Pirats Bestiarium: Europäischer Wels (Silurus glanis)

 

Europäischer Wels (Silurus glanis Linnaeus, 1758)

 

Namensbedeutung. Linnaeus war bei der Namensgebung für manche allgemein bekannte Arten oft wenig kreativ. Den großen in Europa lebenden Wels, als Waller, Flusswels oder eben auch Europäischer Wels bekannt, taufte er schlicht Silurus glanis – was beides nichts anderes als „Wels“ bedeutet, nur einmal auf Altgriechisch, einmal auf Latein.

Synonyme. Siluris glanis, Silurus silurus.

Verwandtschaftsbeziehungen. Animalia; Eumetazoa; Bilateria; Deuterostomia; Chordata; Craniota; Vertebrata; Gnathostomata; Eugnathostomata; Osteichthyes; Actinopterygii; Neopterygii; Halecostomi; Teleostei; Teleocephala; Elopocephala; Clupeocephala; Ostariophysi; Otophysi; Characiphysi; Siluriphysi; Siluriformes; Siluroidei; Siluridae; Silurus.

Die phylogenetischen Beziehungen der Welsartigen (Siluriformes) sind einerseits wesentlich besser aufgeklärt als wir es zuletzt bei den höheren Knochenfischen im Dunstkreis der Barschartigen (Perciformes) gesehen haben. Die Siluriformes bilden sicher zusammen mit den Salmlerartigen (Characiformes), den Karpfenartigen (Cypriniformes) und einigen anderen Gruppen das monophyletische Taxon der Ostariophysi, eine große Gruppe von Süßwasserfischen. Innerhalb der Ostariophysi sind die nächsten Verwandten der Siluriformes die Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes), deren bekanntester Vertreter übrigens der Zitteraal ist. Darüber hinaus sind die Ostariophysi sicher basaler als die Euteleostei, mit denen wir es bisher zu tun hatten. Und doch gibt es auch hier Baustellen (was wäre die Untersuchung der Verwandtschaftsbeziehungen von Lebewesen ohne die ein oder andere Baustelle?). Die kleinere Baustelle bilden die internen Beziehungen der Siluriformes. Die Gruppe ist sicher monophyletisch, umfasst aber rund 3400 Arten mit einer großen Vielfalt. Derzeit gibt es zwei vorgeschlagene Phylogenien, die in manchen Punkten übereinstimmen, in anderen Details aber deutliche Unterschiede zeigen. Sicher ist, dass der Europäische Wels mit den Siluridae zu einer eurasischen Linie der Siluriformes gehört.

Die größere Baustelle betrifft die genaue Position der Ostariophysi. Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze. Der häufig benutzte sieht die Ostariophysi in einem Schwestergruppenverhältnis zu den Heringsartigen (Clupeomorpha), mit denen zusammen sie die Gruppe der Ostarioclupeomorpha bilden – als Schwestergruppe zu den abgeleiteteren Euteleostei. Zu diesem Ergebnis kamen vor allem einige molekularbiologische Verwandtschaftsanalysen. Im Körperbau finden sich dafür nur wenige schwache Indizien, die nicht zwingend für diese Verwandtschaftsverhältnisse sprechen. Da ich es immer bevorzuge, wenn sich die Nachweise aus den DNA-Analysen und dem Körperbau ergänzen, bevorzuge ich hier eine vorsichtigere Interpretation: Demnach haben sich die Clupeomorpha von der Hauptlinie in Richtung der Euteleostei zuerst abgespalten und kurz darauf haben sich dann die Ostariophysi abgespalten. Es gibt also eine Verwandtschaftsbeziehung, aber in dem Falle quasi um eine Ecke. Clupeomorpha und Ostariophysi wären damit Stammgruppenvertreter, Seitenzweige der Stammlinie der Euteleostei. Gerade auch die Ostariophysi schlugen dabei einen eigenen Entwicklungsweg ein, der nicht weniger erfolgreich war – immerhin brachten sie so erfolgreiche Verzweigungen wie die Welsartigen hervor.

Verbreitung. Der Europäische Wels ist in Europa weit verbreitet – teilweise natürlich, teilweise durch den Menschen begünstigt. Das rezente natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Tadschikistan, dem nordöstlichen Afghanistan (bis etwa um den Raum Kabul herum), dem südlichen Kirgisien, Usbekistan, einigen Randgebieten Turkmenistans und das südliche und westliche Kasachstan (inklusive den Resten des Aralsees) über das südliche Uralgebirge, das gesamte Einzugsgebiet der Wolga und westliche Russland, nördlich bis Sankt Petersburg und zum Ladoga-und Onegasee, die baltischen Staaten, Weißrussland, die Ukraine, Polen, Tschechien und die Slowakei, bis nach Deutschland hinein, wo er natürlicherweise den Osten, Bayern, das Einzugsgebiet der Elbe und der Donau besiedelt, mit Ausläufern ins Emsland und zum Oberrhein (natürlicherweise bis auf die Höhe von Straßburg mit einigen Beständen im Elsass und im französischen Doubs. Die nördlichsten Bestände finden sich im südlichen Jütland, im südlichen Schweden bis nach Stockholm hoch und im finnischen Teil Kareliens. Im Süden zieht sich die natürliche Verbreitungsgrenze vom Genfer See über die nördliche Schweiz, Tirol und Kärnten, Ungarn, Slawonien, Serbien, das östliche Mazedonien, Bulgarien über das nordöstliche Griechenland (etwa ab dem Fluss Axios – Vardar außerhalb Griechenlands – und der Stadt Thessaloniki ostwärts), den europäischen Teil der Türkei, große Teile Anatoliens, den gesamten Kaukasus bis zu einem langgestreckten Streifen im nördlichen Iran östlich etwa bis zum Atrak-Fluss. Innerhalb dieses Verbreitungsgebietes leben einige Populationen des Europäischen Welses auch in den brackigeren Bereichen der Ostsee (vor allem im Süden und Osten der Ostsee), des Schwarzen Meeres (vor allem im Westen und Norden) und des Kaspischen Meeres. Bis zu 9000 Jahre alte subfossile Fund zeigen außerdem, dass der Europäische Wels früher auch einmal die gesamte Länge des Rheins und der Maas besiedelte, also auch in Belgien und den Niederlanden vorkam. Er gehörte auch damals schon zur Fauna des Ancylussees, einem riesigen Binnensee, der vor 9500 bis 8500 Jahren ein Vorgänger der heutigen Ostsee war. In manchen Teilen des damaligen Verbreitungsgebietes, etwa in Belgien, starb der Europäische Wels später aber aus. Der Mensch führte den Fisch in jüngerer Zeit dann wieder ein und erweiterte dadurch das Verbreitungsgebiet des Tieres: Dadurch leben Europäische Welse heute auch wieder in den meisten Teilen Frankreichs, in Belgien, den Niederlanden und in ganz Dänemark; in Nord-und Nordostspanien, Norditalien (vor allem in der Po-Ebene), im südlichen England (vor allem entlang der Themse) sowie im östlichen Kasachstan im Einzugsgebiet des Balchaschsees und des diesem zufließenden Flusses Ili, der sich bis nach China hinein erstreckt, hat die Art durch menschliche Ansiedlung sogar ganz neue Territorien für sich erschlossen.



