Northmen - A Viking Saga

Northmen - Poster 03Regie: CLAUDIO FÄH
Drehbuch: MATTHIAS BAUER und BASTIAN ZACH
Medium: Kino
Spielzeit: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahren (beantragt)
Start: 23. Oktober 2014

 

„Valhalla wartet überall auf dich. Alles, was du brauchst, um dorthin zu gelangen, ist dein Schwert!"

 

Die Wikinger liegen derzeit in der Film- und TV-Branche schwer im Trend. Allen voran durch die Historienserie Vikings, die derzeit dem History Channel zu rekordbrechenden Traumquoten verhilft. Allein in den letzten zwei Jahren wurden ganze acht Filme über die Nordmänner gedreht – darunter sogar aus Indonesien (!) – und weitere drei Stück befinden sich gerade in den Dreharbeiten oder der Entwicklung. Die mit Abstand größte Produktion kommt jedoch ausgerechnet aus Deutschland und trägt den Titel Northmen – A Viking Saga.
Northmen 05Northmen basiert auf einem Drehbuch von MATTHIAS BAUER und BASTIAN ZACH (One Way Trip 3D) und entstand in Südafrika als deutsch-schweizerische Koproduktion unter der Regie des Schweizers CLAUDIO FÄH (Hollow Man 2, Sniper: Reloaded), der immerhin schon einige bessere DTV-Filme abgeliefert hat. Interessant ist an dieser Stelle vor allem die Besetzung, denn da tauchen – obwohl deutsche Produktion – kaum deutsche Namen auf. Die Hauptrollen spielen die Briten TOM HOPPER (Black Sails), JAMES NORTON (Rush), CHARLIE MURPHY (Love/Hate, The Village), ED SKREIN (Game Of Thrones), der SHAKESPEARE-Darsteller DARRELL D'SILVA, der Australier RYAN KWANTEN (True Blood, Red Hill, Knights Of Badassdom) und der deutsche KEN DUKEN (Das Adlon, Inglorious Basterds). Die Nebenrollen spielen der Schweizer ANATOLE TAUBMAN (Die Päpstin, Die Säulen der Erde), DANNY KEOGH (The Salvation, Zulu) und – als ganz besonderen Coup – der schwedische Metalsänger JOHAN HEGG, Frontmann der Melodic Death Metalband AMON AMARTH. Denn mit der Fangemeinde von AMON AMARTH im Hintergrund war es möglich bereits lange vor den Dreharbeiten einen Hype um den Wikingerfilm aufzubauen, der sich am 23. Oktober 2014 auszahlen soll, wann Northmen – A Viking Saga in unseren Kinos anlaufen wird. Aber nicht nur hier in den deutschen Kinos, sondern auch auf internationaler Ebene. Wir durften uns Northmen bereits ansehen und überprüfen, ob sich diese deutsche Produktion mit dem internationalen Markt messen kann.

 

Northmen 04Die Ostsee im Jahr 873 nach Christus. Eine Gruppe von Wikingern unter der Führung des jungen Asbjörn ist auf der Flucht vor König Harald, der die Wikingerstämme Norwegens mit einem immensen Blutzoll unter sich vereint hat. Ihr Plan sieht vor sich zur Wikingersiedlung Danelag in England durchzuschlagen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch die Nordmänner geraten in einen schweren Sturm, der ihr Drachenboot an den Felsen vor Schottland zerschellen lässt. Kaum, dass sich die Männer wieder gesammelt haben, geraten sie in einen heftigen Kampf mit der Eskorte von Prinzessin Inghean; der Tochter von König Dunchaid, die demnächst verheiratet werden sollte. Die Wikinger machen kurzen Prozess mit den Soldaten und kidnappen die junge Frau in der Hoffnung, sich mit dem Lösegeld nach Danelag einkaufen zu können. Doch Dunchaid denkt nicht im Traum daran zu bezahlen. Noch bevor die Wikinger reagieren können, schickt er ihnen das Wolfspack hinterher. Angeführt werden sie von den ungleichen Brüdern Bovarr und Hjorr, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgen, in denen weder die Wikinger noch Inghean mit dem Leben davonkommen. Sie jagen den Nordmännern nach, die auf ihrer Flucht zufällig auf den kriegerischen Mönch Conall treffen. Obwohl sie sich gegenseitig misstrauen, eint sie doch die Todesgefahr durch das mörderische Wolfspack. Conall beschließt die Heiden nach Danelag zu bringen, doch Hjorr und Bovarr sind ihnen dicht auf den Fersen. Es kommt für die Nordmänner zu einer gnadenlosen Hetzjagd in einem unbekannten Land, die die Verlierer mit ihren Leben bezahlen werden.

