem Weg ein Krieger zu werden, doch für die Stammesriten hat sein Stamm gerade wenig Zeit. Der Krieger Wirepa, Sohn eines verfeindeten Häuptlings, ist gerade mit seiner Eskorte eingetroffen. Er soll einen Friedensvertrag mit Hongis Vater aushandeln, nachdem es vor Jahrzehnten eine zerstörerische Auseinandersetzung zwischen ihren Stämmen gab. Doch Wirepa hat andere Pläne. Er entweiht auf furchtbare Art und Weise die Überreste der gefallenen Krieger und beschuldigt Hongi, der ihn heimlich beobachtet hat. Er will einen erneuten Krieg auslösen und als der Häuptling sich weigert seinen Sohn für seine angebliche Tat zu töten – um die Ehre des Stammes zu bewahren – ist Wirepa am Ziel. Doch noch ehe der Krieg vollends ausbrechen kann, überfällt er in der gleichen Nacht Hongis Sippe. Hongi selbst stellt sich tapfer seinem Feind entgegen, doch er stürzt und entgeht so dem Gemetzel. Fast alle Stammesmitglieder sterben, die Kinder ermordet, die Frauen vergewaltigt und Hongis Vater enthauptet, damit Wirepa einen Beweis für seinen Sieg vorweisen kann. Er glaubt Hongi, sei ebenfalls tot. Doch dem jungen Krieger verlangt es nach Rache! Nicht nur wegen seinem Verlust, auch um seine Ehre und die seines Stammes zu retten. Aber er weiß auch, dass er allein keine Chance gegen Wirepa und seine erfahrenen Kämpfer hat. In einigen Visionen raten ihm seine Vorfahren sich mit einem sagenumwobenen, gefürchteten Krieger zusammenzutun. Er lebt in den Todeslanden und nennt sich Te Tupua. Doch er wird von allen Maori gemieden, da er jeden Eindringling rücksichtslos ermordet und auffrisst. Alle anderen Maori nennen ihn nur noch das Monster und auch Hongi kennt die unheimlichen Geschichten über eine Bestie, die die letzte ihres Stammes ist. Doch das Monster ist auch Hongis einzige Chance auf Rache.

