Pirats Bestiarium: Kuhfisch (Lactoria cornuta)

Kuhfisch (Lactoria cornuta (Linnaeus, 1758))

 

Namensbedeutung. Ursprünglich wurde die Art als Ostracion cornuta beschrieben. Der Gattungsname bedeutete so viel wie „kleine Schale“ oder „kleines Gehäuse“ und bezog sich auf die äußere Körperpanzerung des Fisches. 1902 erkannten David Jordan und Henry Fowler genügend Unterschiede zwischen dem Kuhfisch und seinen nächsten Verwandten zu anderen Vertretern der Gattung Ostracion um sie in eine eigene Untergattung Lactoria einzuordnen. Später wurde diese zur eigenen Gattung erhoben. Leider gaben Jordan und Fowler keine Übersetzung für den Namen an. Meistens wird er etwa mit „milchgebend“ übersetzt; dies könnte sich sowohl auf die entfernt kuhartige Physiognomie beziehen (wie auch der deutsche Trivialname) oder auf das Gift, welches der Fisch absondern kann. Allerdings habe ich den Verdacht, dass in der Endung des Namens (-oria) auch die lateinische Bezeichnung für Gold stecken könnte. Dann würde der Name etwa „milchiges Gold“ bedeuten. Dies könnte ebenfalls ein Verweis auf das giftige Sekret sein, welches bräunlich-rötlich gefärbt ist. Cornuta bedeutet schlicht und einfach „gehörnt“ und bezieht sich auf die Bewaffnung des Fisches.

Synonyme. Lactoria cornutus, Ostracion arcus, Ostracion cornutum, Ostracion cornutus, Ostracion valentini.

Verwandtschaftsbeziehungen. Animalia; Eumetazoa; Bilateria; Deuterostomia; Chordata; Craniota; Vertebrata; Gnathostomata; Eugnathostomata; Osteichthyes; Actinopterygii; Neopterygii; Halecostomi; Teleostei; Teleocephala; Elopocephala; Clupeocephala; Euteleostei; Neognathi; Neoteleostei; Eurypterygii; Ctenosquamata; Acanthomorpha; Acanthopterygii; Percomorpha; Tetraodontiformes; Triacanthodoidei; Ostraciidae; Ostraciinae; Lactoria.

Die Familie der Kofferfische (Ostraciidae) gehört zu der gut definierten Linie der Kugelfischverwandten (Tetraodontiformes). Die Verwandtschaft ist durch eine Vielzahl von gemeinsamen Merkmalen (Synapomorphien) belegt. Innerhalb der Kugelfischverwandten gehören sie zu der eher basaleren linie der Triacanthodoidei. Interessanter ist da schon mit welchen anderen Fischgruppen die Kugelfischverwandten näher liiert sind: Ihre nächsten Verwandten sind scheinbar die Eberfische (Caproidae) und die Lophiiformes, zu denen unter anderem die Anglerfische und Seeteufel gehören. Diese sich schon länger herauskristallisierende Beziehung innerhalb der Percomorpha wurde erst jüngst wieder bestätigt in einem im April 2013 erschienen Paper, das auch erstmals viele Problemfälle innerhalb der Percomorpha inklusive der Barschartigen (Perciformes) auf Grundlage von DNA-Analysen neu aufschlüsselt. Dies beeinflusst viele Ausführungen in einigen der früheren Fischartikel aus meiner Feder, soviel sei hier schon gesagt. Da dies aber den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, soll dies im nächsten Editorial näher ausgeführt werden.

Verbreitung. Der Kuhfisch ist mal wieder eine der zahlreichen tropischen Fischarten mit indopazifischer Verbreitung. Im Westen kommt er von Süd-und Ostafrika bis zum Roten Meer vor. Vor Südafrika verirren sich die Tiere manchmal weit nach Westen, bis in den Atlantik. Man findet ihn vor Madagaskar, Mauritius und den Seychellen, an verschiedenen Stellen rund um Indien. Einige Lokalitäten dieser Art bei St. Martin’s Island im Golf von Bengalen wurden erst in jüngerer Zeit entdeckt – der bisher einzige Nachweis des Kuhfischs in den Gewässern von Bangladesch. Außerdem kommt der Kuhfisch in den Küstengewässern quer durch Südostasien bis zum nördlichen Australien vor. Vor Ostasien zieht sich sein Verbreitungsgebiet bis hoch nach Südkorea und zum südlichen Japan. An der Ostküste Australiens findet sich der Kuhfisch natürlich im Bereich des Great Barrier Reefs, südlich reicht sein Verbreitungsgebiet hier bis etwa zur Lord-Howe-Insel. Im zentralen Pazifik findet sich der Kuhfisch schließlich bis zum Tuamotu-Archipel und den Marquesas-Inseln (beide Teil von Französisch-Polynesien).