Bild 1: Diese große Bronzestatue steht in Bad Zwischenahn zu Ehren des dort angeblich ansässigen Bildes. Quelle: http://www.bad-zwischenahn-touristik.de


Das Reich der Sagen, Mythen – und „urban legends“. Normalerweise hab ich bisher ja immer mit einer Beschreibung der körperlichen Merkmale angefangen – aber bei einem, wie ich finde, so faszinierenden Tier wie dem Wels, stelle ich den mythologischen Teil an den Anfang. Es gibt in Europa nicht viele Fische, die die Ausmaße eines Europäischen Welses erreichen. Entsprechenden Eindruck machten diese Raubfische seit alters her auf die Menschen, die ihnen begegneten. Lokale Sagen und Mythen über den Wels gibt es vielerorts, manche reichen weit zurück, andere sind erstaunlich jung. Auch die Namen für das Tier waren sehr unterschiedlich, aber manche lassen bereits erahnen, welchen Eindruck die Größe des Fisches hinterließ: Waller wird er vielerorts genannt, was sich genauso wie das Wort Wels vom selben Wortstamm wie das Wort Wal ableitet – bereits zu Zeiten der Römer wurde der Europäische Wels als kleiner Wal des Süßwassers wahrgenommen. Der Wels kann schon sehr groß werden – in der Vorstellung der Menschen kann er noch größer werden.

Die Legendenbildung um den Europäischen Wels gibt es bis heute. Heute sind es dann oft eher sogenannte „urban legends“, die umso langlebiger sind, weil sie nicht so völlig aus der Luft gegriffen sind. Ein besonders schönes Beispiel ist der Wels von Bad Zwischenahn. 1979 sichtete im Zwischenahner Meer genannten See ein Wasserschutzpolizist einen großen Fisch, den er für einen Wels mit einer Länge von wenigstens 3,5 m hielt. Seine Meldung schaffte es in die Presse und machte die Runde. Eine Fangprämie wurde ausgelobt, nachdem das Viech angeblich einen Dackel gefressen haben sollte. Hunderte Angler und noch mehr Schaulustige reisten an, um den Wels aufzustöbern. Ohne Erfolg. Er ließ sich nicht blicken. Doch die Gemeinde schlachtete die Sache geschickt aus: Der Riesenwels von Bad Zwischenahn musste als touristischer PR-Gag herhalten. Dafür wurde eine große Bronzestatue zu Ehren des Fisches auf dem Marktplatz aufgestellt. Und alljährlich im Oktober wird ein Volksfest wegen des Welses abgehalten. Blicken lassen wollte sich der angebliche Riese aber dennoch nicht. Erst 1998 wurde im Zwischenahner Meer wieder ein Wels von einem Hobbytaucher gesehen. Der war aber nur 2,5 m lang, kann also nicht der wahre Riese gewesen sein. Man muss den Menschen in Bad Zwischenahn bei ihrem Stolz auf den Wels immerhin zugestehen: Es gibt Welse im Zwischenahner Meer. Sowohl 1938 als auch 1975 wurden dort Welse eingesetzt und angesiedelt. Ob diese allerdings wirklich jemals so riesig wie berichtet wurden? Es wäre nicht unmöglich, vor allem eine Länge von 2,5 m muss nicht unrealistisch sein. Die Geschichte mit dem gefressenen Dackel war allerdings dann doch eine Falschmeldung.

Umso bemerkenswerter, wie sich dieses Motiv alle paar Jahre wiederholt, wenn die Presse mal wieder auf obskure Geschichten aus ist. Im Oktober 2001 zum Beispiel wollten Augenzeugen gesehen haben, wie ein großer Wels im Volksgarten-Weiher in Mönchengladbach einen Rauhaardackel verschlang. Die Nachricht schaffte es erst in die regionale, dann die nationale und schließlich sogar die internationale Presse. Schnell bekam der Wels einen Spitznamen – Kuno – und die Presse erklärte ihn zum „Killerwels“. Auch hier gab es schnell den Plan, der Fisch müsse gefangen werden. Das Fleisch des Tieres sollte verkauft und der Erlös zugunsten Obdachloser gespendet werden. Obwohl Dutzende Angler ihr Glück versuchten, erwischte niemand den Wels. Er ließ sich einmal mehr nicht blicken. Nebenbei: Der Besitzer des angeblich gefressenen Dackels meldete sich auch nie. Anderthalb Jahre später jedoch, im Juli 2003, trieb ein Wels tot auf der Wasseroberfläche des Weihers. Das Grünflächenamt von Mönchengladbach ließ den Kadaver bergen und vermessen: Das Tier war 1,5 m lang und 35 kg schwer. Und die Meldung ging rum: Kuno war tot. Die Stadt Mönchengladbach ließ den Fisch schließlich ausstopfen.

Sehr ähnlich ist die Geschichte, die sich im August und September 2012 in Erharting im bayrischen Landkreis Mühldorf zutrug. Nur diesmal ohne gefressenen Dackel. Dort wurde im Spätsommer publik, dass ein riesenhafter Wels in der Isen leben soll. Er sei dabei beobachtet worden wie er Enten und sogar kleine Schwäne gefressen habe. Auch hier stieg die Presse ganz schnell wieder auf den Zug des „Killer-Waller“ auf. Das klingt natürlich sehr martialisch. Solche Geschichten haben das Zeug zur dauerhaften „urban legend“: Es gibt einen durchaus wahren Kern und sie verbreiten einen wohligen Grusel.



Bild 2: Kuno, ein kurzzeitig berühmter Vertreter des Europäischen Welses, wurde 2003 tot aufgefunden. Zwei Jahre vorher sorgte er in Mönchengladbach für Aufsehen, weil er angeblich einen Hund gefressen haben soll. Quelle: http://www.rp-online.de/ /Detlef Ilgner.


Es kann aber bei Welsen tatsächlich auch richtig gruselig werden. Etwa ein oder zwei Mal im Jahr gibt es Berichte, dass große Europäische Welse Menschen angegriffen haben. In vielen Fällen durften es Falschmeldungen sein. Es gibt aber auch bestätigte Berichte. Einer ist frisch vom August 2012. Im Felser See bei Thürnthal in Niederösterreich hat ein Wels tatsächlich ein 14jähriges Mädchen angegriffen. Das Mädchen war relativ weit draußen auf dem See, etwa 150 m vom Ufer entfernt, als sie plötzlich etwas am linken Bein packte und nach unten zog. Irgendwie strampelte sich die 14jährige frei und konnte dann zurück zum Ufer schwimmen. Der Fisch hatte schmerzhafte, aber relativ ungefährliche Verletzungen hinterlassen: Verletzungen wie Abschürfungen, die typisch für Welsbisse sind und mit dem für diese Art typischen Gebiss zusammenhängen. Der Schock war vermutlich größer als die tatsächlichen Verletzungen. Der Vater des Mädchens soll Medienberichten zufolge selber Angler sein und äußerte sich nach dem Vorfall dahingehend, dass man nun versuchen wolle das Tier zu erlegen. Als Begründung führte er an, dass solch große Welse eine zu große Bedrohung für kleinere Kinder wären. So naheliegend dieser Gedanke natürlich ist, so muss man doch dagegenhalten, dass es keinen bestätigten Fall gibt, in dem ein Wels ein kleines Kind getötet hätte. Auch Experten vermuteten, dass der Angriff auf die 14jährige weniger ein Versuch war Beute zu machen, als vielmehr das Brutrevier zu verteidigen. Aufgrund der Bisswunde wurde der angreifende Fisch auf eine Länge von etwa zwei Metern geschätzt.