Northmen - Banner 02

Northmen – A Viking Saga ist zwar nicht unbedingt ein historisch korrekter Wikingerfilm, doch dafür schon ein sehr unterhaltsames Abenteuer voll mit mutigen Kriegern und finsteren Unholden . . . wie es sich für eine nordische Saga gehört!
Northmen 12Das Wichtigste gleich mal vorneweg: Northmen – A Viking Saga fühlt sich nicht deutsch an, was ganz entscheidend für den Film spricht, steht das deutsche Kino doch immer noch entweder für lahmarschigste Problemfilme oder dämlichste Komödien aller Art! Doch dieser Film hingegen bietet endlich spannende und auch actionreiche Unterhaltung auf einem internationalen Niveau, wobei man eine recht simple Geschichte erzählt, aber dafür umso mehr auf die Charaktere und die Atmosphäre achtet. Diese besteht in Northmen in erster Linie aus einer richtig fetten Dosis Abenteuer und einigen fetzigen Actionszenen. CLAUDIO FÄH gelingt es in der Tat ein gehetztes und angespanntes Szenario zu entwerfen, in welchem man problemlos mit den Wikingern mitfiebern kann. Das funktioniert deswegen so gut, weil die Wikinger hier zwar als starke und furchtlose Krieger präsentiert werden, doch mit dem Wolfspack direkt ebenbürtige Gegner bekommen haben, die nicht minder kampferfahren, verschlagen und noch dazu so grausam wie brutal sind. Das Skript erlaubt sich einen kleinen und doch sehr wichtigen Zusatz, indem das Wolfspack ganz eigene Ziele verfolgt. Damit schließt Northmen jede Möglichkeit zu einem Kompromiss oder einer alternativen Lösung aus, weshalb es unweigerlich zu einer gewalttätigen Konfrontation zwischen Jägern und Gejagten kommen muss. Mich hat diese geradlinige, düstere und ausweglose Form des Abenteuers stellenweise sogar an den großen ROBERT E. HOWARD (Conan) und seine Abenteuergeschichten erinnert, was man durchaus positiv werten sollte. Denn obwohl hier nämlich Action und Spannung im Vordergrund stehen, kommen die Charaktere keineswegs zu kurz. Tatsächlich lernen wir die Protagonisten sogar recht gut kennen, während wir von den Antagonisten auch einige schmutzigen Details kennenlernen dürfen. Zwar gerade noch genug, um sie nicht als namenlose Wüstlinge dastehen zu lassen, doch auch jeweils als ganz individuelle Figuren mit ganz eigenen Motiven, womit sich Northmen abermals vom Groß des Action und Abenteuerfilms wohltuend abheben kann.
Northmen 13Historisch gesehen kommen ironischerweise ausgerechnet die Wikinger in A Viking Saga nicht besonders spürbar rüber. Zunächst wird das Drachenboot der Wikinger schon in den ersten Szenen zerstört, die Rüstung geht dabei auch gleich verloren und die typischen Haartrachten mussten einem wilderen Abenteurerlook weichen, wobei man die oft ausladenden und großflächigen Tätowierungen durch moderne Verzierungsformen wie etwa Branding ersetzt hat. Mit anderen Worten: Wikinger und Bösewichte sind hier leider recht austauschbar, was mit etwas mehr Treue zur Odins Söhnen und Töchtern vermeidbar gewesen wäre. Im Film selbst stört diese Tatsache weniger, da man sich dennoch gut mit den einzelnen Figuren auseinandersetzen kann, von denen ein Jeder seine Ecken und Kanten besitzt. Und außerdem gibt es auch genügend Action, die meist in Form der brutalen Schlacht- und Kampfszenen zu sehen ist. Obwohl es sich wie für echte Nordmänner gehört, wird hier zwar recht viel gemetzelt, doch mit Blutvergießen halten sich die Filmemacher schon etwas zurück, um die deutsche FSK 16 nicht zu gefährden. Es gibt nur zwei bis drei Momente, in denen die Macher die Gewaltschraube mit abgeschlagenen Häuptern und aufgeschlitzten Kehlen etwas anziehen, doch diese Szenen verlaufen sich recht schnell und man muss dabei auch vor Augen haben, dass Northmen gleich auf Englisch mit weitgehend anglo-sprachigen Darstellern besetzt worden ist, um direkt auf dem internationalen Markt einschlagen zu können. Mit einigen wenigen Schnitten dürfte zumindest in den USA eine lukrative PG-13 herausspringen, was sich schon bei 96 Hours und Lockout bewährt hat.