Bild 1: Darf man vorstellen? Der Kuhfisch. Quelle: Wikipedia/W. Wittkowsky.

 

Ein komischer Fisch. Der Kuhfisch durfte nach den Maßstäben der meisten Menschen ein seltsamer Fisch sein. Aber so viel vorab: Für einen Kofferfisch ist er absolut typisch. Sie haben eine sehr stark vom durchschnittlichen Fisch abweichenden Körperbau. Das Innenskelett ist zum Teil reduziert: Die Rippen sind zurückgebildet, außerdem fehlen die Beckenknochen, da auch die paarigen Bauchflossen zurückgebildet sind. Auch die Wirbelsäule ist relativ kurz und die Wirbelzahl daher reduziert. Mehrere Schädelknochen sind verlorengegangen, darunter das Scheitelbein (Parietale) und das Nasenbein (Nasale) - ein gemeinsames Merkmal aller Kugelfischverwandten. Die restlichen Schädelknochen sind dagegen zum Teil stark miteinander verschmolzen. Als Folge davon kann das Maul auch nicht vorgestülpt werden oder ähnliches, wie wir es zum Beispiel beim Blattfisch kennengelernt haben. Der Körper ist von einem Panzer aus zu sechseckigen Knochenplatten umgewandelten Schuppen umschlossen. Dies ist typisch für Kofferfische, daher ihr Name. Der Panzer hüllt den Körper wie ein Gehäuse ein. Öffnungen in dem Panzer finden sich lediglich für die Mundöffnung, die Kiemenöffnung, die Augen, die After-und Geschlechtsöffnung und um den Flossen die nötige Beweglichkeit zu ermöglichen. Der Kiemendeckel ist zum Teil des Panzers geworden und daher unbeweglich. Die Ventilation der Kiemen wird daher durch das Heben und Senken des flexiblen Mundbodens bewerkstelligt. Im Maul sitzen in jedem Kiefer 10 zu Platten verschmolzene Zähne. Die Flossen bestehen nur aus Weichstrahlen und sind entsprechend flexibel.

Die Augen sitzen recht hoch am Kopf. Über ihnen nehmen zwei nach vorn gerichtete hornartige Stacheln ihren Ausgang. Diese und die kurze hohe Kopfform tragen beim Kuhfisch zum allgemein an eine Kuh erinnernden Erscheinungsbild bei. Außerdem sind die beiden Stacheln der Grund für seinen anderen Trivialnamen, Langhorn-Kofferfisch. Am unteren hinteren Ende des Körpers ragen zwei weitere Stacheln nach hinten. Zusammen mit der Färbung geben sie dem Kuhfisch sein typisches Aussehen. Die Grundfärbung ist meistens gelb, manchmal auch eher olivfarben. Auffallend sind die zahlreichen Punkte, meistens weiß oder hellblau, seltener dunkel. Sie liegen genau in der Mitte der unter ihnen liegenden Panzerplatten. Diese schimmern oft unter der Haut durch als schwaches hexagonales Muster.

Der Panzer und die Stacheln geben dem Kuhfisch sicherlich einen guten Schutz gegen Verletzungen, haben aber einen Nachteil: Sie machen den Körper unbeweglich.




Bild 2: Dieser Kuhfisch hat seine Schwanzflosse mal etwas stärker entfaltet. Hier sieht man vor allem gut wie schwach der kurze Schwanzstiel ausgeprägt ist, im Vergleich zum kastenartigen Körper. Das Bild entstand in einem spanischen Aquarium. Quelle: Wikipedia.



Schwimmen mit starrem Körper. Ein unbeweglicher Körper ist für Fische normalerweise ein schweres Manko. Fische schwimmen üblicherweise ja mit seitlichen undulierenden Bewegungen mindestens ihrer Schwanzpartie, oft fast des gesamten Körpers. Das ist dem Kuhfisch nicht möglich, da sein Körper durch den Panzer im Grunde ein starrer Kasten ist. Der kurze Schwanz mit der Schwanzflosse ist zwar beweglich, aber besitzt keine sehr kraftvolle Muskulatur.