Nun aber genug der Schauergeschichten. Blicken wir hinter das Image als vermeintliches Monster.

Erscheinungsbild. Das Erscheinungsbild des Europäischen Welses fällt mehr in die Kategorie „urig“. Der Körper lässt sich grob in zwei Bereiche einteilen: Den vorderen Bereich mit dem Kopf und den wichtigsten Organen inklusive dem Magen-Darm-Trakt, der kurz vor der Afterflosse mit der Afteröffnung endet. Der Querschnitt des Rumpfes ist hier vorne in etwa rund. Daran schließt sich der zweite Teil des Körpers an, mit seitlich abgeflachtem Querschnitt und vor allem aus reiner Muskelmasse bestehend – der hintere Körperteil dient allein dazu das ganze Tier voranzubewegen. Der Kopf ist bei diesem Fisch besonders markant. Breit und lang, nimmt er bis zu 20 % der Gesamtlänge ein. Der Unterkiefer ragt etwas über den Oberkiefer hinaus, wodurch das breite Maul leicht oberständig ist – dies ist vor allem bei alten Individuen auffällig. Ebenfalls leicht nach oben gerichtet sind die kleinen seitlich liegenden Augen. Beides sind Anpassungen eines Jägers, der seine Beute vom Gewässergrund aus jagt. Rund um das Maul sind eine Anzahl Barteln ausgebildet, die dem Fisch das typische „Wels“-Aussehen verleihen: Zwei Paar relativ steife und kurze Barteln sitzen am Unterkiefer, ein Paar besonders langer und sehr beweglicher Barteln sitzt am Oberkiefer. Das Maul ist mit zahlreichen Zähnen bestückt: sie sind ziemlich klein, schmal und nach hinten gebogen. Sie sitzen dicht an dicht in vier bis fünf Reihen auf dem Unterkiefer, außerdem in mehreren Reihen auf dem Palatinum und dem Vomer (im Deutschen auch als Gaumen-und Pflugscharbein bekannt), die Teil des Oberkieferapparats sind. Weitere Zähne sitzen auf den Kiemenbögen. Mit ihrer hohen Zahl etwa auf dem Unterkiefer wirken die Zähne wie eine Art Bürste oder Reibeisen – deshalb hinterlassen sie bei seltenen Attacken auf Menschen auch Schürfwunden, wie sie in dem geschilderten Fall aus Niederösterreich beobachtet wurden.

Der massig wirkende Körper des Europäischen Welses ist komplett schuppenlos und von einer schleimigen Schicht, die die Haut schützt überzogen. Entlang der Flanken zieht sich gut sichtbar das Seitenlinienorgan. Wie bei den meisten Fischen kann man auch hier das typische Flossensortiment identifizieren: Brust-und Bauchflossen, Rücken-und Afterflosse, Schwanzflosse. Die Brustflossen sind kräftig und werden an ihrer Vorderkante von einem Hartstrahl gestützt. Dessen Ausbildung ist für die Unterscheidung des Europäischen Welses von nahe verwandten Arten wichtig. In diesem Falle ist der Hartstrahl vorne mehr oder weniger glatt und nur an seiner Rückseite gezähnt. Die Bauchflossen fallen relativ klein aus, ebenfalls die relativ weit vorne sitzende Rückenflosse. Letztere besitzt lediglich einen Hartstrahl als Hauptstütze und drei bis vier Weichstrahlen. Die Afterflosse beginnt kurz hinter der Afteröffnung und zieht sich wie ein Flossensaum die ganze hintere Körperunterseite entlang bis kurz vor der Schwanzflosse. Diese wiederum ist kurz und auch relativ klein. Sie ist deshalb so klein, weil sie nicht allein die Antriebsarbeit leisten muss: Der Wels bewegt sich durch schlängelnde Bewegungen des gesamten hinteren Körpers fort.

Die Färbung des Europäischen Welses ist eine Tarnfärbung. Oben ist sie dunkel, zur Unterseite hin werden die Tiere heller, wobei die Abgrenzung durch eine marmorierte Musterung unregelmäßig ist. Manchmal streuen dunkle Flecken bis auf den weißlichen Bauch. Die Grundfärbung reicht von olivgrünlich über braun bis sehr dunkelgrau. Meistens hängt dies mit der vorherrschenden Farbe der Umgebung zusammen. Am dunkelsten ist meist der Kopf. Gelegentlich tauchen farbige Abweichungen auf: Sogenannte Schwärzlinge, die praktisch einfarbig schwarz oder dunkelgrau sind, oder sogar Albinos, die dann eine helle gelbliche Färbung besitzen.




Bild 3: Ein Europäischer Wels. Quelle: Wikipedia/ Dieter Florian.



Bild 4: Gelegentlich gibt es Albino-Welse. Quelle: http://www.naturfoto-cz.de /Jan Sevcik.


Aber wie groß werden Europäische Welse denn nun? Vor dem Hintergrund der Meldungen über aufgefressene Dackel ist das eine Frage, die die meisten Menschen vermutlich am brennendsten interessieren wird. Und nun heißt es Farbe bekennen: Ja, ein Wels kann so groß werden. Dabei ist die tatsächlich mögliche Maximalgröße nicht sicher. Europäische Welse wachsen zeitlebens weiter, wenn auch im hohen Alter vermutlich etwas langsamer, und sie können sehr alt werden. Anhand von Zuwachsringen an den Hartstrahlen der Brustflossen und an den Wirbelknochen wurde ein Exemplar in Gefangenschaft auf ein Alter von 60 Jahren geschätzt, ein wildlebendes Individuum sogar auf ein Alter von 80 Jahren. Wie schnell und stark die Tiere wachsen hängt auch davon ab, ob das Gewässer, in dem sie leben, genügend Nahrung bereitstellt. Im Allgemeinen kann man aber davon ausgehen, dass die meisten Europäischen Welse im Schnitt Längen zwischen ein und zwei Metern erreichen – bei Gewichten zwischen 10 und 50 kg, manchmal auch etwas mehr. Bereits das ist für einen europäischen Fisch schon eine ordentliche Größe. Es geht aber oft genug auch noch größer. Einer der führenden deutschen Wels-Angler, Peter Merkel, fing erst im Jahre 2012 im Neckar einen Wels mit einer Länge von 2,16 m und 70 kg Gewicht. Das war aber auch nicht der größte Wels, den Merkel fing – den größten angelte er im Ausland, mit einer Länge von 2,58 m ein Gigant. Der größte offiziell in Deutschland registrierte Wels maß 2,21 m Länge. Es gibt allerdings auch einen anekdotischen Bericht aus dem Jahr 1731, demzufolge ein riesiger Wels mit über 370 kg Gewicht aus der Oder gezogen worden sein soll. Die offiziell größten bestätigten Exemplare waren ein Wels aus dem Po in Norditalien, der 2,78 m lang und 144 kg schwer war, und ein Wels aus Bulgarien, der noch etwas schwerer war. Aus solchen Werten runden viele Bearbeiter vermutete Maximalgrößen von etwa drei Metern Länge auf. Doch es gibt Indizien auf noch größeres. Noch im 18. und 19. Jahrhundert gab es Berichte aus der Ukraine, wo man im Dnjepr angeblich gelegentlich Welse mit einer Länge von fünf Metern und einem Gewicht von 300 bis 400 kg gefangen haben soll. Auch diese Berichte haben allerdings anekdotischen Charakter. Seit dem 19. Jahrhundert gab es keine derartigen Berichte mehr. Entweder waren sie übertrieben oder aber die Fische werden heute nicht mehr so alt und so groß (aufgrund von Bejagung, weniger Nahrungsangebot durch veränderte Umwelt etc.) wie damals. Völlig ausschließen lassen sich solche Maße für den Europäischen Wels jedenfalls nicht, auch wenn man diese alten Angaben kritisch sehen sollte. Realistisch sind aber definitiv große Exemplare zwischen 2 und 3 m Länge.

