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Ein Schock für's Leben - Die Legende des Defibrillators

Jeder kennt die Szene. Der Patient liegt ohne Herzschlag auf der Trage, das Rettungspersonal schmiert etwas Gel auf zwei bügeleisenähnliche Teile mit langen Kabeln, drückt sie auf die Brust - und der Patient hebt einen halben Meter weit ab. Aber was hat es mit diesem Wungerding auf sich, dass sich umständlich "Defibrillator" nennt?

Nun gibt es diese Defis auch für Laien, sie hängen bereits in einigen Städten an öffentlichen Plätzen. Aber wie funktionieren diese?

Nun muss man erstmal wissen, wie das Herz funktioniert. Das ist allerdings überaus kompliziert und fürs Verständnis reicht das Wissen, dass das Herz seinen eigenen Kopf hat, seine Schlagfrequenz wird vom Sinusknoten, einem Nervenknoten am rechten Vorhof des Herzens, gesteuert, nicht vom Gehirn!! Anders als z. B. die Atmung, die vom Atemzentrum gesteuert wird. Das Gehirn kann nur indirekt über Hormone und ähnliches Einfluss auf den Sinusknoten ausüben und so den Herzschlag steuern.

Nun ist der Sinusknoten zwar der Chef im Ring, es gibt jedoch noch andere Instanzen im Herzen, die ein Zusammenziehen (Kontraktion) auslösen und somit die verschiedenen Teile des Herzens zu verschiedenen Zeiten kontrahieren lassen, so dass die verschiedenen Teile im Herzen nicht gleichzeitig sondern leicht zeitversetzt kontrahieren, was eine optimale Auswurfleistung ermöglicht.

Wen es interessiert: Zuerst kommt der Sinusknoten, es folgt der AV-Knoten, das His-Bündel, die Tavaraschenkel und letztlich die Purkinjefasern.

Ist der Sinusknoten außer Gefecht oder kann er seine Befehle nicht mehr weitergeben (z. B. beim AV-Block) kommt das Herz aus dem Takt, da die anderen Befehlsgeber, die normale auf den Sinusknoten hören, ihren eigenen, wenn auch langsameren Rhythmus haben. Diese Zellen, welche die Impulse weitergeben und keine Nervenzellen sondern spezialisierte Herzmuskelzellen sind, können nämlich ihren eigenen Rhythmus erzeugen. Während der Sinusknoten 60-80 Schläge pro Minute erzeugt (im Ruhezustand) macht der AV-Knoten 40-50 Schläge pro Minute, das His-Bündel 20-30, die Tavaraschenkel schaffen noch 10-20 und selbst die Purkinjefasern haben noch einen Eigentakt von 5-10. Da allerdings der Sinusknoten zuerst auslöst kommt die Schrittmachertätigkeit der anderen Zellen nicht zum Einsatz.
Dadurch wird genialerweise ermöglicht, dass das Herz auch dann noch (wenn auch langsamer) schlägt, wenn der wichtige Sinusknoten mal nicht seinen Dienst tut.

Natürlich würde im Fall eines simplen AV-Blocks (der Impuls des Sinusknotens dringt nicht mehr zum AV-Knoten durch) das Herz mit 40-50 Schlägen pro Minute weiterschlagen. Nun kann es aber auch sein, dass alle "durcheinander quasseln" und jeder seinen eigenen Takt fährt. Das gibt natürlich Chaos, da sich das Herz nicht mehr richtig füllen und entleeren kann. Wenn das Herz so zwar noch zuckt, aber kaum noch Blut pumpt spricht man von der "pulslosen, elektrischen Aktivität (PEA)". Oder der „pulslosen, ventrikulären Tachykardie“. Und genau hier kommt z. B. der Defi ins Spiel! *Fanfare spiel*



Wenn der Defi einen Schock auslöst werden alle anderen einfach übergebügelt und der Sinusknoten hat erneut die Chance, das Kommando zu übernehmen. Wenn er das schafft ist ein normaler Herzrhythmus wieder hergestellt. :hurra2:

Das Herz wird quasi resettet und eine Nulllinie, ein echter Herzstillstand verursacht. Was man also im Fernsehen sieht, dass man beim Herzstillstand defibrilliert, ist barer Unsinn, denn genau den Herzstillstand, den man damit im Fernsehen zu beheben versucht, verursacht ja der Defi.

Vielmehr wird dem Patienten Adrenalin (ein Stresshormon) gespritzt, welches den Sinusknoten wieder unterstützt und das Herz so Starthilfe bekommt.



Ich hoffe, das war verständlich. ;)

Übrigens: Den Dauerpiepton gibt es auch nicht, da jeder Piepton einen elektrischen Impuls symbolisiert. Vielmehr schweigt das Gerät bei Herzstillstand oder gibt einen Alarmton aus (je nach Einstellung). Wenn der Patient dauerhaft an ein EKG angeschlossen ist würde man den Alarmton einstellen, im Rettungswagen wird dieser aber nicht benutzt, da der Dauerton nur stören und die Kommunikation erschweren würde. Da man hier das EKG und den Patienten ohnehin dauerhaft beobachtet bemerkt man auch ohne Alarm, wenn etwas nicht stimmt.




< /scherflein>
insanus

Kommentare 

 
# le doctore 2015-10-25 11:34
Hey, wollte nur mal kurz darüber informieren, dass es sich beim Sinusknoten und den anderen Schrittgebern keineswegs um Nervenknoten, sondern um spezialisierte Muskelzellen handelt. mfg le doctore
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