Pirats Bestiarium: Pholidocercus hassiacus

Pholidocercus hassiacus Koenigswald & Storch, 1983

 

Namensbedeutung. Der Gattungsname bedeutet tatsächlich schlicht „Schuppenschwanz“ – abgeleitet von den griechischen Wörtern „pholidos“ für Schuppe und „cercos“ für Schwanz. Er verweist auf die schuppenartigen Hautverknöcherungen des Schwanzes dieser Art. Der Artname hassiacus verweist auf das Bundesland Hessen, auf dessen Gebiet der bisher einzige Fundort der Art liegt. Die Übersetzung „Hessischer Schuppenschwanz“ hat es vereinzelt sogar bis in die lokale Presse geschafft.

 

 

Verwandtschaftsbeziehungen. Animalia; Eumetazoa; Bilateria; Deuterostomia; Chordata; Craniota; Vertebrata; Gnathostomata; Eugnathostomata; Osteichthyes; Sarcopterygii; Rhipidistia; Elpistostegalia; Stegocephali; Tetrapoda; Reptiliomorpha; Amniota; Synapsida; Eupelycosauria; Sphenacodontia; Therapsida; Eutherapsida; Neotherapsida; Theriodontia; Cynodontia; Mammaliamorpha; Probainognathia; Mammaliformes; Mammalia; Theriimorpha; Theriiformes; Trenchotheria; Cladotheria; Theria; Eutheria; Placentalia; Boreoeutheria; Laurasiatheria; Eulipotyphla; Erinaceomorpha; Amphilemuridae; Pholidocercus.

 

Eine kurze Betrachtung der Verwandtschaftsbeziehungen von Pholidocercus hassiacus führt uns geradewegs zu zwei neuen Baustellen in der Säugetierphylogenie, die uns bisher noch nicht begegnet sind. Sicher ist vor allem, dass Pholidocercus hassiacus zur ausgestorbenen Familie der Amphilemuridae zählt. Und da fängt das Problem schon an. Ursprünglich wurde diese ausgestorbene Familie früher Säugetiere für mögliche frühe Verwandte der Primaten gehalten – man kannte nur wenige Vertreter von sehr fragmentarischen Überresten. Erst die Entdeckung von Pholidocercus hassiacus mit vollständigen Exemplaren machte klar, dass es sich bei dieser Gruppe zumindest nicht um frühe Primaten handelte. Vielmehr schien nun klar zu sein, dass es sich um Stammlinienvertreter der heutigen Igel (Erinaceidae) handelte. Dies basiert zum Beispiel auf deutlichen Gemeinsamkeiten der Ohrregion des Schädels und des Hinterhaupts. Seitdem werden die Amphilemuridae den Erinaceomorpha zugeordnet, den Igelartigen. Diese bisher am besten untermauerte Sichtweise übernehme ich hier, möchte aber nicht verschweigen, dass es jüngst auch wieder eine neue Sichtweise zur Stellung der Amphilemuridae gibt: Nach einigen neueren phylogenetischen Analysen könnten sie frühe Stammlinienvertreter der Rüsselspringer (Macroscelidea) sein – damit würden die Amphilemuridae zu den Afrotheria gehören, zu denen auch Elefanten und Seekühe gehören. Diese Verwandtschaftshypothese ist allerdings noch nicht allgemein anerkannt und wird wohl erst noch weitere Bestätigung brauchen müssen, bevor sie als gesichert gelten kann. Daher folge ich hier zunächst wie gesagt der bisherigen Sicht. Ein Versuch in den 1980er Jahren, eine Verbindung zwischen Igelartigen und Primaten herzustellen, wobei die Amphilemuridae als mögliches Argument herhalten mussten, wurde ebenfalls rasch nach einer genauen Analyse des Aufbaus des hinteren Schädelbereichs unter anderem von Pholidocercus hassiacus verworfen.

 

Die zweite Baustelle betrifft dann aber sowieso die Stellung der Igelartigen insgesamt. Ursprünglich hatte man diese zusammen mit zahlreichen anderen kleinen, insektenfressenden Säugern in die Gruppe der Insektenfresser (Insectivora) gesteckt. Diese wurde über Jahrzehnte kaum angezweifelt. Allerdings musste man schließlich aufgrund eindeutiger Unterschiede immer wieder Teilgruppen aus den Insectivora entfernen – erst die Riesengleiter, dann die Spitzhörnchen und Rüsselspringer. Ende der 1970er Jahre blieb ein harter Kern von Insektenfressern übrig, so glaubte man. Diese firmierten nun unter dem Namen Lipotyphla. Diese Gruppe wurde aber auch nur etwa 20 Jahre lang anerkannt. Dann stellte sich heraus, dass die Goldmulle und Tanreks nicht dazugehören konnten – sie entpuppten sich als Afrotheria! Übrig blieben die Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe und Schlitzrüssler. 1999 fasste man sie nun als Eulipotyphla zusammen, damit es keine Verwechslungen mit dem früheren Lipotyphla-Konzept gab. Immerhin hatte man aber die Igelartigen bis dahin relativ sicher als Verwandte der Spitzmäuse und Maulwürfe betrachtet. Im Jahre 2000 jedoch kam eine Studie aufgrund von Untersuchungen der mitochondrialen DNA verschiedener Insektenfresser zu dem Schluss, dass die Igelartigen (Erinaceomorpha) von den anderen Eulipotyphla zu trennen wären. Diesmal gab es einiges hin und her. Wie sich zeigte, besitzt die mitochondriale DNA bei Igeln, Spitzmäusen und Maulwürfen eine erhöhte Mutationsrate. Dadurch wird eine größere verwandtschaftliche Ferne vorgetäuscht. Diese lässt sich aber bei Untersuchungen an der DNA aus dem Zellkern nicht bestätigen. Daher wird die Studie von 2000 inzwischen in ihren Ergebnissen stark angezweifelt. Gegenwärtig wird es für wahrscheinlicher gehalten, dass die Eulipotyphla tatsächlich eine monophyletische Gruppe sind und eine basale Abzweigung der Laurasiatheria darstellen (Vertreter dieser Gruppe sind uns bereits mit dem Ozelot (Leopardus pardalis) und dem Flachlandtapir (Tapirus terrestris) begegnet). Daher habe ich auch hier diese Sichtweise übernommen. Innerhalb der Eulipotyphla sind die Igelartigen vermutlich mit den Spitzmäusen (Soricidae) nächstverwandt.

 

Fundorte. Bisher ist Pholidocercus hassiacus nur von einer einzigen Fundstelle her bekannt: Der Grube Messel, direkt neben dem gleichnamigen 3800-Seelen-Örtchen 9 km nordöstlich von Darmstadt im Bundesland Hessen.

 

Karte

Bild 1: Die Lage der Grube Messel nordöstlich von Darmstadt (markiert als A). Quelle: Google Maps; GeoBasis-DE/BKG.