Ein Blick ins Innere. Der Europäische Wels besitzt auch in seinem Körperinnern einige Besonderheiten, die man kurz näher betrachten sollte. Das der dreiteilige Magen stark dehnbar ist, um auch große Beutetiere aufnehmen zu können, ist aus anatomischer Sicht noch unspektakulär. Wesentlich interessanter ist eine Struktur, die als Weberscher Apparat bezeichnet wird.

Der Webersche Apparat ist das typischste Merkmal aller Ostariophysi – er ist so speziell, dass er in dieser Form nur einmal, beim gemeinsamen Vorfahren aller Ostariophysi, entstanden ist. Und der Europäische Wels besitzt ihn auch. Aber was ist das? Es handelt sich um eine knöcherne Verbindung zwischen der Schwimmblase und dem Innenohr, welches bei Fischen grundsätzlich vor allem erst einmal eine Funktion als Gleichgewichtsorgan hat (eine Funktion, die auch bei den Landwirbeltieren weiterhin vorhanden ist). Beim Wels ist die Schwimmblase ziemlich groß, sie reicht von kurz hinter dem Kopf über fast die gesamte Länge der Körperhöhle (also bis fast oberhalb des Afters). Sie liegt unterhalb der Wirbelsäule und ist durch eine Längswand in zwei Hälften geteilt. An der Vorderseite der Schwimmblase setzt eine paarige Kette aus mehreren kleinen Knöchelchen an, die beiderseits der Wirbelsäule zum Schädel ziehen und dort am Innenohr ansetzen. Die Wirbelsäule zwischen diesen Knochenkettchen ist versteift, die Wirbel verwachsen. Die Knöchelchen selber sind im Laufe der Evolution ihrerseits aus Elementen der Wirbel hervorgegangen.

Die Schwimmblase selber hat beim Europäischen Wels zwar auch noch eine hydrostatische Aufgabe, ist also für die Kontrolle des Fisches über seine Lage im Wasser wichtig. Aber in Verbindung mit dem Weberschen Apparat fungiert die Schwimmblase auch noch als Hörorgan.



Bild 5: Eine schematische Zeichnung des Weberschen Apparats bei Fischen. Der Apparat bildet eine Brücke zwischen Schwimmblase und Innenohr. Quelle: http://www.vaz.ch/fischkunde/organe/index.html


Sinneswahrnehmung. Damit kommen wir zu den Sinneswahrnehmungen des Europäischen Welses. Die Augen dieses Fisches sind relativ klein und spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dafür sind andere Sinne umso besser ausgebildet: Geruch-, Tast-, Geschmacks-und Hörsinn sowie elektrorezeptorischer Sinn. Bei einer Art, die vor allem in trüberen Gewässern lebt ist das durchaus sinnvoll. Ein gut entwickelter Sehsinn ist hier nicht wirklich von Vorteil, aber die anderen Sinne können wesentlich besser weiterhelfen. Der Geruchssinn in den Nasenhöhlen des Welses ist in der Tat gut ausgebildet und leitet die Tiere recht zuverlässig zu Futter. Vor allem in Verbindung mit den anderen Sinnen.

Der Webersche Apparat ist zusammen mit der Schwimmblase dafür verantwortlich, dass der Europäische Wels sehr gut hört. Die Schallwellen im Wasser bringen die Schwimmblase in Schwingung. Diese Schwingungen werden dann von den Knöchelchen des Weberschen Apparats zum Innenohr geleitet. Damit die Schwingung nicht verlorengeht, sind die Wirbel zwischen den beiden Ketten des Weberschen Apparats verwachsen. Mit Hilfe des Weberschen Apparats kann der Europäische Wels vor allem hohe Frequenzen wahrnehmen. Gerade diese Frequenzen sind es aber auch, bei denen die Fische am ehesten die Richtung aus der die Schallwellen kamen feststellen können. Auch Geräusche, die ihren Ursprung oberhalb der Wasseroberfläche haben, kann der Wels so ziemlich gut hören. Töne mit niedrigerer Frequenz nimmt der Europäische Wels mit Hilfe des Seitenlinienorgans wahr. Dieses besteht aus 70 bis 75 Kanälchen (Lorenzinische Ampullen) in der Haut, die mit Schleim gefüllt sind und in denen Sinneshärchen sitzen. Druckunterschiede im Wasser werden von dem Schleim auf die Härchen übertragen, wodurch die Wahrnehmung ermöglicht wird. Außerdem funktionieren diese Kanäle mit Sinneszellen auch als Elektrorezeptoren. Hinzu kommen frei ins Wasser ragende Härchen (Neuromasten), die nur auf Strömungen reagieren. Ähnlich ist ein an der unteren Seite des Schwanzes, also des muskulösen hinteren Körperteils, verlaufendes Linienorgan aufgebaut, das Ventrale Linienorgan. Interessanterweise scheinen beide Organe trotz ihres ähnlichen Aufbaus während der Embryonal-und Larvalentwicklung sehr unterschiedlich zu entstehen: Das eigentliche Seitenlinienorgan entsteht ausgehend von Nervenbahnen, die sich durch die seitliche Rückenmuskulatur zur Hautoberfläche schieben. Das Ventrale Linienorgan entsteht dadurch, dass ursprüngliches Keimgewebe sich von vorne nach hinten entlang des Verlaufs des künftigen Organs bewegt und dadurch den Nervenbahnen die Routen vorgibt.

Ergänzt werden diese Organe um Geschmacksrezeptoren, die süß, sauer, bitter und salzig wahrnehmen können. Sie sitzen nicht nur im Maul, sondern auch auf den fleischigen Lippen, auf den Barteln und verteilt über die Haut an Kopf und Vorderkörper. So kann der Europäische Wels schon früh beim Kontakt mit der Beute deren Geschmack testen. Die Barteln besitzen damit nicht nur einen sehr feinen Tastsinn, sondern auch eine chemische Sinneswahrnehmung. Im Zusammenspiel machen all diese Sinne den Europäischen Wels auch in noch so trüben Gewässern zu einem sehr erfolgreichen Jäger. Die Elektrorezeptoren, die chemischen Sinne und das Seitenlinienorgan melden ihm frühzeitig wenn sich Beute nähert – oder auch Gefahr. Auch der hochentwickelte Hörsinn hilft dem Tier dabei, sich nähernde Gefahren zu lokalisieren. Daneben hat der gute Hörsinn aber auch noch einen anderen Nutzen: Europäische Welse können Laute von sich geben. Sie klingen wie ein Bellen oder Trommeln. Wie genau der Fisch diese erzeugt ist noch nicht ganz klar, vermutet wird eine Lauterzeugung mit der Schwimmblase. Die genaue Rolle dieser Laute ist aber noch ungenügend bekannt und bleibt spekulativ.

