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AW: ..::|| Raumfahrt ||::..Teil 3

Das Gemini-Programm

Da es absehbar war, das es eine Lücke nach dem Mercury-Programm und vor dem Apollo-Programm geben würde, rief man das Gemini-Programm ins Leben. Die Planung und der Bau der ersten Raketen und der doppelsitzigen Kapseln begannen deswegen schon um das Jahr 1962, damit es keine „Gap“, keine Lücke zwischen den Programmen gab. Die Aufgabenstellung dieses Programms war von vorneherein klar definiert. Da man schon dank des Mercury-Programms wusste, wie sich der durch die Kapsel geschützte, menschliche Körper in der feindlichen Umgebung des Weltraums einige Zeit verhielt, setzte man das Hauptaugenmerk auf die anderen Anforderungen und Probleme, die bei einem Flug zum Mond erforderlich waren. Als Beispiel sei das freie Manövrieren der Kapsel im Weltraum genannt. Man trainierte so das möglichst Treibstoffsparende navigieren der Kapsel, da man z.B. in der Mondumlaufbahn nicht „mal eben tanken“ gehen konnte. Dies musste auch bei den Kopplungsmanövern berücksichtigt werden, wenn die Mondlandefähre angekoppelt, für den Abstieg zum Mond ab- und nach der Wiederkehr vom Mond wieder angekoppelt werden musste. Auch dort lief man schnell Gefahr, zu viel Treibstoff bei unnötigen Manövern der Kapsel mit oder ohne der Mondfähre zu verschwenden. Denn allein ohne diese Kenntnisse wäre an eine Mondlandung nicht zu denken gewesen. Dazu kam die Tatsache, dass man über den Langzeitaufenthalt eines Menschen im All so gut wie keine Erfahrung hatte, da man mithilfe der Mercury-Kapseln nur maximal knapp 1,5 Tage im All verbrachte. Allein schon aus diesem Grund musste man weitere Flüge unternehmen, um erforschen zu können, wie sich der menschliche Knochenbau und das Gewebe bei längerer Einwirkung der kosmischen Strahlung verhalten und welche mögliche Schäden auftreten können.
Was noch dazu kam, war die Tatsache, dass die Gemini-Kapseln ja eine Weiterentwicklung der Mercury-Kapsel waren. Dadurch, dass die Kapsel für 2 Astronauten vorgesehen war, änderten sich auch zwangsläufig die Maße. Das hieß, dass man neben der Entwicklung der Kapsel auch die Rakete „ändern“ musste, da die Kapsel nicht mehr auf die vorhandenen Redstone-Raketen passte. So liefen später zeitweise 2 Programme nebeneinander: Das Mercury-Programm in seiner „praktischen Phase“ und das Gemini-Programm in seiner Planungs- und Testphase.
Nachdem man jetzt eine Richtung im Gemini-Programm vor sich hatte, ging es in die „heiße Phase“ über. Als Trägerssystem ließen sich die Raketen der Titan-Reihe hervorragend nutzen. Da diese seit 1955 entwickelt wurde, würde man eine hervorragende Grundlage haben und man bräuchte sich damit nur auf die Anpassung der Gemini-Kapseln an die Rakete zu konzentrieren. Die Rakete >>Titan II (Hier beim Start einer Gemini-Mission)<<[ color="orange]" url="http://historicspacecraft.com/Photos/Rockets/Titan-I_Dayton_2008_RK_1.jpg" basierte="" auf="" einer="">>Titan I Rakete (hier in der Mitte ein Model bei einer Ausstellung)<< des Militärs. Diese brauchten damals eine leistungsfähige Rakete, die gegebenenfalls schwere Sprengköpfe zur Zerstörung stark gepanzerter Bunker der Russen transportieren konnte. Da es aber mit den Titan I Raketen aufgrund ihres Treibstoffes Probleme gab, diese aus Raketen-Silos starten zu lassen, begann man schon fast zeitgleich während der Erprobungsphase der Titan I mit der Weiterentwicklung dieser Raketen, die dann in der „Titan II“ gipfelte, die nach Anpassungen hervorragend für die Gemini-Mission geeignet wären. Das Treibstoffproblem bestand im Vorhandensein des Sauerstoffs als Oxidator. Da die Explosionsgefahr der Titan I im Raketen-Silo zu groß war, musste man diese bei einem Start erst aus dem Silo heben, da es sonst zu gefährlich gewesen wäre. Das wäre im Ernstfall zu viel verlorene Zeit gewesen. Der Vorteil der Titan II Raketen dagegen war die neue Treibstoffzusammensetzung, die aus Stickstofftetroxid als Oxidator und Aerozin50 als zugehörige Treibstoffmischung bestand. Diese beiden Treibstoffe sind sogenannte „Hypergole Treibstoffe“. Das heißt, dass diese, jede für sich gelagert, völlig ungefährlich sind, sich aber bei Berührung explosionsartig entzünden. Verwendung finden die Hypergolen Treibstoffe auch heute noch. Als Beispiel sei das OMS (Orbital Maneuvering System) des amerikanischen Space Shuttles genannt. Die Vorteile sind die einfachere Lagerung der Treibstoffe bei normalen Temperaturen ohne notwendige Isolierungen und das man für die selbstzündenen Treibstoffe keine Zündanlage braucht. Für die Verwendung als Interkontinental-Rakete war dies ein wichtiger Punkt, da diese sofort einsatzbereit sein mussten. Die NASA meldete somit zu der Zeit auch Interesse an diese Rakete an, da sie für das Gemini-Programm eine sehr gute Grundlage bot, weil sie neben der einfachen Anpassungsfähigkeit eine maximale Nutzlast von ca. 3,8 Tonnen in eine Umlaufbahn bringen konnte. Da die Gemini-Kapsel ebenfalls komplett mit Besatzung knapp 3,7 Tonnen wog, war die Wahl eindeutig, welche Rakete es sein sollte. Somit konnte das Gemini-Programm in die „heiße Phase“ übergehen.