 

Northmen 02Die Handlung von Northmen ist an sich, wie schon erwähnt, recht simpel, aber dafür umso atmosphärischer umsetzt, was im Prinzip ganz einfach funktioniert. Untermalt von einer recht ansehnlichen Schlachtszene werden kurz die Charaktere vorgestellt und bereits erste Beziehungen untereinander klargestellt, schon müssen die Normannen um ihr Leben rennen. Sie pausieren kurz, kämpfen sich den Weg frei und müssen erneut fliehen; was sich im Großen und Ganzen bis zum Ende des Films durchzieht. Das hat den Vorteil, dass die kompromisslose Situation der Wikinger unterstrichen wird, gleichzeitig Suspense und Atmosphäre erzeugt werden und dass Northmen auch noch sehr flüssig ohne geringste Längen erzählt ist; wie es sich eben für frisches, schnelles und modernes Kino gehört. Gleichbedeutend mit den Rasten der Wikingern, beschäftigt sich der Film in diesen Szenen sehr stark mit den Charakteren, gibt so manche Geheimnisse ihrer Herkunft preis und erzählt von ihrer Flucht aus Norwegen; von ihren Streitigkeiten untereinander, ihren Ansichten, ihren Ängsten und ihren Zielen. Und genau diese Szenen machen die Wikinger für den Zuschauer greifbar. Keine Szene wirkt hier darum überflüssig oder unnötig – bis auf die vereinzelten Anschluss und Logikfehler natürlich, die sich jedoch in Grenzen halten. Mit Ausnahme des uralten Filmgeheimnisses, wie sich Nordmänner, Angelsachsen, Pikten und das Wolfspack, was aus dem Osten stammen soll, quasi problemlos unterhalten können, ohne dass es zu geringsten Kommunikationsproblemen kommt.
Northmen 15Zum Ende hin wird Northmen leider ein wenig arg flach, indem sich die Nordmänner einfach so aus Jux und Dollerei entscheiden sich dem direkten Kampf mit dem Wolfspack zu stellen. Leider machen die Autoren so einen kerzengeraden Strich durch die unterhaltsame Abenteuergeschichte und führen das Wikingererlebnis nun zu einem raschen Finale, was sich jedoch immerhin ganz nach dem Ende eines Kapitels in einer längeren Geschichte anfühlt. Oder auch nur einer Geschichte einer Saga, womit man einerseits dem Titel A Viking Saga schon sehr entgegenkommt und andererseits sich Optionen für eine Fortsetzung offenhält. Potential für ein Sequel gibt es reichlich. König Dunchaid wird sich sicherlich nicht so leicht geschlagen geben, zumal der Mönch Conall persönlich noch eine Rechnung mit ihm offen hat, und auch König Harald, der in Northmen eigentlich nur im Hintergrund für die Flucht von Asbjörn verantwortlich ist, könnte in einem Sequel aktiv verwertet werden.

 

Northmen 11Aus Kostengründen, weil Schottland als Drehort mittlerweile sehr sehr teuer geworden ist, wich die Produktion von Northmen auf Südafrika aus, was keineswegs nur aus Savanne besteht. Es gibt dort ebenso steile Küsten, schroffe Klippen, Moore und altertümliche Wälder. Wer allerdings nur ein wenig genauer hinsieht, der bemerkt schon bald, dass sich die Vegetation Südafrikas nicht ganz verheimlichen lässt. Viel mehr Spaß macht ohnehin der visuelle Stil von CLAUDIO FÄH, der die Landschaft oft in breiten Panoramen einfängt, bei Kampfszenen auf schnelle Schnitte setzt und auch auf umfassende Kamerafahrten nicht verzichtet. Mit diesem imposanten visuellen Stil hätte es sich bei Northmen- A Viking Saga auch angeboten den Film in 3D zu drehen, worauf man wohl aus finanziellen Risiken heraus verzichtet. Schließlich ist das Budget von Northmen mit geschätzten acht Millionen Euro doch etwas knapp bemessen und man darf auch nicht vergessen, dass hier einige sehr aufwendige Szenen wie der feurige Kampf um den alten Wachturm enthalten sind. Die Soundkulisse überzeugt vor allem durch tiefe und rhythmische Bässe, mit denen die Atmosphäre noch ein kleines Stückchen bedrohlicher rüberkommt. Die Score stammt von dem deutschen MARCUS TRUMPP, der jedoch schon längst in den USA aktiv ist und für solche Filme wie World War ZDie Frau in Schwarz und Stirb Langsam 4.0 arbeitete. Bei Northmen setzte TRUMPP vor allem auf düstere Streicher und auf epische Hörner – sehr ähnlich, wie BASIL POLEDOURIS anno 1982 für die Verfilmung von Conan der Barbar, womit sich eine weitere Verbindung zu ROBERT E. HOWARD ergibt. Der eigentliche Titelsong stammt jedoch selbstverständlich von AMON AMARTH, der Band JOHAN HEGGs, und hört auf den Titel „Deceiver Of The Gods". Allerdings handelt es sich dabei auch um eine recht billige Lösung, denn es handelt sich um den Titelsong des letzten Albums und keine Neukomposition für den Film.