In einer jüngeren Untersuchung wurde übrigens der etwas exotisch wirkenden Frage nachgegangen, ob albinotische Welse schlechter hören. Dies ist in der Tat ein weitverbreitetes Phänomen bei Säugetieren – Albinos hören deutlich schlechter. Ein experimenteller Vergleich der Hörfähigkeiten zwischen Albinos und normalen Individuen bei Europäischen Welsen erbrachte aber keinerlei signifikanten Unterschied. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Sinneszellen im Innenohr der Säugetiere Melanin besitzen, während dies bei den Sinneszellen im Innenohr des Welses völlig fehlt.


Bild 6: Auge in Auge oder besser: Auge in Bartel mit einem Europäischen Wels. Die langen Barteln gehören zu den wichtigsten Sinnesorganen, mit denen diese Fische ihre Umgebung wahrnehmen und Beute finden. Quelle: Wikipedia/ Dieter Florian.


Jäger aus dem Dunkel… Europäische Welse sind Jäger, die schnell und überraschend zuschlagen – und förmlich aus dem Dunkel. Als Lebensraum bevorzugen sie stehende und langsam fließende Gewässer (also Seen, Altarme, große Flüsse, Deltas und ähnliche Gewässer) mit möglichst reichlich Vegetation und nährstoffreichem, trübem Wasser. In Küstengewässern vertragen sie Brackwasser mit einem Salzgehalt bis 15 Promille, gehen aber nicht in größere Tiefen als 30 m. Ansonsten sind sie auch gegen Wasserverschmutzung und Sauerstoffarmut unempfindlich. Dank eines erhöhten Hämoglobingehalts im Blut von bis zu 35 % können die Tiere auch niedrige Sauerstoffwerte im Wasser optimal nutzen. Sie leben also in Gewässern, die keine große Sichtweite haben. Hier halten sie sich meist in Deckung von Vegetation oder überhängenden Ufern auf, vor allem tagsüber. In der Dämmerung und nachts sind sie wesentlich aktiver. Sie nutzen die schlechten Sichtverhältnisse letztlich als Tarnung, verstärkt durch ihre tarnende Körperfarbe und orientieren sich selber über den Tastsinn und die Elektrorezeptoren, teilweise über das Gehör. Damit bringen sie sich gegenüber vielen Beutetieren in einen Vorteil. Noch dazu, da der Europäische Wels meistens überraschend von unten angreift.

Die Aktivität Europäischer Welse ist sehr variabel sowohl im Jahresverlauf als auch im Laufe eines Tages. Den Tag verbringen sie meistens an ihren Ruheplätzen am Grund der Gewässer. Gelegentlich wechseln sie von einem Platz zum nächsten, in der Regel dorthin, wo gerade am ehesten Beute zu machen ist. In Tschechien wurde das Verhalten im Jahresverlauf näher untersucht. Demnach waren die Fische im Winter und Frühjahr am wenigsten aktiv, also am trägsten. Im Sommer waren die Welse fast den ganzen Tag über aktiv. Zum Herbst hin waren die Tiere vor allem ab der Abenddämmerung aktiv. Die Jagd findet allerdings fast nur nachts statt. Dieses Muster passt auch zu anderen Befunden: Obwohl der Europäische Wels eine große Bandbreite an Temperaturen verträgt, liegt sein Optimum bei knapp über 25° Celsius. Dann wachsen die Tiere am schnellsten und fressen auch am meisten. Solche Temperaturen werden eher im Sommer erreicht und sind für die Welse also von Vorteil.

Europäische Welse spüren ihre Beute mit den Elektrorezeptoren und vor allem über deren chemische Signaturen im Wasser auf, seltener mit Hilfe des Hörsinns. Die Tiere gewinnen dank ihrer verschiedenen Sinne eine recht gute Vorstellung davon, wo sich ihre Beute im Raum befindet. Wenn der große Jäger dann zuschlägt, geht alles ganz schnell: Er reißt das große Maul auf, wodurch ein Sog entsteht, der die Beute ins Maul zieht. Mit der Reibeisenbezahnung hält der Wels die Beute dann fest, bis er sie heruntergeschlungen hat. Prinzipiell kann ein Europäischer Wels praktisch alles fressen, was in sein breites Maul und in seinen dehnbaren Magen passt. Bei einem über zwei Meter langen Tier kann das theoretisch auch ein kleiner Hund sein. Aber nur theoretisch. Sicher nachgewiesen sind durchaus Enten. Hauptsächlich stehen allerdings andere Fische und Krebse auf dem Speiseplan.



Bild 7: Am Schädel eines Welses kann man in der Vorderansicht das Gebiss wunderbar sehen. Quelle: http://www.wildaboutbritain.co.uk


Änderungen des Speiseplans. Das genaue Fressverhalten des Europäischen Welses war bereits Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Einerseits geht von dem Fressverhalten eines Räubers an der Spitze der Nahrungskette naturgemäß eine gewisse Faszination aus. Andererseits gab (und gibt) es verschiedentlich Befürchtungen, diese Art könnte in Gebieten, wo sie durch den Menschen eingeführt wurde, andere Fischarten mehr oder weniger komplett verdrängen, indem sie sie einfach auffrisst. Andernorts wollte man durch den gleichen Effekt auch ganz bewusst zu groß geratene Karpfenpopulationen kontrollieren. Ein genaueres Verständnis was ein Wels wann frisst war also wünschenswert. Es war eigentlich fast zu erwarten: Im Laufe eines Jahres verändert sich das Nahrungsverhalten dieser großen Fische ebenso wie im Laufe eines Lebens. Und die eine oder andere Überraschung gab es auch.

Die fundamentalsten Änderungen vollziehen sich dabei sicherlich während des Wachstums. Da die Größe der Beute, die ein Europäischer Wels fressen kann, von seiner eigenen Größe abhängt, muss er am Anfang des Lebens klein anfangen. Junge Welse von nur wenigen Zentimetern Größe im ersten Lebensjahr sind bereits sehr aktive Jäger, fressen aber fast ausschließlich Wirbellose: Insekten und deren Larven, Würmer, verschiedene kleine Krebse. Nur gelegentlich ergänzen sie diesen Speiseplan um noch kleinere Jungfische anderer Arten oder mit Pflanzenteilen vom Gewässergrund. Wenn die Welse größer werden, ab etwa 5 cm Länge aufwärts, verschiebt sich die Gewichtung im Nahrungssortiment: Wirbellose werden immer weniger gejagt, nun werden andere Fische nach und nach zur Hauptnahrung. Schon frühzeitig wird dabei Beute verschlungen, die bis zu einem Drittel der eigenen Körpergröße ausmacht. Das ist aber nicht die Regel: Auch große Welse jagen und fressen weiterhin wesentlich kleinere Fische. Dazu können auch eigene kleinere Artgenossen gehören, die ebenso ohne Zögern verschlungen werden wie ein Karpfen. Prinzipiell kann jede Fischart, die sich den Lebensraum mit Europäischen Welsen teilt in deren Mägen landen – verschiedene Karpfenfische gehören ebenso dazu wie Barsche, Hechte, Aale und so weiter. Die genaue Zusammensetzung der Nahrungspalette schwankt mit der lokal vorhandenen Artenvielfalt. Und erstaunlicherweise scheint es auch individuelle und lokale Vorlieben bei den Welsen zu geben. Zumindest in zwei Regionen, in Spanien und im Donaudelta, haben die Europäischen Welse zum Beispiel eine besondere Vorliebe für Flusskrebse entwickelt, die teilweise über die Hälfte der Nahrung ausmachen können. In Polen wurde eine in einem See eingesetzte Welspopulation auf ihre Nahrungsgewohnheiten hin untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die jüngeren Welse besonders oft den dort ebenfalls eingeführten Amerikanischen Flusskrebs (Orconectes limosus) fraßen. Dies änderte sich erst nach einigen Jahren als die Welse größer und gleichzeitig durch den Jagddruck die Krebse seltener wurden. Dann waren wieder Fische die Hauptbeute.

