ROBERT E. HOWARD - Conan

Conan - Cover Band 1Autor: ROBERT E. HOWARD
Buchtitel: Conan (Band 1 bis Band 3)
Verlag: Heyne
Veröffentlichung: 01. Dezember 1932
Format: 134 X 205 mm Softcover
Seitenzahl: 675 / 601 / 611 Seiten

„Ich lebe und das Leben brennt heiß in mir!“


Kritik: Als sich am 11. Juni 1936 der Schriftsteller ROBERT ERVIN HOWARD in seinem Auto erschoss, starb damit wohl auch einer der größten Fantasy-Autoren in der Literaturgeschichte. Der Schöpfer von Kull von Atlantis und Solomon Kane hat es geschafft, sich mit nur einer Figur in die Herzen von Fantasy- und Abenteuerfans zu schreiben; und dies sogar noch über ganze Generationen hinweg! Die Rede ist von Conan aus Cimmerien; einem Barbaren, einem Wilden, der auszog im hyborischen Zeitalter die Welt zu sehen und zu bereisen. Dabei beschritt der Barbar aus den finsteren Wäldern denselben Weg, denn so viele große Figuren der Literatur gehen mussten.
Conan - Robert E. HowardIm Alter von 18 Jahren begann ROBERT E. HOWARD für das Magazin Weird Tales zu schreiben. Weird Tales ist eine Zeitschrift, in der ausschließlich Kurzgeschichten und Auszüge der sogenannten Pulp-Literatur veröffentlicht wurden. Die erste Ausgabe des Magazins wurde bereits 1923 veröffentlicht und die Zeitschrift erlangte schon sehr schnell große Beliebtheit. Wohl auch weil Kultautor und Horrorgott H. P. LOVECRAFT (Das Necronomicon, Dagon, Der Fall des Charles Dexter Ward, Herbert West – Der Wiedererwecker, Stadt ohne Namen) regelmäßig dort neue Geschichten veröffentlichte und zum größte Zugpferd von Weird Tales wurde. Ihn verband zeitlebens eine Freundschaft mit HOWARD, der damals schon in den USA ein gewisses Maß an Popularität genoss. Aber als dieser sich im Alter von nur 30 Jahren das Leben nahm bekamen die Verkaufszahlen schon einen empfindlichen Dämpfer; nach dem Tod von LOVECRAFT im Jahr 1937 nahmen sie sogar rasch ab, bis Weird Tales 1954 schließlich eingestellt wurde. Nach einigen Sonderauflagen Mitte der 1970er wird es seit 1988 wieder vertrieben und erfreut sich in den USA nach wie vor großer Beliebtheit, da der Kultstatus inzwischen auch gefestigt war. Nicht zuletzt auch dank Conan, dessen Geschichten nach HOWARDs Tod aufgrund der hohen Nachfrage immer neu aufgelegt wurden. Oft genug jedoch wurden dabei mehrere Kurzgeschichten zu Romanen verschmolzen, die teilweise auch den Weg zu uns nach Deutschland fanden, so aber nur geringe Aufmerksamkeit ernteten, da wegen der Kürzungen, von anderen Autoren hinzugefügten Geschichten und den daraus resultierenden Logiklöchern die Qualität arg gelitten hatte. Das änderte sich erst als 1982 der Film Conan der Barbar in die Kinos kam, der keine exakte Verfilmung der Geschichten um den Cimmerier darstelle, sondern eine großartige Betrachtung des gesamten literarischen Schaffens von ROBERT E. HOWARD. Der Film wurde ein Klassiker und genießt heute ebenso Kultstatus, wie die Geschichten des wüsten Barbaren. Dennoch sollten 22 weitere Jahre ins Land gehen, bis man sich entschloss, die Geschichten neu herauszubringen, was sich allerdings als äußerst schwieriges Unterfangen entpuppte. Denn dieses Mal wollte man die Geschichte so herausbringen, wie sie HOWARD selbst niedergeschrieben hatte. In der exakten Reihenfolge und genau so, wie der Schriftsteller sie einst verfasst hatte, ohne dass irgendein Lektor die Geschichten umschrieb. Letztendlich konnten die Originalwerke über Conan in monatelanger Kleinarbeit rekonstruiert werden, so dass man sie in drei dicken Bänden mit je über 600 Seiten veröffentlichen konnte. Aber nicht nur das; es wurden für jeden Band eigens nur die besten Illustratoren verpflichtet, die den Geschichten zusätzlich noch mehr Leben einhauchten. Für den deutschen Markt wurden die drei Bände 2006 unter dem Heyne-Verlag veröffentlicht. Übrigens die einzigen Originalwerke, die von HOWARD auf Deutsch erhältlich sind, da es von seinen übrigen Helden nur die etlichen Comics zu einem Release geschafft haben. Aber kaum ein Comic kann auch nur ansatzweise mit der bildgewaltigen Sprache ROBERT E. HOWARDs mithalten.