Daher hat der Kuhfisch eine ganz eigene Schwimmweise, die freilich typisch für alle Kofferfische ist und tatsächlich auch ostraciiforme Lokomotion genannt wird. Kern dieser Schwimmweise sind undulierende oder oszillierende Bewegungen der Brust-, Rücken-und Afterflossen. Dabei erzeugen die Brustflossen den größten Teil des Auftriebs wie kleine Propeller, während die Rücken-und Afterflosse den Vor-oder Rücktrieb besorgen. Die Schwanzflosse agiert lediglich als Steuer und ganz selten zur Unterstützung des Vortriebs bei kurzen Fluchtmanövern. Kuhfische sind dadurch zwar nicht die schnellsten (wenngleich immer noch recht flott über kurze Strecken), aber extrem wendig. Wie ein kleiner Helikopter können sie auf engem Raum drehen, dabei vor und zurück gleiten. Auf der Jagd pirschen sie sich so an Beute heran, auf der Flucht vor Räubern können sie auch in engen, verwinkelten Unterschlüpfen Schutz suchen. Dabei ist dann nur noch die eigene Körpergröße ein limitierender Faktor – während junge Kuhfische noch in den kleinsten Höhlungen und unter den niedrigsten Überhängen Schutz finden, müssen sich voll ausgewachsene Kuhfische schon andere Deckungen suchen – die Tiere werden zwischen 35 und 50 cm groß.

Die ungewöhnliche Fortbewegungsmethode des Kuhfischs und seiner Verwandten hat immerhin Ingenieure schon dazu inspiriert, sie für die Entwicklung kleiner Unterwasserroboter zu adaptieren. Für sogenannte Micro Underwater Vehicles (MUVs) bietet sich eine vergleichbare Fortbewegungsweise als sehr effektiver Ansatz an, da dadurch mit geringem energetischem Aufwand ein Höchstmaß an Wendigkeit erreicht werden kann. Prototypen wurden bereits entwickelt, die ausdrücklich Kofferfische zum Vorbild nahmen.



Bild 3: Dieser Kuhfisch ist eher olivfarben und zeigt damit die Variabilität innerhalb der Art. Quelle: marinebio.org/ Nick Hobgood.

 

 

Auch noch giftig… Optisch sehen Kuhfische ja eher sympathisch und harmlos aus. Doch wie so viele Tierarten haben sie ihre ganz eigenen Waffen in der Hinterhand. In diesem Falle ist es: Gift. Dieses Gift wird in ihren Hautdrüsen produziert. Wird ein Kuhfisch bedroht und in die Enge getrieben oder gar verletzt, gibt er das Gift ins Wasser ab. Es erscheint als ein rötliches Sekret, bevor es sich schnell im Wasser verteilt.

Das Gift ist ein hochwirksames Nervengift aus der Gruppe der Choline – es ist also mit dem Neurotransmitter Acetylcholin chemisch verwandt und wirkt daher auf die Signalweitergabe der Nervenbahnen. Praktisch führt das als Pahutoxin (oder manchmal auch Ostracitoxin) bezeichnete Gift zu Lähmungen. Es ist in der Lage, andere Fische, die eine zu hohe Dosis abbekommen, zu töten. Normalerweise jedoch ergreifen Angreifer die Flucht, sobald sie das Gift bemerken. Interessanterweise ist der Kuhfisch selber nicht immun gegen das Gift. In freier Wildbahn muss er sich deshalb selber immer aus dem kontaminierten Bereich entfernen.

In den inneren Organen besitzen Kuhfische auch das Gift Tetrodotoxin, das als Kugelfischgift berühmt-berüchtigt ist. Dieses starke Nervengift besitzt aber eine gänzlich andere Struktur als das Pahutoxin. Während sich beim Kuhfisch und anderen Kofferfischen also durchaus das allen Kugelfischverwandten eigene Tetrodotoxin findet, haben diese Fische zusätzlich noch ein anderes Gift unabhängig davon entwickelt. Für Menschen ist der Kuhfisch in aller Regel jedoch ungefährlich. Das Pahutoxin gelangt anscheinend nicht gut ins Blut von Menschen (außer durch offene Wunden) und da der Kuhfisch anders als Kugelfische nicht gerade oft gegessen wird, kommen auch kaum Vergiftungen durch das Tetrodotoxin vor. Es soll allerdings Berichte gegeben haben, in denen sogenannte Ciguatera-Vergiftungen auf Kuhfische zurückgeführt wurden. Diese beschreiben normalerweise Vergiftungen nach dem Verzehr von Fischen, die in ihrem Körper durch Einzeller produzierte Gifte trugen – ähnlich wie man es von Muschelvergiftungen kennt. Das Phänomen kommt häufig bei Fischen aus Riffbereichen vor, weshalb es also durchaus möglich ist, dass auch mitgefangene und verarbeitete Kuhfische Träger des Giftes gewesen sein können. Allerdings könnte man hier auch fragen, inwieweit nicht auch das Tetrodotoxin und/oder das Pahutoxin eine nicht erkannte Rolle gespielt haben könnten.




