Pirats Bestiarium: Editorial 7 - Die Zukunft

Pirats Bestiarium

 

Editorial 7 – Die Zukunft

 

Die sechste Staffel von Pirats Bestiarium ist vorbei. Zusammen mit der zusätzlichen Spezialreihe zu den Sauropoden wurden in fast 6 Jahren 67 Tierarten vorgestellt und in sieben allgemeineren Beiträgen weitere Hintergründe bearbeitet. Man darf sich das ruhig einmal vor Augen führen: Diese 67 Arten decken so unterschiedliche Tiergruppen ab wie Rippenquallen, Plattwürmer, Muscheln, Insekten, Seeigel, Dinosaurier, Beuteltiere und Paarhufer. Thematisch haben wir immer wieder Ausflüge in die Wissenschaftsgeschichte, in Datierungsmethoden, Evolutionsmechanismen und viele übergreifende Themen mehr gemacht. Es mag unglaublich viel erscheinen und breit gestreut und trotzdem haben wir nur an der Oberfläche gekratzt. Deshalb wird derzeit auch alles getan, das Bestiarium am Leben zu halten, auch in Zeiten immer komplexerer Gesetzgebungen bezüglich Onlineinhalten.

 

Mit Blick auf die Zukunft treiben mich aber auch andere Fragen um: Was kann ich tun, um das Bestiarium weiter zu verbessern? Verschiedene Ideen sind dazu in der Überlegung, nicht alle davon erweisen sich als leicht umsetzbar. Schon lange wünsche ich mir eigentlich mehr eigenes Bildmaterial, was aber oft kaum umsetzbar ist (ich kann leider nicht persönlich auf Safari nach bestimmten Viechern gehen). Momentan beschäftige ich mich mit Ideen wie der Punkt verbessert werden kann. Verwandt mit diesem Aspekt ist die Absicht, manche Dinge mit eigenen Grafiken darzustellen. Bereits in früheren Editorials wurden diese für die Stammbäume benutzt. In diesem Editorial nun werde ich erstmals die kleinen Statistiken zu den beschriebenen Tieren ebenfalls mit eigenen Grafiken darstellen. Fans bunter Diagramme dürfen sich freuen.

 

Was auch schon in den kommenden Artikel weiterentwickelt werden soll ist das Layout – Überschriften einzelner Abschnitte sollen deutlicher werden, um ein Beispiel zu nennen. Außerdem möchte ich mich an kleinen Eye-Catchern versuchen, die direkt unterhalb der Porträtüberschrift auf einen Blick die ungefähre Tiergruppe verdeutlichen und auch jenen, die gerne den Abschnitt mit den Verwandtschaftsbeziehungen überspringen, eine kurze Orientierung ermöglichen. Ich weiß ja, dass es genau dieser Abschnitt ist, wo man sich am meisten mit komischen Fremdwörtern herumplagt und der häufig am trockensten ist. Diesbezüglich trage ich mich mit Überlegungen, die lange Namensliste in diesem Abschnitt in einigen Bereichen etwas zu entschlacken und zu verkürzen. Allerdings kann ich noch nicht sagen, in welchem Maßstab das sinnvoll umsetzbar ist.

Es wird sich also etwas tun und ich würde mich unglaublich freuen, wenn bisher treue Leser dem Bestiarium auch weiterhin gewogen bleiben.

 

Der Stammbaum.

 

Werfen wir einen kurzen Blick auf unseren Stammbaum wie er sich jetzt darstellt. Ich habe mir die Freiheit genommen, diesen Stammbaum mal anders zu erstellen als bisher: Per Hand gezeichnet und dann ein wenig auf alt getrimmt, mit netter Schnörkelschrift. Quasi zu Ehren des sechsjährigen Jubiläums des Bestiariums. Die basalen Aufspaltungen einiger besonders wichtiger Tiergruppen sind auch bezeichnet. Mit schwarzen kreuzförmigen Sternen sind die ausgestorbenen Arten bezeichnet. Und wie immer ist zusätzlich unsere eigene Art, der Homo sapiens, mit eingezeichnet, damit man sehen kann in welchem Verhältnis zu den anderen Arten wir stehen. Hier ist er:

 

PhylogenieStaffel6d

 

Was direkt auffällt: Der Stammbaum wird immer buschiger. Verschiedene Gruppen kommen jetzt deutlicher heraus: Bei den Insekten die Gruppe der Holometabola (also der Insekten mit Verpuppungsstadium) und innerhalb derer die Käfer (Coleoptera). Bei den Käfern folge ich hier einer jüngeren phylogenetischen Studie von 2015, die den Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci) nicht so basal innerhalb der Käfergruppe der Polyphaga sieht, als ich das ursprünglich berichtet habe. Dies schlägt sich hier bereits nieder. Weitere nun besser sichtbare Gruppen sind die Weichtiere (Mollusca) und innerhalb der Säugetiere (Mammalia) der basalere Zweig der Beuteltierverwandten (Metatheria). Mit der Mähnenratte (Lophiomys imhausii) sind auch endlich die Nagetiere (Rodentia) vertreten – hier als direkte Schwestergruppe der Gattung Homo, bedingt durch den Stichprobeneffekt.