Dead Lands - Banner 01

Wenn man sich den Trailer von The Dead Lands ansieht, dann erinnert dieser Film etwas MEL GIBSONs Maya-Gemetzel Apocalypto. Und de facto sind sich die beiden Filme nicht ganz unähnlich. Was The Dead Lands allerdings von Apocalypto unterscheidet, ist eine ordentliche Dosis Spiritismus und eine zermürbende Auseinandersetzung zwischen traditionellen und modernen Werten.
Dead Lands 09The Dead Lands ist ein erster Linie ein starkes Abenteuer mit einer fundierten historischen Vorlage, die ebenso tief in der Mythologie der Maori verwurzelt ist. Erzählen tut der Film nämlich eine Geschichte, die sich lange vor der Ankunft der ersten weißen Siedler abspielt. Genauer gesagt zu einer Zeit so um das Jahr 900 nach Christus und damit einer Zeit, die von Konflikten und Auseinandersetzungen bestimmt war. Das wissen wir nicht nur von den Überlieferungen der Maori, die sich in weiten Teilen mit Stammesfehden und Gewalt auseinandersetzen, allerdings auch von Knochenfunden, die Zeugnis ablegen können von erbitterten und brutalen Kämpfen und sogar Kannibalismus, die wir auch ausführlich in The Dead Lands zu Gesicht bekommen. Denn The Dead Lands erzählt von einer ziemlich gewalttätigen und überaus brutalen Geschichte, bei der ein junger, naiver Krieger Rache für seinen Stamm sucht. Ähnlich, wie in Apocalypto, doch wesentlich actionreicher, denn unser Held Hongi rennt nicht einfach davon, sondern er sucht ganz aktiv die Auseinandersetzung, wobei er von dem erfahrenen und legendären Krieger Te Tupua begleitet wird, der aber von seinem Volk ebenfalls verstoßen ist und sonst Niemanden mehr hat. Es ist also die Geschichte zweier Außenseiter, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen. Unter der Führung von Te Tupua suchen die Beiden immer wieder die Konfrontation, wobei die Kontrahenten mit Schlag- und Hiebwaffen aufeinander eindreschen, Knochen brechen und Blut ordentlich fließt.
Dead Lands 05Spannung entsteht dabei nicht nur durch die scheinbare Unterlegenheit der beiden Verfolger, die außerdem gegen die Zeit rennen müssen, bevor Wirepa aus dem Stammesgebiet entkommt, sondern auch dem Konflikt zwischen Hongi und Tupua. Denn GLENN STANDRING und TOA FRASER legen das Augenmerk weniger auf die eigentliche Verfolgungsjagd, sondern viel mehr auf die Beziehung zwischen den beiden Kriegern und insbesondere Tupuas Vergangenheit. Ironischer Weise ist hier das Verhältnis genau entgegengesetzt, denn während der junge Hongi sich auf die traditionellen Werte seines Stammes besinnt, in der Ehre, ehrenvoller Tod und Aufopferung ganz wichtige Begriffe sind, ist es ausgerechnet der alte und abgeklärte Tupua, der ihm mit rücksichtslosem Realismus über den Tod aufklärt. Damit widerspricht das Monster nicht nur sämtlichen Stellenwerten der Maori-Kultur, sondern auch dem Weltbild Hongis, der sich daraufhin in der Zwickmühle zwischen Tradition und Moderne wiederfindet. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, der erkennt also, dass The Dead Lands also noch viel mehr bieten kann als Action und Gewalt. Damit Hongi dieser Erkenntnis aber auch bewusst werden kann, verwenden die Filmemacher die Hintergrundgeschichte von Tupua, die lange Zeit im Verborgenen gehalten wird und uns auch erklärt, warum er von Allen anderen Maori nur noch Monster genannt wird. Diese Geschichte macht Tupua eigentlich nur noch mehr zu einer tragischen Figur, obwohl er auch selbst sehr viel dafür tut, dem Ungeheuer in ihm gerecht zu werden.

 

Dead Lands 06Die Handlung von The Dead Lands ist schon etwas umfangreicher, als man es bei der eigentlichen Prämisse vermuten möchte, und dabei auch sehr rasant gefilmt. Tatsächlich ist The Dead Lands teilweise so rasant erzählt, dass man in manchen Szenen den Eindruck hat, als würden ein paar Sekunden fehlen, was doch ein wenig seltsam wirkt. Mit 103 Minuten ist das Actionabeneuer fernab jeder Überlänge, weshalb es sich gelohnt hätte, die Szenen ganz auszuführen. Vermutlich hatte Regisseur TOA FRASER die Befürchtung, er würde am Anfang zu viel Zeit schinden, bevor es zur Sache geht. The Dead Lands peppt seine Geschichte nämlich nicht nur mit Action- und Gewaltszenen auf, denn die Jagd von Hongi und Tupua hält noch weitere Ereignisse parat. So erzählt Tupua seinem Schützling immer wieder von seiner Vergangenheit – wobei er aber alle relevanten Dinge lieber verschweigt – und die Beiden treffen auch noch auf einen anderen Stamm, der mit der Fehde eigentlich Nichts zu tun hat. Dazwischen streut FRASER immer wieder einige fantastische Traumszenen ein, in denen Hongi auf seine Vorfahren trifft, die ihm Ratschläge geben, wie er sein Ziel erreichen kann. Von diesem Spiritusmus einmal abgesehen, ist The Dead Lands sehr linear erzählt und verzichtet vollkommen auf Rückblicke, obwohl der Abenteuerfilm des Öfteren Ereignisse aufgreift, die weit in der Vergangenheit geschehen sind. Sei es der Ursache der alten Stammesfehde oder der persönlichen Geschichte von Tupua, warum er zum menschenfressenden Monster wurde und er jetzt immer noch eine Bestie ist, die sich ihrer Wildheit nicht schämt.