Im Laufe des Jahres verändert sich vor allem die Menge an Nahrung, die aufgenommen wird. In den meisten Teilen ihres Verbreitungsgebietes fressen Europäische Welse am meisten im späten Frühjahr und im Sommer, während sie im Winter praktisch keine Nahrung zu sich nehmen. Durch die tiefen Temperaturen ist der Stoffwechsel dann so langsam, dass sie mit ihren eigenen Reserven über die Runden kommen. Es gibt nur vereinzelte Berichte, dass Welse auch im Winter Nahrung aufnahmen, z.B. für Populationen im Fluss Kura im Kaukasus oder im Amurdarja im turkmenisch-usbekischen Grenzgebiet. Andere Beobachtungen scheinen eher typisch zu sein: Im Delta der Wolga zum Beispiel oder auch im Delta des Terek (in der russischen Republik Dagestan) dauert die Nahrungsperiode dieser Fische etwa acht Monate – etwa von März bis Oktober. Am meisten Beute machen die Welse dabei im April bis Mai, wenn sie sich zum einen vom Winter regenerieren und zum andern auch die anderen Fischarten in ihrem Lebensraum wieder aktiver werden, sowie im August, wenn normalerweise das jährliche Temperaturoptimum erreicht wird und die meisten Fischarten am zahlreichsten vorkommen und sich fortpflanzen.

Eine besondere Variation des Jagdverhaltens wurde 2012 bei einer vom Menschen angesiedelten Population im Fluss Tarn im südlichen Frankreich beobachtet – sehr überraschend für die Forscher. Dass Wasservögel wie Enten schon einmal von Europäischen Welsen von der Wasseroberfläche weggeschnappt wurden, war ja durchaus bekannt. Aber was sich den Forscher am Tarn als Schauspiel bot, war noch etwas anderes. Diese Welse jagten – Tauben. Das beobachtete Szenario verdient etwas näher beschrieben zu werden: Auf einer kleinen Insel im Fluss mit kiesigem Ufer hielten sich zahlreiche Tauben am Ufer auf, um zu trinken und ihr Gefieder zu säubern. Wenigstens neun verschiedene Individuen des Europäischen Welses pirschten sich heran, indem sie langsam ins flache Wasser vordrangen. Mit leicht erhobenen Oberkieferbarteln lauerten die Welse dabei auf Wellen, die von den Tauben ausgelöst wurden, wenn sie sich bewegten. In der Tat wurde keine Taube, die nur unbeweglich am Wasserrand hockte angegriffen, immer nur Tauben, die sich erkennbar bewegten. Orteten die Welse eine solche Taube, schossen sie hervor und packten den Vogel und zogen ihn ins Wasser. Insgesamt beobachteten Julien Cucherousset und seine Kollegen aus Toulouse 54 solche Angriffsversuche. Die Attacken erfolgten sehr schnell – die langsamsten dauerten nur 4 Sekunden, die schnellsten weniger als eine Sekunde. In etwa 40 % aller Versuche katapultierten sich die Welse dabei soweit aus dem Wasser heraus, dass sie sich mit mehr als der Hälfte ihres Körpers an Land befanden. Von den 54 Angriffsversuchen waren 15 erfolgreich, eine Quote von 28 %. Dieses Jagdverhalten erinnert stark an ähnliches Verhaltensweisen von Schwertwalen in Südamerika bei der Robbenjagd und war so bisher nicht von großen Süßwasserraubfischen in Europa bekannt. Dieses bemerkenswerte Beispiel zeigt wie anpassungsfähig Europäische Welse sein können, wenn sie sich Nahrungsquellen erschließen und an neue Lebensräume anzupassen (denn der Tarn gehörte niemals zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Welse).



Video 1: Dieses Video zeigt, was Forscher 2012 in Südfrankreich beobachteten: Welse, die sich bis aufs Ufer wagen, um Tauben zu erbeuten.


Da Europäische Welse so anpassungsfähige und tolerant gegenüber verschiedenen Umweltbedingungen sind, da sie von warmen Sommern begünstigt werden und durch die breite Palette an Beutetieren die Top-Räuber in ihrem Lebensraum sind, wurde verschiedentlich immer wieder befürchtet, dass sie in Gebieten, in denen sie sich neu ausbreiteten, ob nun mit oder ohne menschliche Hilfe (auch eine gewisse natürliche Erschließung neuer Lebensräume wurde beobachtet, zum Beispiel am Rhein) andere Fische verdrängen würden. Dies würde zu einer Verarmung der Fauna führen und die lokalen Ökosysteme empfindlich stören. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass dieser Effekt praktisch nie auftritt, da Welse eine eigene Populationskontrolle besitzen: Erwachsene Welse sind stark territorial und je größer sie werden, umso größer wird ihr Territorium. Innerhalb dieses Territoriums steht praktisch alles was kleiner als sie ist auf ihrem Speisezettel – auch kleinere Welse. Dies führt letztlich zu recht regelmäßigem Kannibalismus, der verhindert, dass die Populationsdichte der Welse zu groß und für andere Fischarten zu bedrohlich wird.

Fortpflanzung und Wachstum. Europäische Welse lassen als territoriale Räuber selten andere Welse in ihre Nähe. Es gibt seltene Ausnahmen, in denen jüngere Welse Gruppen bildeten. Die Gründe dafür sind ungenügend erforscht. Zumindest im Winter scheinen sich die Tiere in Gruppen an geeigneten Überwinterungsplätzen zu tummeln: Tiefe Stellen in Flüssen und Seen, höhlenartige Löcher in den Uferböschungen, unter Überhängen. Dieses Verhalten zeigen Welse aber nur bei kalter Witterung. Offenbar koordinieren sie die Versammlung dieser Gruppen mit den Lauten, die sie erzeugen können. Da Europäische Welse bei den tiefen Temperaturen im Winter auch nicht fressen, ist die Gefahr von Kannibalismus in dieser Zeit auch denkbar gering. Einmal allerdings wurde extrem abweichendes Verhalten dieser Tiere beobachtet: 2009 und 2010 tummelten sich in der Rhône nahe der Stadt Lyon ziemlich große Welse mit über zwei Metern Länge in großen Gruppen – einmal wurden wenigstens 44 Tiere nahe beieinander vorgefunden. Der Grund dafür ist bis heute unklar, Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme konnten die Forscher ausschließen, die mit dem Phänomen befasst waren. Es schien ein Schwarm zu sein, aber ohne koordinierte Schwimmbewegungen untereinander. Das Rätsel ist bis heute nicht gelöst, aber die Forscher errechneten, dass die Ausscheidungen so großer Fische auf engem Raum zu einem Überangebot an Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff im Wasser führen, was für die dortigen Ökosysteme durchaus schädlich sein kann. Vermutlich schädlicher als das Jagdverhalten der Fische – es hätte etwa den gleichen Effekt wie die aus der Landwirtschaft bekannte und zu belasteten Gewässern führende Überdüngung.