 

Datierung. Die Fossilien aus der Grube Messel stammen alle aus dem dortigen dünnlagigen Tonstein, umgangssprachlich als Messeler Ölschiefer bekannt. Diese Gesteinsabfolge wird inzwischen als Messel-Formation zusammengefasst. Schon länger wusste man, dass diese im Eozän (vor 56 bis 33,9 Millionen Jahren) abgelagert worden sein muss. Seitdem man Basaltgänge direkt unter der Messel-Formation mittels radioaktiver Argon-Isotope im Jahre 2005 auf etwa 47,8 Millionen Jahre datieren konnte, kann man angesichts der weiteren zu beobachtenden Rahmenbedingungen ziemlich sicher sagen, dass die Messel-Formation selber nur geringfügig jünger ist und vermutlich um die 47 Millionen Jahre alt. Damit fällt sie in die zum Eozän gehörende Stufe des Lutetium (vor 47,8 bis 41,3 Millionen Jahren).

 

Von der Müllkippe zum Welterbe. Bevor wir uns mit Anatomie und Biologie des Pholidocercus hassiacus herumschlagen, ist es sinnvoll sich den Fundort dieser Art genauer anzuschauen. Denn die Grube Messel gehört zu den bemerkenswertesten Fossilienfundstellen der Welt. Sie fällt in die Kategorie der Fossillagerstätten. Die Fossiliendichte in den Schichten des sogenannten Ölschiefers ist vergleichsweise hoch (wenn man Blattfragmente, versteinerten Fischkot, einzelne Schüppchen usw. mitzählt findet man eigentlich andauernd was – aber natürlich sind wirklich schöne und wissenschaftlich wertvolle Funde dann doch seltener, aber immer noch relativ regelmäßig), vor allem wenn man die relativ geringe Fläche der Grube in Betracht zieht: Sie misst gerade mal etwa 1100 m mal 650 m. Die heutige Tiefe beträgt über 60 m.

 

Die Grube selber entstand durch menschlichen Abbau. Im 19. Jahrhundert baute man in der Nähe bereits Eisenerze ab; als man nach weiteren Vorkommen suchte stieß man nahe dem Bahnhof von Messel auf Schichten, die man für Braunkohle hielt. Ab 1875 versuchte man diese abzubauen. Allerdings war ihre Qualität scheinbar schlecht – bei geringem Heizwert fiel viel Schlacke an. Erst fast 10 Jahre später stellte man fest, dass man mit bestimmten Verfahren aus der vermeintlichen Braunkohle Rohöl und Paraffin gewinnen konnte. Denn die Braunkohle war gar keine Braunkohle. Es war ein feinkörniges und in dünnen Lagen abgelagertes Tongestein mit einem hohen organischen Anteil. Dadurch hat es eine braune und manchmal sehr dunkle Färbung. Zwischengeschaltet sind manchmal helle karbonatische und eisenhaltige Lagen. Wegen der Ölgewinnung wurde das Gestein bald als Ölschiefer bezeichnet, was aber eigentlich falsch ist: zum einen musste das Öl erst komplex durch Verschwelung aus dem Gestein gewonnen werden und ist nicht bereits als Öl darin enthalten. Zum anderen stellen die einzelnen Gesteinslagen eine echte Schichtenabfolge dar, in dünnen Schichtungen abgelagert und keine durch mechanische Belastung entstandene echte Schieferung. Daher ist gerade von Schiefer zu sprechen eigentlich falsch. Aber der Name war einprägsam und so blieb er hängen. Die Ölgewinnung aus dem Messeler Ölschiefer hat aber niemanden wirklich reich gemacht. Vor allem für die Gewinnung von Paraffinen und ähnlichen Produkten fand der Abbau Abnehmer, im Grunde ein Nischendasein. Für Öl als echten Treibstoff war die Konkurrenz die meiste Zeit zu groß; während der Weltkriege half der Abbau der eigenen Produktion in Deutschland. Ab den 1960er Jahren bezog Deutschland wie der Rest der Welt sein Öl zunehmend aus anderen, billigeren Quellen: Aus dem Nahen Osten und später auch aus der Nordsee. Der Abbau in Messel wurde so unrentabel, dass er 1971 endgültig eingestellt wurde.

 

Bild 2: Die Grube Messel, hier aufgenommen vom Südrand im Jahre 2010. Inzwischen hat sich die Natur Teile der Grube zurückerobert. Bei genauerem Hinsehen erkennt man kleine graue Kontainer in der Grube verteilt – sie markieren etwa die aktuellen Grabungspunkte, in ihnen lagern Ausrüstungen. Das helle Material am gegenüberliegenden Hang ist die Abraumhalde des nahegelegenen Werkes der Firma Ytong, die Beton herstellt. Quelle: Wikipedia.

 

 

Schon seit Beginn des Abbaus fand man natürlich auch Fossilien in dem Gestein. Den Arbeitern vor Ort fielen natürlich vor allem größere Fundstücke auf, vor allem Krokodilreste, einige Fische und Urpferdchen. Einige dieser Funde wurden bereits vor dem 1. Weltkrieg wissenschaftlich beschrieben. Da aber nur gelegentliche Funde an die Wissenschaft weitergereicht wurden, erkannte man noch nicht das volle Potential der Grube Messel für die Wissenschaft. 1966 und 1967 führte das Hessische Landesmuseum in Darmstadt eine erste systematische Grabung in einem Teil der Grube durch. Dabei erkannten die Wissenschaftler erstmals die bemerkenswerte Erhaltung vieler Fundstücke – feinste Details waren oft erhalten, sogar Weichteilabdrücke als dunkler Schatten, der durch bakterielle Tätigkeit entstanden war. Zugleich war die Konservierung der Funde aber ein Problem: Der Messeler Ölschiefer ist reich an Feuchtigkeit. Einmal an der Luft trocknet er aus, wird spröde, wellt sich und wird schließlich rissig. Irgendwann zerbröseln die Fundstücke einfach. Es mussten erst vernünftige Methoden gefunden werden, um die Fossilien schonend zu härten und zu konservieren. Das merkten auch schnell die Privatsammler, die ab 1971 in Scharen in die Grube Messel einfielen. Nachdem der Tagebau eingestellt worden war, duldeten die Behörden die Privatsammler. Dies war für die Forschung ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wurden vermutlich viele wertvolle Fundstücke durch unsachgemäße Behandlung zerstört oder aber versackten in privaten Beständen, die weder für Forschung noch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Andererseits jedoch fanden viele der dabei gemachten Funde ihren Weg zur Wissenschaft, außerdem befeuerten die Amateurpaläontologen das öffentliche Interesse an den großartigen Funden und sie perfektionierten zuvor bereits von Fachleuten angedachte Konservierungsmethoden. Am Ende war das Treiben aber den Behörden und Forschern doch zu unkontrolliert: 1975 wurde der unbefugte Zugang unter Verweis auf Sicherheitsgründe untersagt. Es war auch, aber nicht nur ein Vorwand: In der Grube kann man tatsächlich übel zu Schaden kommen. Aus der Zeit des Tagebaus existieren bis heute in einigen Bereichen kleine Schwelbrände unter der Oberfläche, in die man hineinfallen kann. Mitarbeiter und Praktikanten für die Grabungssaison bekommen bis heute Sicherheitshinweise, bei denen darauf hingewiesen wird, dass man darin „elendiglich verbrennen“ kann (als ehemaliger Praktikant in der Grube Messel habe ich mich von dieser Formulierung selbst überzeugen können).