 

Dead Lands 01Für die Dreharbeiten zu The Dead Lands musste das Team gar nicht so weit reisen, denn schon auf der Nordinsel zwischen den beiden bekannten Städten Auckland und Wellington gibt es einen natürlichen Dschungel, der ganzjährig recht warm ist und daneben einige weite Grasebenen bietet. Somit war es möglich The Dead Lands quasi gleich um die Haustür zu drehen. Viel aufwendiger waren ohnehin die Kampfszenen, denn sie sollten einerseits authentisch, sehr flüssig und brutal rüberkommen. Als Folge mussten alle Schauspieler sechs Monate lang physisch auf ihre Rollen vorbereitet werden; unterzogen sich einem Krafttraining und außerdem Ausbildung in alten Kampftechniken und Ritualen und inklusive den grässlichen Drohgebärden, die jedem Kampf vorangehen. Hinzu kommen noch einige verwackelte Bilder und schnelle Schnitte, um die Illusion eines brutalen, blutigen Kampfes zu verdeutlichen. Jedoch verließ sich TOA FRASER bei seinem Kunstblut mehr auf Pixelhilfe denn Make-up, was ehrlich gesagt auch sonst schwierig zu realisieren gewesen wäre, da die Krieger fast alle halb nackt herumrennen. Auch der Soundtrack ist nicht ganz so das Wahre, dass in manchen Szenen sehr deutlich ein Keyboard zu hören ist; gerade in den Traumszenen, was der Authentizität schon ein klein wenig schadet. Andererseits hat man bei der Blu Ray und der DVD die Möglichkeit The Dead Lands im O-Ton mit deutschen Untertiteln zu schauen, denn selbstverständlich wurde das blutige Abenteuer in der Sprache der Maori, dem Te Reo Māori, gedreht.

 

Dead Lands 11Die Hauptrollen in The Dead Lands spielen für westliche Verhältnisse natürlich allesamt unbekannte Darsteller. Die drei wichtigsten sind JAMES ROLLESTON, LAWRENCE MAKOARE und TE KOHE TUHAKA. JAMES ROLLESTON spielt den jungen Krieger Hongi jedoch leider weitgehend neutral und mit einer stoisch naiven Mine, bei der man kaum Emotionen herauslesen kann. Gefühle werden bei ihm meist mittels Dialogen vermittelt, was allerdings nicht unbedingt Sinn der Sache ist. Denn es wirkt etwas befremdlich, wie ein junger Krieger dermaßen cool bleiben kann, dessen gesamte Familie man gerade eben verraten und blutigst niedergemetzelt hat. Viel interessanter ist an dieser Stelle ohnehin LAWRENCE MAKOARE als geheimnisvoller Krieger Tupua, dem man ein hohes professionelles Maß anmerkt. Er spielt das Monster undurchsichtig, aber mit spürbarer Aggression und Mordlust. Man spürt, dass er es irgendwo gut mit Hongi meint – schließlich erhofft er sich eine Art Absolution für seine Taten – doch er reagiert oft gewalttätig und brutal, auch wenn es vollkommen unnötig ist. Das macht den Charakter schon etwas unberechenbar und davon geht ein großer Anreiz an The Dead Lands aus. Zu guter Letzt ist da noch TE KOHE TUHAKA, der als der große Widersacher Wirepa zu sehen ist und auch als besonderer Clou von The Dead Lands. Wirepa ist zwar ganz eindeutig der Bösewicht des Films, allerdings vertritt er wie kein anderer Charakter diverse Tugenden der Maori. Er ist ehrgeizig, stark, mutig, direkt, furchtlos und weiß sehr wohl, was Ehre bedeutet. Dass er genau deswegen meint, Hongis Stamm mit Recht zu verraten und ermorden, gibt dem Film einen weiteren entscheidenden Denkanstoß.

 

Fazit: Der neuseeländische Abenteuerfilm hätte das volle Potential gehabt, zumindest für die Oscars 2015 nominiert zu werden. Anders als die meisten anderen Beiträge, liefert The Dead Lands nämlich einen guten Einblick in eine andere Kultur - in diesem Falle der Maori - erzählt eine nachdenkliche Geschichte und überzeugt doch mit rasanten, kraftvollen Kampf- und Gewaltszenen. Wir vergeben 8 von 10 Punkten.