Bild 4: Bei dieser Aufnahme aus dem Tierpark Bochum kann man besonders gut die flache und fast rechteckige Bauchseite. Quelle: D.Schäfer/ www.tierpark-bochum.de


In freier Wildbahn… Kuhfische findet man in küstennahen Gewässern und rund um Inseln. Am häufigsten sind sie in Tiefen zwischen 15 und 45 m, sie steigen aber durchaus auch bis an die Wasseroberfläche und in Ufernähe auf. Außerdem scheinen sie manchmal auch bis in 100 m Tiefe abzutauchen. Wichtig ist, dass der weitere Lebensraum stimmt: Er muss neben angenehm warmen Temperaturen vor allem genügend sandige Böden, einige felsige Bereiche und Verstecke bieten. Meistens findet man Kuhfische daher am Rande und an Ausläufern von Korallenriffen, seltener von reinen Fels-und Geröllhängen. Zum Beispiel findet man diese Fische auch mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den häufig nahe bei Korallenriffen gelegenen ausgedehnten Seegraswiesen (einem neben Riffen sehr wichtigen tropisch-marinen Lebensraum) oder in Lagunen, die von den Riffen an den Küsten abgegrenzt werden. Junge Kuhfische werden sogar manchmal in brackigen Gewässern vor Flussmündungen vorgefunden. Hier bilden sie oft kleinere Grüppchen, die zusammen auf Jagd gehen. Erwachsene Kuhfische dagegen sind überwiegend einzeln unterwegs.

Kuhfische sind Jäger und ergänzen den Speiseplan nur gelegentlich durch Algen. Sie suchen ihre Beute tagsüber entlang Felsspalten, in den Ecken und Winkeln der Korallenstöcke und auf den sandigen Böden rund um diese herum. Die Beute besteht aus allen möglichen kleinen Wirbellosen – Krebschen, Würmer und andere am oder im Boden lebende Organismen. Um sie aufzustöbern und zu erbeuten, blasen die Kuhfische mit einem Wasserstrahl Sand und Schlick auf Seite. Dieses Verhalten gehört zum typischen Jagdverhalten der Kuhfische. Das wissen auch andere Riffbewohner wie beispielsweise Lippfische. Sie begleiten Kuhfische daher oft gerne in einem geeigneten Abstand, um auch etwas abzukriegen, wenn beim Freiblasen genügend Beute freigelegt wird.

Äußerlich kann man Männlein und Weiblein beim Kuhfisch nicht unterscheiden. Am ehesten geht dies noch über das Verhalten: Die Männchen sind sehr territorial und verteidigen aggressiv ein Revier gegen andere Art-und Geschlechtsgenossen, innerhalb dessen mehrere Weibchen leben können. Balz-und Laichzeit ist wenn abends, in der Dämmerung des Sonnenuntergangs. Dann schwimmen das Männchen und ein Weibchen zu einem erhöhten Teil des Riffs, der „Rendezvousfelsen“ genannt wird. Durch markante Schwimmbewegungen kommen die Tiere hier in die richtige Stimmung und steigen ins freie Wasser hinauf. Hier geben die Kuhfische schließlich ihre Eier und Spermien ab. Die Befruchtung erfolgt im freien Wasser und die befruchteten Eier driften sofort ab. Auch die weitere Entwicklung findet im freien Wasser statt, die Larvenstadien sind freischwimmend. Als nur wenige Millimeter große Larve sind Kuhfische kugelig mit riesigen Augen und kurzen Stachelansätzen. Die Schwanzflosse ist winzig klein im Vergleich zu Rest des Körpers. Die Färbung ist auch noch unauffälliger, ein silbriges grau-braun. Die spätere Körperform und-färbung entwickelt sich erst allmählich, wenn die Tiere ein paar Zentimeter groß werden. Sie wachsen dann ziemlich schnell.