 

Zugleich drohte für die weitere systematischere Erforschung der Fossillagerstätte aber noch größeres Ungemach: Die hessische Landespolitik wollte den alten Tagebau rekultiviert sehen und diesen dafür verfüllen. Da man kein anderes Füllmaterial hatte, dachte man an eine Füllung mit – Müll. Die Grube Messel sollte eine Mülldeponie werden. Es wurde der „Zweckverband Abfallbeseitigung Grube Messel“ gegründet, der die Grube übernahm. Später wurde daraus der „Zweckverband Abfallbeseitigung Südhessen“. Als Reaktion auf diese Plane starteten verschiedene Museen, vor allem das Landesmuseum in Darmstadt und das Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt, massive Notgrabungen. So viele Fossilien wie irgend möglich sollten gerettet werden, denn inzwischen wussten die Forscher um die einzigartige Erhaltung. Große Steinpakete wurden abgebrochen und dann entlang der Schichtlagen mit Messern durchgespalten. Die Konservierung kleinerer Stücke erfolgte mit Glycerin, welches das Wasser im Gestein ersetzte. Größere Stücke wurden auf eine neue Trägerplatte aus Kunstharz (zuerst Polyesterharze, später und bis heute Epoxidharze) übertragen. Dazu wurde das Fundstück auf der Originalseite anpräpariert, kurz angetrocknet und dann innerhalb eines darum gelegten Rahmens das Kunstharz aufgetragen. Wenn dieses getrocknet war, wurde die Gesteinsplatte umgedreht und das Gestein abgetragen, bis nur noch das Fossil, nun quasi von der Rückseite, auf der neuen Trägerplatte aus Kunstharz zurückblieb. Amateurpaläontologen hatten diese Methode perfektioniert, der Forschung gestattete sie nun das schnelle und relativ unproblematische konservieren zahlreicher Fundstücke in kurzer Zeit. Auch das meiste Material von Pholidocercus hassiacus wurde in diesen wilden, hektischen Zeiten der Notgrabung gefunden. Neben den wissenschaftlichen Ausgräbern gab es auch weiterhin private Sammler, die nunmehr illegal in der Grube aktiv waren. Hier verschwanden viele Funde, aber es wurden auch viele gerettet.

 

Bild 3: Eine typische Grabungsstelle in der Grube Messel. An der Abbruchkante werden Gesteinspakete mit Hammer, Meißel, dem Spaten oder dem Bagger abgetrennt und dann später mit Messern durchgespalten entlang der Schichtgrenzen. Die einzelnen Schichtlagen sind jeweils nur wenige Millimeter bis Zentimeter dick. Quelle: Wikipedia.

 

Bild 4: An jeder Grabungsstelle bildet sich schnell eine solche Abraumhalde mit Schichtplatten, auf denen nichts Interessantes gefunden wurde Quelle: Wikipedia/Fritz Geller-Grimm.

 

Gegen die Mülldeponiepläne formierte sich derweil Widerstand. Vor Ort protestierte eine Bürgerinitiative. Die Forscher aus Senckenberg legten Widerspruch bei allen nur denkbaren Stellen ein. Auf politischer Ebene agierten vor allem die Grünen gegen die Beschlüsse zur Mülldeponie. Es sah aber schlecht aus. 1981 genehmigte das Oberbergamt die Errichtung der Deponie. Kurz darauf begannen die Bauarbeiten. Eine Zugangsstraße wurde angelegt, die noch heute den Hauptzugang zur Grube darstellt. 1984 erreichten die Grünen durch politischen Druck vom SPD-geführten Umweltministerium Hessens einen Baustopp. Dagegen klagte die Betreibergesellschaft der Deponie und gewann. Der Bau ging weiter. 1986, inzwischen war aus der SPD-Regierung eine rot-grüne Landesregierung geworden, versuchte das Umweltministerium wenigstens die Inbetriebnahme auszusetzen. 1987 kam eine Unionsregierung an die Macht und zog die entsprechenden Anträge wieder zurück. Parallel zu diesen politischen Vorgängen gab es verschiedene Gerichtsverfahren zu dieser Frage und buddelten die Wissenschaftler in der Grube weiter gegen das scheinbar unvermeidliche Schicksal an. Was sie nicht wissen konnten: Jeder neue wunderbar erhaltene Fund brachte sie der Erlösung näher. Am Ende half ihnen dann ein Zufall. Die Messeler Bürgerinitiative versuchte es ein letztes Mal mit einem Eilantrag gegen die Inbetriebnahme, unterfüttert durch Gutachten, die die Sicherheit der geplanten Deponie in Zweifel zogen. Das Verwaltungsgericht in Kassel gab, mit Verweis auf mögliche Formfehler im Planfeststellungsverfahren der Deponie, statt! Damit endeten 1987 zunächst doch alle Vorbereitungen zur Inbetriebnahme. 1988 wurde das Urteil dann bestätigt. Allerdings ließ das Gericht eine Revision zu. Diese hätte vor dem Bundesverwaltungsgericht ausgetragen werden müssen. Beim Zweckverband schaute man sich die Zahlen an. 65 Millionen DM (Deutsche Mark) hatte man bereits in das Projekt investiert. Jetzt nochmal bei der Planung und der Sicherheit nachzubessern hätte noch einmal 300 Millionen DM gekostet. Und das hätte nicht einmal den Sieg vor Gericht garantiert. Also wurde der Deponie-Plan fallengelassen.

 

1991 kaufte das Land Hessen die Grube Messel auf, für rund 32,6 Millionen DM. Offiziell wird die Grube von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft betrieben – unter Bergrecht, zum Abbau von Ölschiefer. Der Zweck ist aber nicht die Gewinnung von Öl, sondern das Bergen der Fossilien. Seitdem graben das Forschungsinstitut Senckenberg und das Landesmuseum aus Darmstadt jedes Jahr in der Grube. Nicht mehr in den Mengen wie während der Notgrabungen – man weiß ja nun, dass man alle Zeit der Welt hat. Jetzt gehen die Grabungen systematischer vor. Viele Studenten der Paläontologie nutzen die Chance auf ein Praktikum dort. Bis heute wurden und werden immer neue zum Teil einzigartig erhaltene Funde in Messel gemacht. Die Methoden sind im Wesentlichen die Gleichen, die sich bei den Notgrabungen bewährt haben. Noch immer wird das Gestein mit Messern gespalten und die größeren Fundstücke werden mit Hilfe von Kunstharz konserviert. Die Funde haben der Forschung einzigartige Einblicke in die erdgeschichtliche Periode des Eozäns und die Evolution des Lebens ermöglicht.

 

Die Bedeutung der Grube Messel ist längst international. 1995 erklärte die UNESCO die „Messel Pit Fossil Site“ zum Weltnaturerbe. Damit genießt sie einen besonderen Schutz. Eine touristische Nutzung wurde ebenfalls angedacht und umgesetzt. In der Grube werden angemeldete Führungen durchgeführt. Zu der Besucherplattform am Grubeneingang, von der aus man einen Überblick über die ganze Grube hat, ist seit einigen Jahren auch ein Besucherzentrum hinzugetreten. Dort haben im Übrigen die 55 Einwohner Messels, die als Bürgerinitiative gegen die Deponie geklagt haben, lebenslang freien Eintritt.

