Bakteriophagen - die Alternative zu Antibiotika

Penicillin – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1897. Dies sind die Abenteuer des Schimmelpilzes Penicillium glaucum, das mit Giften unterwegs ist, konkurrierendes, mikrobiologisches Leben auszulöschen, um neue Welten zu erforschen und sich auszubreiten.

Scheiße, falsches Skript. Das war für Raumschiff Enterprise gedacht. :-?

*wühl* *kruschtel*

So, nochmal auf Anfang:

Penicillin ist das erste, entdeckte Antibiotikum, ein Schimmelpilz welcher bestimmte Bakterien eliminiert. Da diese Gifte nur die Bakterien angreifen, nicht jedoch den Menschen selbst, kann es auch im Körper des Menschen zur gezielten Abwehr der Bakterien eingesetzt werden. Die Darmbakterien gehen dabei mit drauf und leider sitzen 80% des Immunsystems im Darm. Wenn die Darmflora vor die Hunde geht zieht das oft Folgeinfekte nach sich. Aber besser die Darmflora muss dran glauben als der ganze Mensch.

Fakt ist, dass es nicht viele Antibiotika gibt. Sie lassen sich zwar künstlich herstellen, aber die "Rezepte" dafür gibt die Natur vor, so komplexe Stoffe lassen sich nur nachbauen, nicht neu erfinden. Es gibt rund ein Dutzend verschiedener Antibiotika (sorry, die Angabe ist nicht sicher, ich forsche das aber nach), und nicht jedes wirkt gegen jedes Bakterium.

Im zweiten Weltkrieg galten Antibiotika als Wundermittel, konnten so doch viele Infektionen einfach mit ein paar Pillen geheilt werden. Vor allem der gefürchtete Wund- und Gasbrand, der mehr Menschen das Leben kostete als die Verletzungen selbst.

Doch die Waffen wurden stumpf, denn die Bakterien passen sich an. Sie entwickeln Resistenzen, also Abwehrstrategien gegen die Antibiotika. Nicht nur das, sie können die Gene für diese Resistenz sogar weitergeben (Bakteriensex :shock: ) und wenn man Antibiotika nicht so lang wie verschrieben einnimmt und zu früh absetzt überleben die resistenten Bakterien und vermehren sich wieder - und diesmal kann ihnen das Antibiotikum nichts mehr anhaben. Mit den paar übrig gebliebenen vor dem Absetzen wäre der Körper aber immer noch allein fertig geworden.

Mittlerweile gibt es multiresistente Keime. Sogar omniresistente, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind. Superbakterien. :panik:

Doch es gibt ihn, den Retter, den Rächer der Enterbten. Und er wurde in der DDR entdeckt. Und erforscht. Und geriet in Vergessenheit... Bis heute, wo einige wenige wieder dran sind (nicht zu viel natürlich, denn mit Antibiotika verdient man immerhin gutes Geld).

Aber er hat einen Namen, unser Held:

Der Bakteriophage


Phage heißt "fressen" und er ist ein Virus. Ein Virus, das Bakterien befällt.

Unser strahlender Held (nennen wir ihn einfach mal "Harald") im schematischen Aufbau:


Und nochmal unterm Mikroskop:

komm raus, Harald! (er ist schüchtern) Keine Angst! :-)



Hübsch, nicht wahr?

Er tut nun mit den Bakterienzellen das gleiche wie mit tierischen (also auch menschlichen) und pflanzlichen Wirtszellen. Er schleust seine eigene DNA in die Zelle ein und funktioniert sie so zu einer Vervielfältigungsstätte seiner selbst um. Die Bakterienzelle kann ihrer eigentlichen Arbeit nicht mehr nachgehen und wird irgendwann unter dem Druck der immer mehr werdenden Viren in ihrem Inneren platzen. Dabei werden schlagartig viele, viele neue Viren freigesetzt, die dann ihrerseits wieder neue Zellen (in diesem Fall nur die Bakterien, für die sie gebaut sind) befallen.



Betrachten wir die Vor- und Nachteile der Bakteriophagen.

Vorteile:

Da die Phagen nur bestimmte Bakterien befallen können sie spezifisch auf den Erreger der Krankheit „programmiert“ werden. Die Darmflora, die bei der normalen Antibiotikagabe mit draufgeht und rund 80% des Immunaufgaben übernimmt (die meisten Keime nehmen wir mit der Nahrung auf) bleibt verschont. Diese Therapieform ist also sehr gut verträglich.

Die Bakterien haben kein Immunsystem, können also keine Resistenzen gegen die Phagen entwickeln. Sie sind Harald und seinen Jungs quasi schutzlos ausgeliefert. Es gibt zwar Abwehrstrategien wie Schleimhüllen, aber auch diese nützen nur begrenzt und vor allem behindern sie das Bakterium selbst, wohin gegen eine Resistenz nur ein bisschen Energie kostet, aber sonst keine Nachteile mit sich bringt. Und eine Schleimhülle könnte meist nur das Unvermeidliche hinauszögern. Dieses ist der größte Vorteil der Phagen.



Nachteile:

Die Phagen überleben nicht lange im Körper. Sie sind Proteine, Fremdeiweiße, und werden entsprechend schnell selbst Opfer des fleißigen Immunsystems. Gegenstand der Forschung ist derzeitig, ihre Lebensdauer im menschlichen Körper zu verbessern, damit sie sich genug ausbreiten können.



Ich habe die Ausführungen bewusst kurz gehalten. Wer Genaueres nachlesen will sei an die allwissende [WIKI="Bakteriophagen"]Wiki[/WIKI] verwiesen.





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