Conan 05Über 1.000 Jahre lang herrschte der Kontinent Atlantis über die bekannte Welt. Dann versank er durch eine schlimme Katastrophe innerhalb eines Tages und einer Nacht im Meer. Diese Katastrophe markierte den Beginn des hyborischen Zeitalters. Neue Stämme tauchten auf dem Antlitz dieser Erde auf, sie gründeten neue Reiche von denen nicht wenige wieder zerfielen um neuen Generationen Platz zu machen, bis die neue Ordnung Hyboriens endlich festlag. Im Zentrum liegt das glorreiche Aquilonien. Im Süden gibt es Argos, Shem, Stygien, Koth und Ophier. Im Westen die Wildniss der Pikten, Zingara und die Baracha-Inseln. Im Osten existiert die Vilayet-See, das nahe Zamora, Brythunien und das mythenumwobene Khitai mit seinen gelbhäutigen Bewohnern. Ganz weit im Eis des Nordens existieren die Länder Hyperborea, Asgard und Vannaheim. Und dazwischen, zwischen dem Eis des Nordens und dem Feuer des Südens, liegt Cimmerien; ein weites Land, voller finsterer Wälder und wilden, blutrünstigen Stämmen, in die kein Mensch der zivilisierten Welt freiwillig einen Fuß setzen würde. Ebenso wenig haben die Barbaren kein Interesse daran in die Nachbarländer einzufallen. Doch es kam der Tag, an dem wurde während einer Schlacht ein Knabe geboren. Er trägt den Namen Conen, der in Wäldern Cimmeriens klettern und kämpfen lernte, und doch stets von seiner Neugiert und seiner Rastlosigkeit geplagt wird. Im Alter von 15 Jahren macht sich Conan auf die Welt zu bereisen. Er wird Dieb, Söldner, Räuberhauptmann, Korsar, General, Pirat und sogar König. Eine jahrzehntelange Reise, die ihn beinahe um die ganze Welt führt, tödliche Abenteuer und so manch schönes Weib für ihn bereit hält. Er trifft auf seltsame Völker, unbekannte Kreaturen, alte Dämonen, böse Magier und brutale Monster. Alles, was er dazu braucht, um ein Abenteuer nach dem Anderen zu bestehen, ist sein Verstand, sein Schwert und sein unmenschlicher Lebenswillen.
Conan - Banner 03Conan 16Will man die Handlung von Conan beschreiben, so ist das nicht ohne Weiteres möglich. Denn im Gegensatz zu fast allen anderen Meisterwerken handelt es sich nicht um einen zusammenhängenden Plot, sondern viele Kurzgeschichten und den Roman Die Stunde des Drachen. Dieser Roman ist allerdings auch wieder sehr episodisch erzählt und bestand vermutlich zunächst auch aus mehreren Kurzgeschichten, die HOWARD später zu einer Handlung verschmolz. Mit den Erzählungen seines Helden geht der Autor auch nicht chronologisch vor, sondern wild durcheinander. Bereits in der ersten Kurzgeschichte Im Zeichen des Phönix stellte HOWARD Conan schon als König von Aquilonien dar, während er in der zweiten Kurzgeschichte Ymirs Tochter noch ein junger Mann ist, der ein blutiges Abenteuer im eisigen Vannaheim erlebt. Am besten man stellt es sich als Leser so vor, dass man irgendwo in Tarantia oder Belverus eine zwielichtige, jedoch gemütliche Spelunke besucht und sich an einen Tisch mit Conan setzt, der mit jeder Kanne Met eine neue Geschichte aus seinem bewegten, abenteuerreichen Leben zum Besten gibt. Vor und zurück, kreuz und quer erlebt man ihn an als erfahrenen Söldner, der von einer Prinzessin zum General gemacht wird und eine feindliche Armee aufhalten soll. Anschließend ist er ein sehr junger Dieb in Nemedien und in der nächsten Story wieder König über Aquilonien. Hier geht nichts chronologisch und nur, wenn man alle Geschichten von Conan gelesen hat, kann man sich ungefähr ein Bild von dem Lebensweg des Abenteurers machen, der stets von seiner unbändigen Wildheit, dem Gefühl der Freiheit und dem riesigen Lebenswillen in ihm getrieben wird. Da liegt auch ein Problem begraben, dass alle bisherigen Veröffentlichung von Conan gemeinsam haben: dort wurden die einzelnen Abenteuer chronologisch richtig zusammengesetzt, woraufhin der Eindruck entsteht, Conan würde einem festgelegten Plan folgen. Aber genau dies tut er nicht. Erst spät entwickelt er wirkliches Verlangen nach bestimmten Zielen außerhalb nur zu kämpfen, Reichtümer zu erobern oder bei einem Weibe zu liegen.