 

Entstehung. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen Fundstelle konnte in den letzten 20 Jahren dann auch endlich ausgiebig erforscht und geklärt werden. Ein wenig rätselhaft war schon immer die sehr begrenzte und scharf abgegrenzte Ausdehnung der Ölschiefer-Sedimente in der Grube. Ringsherum finden sich ältere, viel ältere Sandsteine (die ins Perm datiert werden und damit älter als 250 Millionen Jahre sind). Die Grube Messel war offensichtlich zur Zeit der Ölschiefer-Ablagerung ein See, soviel schien schon immer klar. Und zwar ein tiefer See mit gut geschichtetem Wasser. Die tieferen Wasserschichten waren unbewegt und sauerstoffarm. Es gab nur wenige Zuflüsse, weshalb es kaum grobkörnige Sedimente in den See schafften. Am Grund lagerten sich fast nur Tonpartikel und organische Reste ab, die zusammen zum Ölschiefer wurden. Die organischen Bestandtteile umfassten vor allem die Rückstände von Algenblüten in den gut von der Sonne durchschienen und erwärmten oberen Wasserschichten. Diese Bedingungen sind zugleich die Grundlage der fantastischen Erhaltung der Messelfossilien: Waren Tierleichen oder Teile von diesen erst einmal auf den Seegrund abgesunken, wurden sie nicht mehr gestört und zerfielen nicht mehr. Die wenigen anaeroben Bakterien, die sich über die Weichteile hermachten, führten zu einer chemischen Reaktion, die die Weichteile als eine Art dunklen organischen Film auf der Schichtoberfläche nachzeichnet (vereinfacht gesagt). Die Frage warum allerdings gerade auch die Landtiere vor dem Absinken in den See überhaupt starben ist bis heute heiß diskutiert. Viele von ihnen müssen ziemlich genau am oder im See gestorben sein, da es kaum Zuflüsse gab. Zumindest für manche Fälle werden Vergiftungen durch giftige Algen im Seewasser und/oder lokale Sterbeereignisse durch das Austreten vulkanischer Gase diskutiert.

 

Das erklärt aber noch nicht, warum es den See überhaupt gab. Obwohl es in früheren Jahren mal die Theorie gab, es wäre der Einschlagskrater eines Meteoriten gewesen, gilt inzwischen ein vulkanischer Ursprung als sicher. Im Eozän besaß Europa nur wenig Relief: Jahrmillionen lange Erosion hatte die Gebirgsstöcke abgetragen bis zu einer einheitlichen Fläche. Flache Meeresarme ragten in den Kontinent hinein. Zwar lag Europa damals schon etwa auf den heutigen Breitengraden, aber dank eines Klimaoptimums zu jener Zeit war es auch in Europa tropisch warm. Damals lag die weltweite Durchschnittstemperatur bei über 20° Celsius. Zum Vergleich: Heute liegt sie bei etwas über 14° Celsius. Der Untergrund in Europa war aber in Bewegung. Die afrikanische Kontinentalplatte schob kleinere Erdkrustensplitter, die Gebiete wie Spanien und Italien tragen, vor sich her nach Norden und drückte sie nach Europa hinein. Aus dieser Kollision sollten später die Alpen und Pyrenäen hervorgehen. Doch das war noch Zukunftsmusik. Damals im Eozän setzte diese Kollision zunächst den Untergrund Europas unter Spannung und aktivierte dadurch Störungssysteme. Manche Bereiche sanken ab, während andere Bereich im Verhältnis dazu in die Höhe gehoben wurden. Im Raum Darmstadt sank im Westen der nördliche Oberrheingraben ab. Östlich davon hob sich dagegen eine Scholle als Höhenzug empor, der sogenannte Sprendlinger Horst. Dieser stellt die nördliche Fortsetzung des Odenwaldes dar und besteht aus den wesentlich älteren Gesteinen, die die Grube Messel noch heute umgeben. Durch diese tektonische Aktivität kam es nicht nur zu Erdbeben – die Störungen in der Erdkruste ließen auch Magma aufsteigen. An verschiedenen Stellen kam es zu vulkanischer Aktivität. Eine Stelle davon war die heutige Grube Messel. Hier stieg Magma nach oben und traf auf Grundwasser. Dieser Kontakt löste eine Folge heftiger Dampfexplosionen aus, die letztlich einen bis zu 700 m tiefen trichterförmigen Krater mit steilen Wänden in die Erde stanzten. Von den steilen Trichterwänden rutschten Schuttmassen später in die Tiefe des Kraters und verfüllten ihn teilweise. Etwa 300 m blieben jedoch ohne Verfüllung – und dort sammelte sich nun Grund-und Regenwasser und bildete einen sogenannten Maarsee (ähnliche Seen gibt es noch heute in der Eifel, zum Beispiel der Laacher See ist ein solches Maar). Der Messel Maarsee war durch einen niedrigen Wall von Auswurfmaterial gegen Zuflüsse weitestgehend abgeschirmt. Dadurch kam es zu diesen sehr wenig durchmischten Wasserschichten in dem See, mit einer scharfen Trennung in eine durchaus belebte obere Wasserschicht und die tieferen Schichten ohne jeden Sauerstoff, die absolut lebensfeindlich für höhere Organismen waren. Der Maarsee existierte vermutlich etwa eine Million bis anderthalb Millionen Jahre. In dieser Zeit lagerte sich der Ölschiefer ab, bis der See schließlich verlandet war. Spätere Erosion eliminierte den umgebenden Wall und die obersten Seeablagerungen. Übrig blieb das Vorkommen, welches im 19. Jahrhundert entdeckt und seitdem abgebaut wurde.

 

Bild 5: Diese Schemazeichnung verdeutlicht die Entstehung der Fossilienlagerstätte bei Messel. Eine vulkanische Explosion riss einen steilen Krater in älteres Gestein. In dem Krater bildete sich ein See, in dem sich die fossilreichen Schichten unter anoxischen Bedingungen, also ohne Sauerstoff, ablagerten. Quelle: Wikipedia, basierend auf Gruber & Micklich 2007.

 

Neben Fischen, Krokodilen und anderen direkt im Wasser lebenden Arten blieben auch viele Leichen von direkt am und um den See lebenden Arten im See zurück und dadurch erhalten. Das Seeufer war anscheinend mit dichten tropischen Regenwäldern bedeckt, die einen enormen Artenreichtum beherbergten. In diesen Wäldern lebte auch Pholidocercus hassiacus – schauen wir ihn uns also genauer an.

 

Selten. In den 1970er und 1980er Jahren waren Wissenschaftler aus ganz Deutschland damit befasst, die große Zahl von Fossilien, die man seit dem Start der Notgrabungen aus der Grube Messel herausholte, zu sichten und zu beschreiben. Viele neue Arten wurden dabei beschrieben. Eine von ihnen war Pholidocercus hassiacus.