 

Die Stichprobe.

 

Kommen wir nun zu dem kleinen Steckenpferd von mir…die kleine statistische Auswertung der beschriebenen Arten. Kommen wir zunächst zu der Aufschlüsselung nach Verwandtschaftszugehörigkeit. Dazu folgendes Diagramm:

 

TiergruppenS6

 

Gegenüber der letzten Statistik ist eine Gruppe neu hinzugekommen – die Knorpelfische (Chondrichthyes), repräsentiert durch nur eine Art (aufgerundet 1 %). Der Anteil der Strahlenflosser (Actinopterygii) ist erneut gesunken, er liegt jetzt bei 10 %. Dafür haben die Insekten wieder zugelegt, sind nun bei 16 %. Zusammen mit den anderen Gliederfüßern (Arthropoda) kämen sie sogar auf 23 %. Gemessen an der Realität ist das aber immer noch unterrepräsentiert. Überrepräsentiert sind mit zusammen 21 % zum Beispiel Dinosaurier und Vögel (Aves), hier aufgeschlüsselt in 15 % und 6 %. Dies ist auch eine Folge der Artikel des Sauropoden-Specials. Auch die Säugetiere sind mit 16 % überrepräsentiert, einige der anderen Gruppen bleiben unterrepräsentiert (zum Beispiel die Weichtiere (Mollusca)).

Das nächste Diagramm zeigt das Verhältnis zwischen ausgestorbenen und noch lebenden Arten an:

 

FossilS6

 

Abgesehen von einem kleinen Prozentsatz in historischer Zeit ausgestorbenen Arten (2 % - sehr stark aufgerundet), sind die fossilen Arten mit 34 % recht stark vertreten. Dieser Wert hat sich damit seit letztem Mal erhalten.

Etwas genauer aufgeschlüsselt hab ich diesmal die geographische Statistik. Zunächst hier die entsprechende Statistik der noch lebenden Arten:

 

GeographieRezentS6

 

Dabei ist eine Region ganz neu dabei: Madagaskar. Und auch erst schwach vertreten. Die eurasische Region der Paläarktis bleibt weiterhin am stärksten vertreten, hat ihren Vorsprung sogar ausgebaut – auf 18 %. Auf Rang zwei hat sich Afrika vorgekämpft, mit nun 10 %. Die in der Realität artenreichsten Regionen – Neotropis (Südamerika) und Indopazifik – haben hier nur jeweils 8 %, sind also eigentlich unterrepräsentiert. Diese Abweichungen von der Realität sind eine direkte Folge der sehr willkürlichen Stichprobe meinerseits.

Ganz neu nun die Statistik der geographischen Verteilung der fossilen Arten nach heutigen Kontinenten, hier das Diagramm:

 

GeographieFossilS6

 

Spitzenreiter sind hier die beiden Amerikas und Europa (30 %, 22 % und 13 %). Dies spiegelt nur zum Teil die Willkür meiner Auswahl, wenigstens zum Teil gibt dies tatsächlich die Sammlungs-und Forschungsintensität in diesen Regionen wieder. Asien ist mit 9 % allerdings definitiv unterrepräsentiert, vor allem wenn man die intensive Forschungstätigkeit in China bedenkt. Es wird spannend sein, wie sich diese Statistik später noch weiter entwickelt.

Das vielleicht spannendste Diagramm ist jenes, in welchem ich alle Arten nach ihrer Größe aufgetragen habe. Die Y-Achse stellt dabei die Anzahl der Arten dar, die X-Achse die Größenskala, und die ist logarithmisch aufgeteilt (jeder Abschnitt ist dabei im Grunde eine Zehnerpotenz höher angesetzt). Man werfe einen Blick darauf:

 

GrößenverteilungS6

 

Immer noch trotzt ausgerechnet diese Statistik weitestgehend den sonst zu beobachtenden Willküreffekten meiner Stichprobenauswahl und bewegt sich in ihrem Verlauf verdächtig nahe an der Glockenkurve, die man bei einer tatsächlichen Zufallsverteilung in der Natur erwarten würde. Lediglich das rechte Ende der Kurve ist etwas höher, als eigentlich zu erwarten – dieser Effekt ist dem Sauropoden-Special geschuldet. Auch hier kann man gespannt sein, wie lange sich diese fast gleichmäßige Verteilung erhält.

 

Wie geht’s weiter?

So, wie geht’s nun weiter? Also ich habe wieder 10 Arten eingeplant, die so manche Überraschung bereithalten – und auch ein oder zwei Gruppen mit abdecken werden, die uns noch gar nicht begegnet sind. Möchte da aber nicht zu viel verraten. Nur so viel: Der Schwerpunkt wird diesmal bei wirbellosen Arten liegen. Daneben wird zu gegebener Zeit die nächste Folge des Sauropoden-Specials kommen.