Conan 01Die Geschichten selbst ähneln sich darum meist ein wenig. Als Befehlshaber größerer Armeen geht es oft darum Invasoren zurückzudrängen und wenn Conan alleine unterwegs ist, befindet er sich entweder auf der Jagd oder auf der Flucht. Dennoch bricht HOWARD an einigen Stellen aus und spielt ein wenig mit anderen Genres. Beispielsweise handelt es sich bei Der Gott in der Schale mehr um ein klassisches Krimistück, als Abenteuer. Aufgrund des erzählerischen Charakters, den die Geschichten alle aufweisen, wird auf Rückblenden innerhalb der Stories vollständig verzichtet. Die Länge der Geschichten variiert stark zwischen manchmal lediglich 30 Seiten bis zu 150 Seiten. Die Handlung kommt stets schnell in die Gänge, steuert auf einen Höhepunkt zu und läuft dann mehr oder weniger schnell aus. Die Stories nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, mehr aber auch nicht, und vergeuden kaum Zeit mit irgendwelchen Nebenhandlungen oder komplexen Wendungen. Die Geschwindigkeit der Erzählungen liegt so relativ hoch. Der Unterhaltungsfaktor, der so entsteht, ist ungeheuer groß und zieht den Leser schon ab der ersten Seite in den Bann und lässt ihn nicht mehr los. Oft wurde HOWARD angekreidet, er würde sich nur allzu oft simplen Storygerüsten bedienen und dabei männliche Allmachtsfantasien schüren, was jedoch nur zum Teil stimmt. Denn auch wenn alle Geschichten um Conan sehr geradlinig angelegt sind, haben sie wesentlich mehr zu bieten, als man im Vornherein vielleicht vermuten möchte.

Conan 15Wer erwartet, dass man in Conan auf zauberhafte, kleine Elfen trifft; oder Zwerge, Orks und andere Genre-typischen Gestalten, der irrt. HOWARD wählt eine bodenständigere Variante der Phantastik und setzt in den Geschichten um seinen Cimmerier oft auf Abenteuer, Kämpfe und große Schlachten. Grundsätzlich enthalten die Geschichten recht viel Action, die ebenso packend wie spannend erzählt ist. Allerdings unterscheidet sich die Form der Action in den meisten Geschichten. Dass heißt, dass man in einigen Stories dickes Schlachtengetümmel vor sich hat, in welchem sich zwei, manchmal auch drei Heere auf einmal die Schädel einschlagen, während es Conan in anderen Geschichten alleine mit einem oder mehreren Gegnern zu tun bekommt. Der abenteuerliche Charakter kommt durch etliche Schätze aus allen Zeiten zu Stande, denen der Barbar nachjagt. Mal als Wanderer im Dschungel der schwarzen Königreiche oder als Söldner in den Steppen von Aquilonien und dann wieder auf hoher See, wo er als Pirat unbekannte Inseln erforscht. Ganz ohne mythische Kreaturen kommt HOWARD jedoch auch nicht aus, was sich aber in Grenzen hält. Meist sind es übergroße Schlangen, Spinnen oder andere Tiere. An einigen Stellen sind es auch große menschenähnliche Kreaturen, gegen die sich Conan zur Wehr setzen muss. Dabei geht es jedoch trotz der Action bei Weitem nicht so blutig zur Sache, als man im Vornherein vermuten möchte. Auch Magie spielt eine kleine Rolle, wobei man aber sich nie sicher sein kann, ob es sich wirklich um Magie handelt oder – wie es eine Figur Conan selbst einmal beichtet – spezielle Techniken und Tricks. Hinzu kommen noch versunkene Städte, alte Ruinen, unheimliche Wälder, fremde Götter, verschlungene Gebirge, exotische Strände und weite Täler voller Gefahren und tödlichen Fallen. Und natürlich schöne Frauen! Oft genug trifft und rettet Conan gar lieblich anzusehende Mädchen, die oft nur mit einem Hauch von Nichts bekleidet sind und genauso leicht von ihm genommen werden. Erotik spielt in Conan zwar definitiv eine Rolle, dient jedoch nur dazu, den männlichen Charakter der Geschichten allgemein zu unterstreichen. Die Frauen in Conan sind nur der Zuckerguss obendrauf, denn HOWARDS Hauptaugenmerk liegt definitiv auf Abenteuer, Mystik und Action.