 

Bei der Erstbeschreibung im Jahre 1983 lagen von dieser Art erst fünf der Wissenschaft bekannte Exemplare vor – wenn man bedenkt wie häufig andere Tierarten in der Grube Messel gefunden wurden muss Pholidocercus hassiacus damit als selten gelten. Der Holotyp, also das Referenzexemplar für alle weiteren Vergleiche, war ein fast vollständiges ausgewachsenes Exemplar. Nach der Präparation war die linke Körperseite des Tieres sichtbar. Neben dem reinen Skelett war auch ein eindeutiger Weichteilschatten erkennbar. Lediglich die Schwanzspitze fehlte. Das Stück liegt mit der Nummer HLMD Me 7577 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Bei den anderen Exemplaren handelte es sich um folgende:

 

Ein subadultes (halb ausgewachsenes) Exemplar lag mit einem vollständig erhaltenen Skelett vor und das sowohl auf der eigentlichen Gesteinsplatte wie auf der Gegenplatte. Dies ermöglichte nach der Umbettung bei der Präparation die Sichtbarkeit beider Körperseiten. Dieses Exemplar lagert in Frankfurt/Main im Forschugsinstitut Senckenberg mit der Kennung SMF ME 758a und b.

 

Pholidocercus7577

Bild 6: Das Holotyp-Exemplar von Pholidocercus hassiacus, HLMD Me 7577. Deutlich erkennt man auch den Haarschatte um das Skelett. Quelle: Koenigswald & Storch (Herausgeber) 1998/W. Kumpf (Foto).

 

 

Dort lagert als SMF 81/619 ebenfalls der isolierte Schädel eines fast ausgewachsenen Individuums, ebenfalls auf Platte und Gegenplatte erhalten, wodurch nach der Präparation sowohl das Schädeldach wie der Gaumen freigelegt werden konnten.

 

Zwei weitere Exemplare wurden in den Privatsammlungen Bastelberger und Walther gefunden und wurden dankenswerter Weise der Wissenschaft zugänglich gemacht. Außerdem wurden von beiden Exemplaren Abgüsse für die Sammlung des Forschungsinstituts Senckenberg erstellt. Ein Exemplar davon war ein fast vollständiges subadultes Tier, dessen linke Körperseite sichtbar ist. Das andere Exemplar war von der rechten Körperseite her sichtbar, aber unvollständiger: Der Kopf und große Teile des Brustkorbs fehlen.

 

Auch nach der Originalbeschreibung blieb Pholidocercus hassiacus ein seltener Fund in der Grube Messel. Seitdem wurden nur vier weitere Exemplare gefunden: Das eine Exemplar wurde 2004 von dem Grabungstrupp des Forschungsinstituts Senckenberg gefunden. Das zweite Exemplar wurde 2009 von einem Team des Landesmuseums ausgegraben und nach sorgfältiger Präparation 2012 der Presse vorgestellt. Dieses Exemplar war bis auf eine Beschädigung im mittleren Wirbelsäulenbereich, welche beim Ausgraben durch einen Keil entstand, vollständig. Das dritte Exemplar schließlich wurde in einer weiteren Privatsammlung wiederentdeckt: 2001 erwarb das Hessische Landesmuseum die private Sammlung Behnke, die auch einen etwas zerfallenen Pholidocercus hassiacus umfasste, von dem die Wissenschaft noch keine Ahnung hatte. Ein letztes Exemplar fand schließlich vermutlich schon vor geraumer Zeit seinen Weg ins National Museum of Natural Science in Houston (Texas) (dieses Exemplar wird in den deutschen Publikationen bisher nie erwähnt, nach genauem Studium von Bildmaterial bin ich mir aber sicher, dass es sich um ein eigenes Exemplar, keinen Abguss handelt; wie und wann es nach Houston kam konnte ich zwar nicht herausfinden, aber die Vermutung liegt nahe, dass es über den „grauen Markt“ seinen Weg dorthin fand). Damit bleibt Pholidocercus hassiacus bis heute eine der am seltensten gefundenen Säugerarten in der Grube Messel, mit nur neun bekannten Exemplaren.

 

Bild 7: Das Exemplar von Pholidocercus hassiacus in Houston (Texas). Quelle: Wikipedia.

 

 

Schuppig. Pholidocercus hassiacus weist einige bemerkenswerte Anpassungen auf, das wurde bereits bei den ersten Exemplaren schnell klar. Sehr groß war das Tier nicht. Bei den ausgewachsensten Exemplaren betrug die Kopf-Rumpf-Länge maximal knapp 20 cm. Davon entfielen bis zu 5,5 cm auf den Schädel. Die Schwanzlänge betrug bei den Exemplaren mit vollständig erhaltendem Schwanz nochmal 16 bis 20 cm.

 

Der allgemeine Habitus von Pholidocercus hassiacus ist gedrungen. Der Schädel ist nur mäßig lang und wirkt robust, mit einer nur verhältnismäßig kurzen Schnauze. Auffälligstes Merkmal ist hier ein scharf abgegrenztes Feld aus tiefen Gefäßabdrücken auf dem Nasen-und Stirnbein (Nasale und Frontale). Diese Abdrücke werden als die Spuren einer Hornplatte auf der Kopfoberseite interpretiert, die allerdings bisher nicht direkt nachgewiesen werden konnte (trotz der guten Messeler Erhaltung). In der ursprünglichen Beschreibung wiesen die Erstbeschreiber darauf hin, dass man auch von anderen Tieren solche Gefäßabdrücke auf der Kopfoberseite finde, obwohl keine Hornplatte vorliegt. Allerdings würde es sich bei den Abdrücken dann nicht um ein so scharf umgrenztes Feld handeln. Daher sei das Vorhandensein einer hornigen Platte bei Pholidocercus hassiacus doch sehr wahrscheinlich.

 

Der Hals ist kurz, mit kurzen Halswirbeln, die aber die bei Säugetieren übliche Zahl von 7 besitzen. Der Körper ist gedrungen, mit 11 Rippen, die in der vorderen Körperhälfte den Brustkorb bilden. Die Extremitäten zeichnen sich zunächst dadurch aus, dass die Hinterbeine etwas länger als die Vorderbeine sind. Bei den Vorderbeinen ist das Schulterblatt (Scapula) relativ schwach entwickelt – es ist relativ dünn und besitzt nur eine schwach ausgeprägte Crista scapulae, eine Knochenleiste in der Mitte des Schulterblattes, die als Ansatzpunkt für Muskeln dient. Dieser Eindruck setzt sich beim Oberarmknochen (Humerus) fort, der gestreckt und nur mäßig kräftig ist. So ist die für den Oberarm typische Crista deltoidea ebenfalls nur mäßig stark ausgeprägt – normalerweise deutet auch diese Knochenleiste in starker Ausbildung immer auf eine kräftige Muskulatur. Elle und Speiche (Ulna und Radius) sind nur unwesentlich kürzer als der Humerus. Letztere ist meist nur wenig länger als 3 cm. Das Ellbogengelenk besitzt keine sonderlichen Auffälligkeiten: Von der Ulna geht nur ein nicht sehr langes Olecranon aus, der Knochenvorsprung, der den Ellbogen bildet. Dieser passt in eine kleine Grube an der unteren Hinterseite des Oberarms. Die Ulna besitzt allerdings deutliche seitliche Furchen, die vermutlich von der Beugermuskulatur der Hand herrühren – und dies deutet darauf, dass das Tier doch recht kräftige Vorderpfoten hatte. In der Hand ist die Vorderpfote, also die Hand, mit einer Gesamtlänge von etwas über 2 cm relativ groß im Verhältnis zu der gesamten Vordergliedmaße. Die Mittelhandknochen (Metacarpalia) sind von unterschiedlicher Ausbildung. Das Metacarpale III in der Mitte ist zwar am längsten, aber das Metacarpale V am kräftigsten. Die Endglieder der fünf Finger besitzen eine tiefe Spaltung, ein Hinweis auf lange und kräftige Hornkrallen an den Enden der Finger.