Für die Verbreitung der Art setzt der Kuhfisch also auf eine simple Strategie: Viele Nachkommen zeugen und diese schlicht von den Strömungen verteilen lassen. Wer durchkommt und ein neues Riff findet hat Glück gehabt – wer es nicht schafft, fällt unter ein wenig Schwund, der immer ist.



Bild 5: Ein Kuhfisch in Frontansicht. Auch hier erkennt man besonders gut die kastenförmige Körperform. Quelle: http://fishindex.blogspot.de


…und im Aquarium. Nicht gerade selten werden im Aquarienhandel Kuhfische angeboten – und zwar als kleine niedliche Jungtiere von nur wenigen Zentimeter Größe. Das harmlos wirkende Äußere verführt vermutlich immer wieder Aquarianer zum Kauf – dabei ist dieser Fisch nichts für Anfänger. Es stellen sich in der Tat gleich mehrere Probleme.

Das erste Problem, welches oft unterschätzt wird, ist das Platzproblem. Als Jungtier klein und niedlich, wird jeder Aquarianer schnell feststellen, wie schnell ein Kuhfisch wachsen kann – die Tiere wachsen wirklich schnell und erreichen schon nach wenigen Monaten eine Größe von mehr als 30 cm. Entsprechend groß muss dann das Becken sein – mit 450 Litern oder mehr Inhalt. Sandflächen und Felsen oder Korallen sollten die Inneneinrichtung des Beckens ausmachen.

Das nächste Problem ist das Füttern. Kuhfische sind gierig. Ein Kuhfisch kann binnen kurzer Zeit jegliches wirbellose Leben in einem Becken vertilgen, wenn man nicht genügend Krebschen und Würmer zufüttert (am besten Lebendfutter).

Das größte Problem stellt aber das Gift dar. Die Tiere setzen es bereits in Stresssituationen oder wenn sie eine Krankheit haben frei. In der Begrenzung eines Beckens können andere Fische nicht dem Wirkungsbereich des Giftes entfliehen, was normalerweise den Tod aller Beckenbewohner nach sich zieht – inklusive des ganz und gar nicht immunen Kuhfisches. Deshalb muss man schnell reagieren, wenn man bemerkt, dass der Kuhfisch sein Gift freisetzt: Der Kuhfisch muss schnellstens komplett isoliert und dann so schnell wie möglich das komplette Wasser im Aquarium gewechselt werden.

Fallbeispiel: Ein krankes Fischauge. Für den Kuhfisch wurde ein seltener Krankheitsfall beschrieben. Und zwar ein iridoziliäres Melanom. Dazu muss man wissen, dass die Iris des Auges nur der vorderste Teil der mittleren Augenhaut ist. Der direkt dahinter liegende Teil wird als Strahlenkörper (Corpus ciliare) bezeichnet. Ein iridoziliäres Melanom ist also eine tumorartige Veränderung des Gewebes von Strahlenkörper und Iris. Gerade der Strahlenkörper ist an der Aufhängung der Linse und der Bildung des Augenkammerwassers beteiligt. Bei den höheren Knochenfischen ist der Strahlenkörper Teil eines komplexen Systems von Muskeln und Fasern rund um die Linse, die das Auge auf scharfe Sicht stellen. Normalerweise ist es auf Nahsicht eingestellt, für Fernsicht muss nachjustiert werden. Eine krankhafte Veränderung des Strahlenkörpers und der Iris ist daher bei einem Fisch besonders schädlich für die Sehfähigkeit des Auges.

Das wurde auch in diesem Fallbeispiel deutlich. Das betroffene Auge wurde binnen weniger Monate massiv geschädigt. Die Flüssigkeitsproduktion für die Augenkammer geriet aus dem Ruder und der Augeninnendruck stieg – ein Bupthalmus, ein sogenanntes „Ochsenauge“ war die Folge. Zugleich verlagerte sich die Linse wegen der geschwächten Halterung durch den Strahlenkörper nach innen in den Glaskörper (Linsenluxation). Die Schädigung war bei dem Kuhfisch sogar schneller und umfangreicher als bei vergleichbaren Fällen bei Säugetieren. Die Wissenschaftler, die sich mit diesem Fall befassten, kamen zu dem Schluss, dass die Feinheiten der Anatomie des Auges moderner Knochenfische die Ursache für diese besonders schädigenden Folgen des Melanoms sind.

 

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