Conan 02Insgesamt sind die Geschichte alle sehr unterhaltsam und fesseln den Leser schon von der ersten Seite an. Vielleicht ein wenig plakativ, aber dafür sehr gut ausbalanciert mit einem ganz eigenen Charakter. Das soll jedoch nicht heißen, dass in Conan kein Platz für Anspruch ist. Tatsächlich pflegt HOWARD fundierte Gesellschafts- und Zivilisationskritik. Entscheidend dabei ist, dass HOWARD seine Kritik nicht anhand von metaphorischen Vergleichen wie etwa JOE HALDEMAN in Der ewige Krieg ausübt, sondern ganz direkt dem Leser vor den Latz knallt. Beispielsweise gilt Conan nur als Barbar und für die meisten „zivilisierten“ Menschen somit automatisch als dumm, weil er aus Cimmerien stammt; einem wilden Land ohne große Städte. Meist ist er also Opfer von Vorurteilen noch bevor er den Mund aufmacht. Gleichwohl lässt HOWARD seine Figur Conan auch direkt Kritik üben, indem er ihn selbst aussagen lässt, dass nur die großen Städte der zivilisierten Welt Bestien und Monster gebären können, die schlimmer als jedes Tier seien und nur allzu oft das Gesicht eines Menschen tragen. Gier und Mordlust werden ebenso analysiert, wie die Ursachen von Machtmissbrauch, Diktatur und Rassismus. Wie vorausschauend ROBERT E. HOWARD schon damals war, erkennt man auch an der Beschreibung einer Heldenverehrung und Stilisierung, wie man sie erst von der modernen Popkultur oder Filmstars kennt; 20 Jahre vor ELVIS PRESLEY und den BEATLES! Nicht von ungefähr finden die Abenteuer von Conan auch nicht in einem anderen Universum statt, sondern genau auf unserer Erde.
Conan - Banner 02Conan 13 Ohnehin dass die Existenz von Atlantis seit jeher angezweifelt wird, nutzt HOWARD geschickt die Lücken der Historiker aus und kreiert ganz frech das fiktive hyborische Zeitalter, was quasi durch den Untergang von Atlantis beginnt. Um sich besser zu orientieren zeichnete HOWARD sogar selbst eine Karte des Kontinentes, der grob umrissen Eurasien gleicht, jedoch ohne die Alpen, die Nordsee, Ostsee oder das Mittelmeer. An seiner Statt liegt nämlich genau dort Aquilonien. Das Land, dass Conan während seiner Reisen am häufigsten durchquert und über welches er auch am Ende herrschen wird. Aquilonien ist im entferntesten Sinn römisch geprägt, wie auch die Namen einiger Charaktere unterstreichen. Aber auch einige andere Länder in dieser Zeit haben auffällig bekannt klingende Namen, die eine direkte Verbindung zu unserer anerkannten Geschichtsschreibung herstellen sollen. Da ist zum Beispiel das Königreich Darfar alias Darfur, Zembabwei für Simbabwe oder auch Iranistan, was bei HOWARD den südlichen Teil des Nahen Ostens bildet, wo das Volk der Afghuli alias Afghanen lebt. Conan hingegen ist ein uralter keltischer Name. Beim Schreiben ging ROBERT E. HOWARD also mit weniger Phantasie vor, als mit seinem historischen Wissen. Darüber hinaus bezieht HOWARD auch die klassische Mythologie mit ein, indem er zum Beispiel Asgard und Vannaheim, die Heimat der Asen und Wanen in der nordischen Mythologie, als wirkliche Ländern in seine Geschichten anerkennt. Dies hat unweigerlich den Effekt, dass die Geschichten um Conan einen leicht realistischen Touch bekommen, da die Menschen in unserer heutigen Zeit diese Orte, die quasi wirklich einst existiert hatten, in ihren Sagen und Legenden verewigt haben. Aber nicht nur das; auch die verschiedenen Völker in Conan bekamen ihre ganz eigenen Götter und Riten. Den Hauptgott der Cimmerier, nämlich Crom, der in der Erde wohnt, kennt heute jeder Fantasyfan. So erlebt der Leser eine Welt, in der ihm bewusst so Einiges bekannt vorkommt und gleichzeitig vielen klassischen Fantasy-Elementen begegnet.