 

Die hinteren Extremitäten sind deutlich länger. Der Oberschenkel (Femur) misst in der Länge bei dem größten bekannten Exemplar 3,8 cm, gefolgt von dem ebenso langen oder manchmal etwas längeren Schienbein (Tibia). Die Hinterpfoten sind auch relativ lang mit über 4 cm. Während die Vorderbeine nur 70 % der Rumpflänge ausmachten, wird diese von der Länge der Hinterbeine sogar etwas übertroffen. Auch die Knochen des Hinterbeins erscheinen kräftiger ausgebildet als die Vorderbeine. Der Oberschenkelknochen ist relativ gerade und besitzt gut ausgebildete Trochanter – so nennt man die Knochenvorsprünge am Oberschenkelknochen, die dem Muskelansatz dienen. Der sogenannte dritte Trochanter (Trochanter tertius) ist besonders kräftig ausgebildet, der wie eine Knochenleiste vom großen Trochanter (Trochanter major), direkt unterhalb der Basis des Oberschenkelkopfes, über eine weite Strecke des Knochenschaftes hinunterläuft. Der Trochanter tertius ist üblicherweise die Ansatzstelle für die Muskulatur, die das Kniegelenk streckt. Ähnliches lässt sich auch beim Schienbein, der Tibia, beobachten. Sie ist im unteren Bereich mit dem Wadenbein (Fibula) verschmolzen. An der Vorderseite besitzt das Schienbein eine segelartige Knochenleiste, ganz ähnlich dem Trochanter tertius beim Oberschenkel, die sich von unterhalb des Kniegelenks bis zur Mitte des Knochens erstreckt. Hier setzte die Muskulatur zum Strecken des Knöchelgelenks an. Die Hinterpfoten gleichen den Vorderpfoten. Auch hier ist der dritte Mittelfußknochen (Metatarsale III) am längsten. Die Endglieder der Zehen besitzen ebenfalls eine tiefe Spaltung, die auf kräftige Krallen aus Horn beim lebenden Tier hindeutet.

 

Der Schwanz von Pholidocercus hassiacus besitzt nun eine ganz besondere Anpassung. Der Schwanz ist ohne weiteres fast eben so lang wie Kopf und Rumpf zusammen. Er besteht aus insgesamt 24 Wirbeln. Ab dem vierten Wirbel sind diese aber verdeckt: markante Hautverknöcherungen bilden eine schuppige Röhre um den Schwanz des Tieres. Erst die Schwanzspitze – die letzten acht Wirbel – sind nicht mehr von der Schuppenröhre umgeben. Dies ist ein für Säugetiere absolut ungewöhnliches Merkmal. Hautverknöcherungen kennt man zwar zum Beispiel auch von Gürteltieren; aber in dieser Form, dass nur der Schwanz davon umhüllt ist, ist sonst nur von der heutigen Nagetiergattung Acomys bekannt. Allerdings gibt es zu Pholidocercus hassiacus deutliche Unterschiede in den Details, denn näher verwandt sind beide nicht – bei den ähnlichen Merkmalen handelt es sich schlicht um Konvergenz. Betrachtet man sich die Schuppen bei Pholidocercus hassiacus näher, so fällt auf, dass sie rechteckig und in Ringen angeordnet sind. Die vorderen Schuppen überdecken dabei stets die hinteren Schuppen etwas. Im Querschnitt sieht man aber zwischen den aufeinanderfolgenden Schuppenreihen stets eine deutliche Lücke – zwischen den Schuppenreihen befand sich dehnbareres Weichgewebe, wodurch der Schwanz relativ flexibel war. Lediglich die Schuppen innerhalb eines Ringes sind manchmal verwachsen und deuten damit an, dass die Ringe an sich relativ starr waren. Im vorderen Schwanzbereich besteht ein Schuppenring aus etwa 15 bis 18 Schuppenplatten. Nach hinten hin nimmt die Zahl mit der Schwanzdicke ab. Die hintersten Schuppenreihen sind weniger deutlich abgegrenzt und die Schuppen werden auch kleiner und dünner. Im Schnitt sind die Schuppen im vorderen Schwanzbereich 2,5 mm breit und bis zu 2 mm lang. Zur Schwanzspitze hin sind sie schmäler und dadurch eher quadratisch. Im Querschnitt sind sie keilförmig, wobei sie zur Schwanzspitze hin ausdünnen. Ihre Basis ist etwas dicker durch drei kleine Höcker, die auf der Oberseite der Schuppen ausgebildet sind. Diese Höcker sind aber nur bei stark gedehnter Schwanzhaut sichtbar, ansonsten unter der vorherigen Schuppe jeweils verborgen. Beim lebenden Tier waren die Knochenschuppen wahrscheinlich von einer Hornschicht bedeckt.

 

Diese außergewöhnliche Anpassung der Knochenschuppen wird noch ergänzt durch die besondere Ausbildung des Fells. Schon beim Holotypus HLMD Me 7577 war der schwärzliche Schatten des Fells erhalten geblieben. Er offenbarte lange, vermutlich relativ steife Borsten, die den Körper einhüllten. Vermutlich hatten sie ebenso wie der schuppige Schwanz eine Funktion bei der Verteidigung. Diesen Punkt werde ich weiter unten noch einmal näher diskutieren. Zunächst müssen wir uns noch einen weiteren Teil der Anatomie ansehen: Das Gebiss.

 

Schuppen

Bild 8: Die Zeichnungen zeigen Details der Schuppenrüstung des Schwanzes von Pholidocercus hassiacus. 26: Überlappende Schuppenringe im Ruhezustand. 27: Die Schuppen bei gespannter Schwanzhaut, man erkennt die drei Erhebungen an der Basis der Schuppen. 28: Die überlappenden Schuppen im Querschnitt. Der Pfeil zeigt jeweils an, in welcher Richtung die Schwanzspitze liegt. Quelle: Koenigswald & Storch 1983.

 

Das Gebiss. Wie bei anderen Säugetieren auch ist das Gebiss bei Pholidocercus hassiacus eine wichtige Informationsquelle. Daher lohnt sich hier ein kurzer näherer Blick. Details des Gebisses zu untersuchen ist bei Fossilien aus der Grube Messel häufig relativ schwierig: Die Tiere sind häufig nur von einer Seite sichtbar und zu untersuchen, wodurch ein dreidimensionales Verständnis der Zahnmorphologie häufig eingeschränkt ist. Im Falle von Pholidocercus hassiacus konnten zum Glück aber auch einige Zähne gesondert freipräpariert werden und bei einem Teil der Exemplare waren die Zähne so orientiert, dass die Kauflächen auch so sichtbar waren.

 

Als ein wirklich basales Merkmal für einen Vertreter der Plazentatiere (Placentalia) besitzt Pholidocercus hassiacus noch die ursprüngliche Zahnformel dieser Gruppe ohne Reduzierungen: In jedem Kieferast, sowohl im Ober-wie im Unterkiefer, sitzen 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 4 Prämolaren und 3 echte Backenzähne (Molaren). Die Zähne bilden eine mehr oder weniger durchgehende Zahnreihe, ohne die bei vielen Säugetieren so typische Lücke zwischen den vorderen und den hinteren Zähnen – das sogenannte Diastema. Die Aufgabenteilung der einzelnen Zähne ist daher hier nur anhand ihrer Morphologie ersichtlich.