Bild 8: 2009 bildeten Europäische Welse auf einmal große, aber unkoordinierte Schwärme in der Rhône. Der Grund dafür ist bis heute nicht bekannt. Diese Begebenheit gemahnt uns daran, dass wir noch längst nicht alles über diesen Fisch wissen. Quelle: SPIEGEL online/ Boulêtreau et al. 2011.


Eine andere Gelegenheit, bei der Welse Artgenossen näher an sich heranlassen ist natürlich die Fortpflanzung. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Die Männchen sind bei ausgewachsenen Tieren meist etwas länger und besitzen einen kantigeren Oberkiefer. Dafür sind die Weibchen schwerer. Den einzigen sonstigen Unterschied gibt es an der Afteröffnung. Dort haben die Weibchen eine rundliche, geschwollene Geschlechtswarze, die Männchen dagegen eine zugespitzte. Der kleine Unterschied eben.

Das Paarungsverhalten wird ähnlich wie die Fressaktivität stark durch die Außentemperatur gesteuert. Wenn die Wassertemperatur auf etwa 17° Celsius geklettert ist, beginnt die Laichzeit. Dann bilden die Weibchen zum Beispiel auch die Eier aus, wodurch ihr Unterleib deutlich anschwillt. Da der Beginn der Laichzeit temperaturabhängig ist, schwankt er je nach geographischer Lage. In Mitteleuropa beginnt sie meistens im Mai, in Ungarn bereits im April. Sie dauert dann bis Juli. Bei Welsen im türkischen Menzelet-Reservoir (ein Stausee des Flusses Ceyhan) wurde festgestellt, dass die Fortpflanzungsbereitschaft einem Zyklus unterlag: Im Winter ist sie am geringsten, steigt aber im Frühjahr kontinuierlich an. An dieser Lokalität beginnt die Laichzeit dann auch im Mai oder Juni und dauert bis August. Die Fortpflanzungsbereitschaft geht nach erfolgtem Laichen dann rapide zurück.

Die Männchen bereiten ein regelrechtes Nest vor. Am Grund des Gewässers, für gewöhnlich in Ufernähe, weil es dort auch schützende Wurzeln gibt, legt das Männchen eine kleine Grube an, indem es Schlamm und Sand mit kräftigen Schwanzschlägen zur Seite schafft. Anschließend trägt es weiches Pflanzenmaterial in der Grube zusammen und presst es fest. Das Männchen bleibt nun in der Nähe und wartet auf ein Weibchen, die in dieser Zeit auf die Suche gehen. Nähert sich ein Weibchen, beginnt das Umwerben. Das Männchen folgt dem Weibchen und hektisch schwimmen die Fische hin und her, wobei das Männchen immer das Weibchen verfolgt. Zur Paarung kommt es meistens in den Abendstunden. Dann drängt das Männchen das Weibchen zum Nest, die Fische umschwimmen sich dabei weiter. Schließlich gehen die Tiere noch mehr auf Tuchfühlung, wobei die Initiative vom Männchen ausgeht: Es stößt das Weibchen mit der Schnauze an und windet sich um seinen Leib. Das Weibchen wehrt sich bei diesen Manövern zwar, wird dadurch aber zur Eiablage stimuliert, sobald es dicht über dem Nest ist. Wenn es den Laich ausstößt, gibt das Männchen seine Spermien über dem Nest ab. Diese Prozedur wiederholen die Welse dann mehrfach über einige Stunden hinweg. Die Zahl der Eier ist groß, die Eier selbst auch. Im Schnitt sind die Eier ein bis zwei Millimeter groß, manchmal etwas kleiner oder größer (wobei sie auch in der weiteren Entwicklung dann größer werden). Pro Kilogramm Körpergewicht des Weibchens werden zwischen 11000 und 33000 Eier produziert. Sie sind sehr klebrig und bilden am Grund im Nest große schleimige Klumpen. Diese sind gerade in ihrem Inneren anfällig für Pilzbefall, wenn die Wasserzirkulation das Gelege nicht genügend durchlüftet. Deshalb übernimmt das Männchen nach der Eiablage die Aufgabe, das Gelege zu bewachen und ihm regelmäßig mit den Flossen frisches Wasser zuzufächeln. In dieser Phase sind die Tiere im engsten Raum um das Nest besonders aggressiv gegenüber mutmaßlich für die Eier gefährlichen Eindringlingen. Solche werden oft sofort attackiert. Daher wurde auch in den wenigen Fällen, in denen Menschen angegriffen wurden – etwa in dem geschilderten Fall der 14jährigen Schwimmerin im Felser See in Niederösterreich - , vermutet, dass es dabei nicht um den Versuch ging Beute zu machen, sondern um die Verteidigung des Laichplatzes. In Mitteleuropa scheinen die Weibchen meistens nur einmal abzulaichen. In anderen Teilen des Verbreitungsgebietes, etwa im Kaukasus oder im Amurdarja, wurden Weibchen beobachtet, die pro Saison mehrere Gelege produzierten.




Bild 9: Ein Ei aus dem Gelege eines Welses aus der Nahansicht. Quelle: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2011/der-wels-ein-sprechender-riesenfisch-100.html


Je nach Temperatur dauert es zwei oder mehr Tage, bis die Larven schlüpfen. Sie besitzen für die ersten Tage noch einen Dottersack, halten sich nahe am Boden und ähneln ein wenig Kaulquappen. Sobald die Tiere anfangen zu fressen, wachsen sie mit geradezu rasendem Tempo. Der typische Welshabitus bildet sich im Wesentlichen bereits bei einer Länge von 2,5 bis 3 cm aus. Am Ende des ersten Jahres haben die Europäischen Welse je nach Nahrungsangebot und regionaler Durchschnittstemperatur bereits eine Länge von 20-30 cm und erreichen 500 Gramm an Gewicht. Mit zwei Jahren erreichen die Tiere bereits 40-50 cm. Mit drei bis vier Jahren werden Europäische Welse normalerweise geschlechtsreif, ausgenommen im Norden des Verbreitungsgebietes mit kälterem Klima. Dort werden die Tiere oft erst nach neun Jahren geschlechtsreif. Mit Eintritt in die Geschlechtsreife wiegen die Welse meist zwischen ein und zwei Kilogramm. Ab diesem Zeitpunkt nimmt das Längenwachstum nach und nach ab (hört aber niemals völlig auf), dafür generiert der Welskörper relativ mehr an Masse. Die Männchen wachsen gerade in jungen Jahren schneller als die Weibchen. Interessant ist auch ein Phänomen, das in Spanien beobachtet wurde, als man eine schon vor längerer Zeit angesiedelte Population mit einer frisch in ein Gewässer eingesetzten Population verglich: In der frisch angesiedelten Population wuchsen die jungen Welse deutlich schneller als in der älteren Population. Die Erklärung der Forscher: In einem zuvor nicht von Welsen besiedeltem Gewässer haben die Tiere zunächst keinerlei Konkurrenz und ein größeres Futterangebot. Es ist der Klassiker einer eingeführten fremden Art: Die Tiere wachsen besonders schnell und nutzen die vorhandenen Ressourcen bis fast zum Anschlag. In einer älteren Population dagegen haben sich die Beziehungen im Ökosystem schon wieder eingependelt. Das Nahrungsangebot für den einzelnen Wels geht etwas zurück, da nun bereits eine deutliche Konkurrenz durch die Artgenossen besteht, die sich bereits vermehrt haben und die verschiedenen Gewässerbereiche besetzt haben.