 

Northmen 10Apropos JOHAN HEGG . . . seine Verpflichtung als Nebendarsteller war wohl einer der größten Coups der Filmemacher, um auch die Metalgemeinde auf den Film aufmerksam zu machen. De Facto fällt HEGGs Beteiligung vor der Kamera schon äußerst gering aus. Er sagt ein bis zwei Sätzchen und wird sogleich dahingeschlachtet. Da bleiben wir doch lieber bei den Hauptdarstellern. Allen voran TOM HOPPER als zweifelnder und doch tapferer Asbjörn, der versucht seine Gruppe zusammenzuhalten. Allerdings greift HOPPER in vielen Szenen nur allzu gern auf den trüben Blick von Billy Bones zurück, den er in Black Sails spielt. Gleich an zweiter Stelle rückt RYAN KWANTEN nach circa einem Viertel des Films nach, als wortkarger Mönch Conall, der sich schon etwas differenzierter präsentiert. Nämlich zurückhaltend, gefährlich und bis zu einem gewissen Grad auch geheimnisvoll. Im Vorfeld musste man ja befürchten, dass CHARLIE MURPHY nur dabei ist, um die Frauenquote zu erfüllen, doch das Skript hat auch für die junge Irin eine tragende Rolle parat, was jedoch nicht auf diese Hollywood-typische Amazonenrolle hinausläuft. Sie ist und bleibt hier Geisel der Nordmänner, wenn sie sich auch einander verstehen lernen. DARRELL D'SILVA ist als Mitglied der Royal Shakespeare Company eigentlich ein gefragter Theaterdarsteller und diese Erfahrung merkt man ihm deutlich an, indem er sich als wilder Wikinger-Opa Gunnar vom Rest der Besetzung abhebt. Ihm sind traditionelle Werte und seine Kampfeslust wichtig, doch noch wichtiger die Loyalität zu Asbjörn. Die besitzt auch LEO GEGORY als Jorund, einem äußerst finsteren Gesellen, der sich nur allzu gern mit anderen Menschen anlegt. Auch einen eigenen Kameraden gegenüber, was auch in diversen Streitigkeiten mit JAMES NORTON und KEN DUKEN Björn und Thorald betrifft, von denen es allerdings nicht allzu viel zu sehen gibt. Auf der anderen Seite stehen ANATOLE TAUBMAN und ED SKREIN als ungleiche Brüder Bovarr und Hjorr. Bovarr ist hierbei der ruhige und besonnene Meuchelmörder, der seine Mühe hat die Gewalt- und Machtlust von Hjorr in Grenzen zu halten. Dabei macht ED SKREIN als fieses Arschloch vom Dienst hier eine sehr guten Job, indem er die ganze Zeit widerlich unsympathisch rüberkommt; und somit einen krassen Gegensatz zu seiner vorherigen Rolle als Söldner Daario Naharis in Game Of Thrones entwirft.

 

Fazit: Man darf sich vor allem als deutscher Zuschauer von Northmen – A Viking Saga überraschen lassen. Der Wikingerfilm überzeugt zwar nicht unbedingt mit einer komplexen Handlung, doch dafür umso mehr mit viel Atmosphäre, noch mehr Abenteuer und rasanten Action- und Kampfszenen, wobei Northmen eher untypisch für das moderne Actionkino auch seinen Charakteren Raum und Zeit lässt, sich zu entfalten. Mit einem soliden Ensemble, starker Score und einem rasanten visuellen Stil ist CLAUDIO FÄH ein spannender und unterhaltsamer Kinofilm gelungen, über dessen Schwächen man leicht hinwegsehen kann. Wir vergeben 8 von 10.