Conan 17Charakterlich ist nur Conan wirklich ausgeführt, der leider viel zu oft als der Mustertypus des dummen und wortkargen Machos verschrien wurde. Zugegeben; wenn man sich mit dieser Figur nur grob befasst, erweckt sie auch beinahe diesen Eindruck. Conan ist ein Hüne mit breiten Schultern und ein immenses Muskelpaket, das sich trotz seiner beinahe unmenschlichen Muskelmasse geschmeidig wie ein Panther bewegt und auch genauso flink ist. Er hat eine wilde schwarze Mähne auf seinem Haupt, ein vernarbtes Gesicht und blaue Augen, die oft leidenschaftlich funkeln. Seine ursprünglich weiße Haut ist von der Sonne gebräunt und glänzt wie Bronze. Er ist von hitzigem Gemüt, betrinkt sich gerne, ist listenreich und gegebenenfalls auch richtig verschlagen. Er kann in einem Moment noch gemütlich dasitzen und versaute Lieder singen, und im nächsten Augenblick seinem Banknachbar grausam den Schädel zertrümmern. Er hat einen Faible für schöne Frauen, der ihn mehrmals in akute Lebensgefahr bringt, und er liebt es sich in wildes Kampfgetümmel zu stürzen. Und wenn ihn ein Schatz oder eine Frau interessieren, dann nimmt er sie sich einfach. Er handelt oft intuitiv und spontan und geht so auch kaum einer Kollision aus dem Weg. Aber das ist nur die eine Seite seines Charakters, die quasi seine wilde Herkunft wiederspiegelt. Denn auch, wenn er meist nur aus dem Bauch heraus entscheidet, weil es die Brenzligkeit der Situation erfordert, ist sich Conan den Folgen seiner Handlungen wohl bewusst. Er spricht viele Sprachen, passt sich genau den Kulturen an, in denen er sich gerade bewegt, und ist sogar manchmal Vermittler zwischen zwei Nationen. Er liest mehrere Schriftformen quer durch die hyborische Welt und interessiert sich für Schriften aller Art. Er kennt alte Sagen und Legenden und begibt sich nicht zuletzt in der Hoffnung auf große Reichtümer auf die Jagd nach ihnen. Conan ist also alles Andere als dumm und auch lange nicht so wortkarg, wie es ihm oft vorgeworfen wird. Er spricht lediglich fern von raffinierten Wortspielen direkt das aus, was er sich gerade denkt; auch wenn so Mancher es nicht hören will. Denn dadurch, dass Conan sich als Barbar durch die so angeblich zivilisierte Welt schlägt, offenbart er so auch einige Schwächen dieser Kulturen. Wie etwa, dass die Herrschaft einiger Weniger über viele Andere zum Nachteil der Menschen ist. Oder dass der Konsum im Überfluss jeden Menschen in ein grausames Monster verwandeln kann; egal ob Mann oder Frau. Aber auch wenn er sich in direkter Lebensgefahr befindet, vermeidet er es unter allen Umständen einer Frau Schaden zuzufügen oder sie zu vergewaltigen. „Das größte Unglück ist es nicht wert, dass sich ein Mann wie ein Schwein benimmt!“ sagt er sogar einmal selbst zu einer nackten Frau, die befürchtet von ihm vergewaltigt zu werden. Fast alle Vorwürfe erweisen sich darum bei genauer Betrachtung als haltlos. Ironischer Weise ist Conan ausgerechnet die Figur von ROBERT E. HOWARD, die laut seiner Aussage am realistischsten ist. Denn während alle anderen Charaktere aus der Feder mehr oder weniger depressiv gezeichnet sind und so nur eine subtile Seite ihres Schöpfers geerbt haben, ansonsten aber reine Fiktion sind, ist Conan nach den Worten HOWARDs eine Mischung aus verschiedenen Männern, die er während seiner Arbeit auf den texanischen Ölfeldern kennen gelernt hatte.