 

Die Schneidezähne sind sehr gleichförmige, spatelförmige Zähne mit schrägen Abriebflächen. Vor allem der vorderste Schneidezahn ist besonders kräftig. Diese Zähne dienen lediglich dem Packen und Abreißen von Nahrungspartikeln. Die Eckzähne sind ebenfalls kräftig ausgebildet, vor allem die oberen. Sie sind konisch und gerade, wirken dabei relativ plump. Grundsätzlich vermitteln sie von der Form her zwischen den Schneidezähnen und den Prämolaren, sie helfen beim Halten der Nahrung. Im Oberkiefer sind die ersten drei Prämolaren mehr oder weniger dreieckige Zähne mit einer scharfen hinteren Schneidekante. Im Unterkiefer sind die ersten drei Prämolaren in ihrer Form sehr ähnlich dem vorgelagerten Schneidezahn und vor allem der erste Prämolar ist hier sehr kräftig und groß. Sie sind mit kräftigen Wurzeln im Kiefer verankert und im Oberkiefer nimmt die Zahl der Wurzeln pro Prämolar von vorne nach hinten von eins zu drei zu. Die vierten Prämolaren, sowohl im Ober-wie im Unterkiefer, haben dann eine deutlich andere Morphologie: Sie erinnern bereits stärker an die eigentlichen Backenzähne (Molaren) mit ausgeprägter Höckerbildung. Dabei ist jeweils ein Höcker dominierend: Beim unteren vierten Prämolar ist es der vorne gelegene Protoconid, der als ausgeprägter spitzer Höcker über der ersten Wurzel sitzt. Beim oberen vierten Prämolar ist es der hinten gelegene Paracon, der geradezu aufgebläht wirkt. Beide Prämolaren greifen durch dieses Arrangement ineinander, dazu da, Nahrung zu zerteilen. Die Molaren besitzen alle ein deutliches Höckerrelief, ein Erscheinungsbild, welches als bunodont bezeichnet wird. Im Oberkiefer sind die Molaren niedrig und länglich. Die ersten beiden Molaren haben dabei eine etwa rechteckige Kaufläche mit vier Haupthöckern. Der hinterste Molar hingegen ist kürzer und besitzt eine eher grob dreieckige Kaufläche; der Grund dafür ist die Reduktion des hintersten Höckers, des Hypocons. Die unteren Molaren sind etwas höher als die oberen Molaren und die Größenunterschiede zwischen dem vorderen und den hinteren Molaren sind geringer. Der vordere Teil der unteren Molaren, der sogenannte Trigonid mit drei großen Höckern, ist höher als der hintere Teil, der Talonid, mit seinen eine Mulde umgebenden Höckern. Dafür ist der Talonid breiter. Die Höckerstrukturen der Molaren greifen so ineinander, dass sie gut zum weiteren Zermalmen von Nahrungspartikeln geeignet sind. Bunodonte Gebisse sind zwar wenig spezialisiert, aber gerade für diese schlichte Kaufunktion hervorragend geeignet.

 

Da von Pholidocercus hassiacus nicht nur voll ausgewachsene Exemplare vorliegen, sondern auch jüngere, nur halb ausgewachsene Individuen, gibt es auch Erkenntnisse über den Zahnwechsel bei dieser Art. Denn wie alle Säugetiere besaß auch Pholidocercus hassiacus als Jungtier ein Milchgebiss. Dieses ist bei manchen subadulten Exemplaren in Teilen erhalten, weil die Zähne noch nicht gewechselt wurden. Zugleich konnten Röntgenaufnahmen der Kiefer weiteren Aufschluss darüber geben, in welchem Stadium sich die durchbrechenden bleibenden Zähne befanden. Dadurch ließ sich der Ablauf des Zahnwechsels rekonstruieren. Wie bei allen Säugern bestand das Milchgebiss nur aus Schneidezähnen, Eckzähnen und Prämolaren – die Molaren brechen erst während des Wachstums durch, wenn der Kiefer mehr Platz hat. Die Milchzähne werden dagegen nach und nach gewechselt. Bei Pholidocercus hassiacus wurde zuerst der untere dritte Schneidezahn gewechselt, gefolgt von seinem Gegenstück im Oberkiefer. Danach werden, zumindest im Oberkiefer, zunächst der zweite, dritte und vierte Prämolar gewechselt. Erst wenn dies abgeschlossen ist, springt der Prozess wieder nach vorne und die ersten beiden Schneidezähne und der Eckzahn werden ausgewechselt. Möglicherweise lief die Reihenfolge im Unterkiefer ähnlich ab, doch in diesem ist sie weniger gut belegt. Die ersten Prämolaren bleiben auf jeden Fall sowohl im Ober-wie im Unterkiefer erhalten und werden nicht gewechselt – eine kleine Besonderheit. Interessant sind auch die Unterschiede zwischen den Milchzähnen und ihren dauerhaften Nachfolgern: Die Schneidezähne und die Eckzähne sind im Milchgebiss deutlich zierlicher. Die Milch-Prämolaren haben zum Teil ein stärker ausgeprägtes Relief als die entsprechenden Dauerzähne. Die morphologischen Unterschiede gehen sogar soweit, dass zum Beispiel der obere zweite Prämolar im Milchgebiss der niedrigste Zahn in der Reihe ist – als Dauerzahn jedoch ist er höher als seine beiden Nachbarn. Inwieweit diese Unterschiede Auswirkungen in der Kaumechanik hatten, muss bislang offen bleiben.

 

Schädel2

Bild 9: Detailaufnahme des Schädels des Holotyps von Pholidocercus hassiacus , HLMD Me 7577. Quelle: MacPhee et al. 1988 (Foto: v.Koenigswald).

 

Schädel

Bild 10: Detailzeichnung des Schädel von HLMD Me 7577. Gut erkennt man das Gebiss. Quelle: Koenigswald & Storch 1983.

 

Lebensweise. Was sagt einem die zu erkennende Anatomie nun über die Lebensweise von Pholidocercus hassiacus? Da muss man sich in der Tat herantasten, da das Körperskelett relativ wenige besondere Spezialisierungen aufweist – in vielerlei Hinsicht war diese Art immer noch Generalist. Und das gilt auch für die Zähne, da bunodonte Gebisse meist für eine sehr vielseitige Ernährung ausgelegt sind.