Innerartliche Variationen. An dieser Stelle soll noch einmal an die weite Verbreitung des Europäischen Welses erinnert werden – und daran, dass sich diese Verbreitung auch ohne Zutun des Menschen in den letzten 10000 Jahren stark veränderte.

Der Europäische Wels entstand als Art vermutlich im Gebiet der Wolga vor etwa 8000 bis 10000 Jahren aus einer Welspopulation, die dort durch die vorherige Eiszeit isoliert worden war. Nach dem Ende der Eiszeit kam es zwar noch zu markanten klimatischen Schwankungen, doch es wurde letztlich warm genug, damit sich die Art von dort aus binnen weniger Jahrtausende ausbreiten konnte. Zeitweise war sie dabei damals weiter verbreitet als heute. Archäologische Funde alter Siedlungen zeigen das und können einem zugleich etwas über die Fluktuationen der Verbreitung erzählen. Zum Beispiel ist der Europäische Wels in Belgien und den Niederlanden entlang der Maas und der Schelde nachgewiesen durch Funde, die ein Alter von etwa 4000 bis 6000 Jahren haben. Allerdings war er dort wohl nie sehr häufig, vermutlich handelte es sich stets um einen Rand des Verbreitungsgebietes. Über weitere archäologische Nachweise und auch historische Aufzeichnungen ist der Wels für diese Region außerdem bis hinein ins Mittelalter belegt. Im späten Mittelalter verschwand er jedoch aus den Aufzeichnungen. Erst im späten 19. Jahrhundert setzten Menschen wieder Welse in der Maas und der Schelde aus und siedelten sie damit wieder an. Warum der Europäische Wels mehrere Jahrhunderte lang in Regionen wie Belgien verschwand ist nicht restlos klar. Auffällig ist, dass dieses Verschwinden etwa mit der sogenannten Kleinen Eiszeit zusammenfiel. Dabei handelte es sich um eine Klimaverschlechterung zumindest in Europa in der Zeit zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert. Die Winter waren sehr lang und kalt, die Sommer kühl und feucht. Die Kleine Eiszeit ist ein Beispiel für starke Klimaschwankungen in jüngerer Vergangenheit, es war damals im Schnitt ein bis anderthalb Grad kühler als heute oder als im mittelalterlichen Klimaoptimum zwischen den Jahren 800 und 1300. Da der Wels in seinem Wachstum, seiner allgemeinen Aktivität und seiner Fortpflanzung stark von optimalen Temperaturen abhängig ist, ist es denkbar, dass kleinere Populationen des Fisches einer solchen Klimaverschlechterung nicht viel entgegenzusetzen hatten. Erst recht wenn zu vermutender Jagddruck durch den Menschen hinzukommt.

Am erstaunlichsten ist vielleicht, dass es keine Variation beim Europäischen Wels gibt, die man erkennbar mit der Geographie verlinken und dadurch als Unterart bezeichnen könnte. Dies würde man bei einem so großen Verbreitungsgebiet meistens erwarten. Auch im Erbgut ist so etwas nicht nachweisbar. Es gibt zwar eine gewisse Variabilität in den Genen des Europäischen Welses, aber diese unterliegt keinem klaren Muster, das einige Populationen deutlich von anderen separiert. Man könnte spekulieren, ob die Art noch zu jung ist, um derartige Unterschiede zwischen den Populationen herauszubilden.



Bild 10: Dieser in Ungarn erlegte Wels zeigt sehr schön, wie groß diese Fische werden können. Quelle: http://blogs.helsinki.fi/egru-blog/2009/08/05/hardcore-fishing-in-hungary/


Europäischer Wels und die Menschen. Die Beziehung zwischen Menschen und Europäischem Wels erscheint kompliziert, wenn nicht gar ambivalent. Die eine Seite – die Wahrnehmung des Welses als gefährliches Ungeheuer aus der Tiefe und sei es auch nur für den eigenen Dackel oder als mögliche Bedrohung für Ökosysteme, in denen er einwandert – haben wir bereits gesehen. Es gibt aber auch die andere Seite: Den Europäischen Wels als Nutzfisch.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Wels vielerorts, wie bereits erwähnt, vom Menschen in Gewässern ausgesetzt, um neue Populationen anzusiedeln. Dies geschah aus Erwägungen der Nützlichkeit: Der Fisch sollte die Bestände anderer Fische in Schach halten. Und außerdem wollte man auch den Wels selber fangen können. Denn das Fleisch gilt durchaus als Delikatesse: Es ist grätenarm, hat nur bis 8 % Fettanteil und schmeckt sehr mild. In Osteuropa ist Wels als Speisefisch sogar relativ häufig im Angebot und beliebt. Dort gibt es eine regelrechte Fischerei auf Welse (die zum Beispiel an der Donau auf eine lange Tradition zurückblicken kann, die Hunderte Jahre zurückreicht) und sogar Aquakulturen, die Europäische Welse züchten (in Ungarn bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts). Die Zuchten erfolgen dann meistens in großen Teichanlagen. Das Fleisch bleibt aber teuer, da die Kosten für die Aquakultur hoch sind. Es gibt verschiedene Methoden, um den Ertrag etwas steigern zu können. Unter anderem werden den Fischen Hormone injiziert, um auch außerhalb der normalen Laichzeit die Fortpflanzungsbereitschaft herzustellen. Anschließend werden die Eier und der Samen per Hand aus den Fischen abgestreift und anschließend zusammengebracht, um so die Befruchtung herbeizuführen.

Die wirtschaftliche Bedeutung lässt sich an diesen Zahlen ablesen: Die Aquakulturen in Osteuropa (ohne Russland) liefern jährlich etwa 2000 Tonnen, die Fischerei fängt im gesamten Verbreitungsgebiet des Welses zusammengenommen etwa 10000 Tonnen pro Jahr, meistens mit Reusen und Grundangeln. In Mittel-und Westeuropa ist der Europäische Wels vor allem unter Sportanglern als großer, kraftvoller Fisch beliebt. In einigen Gebieten Russlands wird aber nicht nur Welsfleisch gegessen: Die Eier dienen als preiswerterer Kaviar und auch Haut, Schwimmblase und Knochen des Welses lassen sich weiterverarbeiten zu Leder und Gelatine.

In einigen Regionen mit großer industrieller Belastung der Gewässer sollte man aber mit dem Verzehr von Welsfleisch vorsichtig sein. Da dieser Fisch an der Spitze der Nahrungskette steht, sammelt er in seinem Körper gelegentlich Schadstoffe wie zum Beispiel Schwermetalle an. Diese sammeln sich vor allem in der Leber und in der Niere an. Die Haut ist meist am geringsten belastet und auch das Muskelfleisch ist normalerweise schwächer belastet als es EU-Richtlinien maximal erlauben. Nichtsdestotrotz konnte zum Beispiel bei einigen Welsen aus dem italienischen Fluss Po zwischen 2007 und 2009 eine erhöhte Belastung mit Quecksilber festgestellt werden.

 

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