Conan - Banner 01 Conan 06Handwerklich bevorzugte HOWARD einen klaren Stil in einfachen Worten. Komplizierte Satzgebilde, wie sie besonders die Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts verwendeten, gibt es in Conan darum nicht zu lesen, was auch jüngeren und ungeübteren Lesern einen Zugang gewährt. Hervorzuheben ist an dieser Stelle, wie HOWARD mit gewissen Details umgeht. Besonders Landschaften und geographische Gegebenheiten sind in Conan sehr detailreich ausgestaltet, während einige Städte eher grob ausgefallen sind. Auch Personen sind eher grob umrissen und nur herausstechende Merkmale wie etwa besonderer Schmuck in den Ohren werden erwähnt. Fremde Kreaturen, Dämonen und andere merkwürdige Wesen, auf die Conan trifft, sind dagegen in vielen Einzelheiten beschrieben, damit sich der Leser ein genaues Bild davon machen kann. Allerdings wird es im Zusammenhang mit dem hyborischen Alter als eine irdisch-historische Phase offensichtlich, dass HOWARD beim Schreiben ganz genau einkalkulierte, wie seine Werke auf den Leser wirken. Und so ergeben auch die ungleich verteilten Einzelheiten mehr Sinn. Denn mit ein bisschen historischem Wissen und einer minimalen Belesenheit in Mythologie kann man sich schon sehr schnell leibhaftig in den Ländern wiederfinden und orientieren, die Conan bereist. Anders natürlich bei den Kreaturen und Monstern, die sich HOWARD selbst ausgedacht hat, denn hier dient dem Leser sein Hintergrundwissen vermutlich nicht und ist darum auch auf mehr Einzelheiten angewiesen. HOWARD erweist sich so einmal mehr als ein wesentlich vielschichtigerer Autor, als man hinter dem „texanischen Schundschreiber“ vermuten möchte. Außerdem ist man als Leser viel zu abgelenkt und gefesselt von der gewaltigen Bildsprache, die HOWARD verwendete.

Conan 08Leider dauerte es nur fast fünf Jahrzehnte, bis man sich endlich dessen bewusst wurde und versuchte Conan neu aufzulegen - und zwar endlich so, wie sie ROBERT E. HOWARD selbst verfasst hatte! Das hört sich nun zwar verhältnismäßig leicht an, Manuskripte simpel abschreiben und veröffentlichen, aber da hatte man sich gewaltig getäuscht! Die Recherchen begannen natürlich bei Weird Tales und dem damaligen Cheflektor FARNSWORTH WRIGHT. Es stellte sich heraus, dass HOWARD zwar wie ein Besessener geschrieben hatte, selbstverständlich nicht nur an Conan, und etliche Werke eingereicht hatte. Allerdings wurden viele Manuskripte wieder mit der Bitte zurückgeschickt da und dort einige Änderungen vorzunehmen, weil sie den Herausgebern so nicht gefielen. Also galt es nun erst einmal, die Originalmanuskripte wieder herzustellen, was man über Umwege auch zu Stande bringen konnte. Das Meiste fand sich natürlich im Nachlass von ROBERT E. HOWARD, aber dazu noch zig Geschichten ohne Titel, angefangene Exposés und Entwürfe für weitere Conan-Geschichten. Um die Fans von Conan endgültig zu befriedigen wurden allerdings auch diese Geschichten in den drei Bänden abgedruckt. Ebenso, wie die abgeänderten Versionen für Weird Tales. Nachdem man die Geschichten wieder vollständig rekonstruiert hatte, stand man vor einem weiteren, noch viel schwerwiegenderem Problem. Man wollte sich an die Reihenfolge halten, in welcher ROBERT E. HOWARD seine Geschichten niedergeschrieben hatte, chronologisch von den Jahren 1932 bis 1936. Da er jedoch kaum ein Manuskript mit Datum versah, stand man jetzt vor erheblichen Schwierigkeiten. Denn auch wenn HOWARD schon etliche Geschichten über Conan fertiggestellt hatte, reichte er sie in unterschiedlicher Reihenfolge ein. Weird Tales ihrerseits hatten die meisten Geschichten schon eingekauft, brachten sie jedoch wiederum in einer völlig durcheinander geratenen Reihenfolge heraus. Zum Beispiel wurde die erste Kurzgeschichte über Conan mit dem Titel Im Zeichen des Phönix schon 1932 von HOWARD eingereicht, wurde aber erst 18 Monate später in Weird Tales veröffentlicht veröffentlicht. Was also tun?