 

Betrachten wir zuerst die Fortbewegungsweise von Pholidocercus hassiacus. Die Längenverhältnisse der Beine (kürzere Vorderbeine, die Längenverhältnisse zwischen den einzelnen Beinabschnitten) erinnern an heutige Spitzhörnchen (Tupaia), eine Gattung von entfernten Verwandten der Primaten in Südostasien. Diese leben in Bäumen und springen gekonnt von Ast zu Ast. Die kräftigen Trochanter am Oberschenkelknochen von Pholidocercus hassiacus zum Beispiel lassen auch an eine kräftige Muskulatur denken, die Sprünge ermöglicht haben mag. Allerdings zeigen die Hände und Füße bei Pholidocercus hassiacus keinerlei Anpassungen an eine baumbewohnende Lebensweise. Das Tier hat ziemlich sicher am Boden gelebt. Für eine zweibeinige Lebensweise ist der Längenunterschied der Beine wiederum nicht ausgeprägt genug. Wahrscheinlich war Pholidocercus hassiacus ein schlichter bodenbewohnender Vierbeine, der im Fall des Falles – etwa um eine Beute zu erlegen oder für eine Flucht vor Feinden – über eine gewisse Sprungfähigkeit verfügte. Einzelne kurze Sprünge am Boden waren mit der kräftigen Hinterbeinmuskulatur allemal drin.

 

Bei der Rekonstruktion des Speiseplans von Pholidocercus hassiacus halfen glücklicherweise Überreste des Mageninhalts, die bei drei der gefundenen Exemplare erhalten geblieben sind. Bei zwei Fundstücken fanden sich Pflanzenreste, vor allem Blattreste, vermengt mit Sand und kleinsten Chitinfragmenten von Insekten. Das dritte Individuum hatte bei seinem Tod vor allem Insekten und ein paar Früchte im Magen. Dies ergibt das Bild eines Omnivoren (Allesfresser), der eine breite Palette an Nahrungsressourcen nutzte: Blätter, Früchte und Insekten. Der Sand deutet einmal mehr auf die bodengebundene Lebensweise hin – die Nahrung wurde offensichtlich am Boden gesucht, gejagt und aufgenommen. Allerdings wohl nicht ausgegraben: Die Vorderbeine und auch die Vorderpfoten zeigen keinerlei Anpassungen an eine richtiggehende Grabtätigkeit. Die vermuteten kräftigen Krallen werden vermutlich eher ein oberflächliches Scharren gestattet haben – etwa in der Laubstreu des tropischen Regenwaldes, um Käfer aufzustöbern oder heruntergefallene Früchte freizulegen. Mit dieser Ernährungsweise stimmt auch gut das bunodonte Gebiss überein, welches man bei vielen Allesfressern auch unter den heutigen Säugetieren findet. Die relativ breiten, höckerigen Molaren sind gut zum zermahlen sehr verschiedener Nahrungssubstanzen geeignet.

 

Ganz andere Fragen werfen andere Anpassungen des Pholidocercus hassiacus auf: Das borstenartige Fell auf dem Rücken, die Schuppenröhre um den Schwanz und die vermutete Hornkappe auf dem Kopf. Die Vermutung, dass diese Merkmale eine Rolle bei der Feindabwehr spielten durfte durchaus zutreffend sein – zumindest im Groben. Ein borstenartiges Körperfell als Schutz kennt man auch von heutigen Kleinsäugern und solche Borsten können als Vorstufe zu Stacheln angesehen werden wie sie die heutigen Igel oder Stachelschweine entwickelt haben. Natürlich ist der Schutz solche Borsten (die ja eben noch keine Stacheln sind) begrenzt. Ähnlich ist es mit der vermuteten Hornlage auf der Kopfoberseite: Der schützende Effekt ist sicherlich gegeben, hat aber auch seine Grenze. Das große Rätsel bleibt aber der schuppige Schwanz. Die mit Horn überzogenen knöchernen Schuppen waren sicherlich eine gute leichte, dabei aber auch flexible Panzerung. Nur schützten sie ausgerechnet nur den Schwanz – nicht gerade der lebenswichtigste Teil des Körpers. Der genaue Vorteil dieses Schutzes ist nicht ganz klar. Bei der heutigen Nagergattung Acomys gibt es entfernt ähnliche Schuppen um ihren Schwanz. Diese bilden eine Röhre, die sich ablöst, wenn ein Fressfeind den Schwanz packt. Dieser hat dann nur die schuppige Haut im Maul, während das Nagetier davonkommt – zwar mit entblößtem Schwanz, aber das wächst alles wieder nach. Aber wie übertragbar ist das auf Pholidocercus hassiacus? Darauf, dass sich bei ihm die Schuppenpanzerung ablösen und neubilden konnte, gibt es keinerlei Hinweis. Die genaue Rolle, die dieser gepanzerte Schwanz bei der Verteidigung spielte bleibt in der Tat vorerst im Dunkeln. Man kann sich aber sicher sein, dass dieses Tier sich nicht auf seine Abwehrmechanismen allein verlassen konnte, sondern mit diesen vor allem Zeit erkaufte – eben jene Sekunden, die es braucht, um sich anschließend aus dem Staub zu machen.

 

Lifereconstruction

Bild 11: Eine Lebendrekonstruktion von Pholidocercus hassiacus. Quelle: Koenigswald & Storch 1983 (Zeichnung: A. Helfricht).

 

Ob sich weitere Geheimnisse um die Lebensweise von Pholidocercus hassiacus lüften lassen wird letzten Endes von neuen Funden abhängen. Sowohl das Forschungsinstitut Senckenberg wie auch das Hessische Landesmuseum setzen glücklicherweise ihre Grabungsaktivitäten in der Grube Messel fort – und mit etwas Glück finden die Ausgräber dabei weitere Exemplare dieser Art.

 

 

Literatur.

 

Gruber, G. & Micklich, N. (Herausgeber). 2007. Messel. Schätze der Urzeit. Primus-Verlag.

 

Hooker, J.J. & Russell, D.E. 2012. Early Palaeogene Louisinidae (Macroscelidea, Mammalia), their relationships and north European diversity, - Zoological Journal of the Linnean Society 164: 856-936.

 

Koenigswald, W.v. & Storch, G. 1983. Pholidocercus hassiacus, ein Amphilemuride aus dem Eozän der „Grube Messel“ bei Darmstadt (Mammalia, Lipotyphla). – Senckenbergiana lethaea 64: 447-495.

 

Koenigswald, W.v. & Storch, G. (Herausgeber). 1998. Messel Ein Pompeji der Paläontologie. Jan Thorbecke Verlag.

 

MacPhee, R.D.E., Novacek, M.J. & Storch, G. 1988. Basicranial Morphology of Early Tertiary Erinaceomorphs and the Origin of Primates. – American Museum Novitates 2921: 1-42.

 

Mouchaty, S.K., Gullberg, A., Janke, A. & Arnason, U. 2000. The phylogenetic position of the Talpidae within Eutheria based on analysis of complete mitochondrial sequences. – Molecular Biology and Evolution 17: 60-67.

 

Nikaido, M., Cao, Y., Harada, M., Okada, N. & Hasegawa, M. 2003. Mitochondrial phylogeny of hedgehogs and monophyly of Eulipotyphla. – Molecular Phylogenetics and Evolution 28: 276-284.

 

Richter, G. 1987. Untersuchungen zur Ernährung eozäner Säuger aus der Fossilfundstätte Messel bei Darmstadt. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg 91: 1-33.

 

Storch, G. & Richter, G. 1994. Zur Paläobiologie der Messeler Igel. – Natur und Museum 124: 81-90.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Pholidocercus

http://www.mein-suedhessen.de/griesheim/aktuell/herausragender-fund-in-der-grube-messel-ein-neuer-schuppenschwanz-in-der-sammlung-des-hlmd-d16407.html