Conan 07Die Lösung fand sich im persönlichen Stil von ROBERT E. HOWARD, der sich über die Jahre weiterentwickelte. Beispielsweise bezifferte er die einzelnen Kapitel noch mit römischen Ziffern, als er mit dem cimmerischen Barbaren anfing. Später verwendete er für jedes Kapitel auch Überschriften. So konnte man schon eine gewisse zeitliche Einteilung treffen. Als zweiten Hinweis konnte man diverse Schreibfehler nutzen, die HOWARD bei verschiedenen Wörtern machte, jedoch nach und nach einzeln einstellte. Auf diese Weise konnte man in kleinlicher Arbeit die chronologisch richtige Reihenfolge rekonstruieren. Bei einigen Fällen konnte man dennoch nur raten, an welcher Stelle nun welche Kurzgeschichte einzuordnen ist. Am Ende hatte man so viel Material angesammelt, dass es für drei dicke Bände reichte. Band 1 enthält sämtliche Geschichten aus dem Jahr 1932 und 1933. Band 2 nur Material von 1934, inklusive dem Roman Die Stunde des Drachen, und Band 3 enthält noch einige Geschichten aus dem Jahr 1934 und das komplette Material von 1935. Ebene jene drei Bände wurden ab 2006 vom Heyne-Verlag auch für den deutschen Raum veröffentlicht, wobei die Übersetzer daran gehalten waren, den genauen Wortlaut so exakt wie möglich zu übernehmen. Da zahlreiche Geschichten im Nachhinein zu Comics verarbeitet wurden und auch eigenständige Comics über Conan entstanden, zog der Cimmerier schon immer zahlreiche Illustratoren und Comiczeichner an. Um den Bänden nun auch optisch einen Anreiz zu verschaffen, wurde für jeden Band ein erstklassiger Illustrator engagiert. Der erste Band besitzt zahlreiche Zeichnungen von MARK SCHULTZ (Aliens Versus Predator, Batman, The Avengers) der schon seit den frühen 1970ern Werke von ROBERT E. HOWARD illustrierte. Die Zeichnungen für den zweiten Band stammen von GARY GIANNI, der ebenfalls ein Experte für den texanischen Autor ist, zeichnet er doch regelmäßig Comics für Dark Horse und arbeitete schon an den HOWARD-Figuren Solomon Kane, Conan und Bran Mak Morn. Illustrator für den dritten Band ist GREGORY MANCHESS, der seit 1977 als professioneller Illustrator arbeitet und vor einigen Jahren ein Buch mit über 60 Zeichnungen nur zu Conan herausbrachte.

Fazit: Obwohl es sich nur um Kurzgeschichten rund um eine Figur handelt, schuf der Texaner ROBERT E. HOWARD damit eines der bemerkenswertesten Werke der Fantasy-Literatur. Conan ist kraftvoll, actionreich, abenteuerlustig, kriegerisch, wild und ein Zeugnis von unbändiger Lebenskraft und Lebensfreude, das darüber hinaus auch noch mit Gesellschafts- und Zivilisationskritik punktet. Mit der gewaltigen Bildsprache ist Conan, bei Crom, zu Recht einer der größten Klassiker, der auch nach fast 60 Jahren Nichts von seiner Kraft verloren hat. Ganz im Gegenteil! Stetig kommen neue Comics auf den Markt, Poster von den zahlreichen Illustrationen zieren zig Haushalte, die erste Verfilmung Conan der Barbar erreichte schon kurz nach der Premiere 1982 Kultstatus und im Jahr 2011 eine neue Verfilmung mit dem schlichten Titel Conan in die Kinos.Conan ist darum auch unsterblich! 10 (+X) von 10 Punkten für das brennende Leben in Conans Adern und HOWARDs unsterblichen Vermächtnis.


Conan - Weltkarte